Tanzmehr Bühne – nationales Community Dance Festival

Vom 25. bis 28. Oktober  findet die zweite nationalen Ausgabe von «Tanzmehr Bühne mit*ein*ander*es Tanzfestival» im Kulturmarkt Zürich statt. Das «Mitmach-Wochenende» am 21. & 22. Oktober bietet Gelegenheit zum gemeinsamen Tanz und Austausch. Ziel dieses einzigartigen Community Dance Festivals ist es, kulturelle Teilhabe an Bühnentanzstücken für mehr Menschen zu ermöglichen.

Eine Bühne für Körper aller Art – Aufführungen 25. – 28. Oktober 2023

Auf dem Aufführungsprogramm des Tanzmehr Bühne Festivals stehen 16 Stücke an vier Abenden. Unterschiedlichste Menschen – von jung bis alt, mit Behinderung und ohne – zeigen auf der Tanzmehr Bühne im Kulturmarkt Zürich ihre Geschichten, ihre individuellen Bewegungsformen und ihr künstlerisches Können. Die Tanzstile sind dabei so vielfältig wie die Körper der Tanzenden: Instant Composition, Tanztheater, Zeitgenössischer Tanz, Urbaner Tanz oder Flamenco, zum Teil begleitet von Live Musik. Alle gezeigten Stücke wurden von professionellen Choreograf*innen im gemeinsamen künstlerischen Prozess mit nicht-professionell ausgebildeten Tänzer*innen erarbeitet. Diese Form des Tanzschaffens nennen wir «Künstlerischen Community Dance».

Die Schweiz hat Nachholbedarf

In England, Deutschland und Österreich sind Community Dance Projekte selbstverständlich auf den Tanz- Bühnen vertreten. In der Schweiz besteht jedoch grosser Nachholbedarf – sowohl in der Förderung als auch der Programmierung solcher Projekte.

Mit einer biennalen Durchführung des Tanzmehr Bühne Festivals seit 2021 und mit kulturpolitischen Aktionen in den Zwischenjahren setzen wir uns für mehr Inklusion und Diversität im Kulturfeld Tanz ein, für eine Enthierarchisierung von professionellen Tanz- und Alltagskörpern sowie für tanzästhetische Vielfalt.

Im Herbst 2022 wurde dazu vom Tanzmehr Bühne Team in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Tanzvermittlung Schweiz ein Manifest für den Künstlerischen Community Dance verfasst. Es wurde bisher von über sechzig Schweizer Tanzvermittler*innen unterschrieben und an alle öffentlichen Tanzförderstellen der Schweiz verschickt, um sie für die Thematik zu sensibilisieren.

Tanz erleben – am Mitmach-Wochenende 21. + 22. Oktober vor der Aufführungswoche erhalten Tanzschaffende und bewegungsfreudige Menschen, unabhängig von ihrer tänzerischen Vorerfahrung, die Gelegenheit zum Austauschen, gemeinsamen Tanzen und Diskutieren zu aktuellen Themen rund um den künstlerischen Community Dance. Das Mitmach-Wochenende zum Tanzmehr Bühne Festival 2023 findet in der Helferei und dem Tanzhaus Zürich statt. Es ist kostenlos und barrierearm zugänglich. Eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen zum Tanzmehr Bühne Festival sind auf Deutsch, Englisch und Französisch hier zu finden. Hier gibts Tickets (keine Abendkasse)

Hier ein kleiner Sneakpeak:

3800 Bewerbungen für 28 Ensemble-Plätze

Cathy Marston stellt in ihrem Einstand am Opernhaus das Ensemble neu auf. Der Wechsel der Direktorin zeigt exemplarisch den Druck, unter dem Tänzer*innen in ihrer Karriere stehen.

3800 internationale Top-Tänzeri*nnen hatten sich beim Opernhaus Zürich Opernhaus für einen Platz im neu aufgestellten Ensemble beworben, wie der Tagesanzeiger berichtet. Das sind mehr als 100 pro zu besetzendem Platz. 300 durften zum Vortanzen kommen, 28 haben es schliesslich geschafft: 19 für die Hauptcompany, 9 im Junior Ballett. Ensemble und Nachwuchscompany zusammengezählt, umfasst das Zürcher Ballett wie zuvor 50 Bühnentänzerinnen und -tänzer: 25 Frauen und 25 Männer.

Cathy Marston hat die Direktion am Opernhaus übernommen.

Beim Wechsel einer künstlerischen Leitung verlieren auch Tänzer*innen den Job, wenn sie nicht das Glück haben, mit dem verabschiedenden Direktor mitgehen zu dürfen. Jan Casier, Matthew Knight, Michelle Willems, Rafaelle Queiroz und weitere sind Christian Spuck ans Staatsballett Berlin gefolgt. Andere, wie die langjährige Solistin Katja Wünsche, die 2012 zusammen mit Spuck aus Stuttgart nach Zürich gekommen war, haben ihre aktive Bühnenkarriere beendet.

System behandelt Tänzer*innen wie Ware

Der Wechsel am Opernhaus zeigt exemplarisch, wie sehr Tänzer*innen unter Druck stehen. Das System „Ballett“, das in dieser Form noch aus den 1950er Jahren mitgeschleppt wurde, sieht Künstler*innen als Ressource. Es gibt genug davon. Das führt zu einem krassen Wettbewerb, der sich in Form und Qualität auch toxisch auf die Ausbildung auswirkt. Wenige Solist*innen können es sich in ihrer Karriere leisten, quer durch die Welt zu ziehen und dabei vielleicht auch noch eine Familie zu gründen. Sie haben das Rampenlicht, die anderen, ebenfalls bestens ausgebildeten Tänzer*innen, kämpfen um jede Anstellung.

Aus Verbandssicht ist es auch sehr schwer, diese international um Stellen konkurrierenden Künstler*innen zu vertreten. Die Angst, keine Anstellung mehr zu bekommen, wenn man sich kritisch äussert oder sich für bessere Bedingungen einsetzt, ist immens, wie eine Umfrage von SzeneSchweiz Anfang dieses Jahres ans Licht brachte.

Die hierarchischen Strukturen und die ungleiche Gewichtung der künstlerischen Leistung zwischen Direktion und Ensemble müssen überdacht werden. Tänzer*innen sind keine Knetmasse, aus der man einfach ein Kunstwerk formen kann. Sie sind Profis, die, wie alle anderen, ein sicheres und planbares Arbeitsumfeld verdient haben.

 

Letzte Plätze: «Wie finanziere ich mein Bühnenprojekt?»!

Nur für Mitglieder: Workshop «Projekteingabe und Budgetierung» am Montag, 30. Oktober 2023, die Teilnahme ist kostenlos.

Wer Theater- oder Tanzprojekte realisieren möchte, steht im Dialog mit Kulturförderinstitutionen. Ein überzeugendes Projektdossier mit Finanzierungsplan und Budget ist dafür unerlässlich. Unser Workshop behandelt folgende Fragen:

  • Was soll in der Projekteingabe stehen? Und wie?
  • Was gehört zu einem überzeugenden Budget inkl. Finanzierungsplan?
  • Wie müssen Projektinhalt und Budget aufeinander abgestimmt sein?
  • Worauf achten potenzielle Geldgeber*innen besonders stark?

Der Workshop richtet sich an die freischaffenden SzeneSchweiz-Mitglieder mit wenig Erfahrung in der Projekteingabe. Der Workshopleiter Mathias Bremgartner ist Co-Leiter Förderung Kultur beim Migros-Genossenschafts-Bund in Zürich und leitet zudem m2act, das Förder- und Netzwerkprojekt des Migros-Kulturprozent für die Darstellenden Künste. Mathias ist promovierter Theaterwissenschaftler und war von 2004 bis 2015 als freischaffender Dramaturg und Produktionsleiter in der Schweizer Theaterszene und von 2012 bis 2015 als Mitglied der Theater- und Tanzkommission der Stadt Bern tätig.

Datum: Montag, 30. Oktober 2023

Maximal 15 Teilnehmende.
Uhrzeit: 10:15 h bis max.16:30 h (inkl. kurzer Stehlunch)
Ort: Kasernenstrasse 23, 8004 Zürich, SIG-Mehrzweckraum (Eingang im Hof)
Kosten: Übernimmt SzeneSchweiz

Anmeldung bis 25. Oktober 2023: info@szeneschweiz.ch

D | I Teatro Valicante „Immortalia – Oltre l’uomo“

Traduzione italiana qui sotto

“Unsterblich – Jenseits des Menschen“ – ein Theaterstück, einzigartig in seiner Thematik und den aktuellen Fragen, die sich spontan stellen, nämlich: Was sind wir bereit, für den Fortschritt zu opfern? Die heilige Natur des Menschen? Sind wir wirklich bereit, im Namen der technologischen Entwicklung zu Cybors zu werden? Kurz gesagt, das ist es, was die beiden Protagonisten, Michele Rezzonico, Ettore Chiummo und Davide Labancas Regie sehr prägnant auf die Bühne gebracht haben.

Ihre  Wortwahl, ihre  klaren und deutlichen Stimmen, ihre lässigen Bewegungen als gute Tänzer, bewiesen ihr Bühnenkönnen und ihre Überzeugungskraft. Ihre Inszenierung ist prägnant, einfach, aber sehr effektiv, obwohl das Thema schwierig und kompliziert zu erklären sein könnte. Zwei unabhängige Künstler aus der Szene der italienischen Schweiz, beide Absolventen der Accademia Teatro Dimitri, haben beschlossen, gemeinsam eine Show zu kreieren, die die Gefahr beleuchtet, den Menschen durch „Gott“ ersetzen zu wollen; die Gefahr, die Kontrolle über die Technologie zu verlieren, die den Menschen zum Sklaven macht, anstatt ihm zu dienen. Gekonnt haben sie das Stück unterhaltsam gestaltet, trotz der Dramatik, dass diese Realität wahr werden könnte, wenn wir uns nicht dazu entschließen, „heilige Menschen“ zu sein.

Interview von Manuela Rigo mit Ettore Chiummo, Schauspieler und  Performer

Wie wurdest du Künstler und warum im Tessin?

Meine Eltern waren Opernsänger und unterrichten heute in Florenz, wo ich auch lebe, abwechselnd mit meinem Wohnsitz im Tessin. Ich wurde in Pescara geboren und zog dann mit meiner Familie nach Florenz, wo ich das Liceo Classico besuchte. In der Zwischenzeit pflegte ich meine Leidenschaft für die Musik und lernte Kontrabass und später E-Bass zu spielen. Außerdem belegte ich nach Abschluss meines Studiums im Jahr 2015 Tanzkurse und besuchte verschiedene Choreografie-Workshops in ganz Norditalien.

Damals spürte ich tief in meinem Herzen, dass mein Weg in den Bereich der Kunst führen würde, und nach bestandenem Vorsprechen wurde ich 2016 an der  Accademia Dimitri in Verscio aufgenommen, wo ich 2019 meine Bühnenausbildung abgeschlossen habe, und darum bin ich im Tessin.

Was hat dich dazu bewogen, die Accademia Dimitri zu besuchen?

Nach dem Besuch von Choreographie Workshops auf der ganzen italienischen Halbinsel wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, an der Accademia Dimitri vorzusprechen, zumal ich schon vorher beschlossen hatte, dass mein Weg auf die Theaterbühne führen würde.

Damals spürte ich tief in meinem Herzen, dass mein Weg in den Bereich der Kunst führen würde, und nach bestandenem Vorsprechen wurde ich 2016 an der  Accademia Dimitri in Verscio aufgenommen, wo ich 2019 meine Bühnenausbildung abgeschlossen habe, und darum bin ich im Tessin.

Welche Erfahrung an der Accademia Dimitri hat dich als Künstler reifen lassen?

In dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit, Maestro Claudio De Maglio von der Accademia di Arte Drammatica ‚Nico Pepe‘ in Udine (Italien) kennenzulernen. Nach meinem Abschluss an der Accademia Dimitri folgte ich dem Maestro an die Accademia ‚Nico Pepe‘ und nahm bis 2020 an seinen Lehrveranstaltungen teil, zunächst  vor Ort anwesend  und dann wegen der Covid-19 Krise aus der Ferne.

Ich hatte das Bedürfnis, aus den vier Wänden meines Hauses rauszugehen, und so begann ich, meine Freunde, Künstler*innen und Künstler*innenkollegen zu kontaktieren, mit denen ich eine kognitive Affinität verspüre.

Die Entstehung des Stücks „Immortalia – Oltre l’uomo“ fiel also in die lange Zeit des Lockdowns, ist das richtig?

Ja, absolut! Ich hatte das Bedürfnis, aus den vier Wänden meines Hauses rauszugehen, und so begann ich, meine Freunde, Künstler*innen und Künstler*innenkollegen zu kontaktieren, mit denen ich eine kognitive Affinität verspüre. Es entstanden sofort konstruktive Kontakte zu den beiden Absolventen der Accademia Dimitri: Michele Rezzonico, Schauspieler, und David Labanca, Regisseur des Stücks und wichtige externe und objektive Figur.

„Ist „Immortalia – Oltre l’uomo“ das Ergebnis  eurer gemeinsamen Arbeit?

Nein, und das möchte ich klarstellen. Dies ist die Masterarbeit, die Michele Rezzonico für sein letztes Studienjahr an der Accademia Dimitri im Jahr 2019 erstellt hat, als niemand auch nur im Entferntesten an das Thema dachte. Das Stück „Immortalia –  Oltre l’uomo“ ist sehr zeitgemäß und regt in der heutigen Zeit sehr zum Nachdenken an.


„Immortalia – Oltre l’uomo“ – Una pièce teatrale unica nel suo genere per l’argomento trattato e le attuali domande che emergono spontanee ovvero: cosa siamo disposti a sacrificare per il progresso? La Natura sacra dell‘ „uomo“? In nome dello sviluppo tecnologico siamo davvero disposti a diventare degli uomini cybors? In sintesi  è ciò che con molta incidenza i due protagonisti, Michele Rezzonico, Ettore Chiummo e la regia di Davide Labanca hanno sapientemente portato in scena.

La loro dizione, la loro vocalità ben intonata e schietta, la loro mobilità disinvolta sul palco quali buoni danzatori, hanno dato prova delle loro competenze sceniche e delle loro capacità di convincimento; la loro produzione è stata sintetica, semplice ma molto efficace, nonostante il tema potesse risultare difficile e complicato da esporre. Due artisti indipendenti della scena italo-svizzera, entrambi diplomati all’Accademia Teatro Dimitri che hanno deciso di creare insieme uno spettacolo che ha fatto luce sul pericolo di voler sostituire „l’uomo a dio“. Far luce sul pericolo di perdere il controllo della tecnologia che invece di servire l’uomo lo renda schiavo. L’essere stati abili, capaci di rendere la pièce divertente nonostante la  drammaticità che questa realtà potrebbe avverarsi se non decidiamo di  voler essere umani sacri.

Intervista da Manuela Rigo ad Ettore Chiummo, attore e performer

Come nasce Ettore come artista e come mai in Ticino?

I miei genitori sono stati dei cantanti lirici ed ora insegnano a Firenze, dove anch’io risiedo alternando il mio domicilio in Ticino. Sono nato a Pescara  e poi trasferito a Firenze con la mia famiglia, dove ho frequentato il Liceo Classico. Nel frattempo coltivo la passione per la musica ed imparo a suonare il contrabbasso per poi passare al basso elettrico. Seguo anche dei corsi di danza e frequento vari laboratori coreografici, dei workshops un pò ovunque nell’Italia del Nord, una volta terminati gli studi, nel 2015.

È allora che sento nel mio profondo che il mio percorso sarà orientato nell’ambito dell’arte e dopo aver superato l’audizione vengo ammesso all’Accademia Dimitri di Verscio nel 2016 dove concludo la mia formazione scenica, nel 2019.  Ecco perché in Ticino.

Cosa ti ha fatto decidere di frequentare l’Accademia Dimitri?

Dopo svariate frequentazioni ai laboratori coreografici, ai workshop un po‘  in tutta la penisola italiana, vengo a conoscenza della possibilità di presentarmi all’Audizione dell’Accademia Dimitri, soprattutto perché avevo precedentemente deciso che la mia strada sarebbe stata sulla scena del teatro; così sono arrivato in Ticino.

È allora che sento nel mio profondo che il mio percorso sarà orientato nell’ambito dell’arte e dopo aver superato l’audizione vengo ammesso all’Accademia Dimitri di Verscio nel 2016 dove concludo la mia formazione scenica, nel 2019.  Ecco perché in Ticino.

Qual’è l’esperienza in Accademia Dimitri che ti ha fatto maturare come artista?

È quando ho avuto l’occasione di conoscere il maestro Claudio De Maglio dell’Accademia di Arte Drammatica „Nico Pepe“ di Udine (Italia); dopo essermi diplomato all’Accademia Dimitri seguo il maestro all’Accademia  „Nico Pepe“ e frequento i suoi insegnamenti fino al 2020, prima in presenza e a causa della crisi sanitaria Covid-19,  in remoto.

Sentivo la necessità di andare oltre le quattro mura domestiche e quindi inizio a contattare i miei amici, artisti e compagni d’arte, con i quali sento di avere un’assonanza cognitiva.

Quindi la creazione della pièce teatrale „Immortalia, Oltre l’Uomo“ nasce durante il lungo periodo di chiusura pandemica, è così?

Assolutamente sì! Sentivo la necessità di andare oltre le quattro mura domestiche e quindi inizio a contattare i miei amici, artisti e compagni d’arte, con i quali sento di avere un’assonanza cognitiva. I contatti con Michele Rezzonico, attore e performer diplomatosi all’Accademia Dimitri e quello di David Labanca, anch’egli diplomatosi all’Accademia Dimitri, quale regista della pièce e importante figura esterna e obiettiva, sono stati immediati e costruttivi.

„Immortalia, Oltre l’Uomo“ è la creazione del vostro lavoro insieme?

No, e ci tengo a precisarlo. È il lavoro di Master che Michele Rezzonico ha prodotto per il suo ultimo anno di studi presso l’Accademia Dimitri, nel 2019, in tempi non sospetti. Dico in tempi non sospetti poiché la pièce „Immortalia, Oltre l’Uomo“ è molto attuale e fa riflettere molto in questo tempo presente.

«Künstliche Intelligenz wird nicht mehr verschwinden»

Niedrige Gagen, künstliche Intelligenz und die Zukunft der Zunft der darstellenden Künste waren die Hauptthemen am jährlichen ZFF-Apéro von SzeneSchweiz und SSFV. Doch die Aussichten sind gar nicht so trübe.

SzeneSchweiz-Präsident Matthias Albold stellte im Podium des Abends seinen zwei Gästen aus zwei unterschiedlichen Generationen Fragen zur Berufsrealität. Andrea Zogg, erfolgreicher Schweizer Schauspieler, der seine Karriere mit Tatort und Jenatsch begann, erzählte von Gagenverandlungen in den 1980ern.

Er empfahl seinen Kolleg*innen, auch mal hart zu bleiben und auf ein Projekt zu verzichten, falls die Produktion die Mindestgagen unterschreite. Im Publikum gabs Zustimmung, aber auch den Hinweis darauf, dass man leider die Miete zahlen müsse. Und dass Hundert andere Schauspieler*innen nur darauf warteten, den Job zu übernehmen, den man ablehne.

Corinne Soland sass als zweite Gäst*in im Podium und sprach über die Zukunft der darstellenden Künste. Corinne ist Schweizer Pionier*in im Bereich Motion Capture und künstliche Intelligenz in Film, Games und interaktiven Storytellingformen. Neben der Umsetzung im Berufsalltag unterrichtet Soland Schauspieler*innen in den neuen Techniken und forscht an der ZHdK im Bereich Schauspiel und Digitalität.

Dieser Zugang zur Thematik war erfrischend offen: Während sich die meisten der Kolleg*innen davor fürchten, von KI und anderen neuen Technologien ersetzt zu werden, versucht Corinne, die Möglichkeiten zu entdecken, die sich Schauspieler*innen mit fortschreitender Technologie eröffnen.

Nach Corinnes Ausführungen war allen im Saal klar: Egal, ob wir uns fürchten oder wehren – die Technologie ist bereits da, und sie wird nicht verschwinden. Im Gegenteil, sie wird täglich potenter und wir müssen uns anpassen, um Wege zu finden, Kreativität und Talent in die neuen Formen zu giessen.

Money, Money, Money ♫♫♫

Nach Ausflügen in die Welt der künstlichen Intelligenz fand die Diskussion aber schnell zu dem Thema zurück, das die Künstler*innen am meisten beschäftigte: Gagen und prekäre Arbeit. Nach der diesjährigen Lohnumfrage von  SzeneSchweiz – und auch nach den früheren Ergebnissen der SSFV-Erhebung – lebt ein Grossteil der Freischaffenden unter prekären Verhältnissen.

Doch die Verbände suchen nach Lösungen. Ursula Häberlin vom SSFV konnte von Erfolgen bei dem Ausarbeiten von Empfehlungen für den Bund berichten. Zum Beispiel, dass keine Halbtagesgagen mehr akzeptiert würden. Oder dass man ein Stufensystem nach Berufserfahrung für die Tagesentschädigungen anstrebe. Während Albold die Fortschritte der europäischen Verbände beleuchtete, strich Häberlin die Verantwortung des Bundes und der Subventionsgeber, keine prekären Arbeitsplätze zu unterstützen, heraus. Insgesamt seien wir auf einem guten Weg.

Beim Publikum war eine gewisse Skepsis zu spüren. Zwar freuten sich die Anwesenden über Fortschritte, zweifelten jedoch, dass die Ergebnisse zeitnah ihren Berufsalltag erreichen würden. Am Ende war man sich einig, dass man einfach weiterkämpfen müsse. Sogar das Wort Streik fiel, wenn auch eher sehnsüchtig, denn als echte Option. Man musste den deutschen Kollegen flüsternd erklären, warum man nicht indirekt gegen die Subventionsgeber streiken kann, und warum in einer föderalen, direkten Demokratie, in der es keinen eigentlichen Markt gibt, am Ende immer der Staat der Arbeitgeber ist.

Für viele Anwesende ergab sich die persönliche Spannung aus der Verwirklichung ihres Berufstraumes – auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen – und dem Anspruch, dafür auch fair entlohnt zu werden. Das romantsiche Cliché, dass Künstler*innen hungern müssten, wenn sie ihren Traum leben wollten, ist nicht ganz aus der Welt zu kriegen.

… und Glamour

Das Thema „Zürich Filmfestival“ schien an diesem Abend gar niemanden zu interessieren. Einzelne Besucher*innen trugen einen Batch des Festivals, gaben aber auf Nachfrage an, dass sie einfach die Filme sehen wollten. Als Branchenanlass war das ZFF verglichen mit Locarno oder Solothurn nie besonders stark. Schon immer war Glamour und Stars, an denen sich Wirtschaft und Politik reiben konnten, Kern des Festivals. Aber man muss zugeben, dass der Promi-Walk auf dem grünen Teppich der Branche etwas Glitzer verleiht, den man in der Schweiz sonst so nicht findet.

 

 

Workshop zum Thema Karrierewechsel und Transition

Am 21. Oktober 2023 veranstaltet das Transition-Center SSUDK zusammen mit Danse Transition einen Speed-Networking Workshop und Runden Tisch für Transition und Karrierewechsel in den Darstellenden Künsten im Rahmen des internationalen Tanzfestivals Bern.

Viele darstellende Künstlerinnen und Künstler können ihren Beruf nicht bis zur ordentlichen Pensionierung ausüben. Sei es aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie den körperlichen Anforderungen im Beruf nicht mehr gewachsen sind.

Insbesondere bei Tänzerinnen und Tänzern ist eine berufliche Umstellung inhärenter Bestandteil ihrer Laufbahn: aufgrund der physischen Anforderungen in ihrem Beruf müssen sie sich mit durchschnittlich 35 Jahren neu orientieren. Einige können sich im angestammten Berufsfeld eine andere Position erarbeiten, vielen bleibt jedoch nichts anderes übrig, als sich umzuschulen.

Im Jahr 2016  wurde das Transition-Center SSUDK ins Leben gerufen, um darstellenden Künstler*innen vor, während und nach der Karriere in der Deutschschweiz, im Tessin und in Liechtenstein zu unterstützen und zu beraten. Dies betrifft insbesondere  Tänzer*innen bei der beruflichen Transition.

Speed-Networking Workshop
Samstag, 21. Oktober 2023 von 14:00 bis 16:00 Uhr
Studio Dampfzentrale Bern

Runder Tisch
Samstag, 21. Oktober 2023 von 16:15 bis 17:15 Uhr
Studio Dampfzentrale Bern

Um Anmeldung, bis 18. Oktober 2023 wird gebeten.

30. Geburtstag Danse Transition

Unsere Partnerorganisation Danse Transition feierte in der vergangenen Woche den 30. Geburtstag in Lausanne. Wir senden auf diesem Wege nochmals herzliche Glückwünsche in die Romandie und möchten uns für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren bedanken. Wir freuen uns auf viele weitere Jahre der erfolgreichen Kooperation auf nationaler Ebene.

Hier die Infos: Workshop & Podiumsdiskussion 

Weitere Workshops von Interesse:

Podium mit Laura Kaehr und Giulia Tonelli

SzeneSchweiz lädt zu einem weiteren Workshop, am 28. Oktober 2023 im LAC Lugano ein. Wir freuen uns sehr, Filmemacherin Laura Kaehr und Special Guest Giulia Tonelli in der Podiumsdiskussion begrüssen zu können.

Siamo lieti di invitarvi a un altro workshop in collaborazione con ScenaSvizzera 28 ottobre 2023 al LAC di Lugano. Siamo lieti di accogliere la regista Laura Kaehr e l’ospite speciale Giulia Tonelli nella tavola rotonda.

Workshop & Podiumsdiskussion
Samstag, 28. Oktober 2023 von 14:00 bis 15:30 Uhr
LAC Lugano

Um Anmeldung bis Mittwoch, 25. Oktober 2023 wird gebeten.

19. Zurich Film Festival

Das 19. Zurich Film Festival findet vom 28. September bis 8. Oktober 2023 statt. Insgesamt werden 148 Filme am Zurich Film Festival gezeigt. Darunter 52 Erstlingswerke und 52 Welt- und Europapremieren – so viele wie noch nie (2022 waren es 38 Welt- und Europapremieren).

19. ZFF IN A NUTSHELL

Das Kino Frame hat sein Pre-Opening am 27. September mit der Weltpremiere
von EARLY BIRDS des Schweizer Regisseurs Michael Steiner.

Die Opening Night findet am 28. September im Kongresshaus Zürich mit der Europapremiere von DREAM SCENARIO von Kristoffer Borgli statt. Dabei werden Bundesratspräsident Alain Berset und Stadtpräsidentin Corine Mauch anwesend sein.

Jessica Chastain wird den Golden Icon Award entgegennehmen.

Die deutsche, international bekannte Schauspielerin Diane Kruger wird ein Goldenes Auge erhalten.

Der amerikanische Meisterregisseur Todd Haynes bekommt einen A Tribute to… Award.

Der oscarprämierte Komponist Volker Bertelmann wird mit dem Career Achievement Award ausgezeichnet.

Der international tätige Schweizer Produzent Michel Merkt wird mit dem Career Achievement Award prämiert.

Der deutsche Leonine Studios Gründer Fred Kogel wird mit dem Game Changer Award geehrt.

Die Award Night, an der unsere Wettbewerbsfilme von einer internationalen Jury ausgezeichnet werden, wird am 7. Oktober im Opernhaus Zürich über die Bühne gehen.


Der in drei Kategorien gegliederte internationale Wettbewerb bildet das Herzstück des Festivals. Im Wettbewerb werden Filme neuer, vielversprechender Filmemacherinnen und Filmemacher präsentiert. Bei allen Wettbewerbsfilmen handelt es sich um die maximal dritte Regiearbeit, mit welchen die Filmschaffenden um das Goldene Auge, den mit CHF 25’000 dotierten Hauptpreis des ZFF,
konkurrieren. Die Gewinnerfilme werden anlässlich der Award Night am 7. Oktober 2023 im Opernhaus Zürich von einer internationalen Jury ausgezeichnet. Alle Filme im Wettbewerb sind auch für den Audience Award nominiert.

Fokus Wettbewerb
Die Nachbarn und wir, aka das Gute liegt so nah! Im Fokus-Wettbewerb geht das Goldene Auge
an den besten Spiel- oder Dokumentarfilm aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Sechs der Filme zeigen wir als Weltpremieren. Zusätzlich wird der mit 10’ 000 CHF dotierte
ökumenische Filmpreis der Zürcher Kirchen in dieser Kategorie vergeben.

Spielfilm Wettbewerb
Eine vielseitige filmische Reise: Im Spielfilm-Wettbewerb entdeckt man die aufregendsten
neuen Stimmen des Kinos der Gegenwart. Hier treten 14 hochkarätige Spielfilme aus aller Welt
gegeneinander an, um das Goldene Auge zu gewinnen.

Dokumentarfilm Wettbewerb
Neugierige Blicke auf unser Leben: Im Dokumentarfilm Wettbewerb präsentieren wir 14
augenöffnende, brandneue Werke von Dokumentarfilmschaffenden der Gegenwart aus der
ganzen Welt.

Daneben finden „ausser Konkurrenz“ Gala Premieren, Special Screenings mit formal innovativen Entdeckungen aus den Bereichen Spiel- und Dokumentarfilm, das Format Hashtag das sich diesjährig dem Thema #Masculinity widmet, Neue Welt Sicht mit neun Filmen die das innovative Kino aus Korea beleuchten, die Sektion Sounds, die die Beziehung vom Film zur Musik in all ihren Facetten feiert, ZFF für Kinder, die Sektion Border Lines präsentiert Filme, die sich mit Menschenrechtsthemen auseinandersetzenmit mit aktivistischen und humanitären Projekten, territorialen und sozialen Spannungen und Konflikten zwischen Individuum und Staat und nicht zu guter Letzt Window to the World, das seine zwei Fenster nach Hongkong und San Sebastiàn öffnet und Einblicke in andere Film-Traditionen und -Kulturen gewährt.

Das Rahmenprogramm bietet das Format ZFF Masters, bei dem in moderierten Gesprächen internationale Grössen aus allen Sparten des Filmgeschäfts zur Sprache kommen und Einblick in ihre Arbeit bieten. Daneben der Cinema in Concert11. Internationale Filmmusikwettbewerb (IFMW). Drei aufstrebende Komponisten konkurrieren um das Goldene Auge für die „Beste Internationale Filmmusik 2023“.

Zürichs neues Premierenkino für Autorenfilme, Dokumentarfilme und ausgewählte Blockbuster Frame bietet ein attraktives Member-Programm für Filmfans aller Altersklassen mit einer gemütlichen Bar und Lounge zum Verweilen oder als Location für ausgewählte Veranstaltungen. Es wird vom gehobenen Mainstreamkino über Arthouse-Filme bis hin zu Dokumentar- und Essayfilmen eine breite Angebotspalette gezeigt. Und selbstverständlich werden Filme aus dem ZFF-Programm später auch im Frame laufen und vom Festival beworben. Der erfahrene und leidenschaftliche Charakter, den unser ZFF-Programmteam an den Tag legt, wird also auch im Kinoprogramm spürbar sein. Zudem soll das Frame zum Kino für die ganze Familie werden, weshalb auch Anlässe für Kinder und Jugendliche geplant sind.

Netzwerk-Apéro am Zürich Film Festival

Am Samstag, 30. September findet im Rahmen des Zurich Film Festivals die Veranstaltung des traditionellen Netzwerk-Apéros zusammen mit dem SSFV statt. Dazu sind alle Mitglieder und Interessierte eingeladen.

 Wann: Samstag, 30. September 2023, 17:00 Uhr

WoTibits Bistro, Falkenstrasse 12, 8008 Zürich

Programm: SzeneSchweiz-Präsident Matthias Albold moderiert das Podiumsgespräch mit den Gästen Corinne Soland und Andrea Zogg.Diskutiert werden die Themen „Faire Löhne in den Darstellenden Künsten“ und „Wie Künstliche Intelligenz in unsere Berufsfelder eindringt“.

Beim anschliessenden Apéro kann man weiter diskutieren, sich untereinander austauschen oder einfach wieder einmal plaudern.

Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Wir freuen uns auf euch!

Summer Edition: Und Bitte! – Couch und Kaffee. Schauspielpodcast.

Das Schauspieldoppelpack Tina Kümpel & Christian Jankovski Christian war auch im Sommer fleissig im Gespräch über unterschiedliche Themen rund um den Schauspieler*innen-Alltag mit Blick in die Zukunft!

1000 Entscheidungen. 1000 Wege. 1000 Abenteuer.

Als freischaffende*r Bühnenkünsler*in bedeutet das «frei» zwar eine gewisse Flexibilität und Selbstbestimmung. Es beinhaltet aber auch, sich jeden Tag aufs neue selbst entscheiden zu müssen. Für alles, in jede Richtung.

von Corinne Soland

Dieses Mal tippse ich in New York City. 9 Wochen habe ich mir Zeit genommen, um in den USA Verwandte und Freund*innen zu besuchen sowie neue Kontakte zu knüpfen. 9 Wochen – das ist mehr als eine Probezeit für ein abendfüllendes Stück! Zahlende Jobs davor und danach erlauben mir diese Reise.

Es ist ein Traum, so flexibel sein zu können. Unsichtbar und auch real ist, dass in der Zeit auch E-Mails beantwortet, Anfragen gelesen, Bücher studiert, Texte gelernt und – okay, eigentlich alle meine Jobs der nächsten Spielzeit bis Ende Sommer 2024 organisiert sein wollen.

Freischaffende*r Schauspieler*in zu sein, heisst oft auch, selbst zu produzieren, Agent*in zu spielen und zu verhandeln, wenn nötig in unterschiedlichen Sprachen, mit drei verschiedenen Teams und einem zeitlichen Vorlauf von ein paar Stunden bis zu zwei Jahren. Mit vier Kolleg*innen habe ich mich ausgetauscht über Fragen bezüglich Verträgen, die wir unterschreiben sollten.

Kann sie*er das tun, obwohl wir wissen, dass es zu wenig Gage ist – und dürfen wir dann trotzdem öffentlich dafür einstehen, dass Gagenrichtlinien eingehalten werden sollen? Kann ich den Vertrag unterschreiben mit der Produktionsfirma, die mit dem grossen Streaming-Dienst zusammenarbeitet, gegen dessen Umgang mit Künstlicher Intelligenz ich letzte Woche demonstriert habe? Die Gründe für unsere Entscheidungen sind so unterschiedlich wie wir als Menschen und Künstler*innen.

Vielleicht seid ihr gerade fest an einem Haus und die Zeit des Herumreisens ist endlich hinter euch. Vielleicht singt ihr seit 20 Jahren im Chor und liebt die Stabilität, die euch euer Beruf gibt. Vielleicht seid ihr Deutsche Bahn Dauergäste und lebt quasi von den Waffeln im obersten Regal des Selecta-Automates. Vielleicht macht ihr pro Jahr eine Produktion, die ihr auch noch selber mitproduziert, aufzieht, betreut, verkauft und auswertet.

Vielleicht habt ihr euch in der Stadt, in der ihr spielt, eine Familie aus Künstler*innen aufgebaut, mit denen ihr gerne zusammenarbeitet. Vielleicht habt ihr Familie und übt das Singen nicht mehr hauptberuflich aus. Vielleicht unterrichtet ihr. Vielleicht arbeitet ihr in einem Geldjob, um die Miete zu bezahlen und habt 3 Drehtage pro Jahr. Oder einen.

Vielleicht investiert ihr viel Geld in Weiterbildungen jedes Jahr und fragt euch: Wohin fliesst eigentlich dieser Effort? Vielleicht seht ihr Kolleg*innen, die irgendwohin in der Welt herumjetten oder konstant drehen und fragt euch: Wie schaffe ich das? Vielleicht bist du in einem Stück nach dem anderen und irgendwie kommt dir aber alles so ein bisschen schal vor. Vielleicht stehst du seit 10 Jahren wieder zum ersten Mal auf der Bühne und fühlst das Glück, das durch deine Muskeln jagt, als ob du die Welt umarmen könntest.

Vielleicht schaffst du es gerade, dich von ganz schlimmen Erfahrungen zu distanzieren, die du mit einer Gruppe gemacht hast. Vielleicht hast du gerade eine Schule abgeschlossen und bist unendlich gespannt und aufgeregt und voller Hoffnung sowie Zweifeln, ob das, wovon du träumst, sich einlösen wird. Vielleicht hast du dich gerade nach ein paar Berufsjahren entschieden, das Tanzen an den Nagel zu hängen.

Vielleicht triffst du deine Freund*innen einmal pro Woche, um an deinen Fähigkeiten zu arbeiten. Vielleicht leistest du dir zweimal im Monat ein Kino- oder Ballett Ticket, um dir “die ganz grossen Meister*innen” – die GOATs – anzuschauen.

Vielleicht liest du deinen Kindern aus Büchern vor und ihr habt die grösste Freude, den Figuren unterschiedliche Stimmen zu geben. Vielleicht bist du in einer Tanzcompagnie, die gerade mit der neuesten Technologie ihre Bewegungen in ein 3D Partikel-Meer übersetzen möchte.

Vielleicht suchst du mehr Jobs, vielleicht sehnst du dich nach weniger zu tun, vielleicht hast du so harte Wangenmuskeln, weil du bei Lohnverhandlungen immer wieder auf die Zähne beissen musst. Vielleicht fragst du dich, wo deine Zeit hingegangen ist, vielleicht fragst du dich, ob es jemals einen roten Teppich gibt, über den du laufen wirst, vielleicht vermisst du die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen. Vielleicht hältst du deinen Körper mit Sport fit, vielleicht brauchst du Abstand, vielleicht ist eigentlich alles gut, nur die Premierenfeiern sind immer eine emotionale Überforderung.

Vielleicht fühlst du dich manchmal komplett alleine und hilflos und so unglaublich unglaublich ausgeliefert. Vielleicht arbeitest du gerade mit einem Team, das sich auf Regeln geeinigt hat, wie mensch miteinander umgehen möchte und welche Pronomen ihr benutzt. Vielleicht arbeitest du gerade an einem Stück, von dem du hoffst, dass es die ganze Welt sehen könnte. Vielleicht wird dein Horizont erweitert durch den Dreh, vielleicht wirst du wütend, wenn das Publikum interagiert.

Vielleicht wolltest du eigentlich immer Theater ohne Worte machen.

Egal, wie unterschiedlich unsere Wege sind, egal wie unterschiedlich unsere Karrieren, unsere Ziele, unsere Träume und die realen Möglichkeiten: Vielleicht ist es jetzt Zeit für den mutigen Schritt. Vielleicht ist es jetzt Zeit für die Veränderung, diese Weiterbildung, diesen Rückzug oder diese Reise. Vielleicht jetzt.

Corinne Soland schreibt im ENSEMBLE zum Leben in einer als Darsteller*in im 21. Jahrhundert. Corinne spielt “Anna” in Neumatt, “Isabelle” in Monsieur Claude und seine Töchter (Bernhard Theater), “Emma” im VR Game Amazing Monster! und spricht als “Jimmy” und “Dimitri” im Guetnachtgschichtli. Corinne lebt in Basel und unterrichtet Motion Capture Schauspiel an interessierte Spielende.

Performing Arts Practice in Conflict Zones – Theater des Austauschs

Text von Ettore Chiummo

„Und so habe ich entschieden“ – Es sind nun mehr als drei Jahre seit dem ersten Alarm auf dem Fischmarkt von Wuhan vergangen, ein Ereignis, das das Leben aller Menschen grundlegend verändert hat. Der Übergang von der alten zur neuen Welt hat sich übermenschlich beschleunigt, und mit ihm haben sich die Gräben innerhalb der globalen Gesellschaft vertieft, was zu noch mehr bewaffneten oder subtileren Konflikten geführt hat. Aus diesem und anderen Gründen beschloss ich an jenem Wintermorgen des Jahres 2022, als ich auf der kalten Veranda des Cafés saß, dass mich der Vorschlag von Daniel Bausch interessierte. Als Leiter der Weiterbildung an der Accademia Dimitri schlug er mir vor, an der nächsten Ausgabe des CAS (Certificate of Advanced Studies) in Performing Arts in Conflict Zones teilzunehmen.

Der Übergang von der alten zur neuen Welt hat sich übermenschlich beschleunigt, und mit ihm haben sich die Gräben innerhalb der globalen Gesellschaft vertieft, was zu noch mehr bewaffneten oder subtileren Konflikten geführt hat.

Was ist CAS PAC 3?

Es handelt sich um einen Studiengang, der Kulturschaffende ausbilden soll, die mit Hilfe des Theaters in Konfliktkontexten agieren können. Der Studiengang besteht aus vier Modulen, von denen drei in der Schweiz stattfinden und eines in einem geografischen Gebiet, das weit von unserer Komfortzone entfernt ist. Die ersten beiden Module dienen der Vorbereitung, das dritte beinhaltet eine dreiwöchige Felderfahrung und das vierte ist eine Reflexion über die Praxis. Die beiden vorangegangenen Ausgaben fanden im irakischen Kurdistan, in Maxmûr, statt. Die Dozentin Anina Jendreyko ist mit diesem Ort und der kurdischen Bevölkerung vertraut, die sich seit Jahrzehnten gegen die ständigen Angriffe und Übergriffe der mit der Türkei verbündeten Regierungen wehrt. Der Krieg ist latent vorhanden und kann jederzeit wieder aufflammen: Gerade diese Unvorhersehbarkeit ist ein Merkmal einer Konfliktzone, und deshalb ist es wichtig, „völlig offen“ zu bleiben, bereit, Pläne zu ändern. Leider hat Erdoğan im Vorfeld der Wahlen neue Angriffe auf ganz Kurdistan gestartet, die auch Maxmûr betrafen, so dass es nicht möglich war, dorthin zu fahren. Unser Ziel war stattdessen Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens, ein ganz anderes Land, das sich jedoch in einer ähnlich heiklen Situation befindet.

Daher haben die Menschen ein großes Bewusstsein entwickelt für die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen und die Notwendigkeit, sie zu teilen. Ein Gedanke, der mir und meinen europäischen Kollegen auch beim Duschen und Essen nicht erspart geblieben ist.

Der Konflikt in Äthiopien

Die Gesichter, die man in den Straßen von Addis Abeba vorbeiziehen sieht, verraten das Zusammenleben einer Vielzahl verschiedener ethnischer Gruppen, und es ist überraschend zu erfahren, dass auf äthiopischem Boden über achtzig Sprachen gesprochen werden. Die Religion ist ein fester Bestandteil des täglichen Lebens, und die am weitesten verbreiteten Konfessionen sind das äthiopisch-koptische Christentum und der Islam, und zwar in gleicher Zahl. All diese innere kulturelle Vielfalt macht Äthiopien zu einem Land von unermesslichem Reichtum, aber auch von großen Konflikten. Zu den verheerendsten gehört der Konflikt, der 2020 in Tigray zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray und dem derzeitigen Präsidenten Abiy Ahmed ausbrach. Mit mehr als 800 000 Toten hat er das Leben des ganzen Landes beeinflusst, auch wenn er nur in einem begrenzten Gebiet ausgetragen wurde. Addis Abeba war nie direkt betroffen, so dass der Krieg weiter weg zu sein schien, als er tatsächlich war. Stattdessen wurden wir Zeugen eines anderen, sehr offensichtlichen Dramas: der Armut. Straßen, in denen es von hungrigen und durstigen Bettlern wimmelt, enge Häuser für große Familien, der abgrundtiefe Prostitutionsring… Dies ist eine Realität, die das Leben aller Menschen durchdringt und mit der sich jeder täglich auseinandersetzen muss. Daher haben die Menschen ein großes Bewusstsein entwickelt für die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen und die Notwendigkeit, sie zu teilen. Ein Gedanke, der mir und meinen europäischen Kollegen auch beim Duschen und Essen nicht erspart geblieben ist. Generell ist das Teilen ein fester Bestandteil der hiesigen Lebensweise, und der Gemeinschaftssinn ist viel stärker ausgeprägt als in Europa heutzutage. Das haben wir von den ersten Tagen mit unseren neuen Freunden vom Zirkus Fekat an gespürt.

Diese jungen Zirkusprofis hatten nämlich noch nie die Gelegenheit gehabt, Theater zu studieren, denn obwohl sie sich gerne darin versuchen wollten, gibt es in Äthiopien fast keine Ausbildung in diesem Bereich.

Lernen, sich auszutauschen

Neben den europäischen Teilnehmern gehören zum CAS auch Einheimische, in diesem Fall junge Zirkuskünstler, die beim Zirkus Fekat lernen, trainieren und auftreten. Es handelt sich um einen sehr aktiven Zirkus, der vor fünfzehn Jahren von dem gerade 18-jährigen Akrobaten Dereje Denge gegründet wurde. Von ihm und all unseren neuen Freunden lernten wir eine andere Art, die Welt zu betrachten, zu teilen, zu essen, zu feiern und zu tanzen. Andererseits brachten wir auch unser eigenes kulturelles Gepäck mit und vor allem das, was Dereje von uns verlangte: Theater. Diese jungen Zirkusprofis hatten nämlich noch nie die Gelegenheit gehabt, Theater zu studieren, denn obwohl sie sich gerne darin versuchen wollten, gibt es in Äthiopien fast keine Ausbildung in diesem Bereich. So verbrachten wir unsere Tage mit Theater, boten mehrere Ad-hoc-Trainingseinheiten an und erarbeiteten ein Stück, das dreimal aufgeführt wurde und im Repertoire des Zirkus Fekat geblieben ist. Durch die Theaterübungen am Anfang und die gemeinsamen Pausen und Freizeiten später lernten wir uns kennen und konnten uns verständigen, denn nicht nur war Englisch nicht immer die gemeinsame Sprache, sondern auch unsere Verhaltensmuster waren sehr unterschiedlich.

Eine multikulturelle Gesellschaft ist nicht gleichbedeutend mit Gleichberechtigung, solange das interkulturelle Denken nicht verinnerlicht ist. Die Unterschiede zwischen sich und dem anderen zu respektieren, sie zu akzeptieren, ohne sie zu verstecken, und zu lernen, mit ihnen auf beiden Seiten umzugehen, ist der erste Keim des Friedens.

In der Schweiz wäre es zum Beispiel undenkbar, dass eine Person, die man gerade erst kennengelernt hat, einem Goursha anbietet, also direkt aus der Hand füttert. Wir würden eine solche Geste den Eltern oder vielleicht der Intimität des Paares vorbehalten… Elemente wie diese bereicherten die theatralische Inszenierung, die vollständig in einen äthiopischen Kontext eingebettet war und einen Verhaltenskodex bildete, der für uns alle lesbar war. Das ist die Bedeutung der Interkulturalität, d. h. des gleichberechtigten Austauschs zwischen verschiedenen Kulturen, der die Grundlage für gegenseitiges Verständnis und die Lösung möglicher Konflikte schafft. Eine multikulturelle Gesellschaft ist nicht gleichbedeutend mit Gleichberechtigung, solange das interkulturelle Denken nicht verinnerlicht ist. Die Unterschiede zwischen sich und dem anderen zu respektieren, sie zu akzeptieren, ohne sie zu verstecken, und zu lernen, mit ihnen auf beiden Seiten umzugehen, ist der erste Keim des Friedens.

Sie erinnerten mich daran, dass ich weder ein Siedler noch ein Missionar sein will, sondern ein Theatermacher, der im Namen der Interkulturalität gelernt hat, Konflikte mit Hilfe des Theaters zu bewältigen.

Widersprüche akzeptieren

Raum für Unterschiede zu schaffen bedeutet auch, die großen Widersprüche anzuerkennen, die bei einer solchen Arbeit auftreten können. Ich musste lernen, meine soziale Stellung, meine Herkunft und meine Geschichte zu akzeptieren. Für mich als Italiener war die Konfrontation mit der kolonialen Vergangenheit meines Landes ein großer Schlag ins Gesicht. In den italienischen Schulen wird sie mit einer erschreckenden Oberflächlichkeit behandelt. Italien hat im letzten Jahrhundert zweimal versucht, in Äthiopien einzumarschieren, und obwohl die Äthiopier stolz darauf sind, das einzige afrikanische Land zu sein, das niemals kolonisiert wurde, hatte die faschistische Besetzung verheerende Auswirkungen. Als ich vor der St.-Georgs-Kirche stand, einem Denkmal des äthiopischen Widerstands, konnte ich nicht anders, als mich mitverantwortlich zu fühlen für all die Konflikte, die Äthiopien von der italienischen Invasion bis heute blutig gemacht haben. Doch von all diesen Gedanken konnte ich nur Notiz nehmen, die Widersprüche zwischen meinen guten Absichten und der Geschichte akzeptieren. Ohne sie zu ignorieren, sondern um sie zu beobachten. Sie erinnerten mich daran, dass ich weder ein Siedler noch ein Missionar sein will, sondern ein Theatermacher, der im Namen der Interkulturalität gelernt hat, Konflikte mit Hilfe des Theaters zu bewältigen.

Das Bewusstsein des Theaterspiels schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich ein Raum für Kommunikation und Zuhören öffnet, wesentliche Elemente der Konfliktlösung. Diese transformative Fähigkeit des Theaters bringt unsere innersten Ressourcen an die Oberfläche, von denen wir nicht dachten, dass wir sie haben, und die es uns ermöglichen, in schwierigen Situationen neue Lösungen zu finden.

Warum Theater?

Bekanntlich basiert jedes Theater auf Konflikten, und gerade deshalb ist es ein außergewöhnliches Mittel, mit ihnen umzugehen. Das Spiel (to play, jouer, Spielen), ein Duell mit Messern oder Worten, erlaubt es uns, Konflikte mit Leichtigkeit anzugehen und auch schwerere und sogar traumatische Themen mit großer Freiheit zu berühren. Das Bewusstsein des Theaterspiels schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sich ein Raum für Kommunikation und Zuhören öffnet, wesentliche Elemente der Konfliktlösung. Diese transformative Fähigkeit des Theaters bringt unsere innersten Ressourcen an die Oberfläche, von denen wir nicht dachten, dass wir sie haben, und die es uns ermöglichen, in schwierigen Situationen neue Lösungen zu finden. Ein Weg, an dem auch das Publikum während der Aufführungen teilnimmt, vor allem, wenn sie, wie in unserem Fall, einen partizipativen Schluss im Sinne des Forumtheaters haben. Wie an diesem Tag in Addis Guzo, einem Hilfszentrum für behinderte Menschen, die in Äthiopien ein Leben in extremer Not führen. Zu sehen, mit welchem Engagement diese Menschen an der Abschlussdiskussion teilnahmen und aktiv ihre Meinung in dieser nicht privilegierten Gemeinschaft einbrachten, war der größte Motivationsschub, den ich für die Fortsetzung dieser Arbeit erhalten konnte. So bleibt mir nur zu hoffen, dass das Theater für seine unbestreitbare Wirksamkeit als Instrument zur Bewältigung der prekärsten Situationen anerkannt wird, auch in Europa. Zu lernen, Unterschiede zu respektieren, ist für mich der Schlüssel zum Aufbau einer friedlicheren Zukunft, und ich glaube, dass wir alle, abgesehen von Utopien, heute das Bedürfnis danach verspüren. Was wir in diesen drei Wochen in Addis Abeba mit den Jungen und Mädchen des Fekat-Zirkus geschaffen haben, ist der Beweis dafür.

Performing Arts Practice in Conflict Zones – Teatro di scambio

Testo di Ettore Chiummo

„E così ho deciso“ –  Sono passati ormai più di tre anni dal primo allarme al mercato del pesce di Wuhan, un evento che ha determinato una grande svolta nella vita di tutti gli esseri umani. Il passaggio dal vecchio al nuovo mondo ha subito un’accelerazione supersonica e, con esso, le spaccature all’interno della società globale si sono allargate, generando un numero di conflitti ancora maggiore rispetto a prima, armati o più subdoli e sottili. Per questa ed altre ragioni, quella mattina d’inverno del 2022, mentre sedevo nel freddo della veranda di quel bar, ho deciso che la proposta di Daniel Bausch mi interessava. In quanto responsabile della formazione continua dell’Accademia Dimitri, mi proponeva di prendere parte alla prossima edizione del CAS (Certificate of Advanced Studies) in Performing Arts in Conflict Zones.

Il passaggio dal vecchio al nuovo mondo ha subito un’accelerazione supersonica e, con esso, le spaccature all’interno della società globale si sono allargate, generando un numero di conflitti ancora maggiore rispetto a prima, armati o più subdoli e sottili.

Cos’è il CAS PAC 3?

Si tratta di un percorso di studi che mira a formare operatori culturali che, attraverso il teatro, riescano ad agire in contesti di conflitto. Il corso prevede quattro moduli, tre dei quali sul suolo svizzero ed uno in un’area geografica lontana dalla nostra zona di comfort. Nello specifico i primi due sono di preparazione, il terzo prevede un’esperienza di tre settimane sul campo ed il quarto è di riflessione sulla pratica. Le due precedenti edizioni si erano svolte nel Kurdistan iracheno, a Maxmûr. Anina Jendreyko, la docente, conosce bene questo luogo e la popolazione curda, che resiste da decenni contro i continui attacchi e abusi da parte dei governi alleati della Turchia. La guerra è latente e può riaccendersi da un momento all’altro: questa imprevedibilità è proprio una caratteristica di una zona di conflitto e per questo è importante “rimanere totalmente aperti”, pronti a cambiare i piani. Purtroppo Erdoğan, in vista delle elezioni, ha sferrato nuovi attacchi su tutto il Kurdistan, colpendo anche Maxmûr, e pertanto non è stato possibile recarvisi. La nostra meta è stata invece Addis Abeba, capitale dell’Etiopia, un Paese molto diverso, ma in una situazione altrettanto delicata.

Pertanto, le persone hanno sviluppato una grande consapevolezza delle risorse di cui dispongono e della necessità di condividerle. Un pensiero che non ha risparmiato neanche me e colleghi e colleghe europee, durante la doccia e i pasti.

Il conflitto in Etiopia

I volti che sfilano per le strade di Addis Abeba tradiscono la convivenza di una moltitudine di etnie diverse e stupisce scoprire che sul suolo etiope si parlano oltre ottanta lingue. La religione è parte integrante della vita quotidiana e le confessioni più diffuse sono il cristianesimo copto etiope e l’islam, a parità di numeri. Tutta questa diversità culturale interna rende l’Etiopia una terra di immensa ricchezza, ma anche di grandi conflitti. Tra i più devastanti, quello scoppiato in Tigray nel 2020 tra il Fronte Popolare di Liberazione del Tigray e l’attuale presidente Abiy Ahmed. Con un lascito di oltre 800.000 morti, ha chiaramente influenzato la vita di tutto il Paese, pur essendo combattuto in un’area circoscritta. Addis Abeba non ne è mai stata colpita direttamente e pertanto la guerra ci è sembrata più distante di quanto effettivamente fosse. Invece, siamo stati testimoni di un altro dramma molto evidente: la povertà. Strade che pullulano di mendicanti affamati e assetati, case strette per nuclei famigliari numerosi, l’abissale giro di prostituzione… È questa una realtà che permea le vite di tutti e con la quale ognuno si deve confrontare quotidianamente. Pertanto, le persone hanno sviluppato una grande consapevolezza delle risorse di cui dispongono e della necessità di condividerle. Un pensiero che non ha risparmiato neanche me e colleghi e colleghe europee, durante la doccia e i pasti. In generale, la condivisione è parte integrante del modo di vivere locale ed il senso di comunità è molto più sviluppato che in Europa al giorno d’oggi. Lo abbiamo percepito fin dai primi giorni con i nostri nuovi amici del Fekat Circus.

Imparare a scambiare

Oltre ai partecipanti europei, al CAS prendono parte anche persone del luogo, nel caso di questa edizione, giovani artiste ed artisti di circo che studiano, si allenano e si esibiscono con il Fekat Circus. Si tratta di una realtà di circo molto attiva, fondata quindici anni fa dall’acrobata appena diciottenne Dereje Denge. Da lui e da tutti i nostri nuovi amici ed amiche, abbiamo appreso un modo diverso di guardare il mondo, di condividere, di mangiare, di celebrare e di danzare. D’altro canto, anche noi abbiamo portato il nostro bagaglio culturale e, nello specifico, quello per cui Dereje ci ha chiamati: il teatro. Infatti, questi giovani professionisti e professioniste del circo non avevano mai avuto la possibilità di studiare teatro prima, perché, pur avendo una gran voglia di cimentarsi, in Etiopia l’offerta formativa in questo campo è pressoché inesistente. Abbiamo così passato le nostre giornate a fare teatro, proponendo diversi allenamenti ad hoc e creando una pièce, che è stata presentata tre volte ed è rimasta nel repertorio del Fekat Circus. Attraverso gli esercizi teatrali prima e condividendo anche le pause ed il tempo libero poi, abbiamo imparato a conoscerci e a comunicare, poiché non solo l’inglese non era sempre la lingua in comune, ma i nostri modelli di comportamento risultano molto diversi tra loro.

Una società multiculturale non è sinonimo di pari diritti fino a quando il pensiero interculturale non viene assimilato. Rispettare le differenze tra sé e l’altro, accettarle senza nasconderle, imparare a gestirle da entrambi le parti è il primo seme di pace.

Per esempio, in Svizzera sarebbe impensabile che una persona appena conosciuta ti offra il goursha, imboccandoti direttamente dalle sue mani. Riserveremmo un simile gesto ai genitori o, magari, all’intimità della coppia… Elementi come questo sono andati ad arricchire la messa in scena teatrale, totalmente calata in un contesto etiope, formando un codice di comportamenti leggibili per tutti noi. Questo è il significato di interculturalità, cioè lo scambio paritario tra diverse culture, creando le basi per comprendersi e risolvere potenziali conflitti. Una società multiculturale non è sinonimo di pari diritti fino a quando il pensiero interculturale non viene assimilato. Rispettare le differenze tra sé e l’altro, accettarle senza nasconderle, imparare a gestirle da entrambi le parti è il primo seme di pace.

È stato un monito per ricordarmi che non voglio essere né un colono né un missionario, bensì un operatore teatrale venuto ad apprendere come gestire un conflitto attraverso il teatro, nel segno dell’interculturalità.

Accettare le contraddizioni

Dare spazio alle differenze significa anche riconoscere le grandi contraddizioni che possono sorgere durante un simile lavoro. Ho dovuto imparare ad assumere la mia posizione sociale, la mia provenienza e la mia storia. In quanto italiano, il confronto con il passato coloniale del mio Paese è stato un grande schiaffo. Nella scuola italiana, infatti, si affronta con una superficialità spaventosa. L’Italia, nell’ultimo secolo, ha tentato di invadere l’Etiopia per ben due volte e, nonostante gli etiopi affermino con orgoglio il loro primato di unica nazione africana mai colonizzata, l’occupazione fascista ha avuto effetti devastanti. Di fronte alla chiesa di San Giorgio, monumento alla resistenza etiope, non ho potuto fare a meno di sentirmi co-responsabile di tutti i conflitti che hanno insanguinato l’Etiopia dall’invasione italiana ad oggi. Tuttavia, di tutti questi pensieri potevo solo prendere atto, accettare le contraddizioni tra le mie buone intenzioni e la storia. Senza ignorarle, ma osservandole. È stato un monito per ricordarmi che non voglio essere né un colono né un missionario, bensì un operatore teatrale venuto ad apprendere come gestire un conflitto attraverso il teatro, nel segno dell’interculturalità.

La consapevolezza del gioco crea un ambiente di fiducia, dentro del quale si apre uno spazio per la comunicazione e l’ascolto, elementi essenziali nella risoluzione di un conflitto. Tale capacità trasformativa del teatro porta a far affiorare le nostre risorse più recondite, che non credevamo di avere e che ci permettono di trovare nuove soluzioni di fronte a situazioni di difficoltà.

Perché il teatro?

Come è risaputo, tutto il teatro si basa sul conflitto e, proprio per questo, esso è un mezzo straordinario per trattare il tema. Giocare (to play, jouer, Spielen) a combattere un duello di coltelli o di parole, ci permette di approcciare al conflitto con leggerezza, toccando anche argomenti più pesanti e persino traumatici con grande libertà. La consapevolezza del gioco crea un ambiente di fiducia, dentro del quale si apre uno spazio per la comunicazione e l’ascolto, elementi essenziali nella risoluzione di un conflitto. Tale capacità trasformativa del teatro porta a far affiorare le nostre risorse più recondite, che non credevamo di avere e che ci permettono di trovare nuove soluzioni di fronte a situazioni di difficoltà. Un percorso al quale prende parte anche il pubblico durante gli spettacoli, soprattutto se hanno un finale partecipativo sul modello del teatro forum come nel nostro caso. Come quel giorno ad Addis Guzo, centro di assistenza per persone disabili, che in Etiopia hanno una vita di estreme difficoltà. Assistere al coinvolgimento con cui queste persone hanno partecipato alla discussione finale, proponendo attivamente le loro opinioni all’interno di quella comunità non privilegiata, è stata la più grande spinta motivazionale che io potessi ricevere per proseguire questo lavoro. Non mi resta dunque che augurarmi che al teatro venga riconosciuta la sua incontrovertibile efficacia come strumento per affrontare le situazioni più precarie, anche in Europa. Imparare a rispettare le differenze è per me la chiave per costruire un futuro più pacifico e credo che, all’infuori delle utopie, tutti e tutte ne sentiamo oggi il bisogno. Ciò che abbiamo creato durante queste tre settimane ad Addis Abeba, con i ragazzi e le ragazze del Fekat Circus, ne è la prova.

Schweizer Grand Prix Darstellende Künste

Die Choreographin Cindy van Acker aus Genf erhält den Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2023. Sie ist sowohl in der etablierten Theaterszene als auch mit ihrer Cie Greffe in der freien Tanzszene international erfolgreich.

Cindy Van Acker, 1971 in Belgien geboren, ist seit vielen Jahren eine der herausragendsten Choreografinnen der Schweiz. 1991 kam sie als Tänzerin zum Ballet du Grand Théâtre in Genf. Von Romeo Castellucci eingeladen, präsentierte sie 2005 an der Biennale in Venedig ihr Solo «Corps 00:00». Dieser Auftritt begründete ihren internationalen Erfolg und eine bis heute andauernde Zusammenarbeit mit Castellucci, vor allem in verschiedenen Operninszenierungen wie zum Beispiel «Don Giovanni» bei den Salzburger Festspielen 2021.

Die Handschrift der feinsinnigen und widerständigen Choreografin zeigt sich in der minutiösen, fast wissenschaftlichen Ausarbeitung ihrer Kreationen, in denen Körper, Musik und Raum zusammenwirken.

Ende Oktober hat ihre neuste Zusammenarbeit an der Oper La Monnaie/De Munt in Brüssel Premiere: «Das Rheingold» von Richard Wagner. Die Handschrift der feinsinnigen und widerständigen Choreografin zeigt sich in der minutiösen, fast wissenschaftlichen Ausarbeitung ihrer Kreationen, in denen Körper, Musik und Raum zusammenwirken.

Choreographin Cindy van Acker

Neun weitere Schweizer Preise Darstellende Künste 2023

Weitere Schweizer Preise Darstellende Künste 2023 gehen an Rébecca Balestra, Bruno Cathomas, Ntando Cele, Tiziana Conte, Barbara Giongo & Nataly Sugnaux Hernandez, Sandro Lunin, den Circus Monti, Jeremy Nedd und die Tellspiele Altdorf.

Neun Schweizer Preise Darstellende Künste gehen an Personen oder Institutionen, die sich in einem Bereich des vielfältigen Schaffens der Darstellenden Künste in der Schweiz verdient gemacht haben: Die «aufstrebende Komödiantin» Rébecca Balestra (*1988) arbeitet als Schauspielerin, Autorin und Regisseurin. Der «grossartige (Volks-)Schauspieler» Bruno Cathomas (*1965) wirkt seit 1992 an vielen renommierten deutschsprachigen Bühnen. Die in Durban geborene, heute in Bern lebende «unbequeme und humorvolle Performerin» Ntando Cele (*1980) thematisiert alltäglichen, versteckten Rassismus. Die «unermüdliche Tanzpromotorin» Tiziana Conte (*1966) setzt sich seit vielen Jahren für die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes im Kanton Tessin ein.

Barbara Giongo & Nataly Sugnaux Hernandez (*1966/*1973) sind «wertvolle Theaterleiterinnen» am Le Grütli in Genf, das als Produktionszentrum einen exzellenten Ruf hat. Der «weltenverbindende Programmmacher» Sandro Lunin (*1958) engagiert sich seit 40 Jahren für die freie Tanz- und Theaterszene und den Austausch mit dem globalen Süden. Das Familienunternehmen Circus Monti (gegr. 1985) ist bekannt für seine «innovative(n) Zirkusgeschichte(n)».

Der aus New York stammende Performer und Choreograf Jeremy Nedd (*1985) lebt in Basel und ist als «global aktiver Tanz-Shootingstar» wegweisend für eine von Diversität geprägte Zusammenarbeit. Die Tellspiele Altdorf (gegr. 1899) sind ein «hochprofessionelles Laientheater», das zu den ältesten und vorbildlichsten Laientheatern der Schweiz zählt.

Mitmachen: Ausschreibung Schweizer Preise Darstellende Künste 2023

Die nächsten Anmeldungen zum «June Johnson Newcomer Prize», zur Tanzproduktion 2023 und zum Kulturerbe Darstellende Künste können vom 26. September bis zum 24. Oktober 2023 auf der Förderplattform (FPF) des BAK eingereicht werden.

 

 

Showbiz – Neid, Missgunst & Eifersucht?

Neid, ob aktiv oder passiv erlebt, gehört es scheinbar zum Menschsein. Wir vergleichen uns, vergleichen andere, bewerten, tratschen, als sei dies ganz normal. Besonders stark spürt man das in den Bühnenkünsten. Ich frage mich, ob dies ein natürlicher Prozess ist oder ob wir dies von unseren Mitmenschen übernommen haben.

Text: Stefanie Gygax, professionelle Sängerin & Schauspielerin

Meine erste bewusste Erfahrung mit Konkurrenz fand im Ballettunterricht statt. Die kleine Steffi musste sich während des kompletten Trainings im Spiegel betrachten, um Fehlhaltungen zu korrigieren. Natürlich fing ich da auch an, die anderen Mädchen zu beobachten. Wer hat die schöneren Beine, welche hat den grösseren Bauch oder die schöner gestreckten Füsse? Ein Thema, welches wohl die meisten Tänzerinnen ein Leben lang quält, auch wenn diese schon längst nicht mehr auf der Bühne stehen.

Interessanterweise habe ich mich in der Schule nie mit Anderen verglichen, weil es mir dort wahrscheinlich nicht wichtig erschien. Aber meine Mitschülerinnen fanden immer etwas an mir auszusetzen. Entweder war ich als Streberin aufgrund guter Noten verachtet oder war Aussenseiterin, weil ich keine Lust hatte auf Befehle von sogenannten Gruppenführern einzugehen. Aber weshalb? Ich hatte doch nichts falsch gemacht … Damals verstand ich das alles nicht.

Rückblickend betrachtet musste ich schon früh lernen, mit Kritik umzugehen, ob im Ballettunterricht oder in der Schule. Mir wurde schon früh gezeigt, wenn ich meinen eigenen Weg gehen will, gehört Neid und Konkurrenz wohl dazu.

Wenn ich erwachsen bin …!

Als Kind dachte ich immer: „Ich freue mich schon, wenn ich erwachsen bin, dann hören alle diese Intrigen, mit Missgunst und Gruppenanführern auf, weil die Erwachsenen ja vernünftig sind.“ – Tja, ich glaube, an dieser Stelle schmunzeln wir alle, weil ich eines „Besseren“ belehrt worden bin.

Meine ersten Erfahrungen auf der Bühne hatte ich bereits mit 9 Jahren. Man liess mich lange Zeit in Ruhe, weil ich meistens die Jüngste war und fühlte mich nicht zuletzt aus diesem Grund auf der Bühne immer frei und unbekümmert. Es war und ist für mich immer noch ein Ort, an dem ich mich zu Hause fühle, weil ich so sein darf wie ich bin, mit all meinen Facetten. Ich darf vor Glück schreien, vor Wut stampfen und vor Trauer zusammenbrechen, ohne dass sich jemand daran stört … im Gegenteil!!!

Warum ist das so? Warum wird der Mensch dazu angehalten, im Alltag seine Emotionen zu zügeln und sich anzupassen? Damit sich alle wohlfühlen? Anscheinend ist das ja nicht der Fall. Die Menschen suchen stattdessen Hobbys, um sich auszupowern, bekommen psychische Störungen oder werden kriminell und krank.

Konkurrenz und Neid beginnen im Alltag, nur wird es im Theater klarer sichtbar. Wer hat die bessere Stimme? Wer hat den schöneren Körper? Wer interpretiert die Rolle am authentischsten? Wir werden jeden Tag in Schubladen gesteckt und wenn mal jemand kommt, der in keine Schublade passt, ist das eine komische Person und man möchte doch lieber mit jemandem zusammenarbeiten, den man (ein-) schätzen kann.

Seid echt und empathisch!

Ich ermutige euch dazu liebevoll anders zu sein, steht zu euren Schwächen, hinterfragt Stereotypen, seid stolz auf die Leistung, ohne dafür andere abzuwerten, denn nur so fällt ihr auf … und das wäre doch eigentlich ein so wichtiger Teil des Showbiz? Aber es gibt Kolleg“innen wollen ja gar nicht, dass man auffällt, weil sie dadurch mehr Schatten abbekommen. Diese Personen gibt es immer und überall. Lasst euch davon nicht entmutigen oder gar einschüchtern! Die schwarzen Schafe sind überall, aber was wir im Showbiz brauchen sind Schafe in verschiedenen Farben! Ich bitte euch, kreiert eure ganz eigene Farbe und akzeptiert die Anderen so wie sie sind. Denn was wir auf dieser Welt am meisten brauchen, ist bedingungslose Liebe.

«Diesen Missstand dürfen wir nicht länger hinnehmen!»

Die Mehrheit der Schweizer darstellende Künstler*innen kann trotz langer Ausbildung und intensiven Arbeitszeiten von ihrem Beruf nicht leben. Salva Leutenegger, Geschäftsführerin SzeneSchweiz, ist wütend und sucht trotzdem nach einvernehmlichen Lösungen.

Für ENSEMBLE interviewte Reda El Arbi

Zum Dowload Umfrage-Loehne-und-Gagen-in-der-Schweiz-2023

Frau Leutenegger, in den USA streiken die Schauspieler*innen. Laut einer aktuellen Umfrage von SzeneSchweiz geht es den Darsteller*innen in der Schweiz finanziell ebenfalls nicht rosig. Was hat die Umfrage zutage gefördert?

Unsere Lohnumfrage, die wir an alle unsere freischaffenden wie auch festangestellten Mitglieder geschickt hatten, bestätigt unsere Erfahrungswerte. Darstellende Künstler*innen hätten auch hier Grund zu streiken, auch wenn hier – anders als in den USA – die Kulturförderung eine staatliche und kantonale Aufgabe ist. Fast die Hälfte der freischaffenden** Profis bewegt sich im Lohnband zwischen CHF 18’000 – 25’000 jährlich.

Das ist für ein reiches Land mehr als beschämend. Bei den Festangestellten an den subventionierten Häusern verdient die Hälfte CHF 51’000 – 70’000. Die Freischaffenden geben ausserdem zu 86% an, dass sie fürs Überleben sogenannte Brotjobs brauchen. Hochqualifizierte (die allermeisten mit Masterabschluss) müssen in der Gastronomie, im Verkauf etc. arbeiten, damit sie ihre Rechnungen zahlen können. Das ist Zeit, die in ihrem kreativen Beruf fehlt.

**Freischaffende darstellende Künstler*innen arbeiten im Arbeitsverhältnis, sie werden für künstlerische Produktionen befristet angestellt.

Kann man Ursachen dafür erkennen?

Überrascht haben uns die Angaben zum Anteil der unbezahlten Arbeit in der darstellenden Kunst. Die Hälfte der freischaffenden Schauspieler*innen, Tänzer*innen und Sänger*innen geben an, zwischen 30 und 50% unbezahlte Vor- und Nachbearbeitungszeit zu haben. Man muss kein Zahlenakrobat sein, um zu erkennen, dass Künstler*innen unendlich viel arbeiten und sehr wenig verdienen.

SzeneSchweiz hat mit dem Sozialpartner SBV (Schweizerischer Bühnenverband) einen Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt. Was sind da die Grundlagen und wo gibt es Spielraum oder Verbesserungspotential?

An den Häusern mit Gesamtarbeitsvertrag (GAV) haben Künstler*innen soziale Sicherheit, lange Kündigungsfristen und ein regelmässiges Einkommen. Auch die Freischaffenden, die für Produktionen beigezogen werden, arbeiten befristet unter dem Schutz des GAV.

Die Sozialpartner SBV (Schweizerischer Bühnenverband) und SzeneSchweiz treffen sich jährlich, um paritätisch die Mindestgagen festzulegen. Leider bleiben zu viele Künstler*innen zu lange ohne nennenswerte Lohnkarriere auf der Mindestgage sitzen. Hier sehen wir einen dringenden Handlungsbedarf, den wir zwar bereits besprochen haben, aber wir möchten im Rahmen der Sozialpartnerschaft eine tragende Rolle spielen.

Wie unterscheidet sich die Schweizer Branche von zB USA oder Europa?

Natürlich gibt es europäische Länder, wo Künstler*innen noch mehr leiden als unsere. Während z.B. in den USA Kulturförderung privatisiert ist, hat sich die Schweiz die Kulturförderung sozusagen auf die Fahne geschrieben. Die Filmförderung wird fast ausschliesslich vom Bund gefördert, die GAV-Theaterhäuser haben Subventionsverträge mit Städten resp. Kantonen.

Auch Stiftungen unterstützen Kulturprojekte, u.a. aus der freien Szene. Das viersprachige Land hat eine ganz besondere Verantwortung, die kulturelle Vielfalt der Sprachregionen zu fördern und zu schützen, weshalb Vergleiche mit anderen Ländern immer etwas schwierig sind.

«… von öffentlichen Geldern und vom zahlenden Publikum abhängig»

Am Theater Basel kam es kürzlich zu einer Protestaktion der Unia. SzeneSchweiz war darüber nicht erfreut. Können Sie uns ausführen, warum die Ensembles von Kampfmassnahmen absehen sollten?

Gerade weil die Kultur in der Schweiz institutionalisiert gefördert wird, ist es schwierig, den direkten Arbeitnehmer vs. Arbeitgeber-Kampf zu führen. Die Arbeitgeber sind Kulturinstitutionen, die von öffentlichen Geldern und vom zahlenden Publikum abhängig sind. Die Protestaktionen auf der Bühne des Theater Basel haben zwar kurzfristig höhere Löhne zur Folge gehabt, aber die mittel- bis langfristigen Konsequenzen könnten weniger positiv sein. Das Publikum war zum Teil irritiert und überfordert.

Die Aktionen haben auch rechte, nicht immer kulturfreundliche Parteien auf den Plan gerufen. Unser Land ist bürgerlich bis rechtsbürgerlich regiert, Streiks und Arbeitnehmerproteste sind für solche Kreise des Teufels. Weil SzeneSchweiz Kürzungen von Fördermitteln nicht riskieren will, ziehen wir den sozialpartnerschaftlichen Dialog und Verhandlungen den Streiks vor.

Laut der Umfrage gibt es den Gender-Gap auch bei Darsteller*innen. Können Sie uns etwas über die Gründe dafür sagen?

Ja, auch in der darstellenden Kunst gibt es einen Gender-Gap – vor allem bei den Freischaffenden. Er ist zwar nicht so gross wie in anderen Branchen, aber im mittleren Alterssegment von 30-49 Jahren verdienen 5% Prozent mehr Männer als Frauen CHF 70’000 und mehr. Bei der Altersgruppe 50-65 Jahren liegt der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen zwischen 5 bis 10%.

In der Schweiz hängt die Kulturfinanzierung sehr von Subventionen ab. Reichen die Gelder nicht oder werden sie falsch verteilt, wenn ganz klar ein grosser Teil der Künstler*innen nicht vom Einkommen leben kann?

Natürlich könnten die Subventionen grundsätzlich höher sein. Aber ich glaube nicht, dass sich an der Prioritätensetzung etwas ändern würde. Das heisst, dass die Künstler*innen stets am Ende der Nahrungskette sind.

Diesen Missstand dürfen wir nicht länger hinnehmen, die künstlerische Arbeit muss unbedingt aufgewertet und im Budget priorisiert werden. Ein sehr aufwändiges und teures Bühnenbild ist sicher schön, aber letztlich sind die Menschen die tragenden Säulen der darstellenden Kunst.

Was sind die nächsten Schritte von SzeneSchweiz, um die Situation in der Branche zu verbessern?

Wir wollen im Bereich der Subventionen die Kulturschaffenden, Theaterhäuser, Veranstalter etc. stärker unterstützen. Ein erster Schritt wird sein, unseren Sozialpartner zu überzeugen, dass SzeneSchweiz bei den Subventionsverträgen mitwirken soll.

Widerstand gegen den Tod des Musical Theaters Basel

Am 26. April 2022 überraschte die Basler Regierung die Bevölkerung – inklusive die Initianten – mit ihren Plänen, im Musical Theater Basel ein Hallenbad einzurichten und das Musical Theater ersatzlos zu beseitigen. Innerhalb von drei Monaten kamen die nötigen 3’000 Unterschriften für eine Volksabstimmung zustande.

Mit einer Demonstration und einem eigens produzierten Protestsong «Hörsch die Drummle» zogen Mitglieder des Basler Initiativkomitees «Musical Theater lebt!» durch die «Freie Strasse», bevor sie im Rathaushof die Initiative «Für den Erhalt des Musical Theater Basel» mit über 3‘500 Unterschriften der Staatskanzlei übergaben. Begleitet wurden sie dabei mit Gesang und Tanz vom Cast des Musicals «Sister Act», das zurzeit im Musical Theater Basel gastiert, sowie von Vertreterinnen und Vertretern der Musicalschule «Move in Arts» und von Trommlern und Pfeifern, die sich auch für den Erhalt des Kulturhauses einsetzen.

Einzigartig und wichtig für ein vielfältiges Kulturangebot im Kanton Basel-Stadt

Heute setzen sich über 600 Persönlichkeiten aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik dafür ein, dass das Musical Theater Basel als Kultur- und Begegnungsstätte erhalten bleibt und nicht in ein 50-Meter-Sportschwimmbecken umgewandelt wird. Für sie ist klar: Das Musical Theater Basel ist mit seiner Ausstattung in Basel-Stadt und in der Umgebung einmalig. Bühnenturm und Schnürboden, die hervorragende Akustik, die Grösse mit 1’500 Plätzen, die komfortablen Sitze mit bester Sicht auf die Bühne und die Belichtungs- und Ton-Infrastruktur gibt es in dieser Kombination nirgendwo. Für klassische Musical gäbe es keine Ausweichmöglichkeiten ohne massive Mehrkosten für die Veranstalterinnen und Veranstalter. Die Zerstörung des Theaters wäre ein grosser Verlust für den Kanton Basel-Stadt, der sich in seinem aktuellen Kulturleitbild vom 6. Juli 2020 dazu bekennt, dass ein vielfältiges Kulturangebot wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der pluralistischen Gesellschaft ist.

Ökologische Fehlplanung

Das Unterstützungskomitee spricht sich nicht grundsätzlich gegen das Sport-Schwimmbecken aus. Es ist allerdings der Meinung, dass das 50-Meter-Sportschwimmbecken im Musical Theater Basel eine ökologische Fehlplanung und das Schwimmbecken in Kombination mit einer Eishalle umweltverträglicher wäre. Zudem würde es höchste Synergien betreffend Energieverbrauch generieren, denn mit der Abwärme der Eishalle liesse sich ein Hallenbad wärmetechnisch betreiben. Das Komitee fordert die Regierung Basel-Stadt mit der Initiative dazu auf, Kultur nicht gegen Sport auszuspielen und für das 50-Meter-Sportschwimmbecken schnellstmöglich einen alternativen und sinnvolleren Standort zu suchen.

Wertschöpfung weit über den Kulturbereich hinaus

Im Gegensatz zur sogenannten «Hochkultur» war der Betrieb im Musical Theater Basel seit Anbeginn selbstfinanziert und erhielt keine Subventionen. «Das Musical Theater Basel ist und war nicht nur Spielstätte für Musicals, sondern auch ein Ort für viele weitere Veranstaltungen, wie z.B. Konzerte jeglicher Stilrichtungen, Comedy, Tanz oder Fasnachtsveranstaltungen wie das Drummeli», erläutert Toni Kleimann, Initiant des Komitees. «Eine prozentuale Belegung und Auslastung muss deshalb auch in absoluten Zahlen betrachtet werden. Mit rund 150’000 jährlichen Besucherinnen und Besuchern generiert das Musical Theater eine Wertschöpfung weit über den Kulturbereich hinaus, z.B. auch in der Gastronomie und Hotellerie. Mit einem qualitativ hochwertigen Programm erfüllt es zudem auch ein wichtiges Standort-Ziel, die «Attraktivität und Wahrnehmung Basels als nationale und internationale Musikstadt» weiter zu erhöhen», ergänzt Tamara Alù, Mitglied des Initiativkomitees.

Grosser Zuspruch auf den Strassen, breite Unterstützung im Komitee

Der Zuspruch auf den Strassen beim Sammeln der Unterschriften war gross, die Leute standen zeitweise sogar Schlange, um die Initiative zu unterschreiben. Auch die Unterstützung aus allen gesellschaftlichen Strömungen zeigt, dass auch diese Kulturstätte zu Basel gehören soll. Dieses Theater ist eines der modernsten in Europa und geniesst eine Ausstrahlung weit über die Grenzen hinaus. «Wir sagen klar JA zu einer lebendigen Kulturlandschaft Basel, JA zum Erhalt einer wichtigen und einzigartigen Kulturstätte und JA zu einem 50-Meter-Sportschwimmbecken – aber nicht auf Kosten der Kultur, für welche sich seit Jahren viele Künstler und Künstlerinnen, Veranstaltende und auch das Publikum engagiert haben», zeigt sich Initiant Toni Kleimann entschlossen. «Entgegen den Falschaussagen von Regierungsrat Conradin Cramer hätte das bisherige Management Freddy Burger gerne weitergemacht. Ich hoffe nun, dass die Bevölkerung die Unterstützung des Musical Theaters Basel auch an der Urne bestätigt und uns das Musical Theater Basel erhalten bleibt», so Kleimann weiter.

Lohnumfrage: «Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel»

Die Lohnumfrage von SzeneSchweiz bringt Erschütterndes ans Licht: Trotz langer Ausbildung, intensiver Arbeitszeit und hohem sozialen Verzicht reicht die Entlöhnung für viele nicht zum Leben. Eine Familiengründung gilt als Armutsrisiko.

«Ihr macht das ja, weil es euch Spass macht!», müssen sich viele darstellende Profi-Künstler*innen anhören, wenn sie sich um ein besseres Arbeitsverhältnis bemühen. Diese Sichtweise ist nicht nur romantisierend, sie ist, angesichts der anstrengenden Arbeit, der langen Ausbildung und der herrschenden Konkurrenz, ein Hohn.

86 Prozent der Freischaffenden können nicht von ihrem Einkommen leben und sind auf einen Brotjob nebenbei angewiesen, wie die Umfrage 2023 von SzeneSchweiz zeigt.  Bei den Festangestellten geben 55 Prozent an, damit ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten zu können. Bei professionellen Darsteller*innen und Tänzer*innen in der Schweiz ist also prekäre Arbeit, die nicht zum Leben reicht, die Regel, nicht die Ausnahme.

Bereits 2021 ergab eine Umfrage des Schwesternverbandes SSVF (Schweizer Syndikat Film und Video, der Verband der Schauspieler*innen), dass das Armutsrisiko unter ihren Mitgliedern im Vergleich zur restlichen Bevölkerung um einiges höher ist. Bei der aktuellen SzeneSchweiz-Umfrage stellt sich die Situation noch angespannter dar.

 

Der Anteil unbezahlter Arbeit ist höher als in jedem anderen Beruf.

Lohnverhandlungen? Zu gefährlich.

Der normale Arbeitnehmer würde wohl davon ausgehen, dass man einen Job einfach nicht annimmt, wenn das Salär nicht zum Leben reicht. Oder man würde einfach mehr Lohn fordern. Darstellende Künstler*innen sind aber mit ganz anderen Voraussetzungen konfrontiert: Nach einem drei- bis vierjährigen Studium finden sich die Künstler*innen in einem hoch kompetetiven Arbeitsumfeld wieder, das ihnen kaum Grundlagen zum Überleben bietet.

So fürchten sich bei den Festangestellten knapp 60 Prozent vor dem Schritt zu einer höheren Lohnforderung, bei den Freischaffenden sind es sogar 74 Prozent. In der Branche herrscht eine «Friss oder stirb»-Atmosphäre, da Produktionen und Bühnen einfach auf andere Künstler*innen ausweichen können. Hier spielt nicht der Markt, hier spielt die Willkür.

Und mit Alter und Erfahrung wird es nicht besser. Zwar hat SzeneSchweiz mit dem Sozialpartner Schweizer Bühnenverband SBV einen Mindestlohn aushandeln können, aber die Progression per Anstellungsjahr und Alter ist völlig willkürlich den einzelnen Häusern überlassen und gilt nur für die Bühnen und Produktionen, die Mitglied des Bühnenverbandes sind.

Und hier sind die Frauen zusätzlich benachteiligt: Laut Befragten haben 54 Prozent der (festangestellten) Frauen zwischen 2018 und 2022  keine Lohnerhöhung bekommen. Bei den Männern sind es immerhin noch 50 Prozent.

Familiengründung als Armutsrisiko

Ab einem gewissen Alter stellt sich die Familienfrage. Für viele Frauen ist das der Punkt, an dem sie aus dem Beruf aussteigen müssen. Reicht die Bezahlung schon für den normalen Lebensunterhalt oft nicht aus, wiegt bei einer Familiengründung die terminliche Belastung und die geleistete unbezahlte Arbeit (Texte lernen, Einarbeitung, Fitness) noch schwerer.

Das Zeitbudget wird ausgereizt, aber nicht finanziell abgegolten. In den darstellenden Künsten sind Kinder ein Armutsrisiko. So etwas kennt man sonst nur aus weniger entwickelten Ländern.

Faire Verteilung von Geldern

Viele Künstler*innen in der Branche haben genug vor der ständigen Angst, dass die nächste Rechnung den Schritt in die Armut bedeuten könnte. In den USA streikt die Schauspieler-Gewerkschaft SAG-AFTRA, was Tänzer*innen und Schauspieler*innen ermutigt, sich auch für bessere Arbeitsbedingungen, und damit einhergehende Bezahlung, zu engagieren. Nur ist die Situation in der Schweiz viel komplizierter. Die Bühnen und die Filmproduzenten sind nicht nur Sozialpartner bei den Lohnverhandlungen, sie sind auch gemeinsam abhängig von Subventionen und Geldern. Egal ob von Stadt, Kanton oder Bund.

Da liegt das Problem. Und hier kann SzeneSchweiz auch ansetzen: Die Bühnen und Produktionen können die Subventionen nach Erhalt freihändig inhouse verteilen. Das führt zu absurden Situationen, in denen grosse Regisseure und Namen die Hälfte der erhaltenen (Lohn-)Gelder einsacken, während das Ensemble, die Crew nicht genug hat, um sich ein Leben zu leisten. Dies ist möglich, weil die Politik keine Transparenz für den Einsatz der erhaltenen Unterstützung einfordert, und weil die Künster*innen, respektive deren Vertreterin SzeneSchweiz, keinen Sitz am Verhandlungstisch haben.

Wir fordern Teilnahme an den Subventionsverhandlungen, Mitsprache bei der Verteilung von Geldern und, zuallererst, Transparenz beim Einsatz der Gelder aus öffentlicher Hand. Dann kann der Kuchen neu verteilt werden.

Hier zum PDF-Download: Umfrage Löhne und Gagen in der Schweiz 2023_(28_7_23) 

Zürichs 5. Jahreszeit: Theater Spektakel 2023

Das Zürcher Theater Spektakel wurde 1980 als internationales Treffen freier Theater gegründet. Rasch hat es sich zu einem kulturellen Anlass mit internationaler Anziehungskraft entwickelt. Heute ist es eines der wichtigsten europäischen Festivals für zeitgenössische Formen der darstellenden Künste.

Eine konsequente, künstlerisch hoch stehende Programmation, die einzigartige Atmosphäre und ein aufgeschlossenes, interessiertes Publikum in grosser Zahl sind die Basis der Erfolgsgeschich­te und machen das Theater Spektakel zu einem gefragten Auftrittsort von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt. Das Festival dauert 18 Tage und findet vom 17.08. bis 03.09.23 auf der Landiwiese statt. Das parkartige Gelände direkt am Zürichsee umfasst bis zu acht eigens errichtete Spielstätten unterschiedlicher Grösse. Darüber hinaus werden die Werfthalle sowie die Bühnen des Kulturzentrums Rote Fabrik bespielt. Aufführungen unter freiem Himmel, frei zugängliche Installationen und künstlerische Interventionen auf dem Gelände sowie die festivaleigenen Restaurants und Bars lassen die Landiwiese während des Festivals zu einem weit über Zürich hinaus reichenden Anziehungspunkt für Kulturinteressierte und Nachtschwärmer werden. Im Zusammenspiel mit dem Programmangebot machen sie das Zürcher Theater Spektakel zu einem lebendigen attraktiven Kulturfest, an dem sich die Open-Air-Saison noch einmal von ihrer schönsten Seite zeigt.

Die Programmleitung des Festivals lädt jährlich rund 40 Gruppen oder Einzelkünstlerinnen und -künstler aus der ganzen Welt ein, deren Arbeiten durch inhaltliche Relevanz, formale Eigenständigkeit, innovativen Charakter und künstlerische Ambition überzeugen. Ein Teil des Budgets steht für festivaleigene Produktionen oder Koproduktionen zur Verfügung. Dabei werden Projekte bevorzugt, die in einem engeren Zusammenhang mit dem Festival stehen.

Hier gehts zum Programm!

AI, VR, Motion Capture – quo vadis, Schauspielkunst?

Corinne Soland führt uns mit der neuen, regelmässigen Kolumne in die Zukunft der darstellenden Künste – vorbei an Ängsten, Kämpfen, Abenteuern und vielen, vielen neuen Möglichkeiten.

Ich sitze gerade auf dem Boden in der Eingangshalle des Los Angeles Convention Center. Hier bin ich nahe an einer Steckdose. Mein Computer hatte keinen Strom mehr und ich wollte unbedingt noch an dieser Kolumne schreiben. “Die Zukunft des Schauspiels” – was könnte das sein? Ich spiele als darstellende Person abwechselnd in Theater, Film und neuen Medien. Games zum Beispiel oder Virtual Reality.

Um mich herum findet die SIGGRAPH, die grösste Konferenz für Computergrafik, statt. Was das mit Schauspiel zu tun  hat? Hier knüpfe ich neue Kontakte zu Motion Capture Studios, mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte. Die Konferenz existiert seit 1974, es gibt Präsentationen zu bestehenden Technologien und Einblicke in zukünftige Ansätze zur Visualisierung von Geschichten mithilfe von Computern.

Werden wir bald durch künstliche Intelligenz ersetzt?

Das klingt jetzt alles etwas nerdig – der Grund, weshalb ich mich in diese Vorträge setze, ist folgender: Mich beschäftigt, was mit unserer Branche passiert. Welchen Stellenwert haben Schauspielende in zukünftigen audiovisuellen Produkten? Werden wir bald durch Künstliche Intelligenz ersetzt? Werden unsere Stimmen kopiert und verlieren wir dann vielleicht auch unsere Sprech-Jobs? Verlieren wir die Rechte an unserem Aussehen, unseren Bewegungen, unserer Identität?

Diese Fragen treiben aktuell hunderte streikende Schauspielende in Hollywood um. Ihr seht sie auf euren Social Media Profilen, wie sie ihre Schilder hochhalten und protestieren. Sie stehen hier in LA jeden Tag vor den grossen Studios, beharren seit mehr als 100 Tagen darauf,  für die digitale Weiterverwendung ihrer biometrischen Daten fair entschädigt zu werden.

 

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Und wir verstehen sie, wir sind wütend mit ihnen, wir denken: Genau! Wieso verdiene ich knapp 2000 Franken an einem Scan von mir, den irgendeine Firma dann ohne Buyout für den Rest meines Lebens weiterverwenden kann? Ich rede hier von den Grossen, von Disney, Netflix, Universal, Meta. Die kleinen Studios, a24 zum Beispiel, haben schnell auf Interimslösungen mit dem Berufsverband SAG-AFTRA eingewilligt. Auch, weil sie sich einen Drehstopp nicht leisten können. 

KI ist nicht das Problem. Ohne Regulierungen jedoch verstärkt sie Ungerechtigkeiten.

Hier an der Konferenz haben die Visual Effects-Menschen eines der grössten kommerziellen Unternehmen – Marvel – angekündigt, dass sie einen Verband gründen wollen. Die Menschen, die mit unseren Gesichtern, unseren Daten und unseren Stimmen direkt arbeiten, erleben die Auswirkungen von weiterentwickelter Technologie meistens noch vor uns Spielenden. Ihre Jobs sind auch in Gefahr, wenn Studios die Effekte von einer KI machen lassen. Auch sie reagieren nun darauf – mit dem Willen, für ihre Rechte einzustehen. Den Wert ihrer Arbeit soll anerkannt und anständig entlohnt werden.

Auf den Panels wird gesagt: “Im Grunde genommen ist Künstliche Intelligenz als Tool nur ein Problem, weil die Effizienz im Vordergrund steht.” Mit KI soll nämlich alles noch schneller gehen, mit weniger Schlaufen, die Kosten verursachen. Es ist also nicht die Technologie selbst, die den Künstler*innen als Erstes Sorgen macht, sondern wie sie angewandt wird, von wem und zu welchem Zweck. KI ist nicht das Problem. Ohne Regulierungen jedoch verstärkt sie Ungerechtigkeiten.

Deshalb bin ich an dieser Konferenz: Um zu verstehen.

Ich persönlich informiere mich gerne, wenn etwas auf mich zukommt, was mir Angst macht. Wenn ich es von näherem betrachte, ist es meistens nicht so gruselig. (Oder noch viel gruseliger, zugegeben.) Auf jeden Fall kann ich mir ein Bild machen und verstehe vielleicht eher, worum es eigentlich geht. Dann kann ich Verantwortung übernehmen für meine Ängste und Sorgen. Deshalb bin ich an dieser Konferenz – um zu verstehen. Was ich bisher herausgefunden habe ist, dass alle – auch die Grafiker*innen und Techniker*innen – Regulierungen möchten.

Erste Bewegungen in diese Richtung gibt es international und auch in der Schweiz. Die Vereinigung professioneller Sprecherinnen und Sprecher der Schweiz (VPS-ASP) hat in Zusammenarbeit mit der UVA (United Voice Artists) ein Manifest herausgegeben. Damit wollen sie unter anderem eng mit Entscheidungsträger*innen zusammenzuarbeiten, um Vorschriften zu erlassen, die den Einsatz von KI-Technologien mit der menschlichen Kreativität sowie den Datenschutzbestimmungen und den Rechten der Künstler*innen, in Einklang bringen.

Alle Forderungen sind ausformuliert einsehbar auf der VPS Website www.vps-asp.ch/about/news > AI Manifest. Diese Bestrebungen sind unbedingt unterstützenswert. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir Darstellenden auf der ganz eigenen, persönlichen Ebene Verantwortung übernehmen: unsere neuen Verträge ganz genau lesen, uns über KI informieren (wie funktioniert denn eine synthetische Stimme? dazu bald mehr) und im gegenseitigen Austausch bleiben über Erfahrungen aus dem Berufsalltag.

Tätigkeit immer wieder neu erfinden!

Die Zukunft des Schauspiels! Sie ist also da. Oder fängt sie gerade erst an – morgen? Jä nei – haben wir sie vielleicht bereits verpasst! Darstellende Künstler*innen haben seit jeher ihre Existenz und Tätigkeit immer wieder neu erfunden! Spielende stellen ihre Zeit, ihre menschliche Wärme, ihre dringlichen Anliegen, Sorgen, Ängste, Zweifel, Nöte, Beschwingtheit, ihre unendliche Tiefe des Glücks über ein Wort oder einen perfekt beleuchteten Augenblick dem Publikum zur Verfügung.

Sie teilen, was sie haben und werden immer noch unterbezahlt – vielleicht ändert sich das in Zukunft? Noch immer kämpfen Darsteller*innen dafür, dass ihr Beruf und die Familie irgendwann vereinbar werden. Mit Bangen blicken manche Spielende ihrer Rente und einer eventuellen Altersarmut entgegen. Ich möchte mich mit euch unterhalten: Green Producing, Machtverhältnisse, Stereotyp/innen – was sind eure Fragen an die Zukunft der Darstellenden Künste? Schreibt mir in die Kommentare! Ich freue mich darauf, Monat um Monat etwas anderes aufzudröseln.

 

Corinne Soland schreibt im ENSEMBLE zur Zukunft des Schauspiels. Corinne spielt “Anna” in Neumatt, “Isabelle” in Monsieur Claude und seine Töchter (Bernhard Theater),  “Emma” im VR Game Amazing Monster! und spricht als “Jimmy” und “Dimitri” im Guetnachtgschichtli. Corinne lebt in Basel und unterrichtet Motion Capture Schauspiel an interessierte Spielende.

nordArt | Theaterfestival Stein am Rhein

Das nordArt-Theaterfestival in Stein am Rhein ist als einziges Theaterfestival seit der ersten Durchführung 2009 ein fester Bestandteil des Kulturangebotes. Es geniesst grosse Beliebtheit und lockt im August mehrere tausend Besucher ins historische Städtchen.

Dieses Jahr findet das Festival vom 9. – 19. August 2023 statt.

Immer im August ist das nordArt-Theaterfestival Bühne für renommierte Künstler*innen und vielversprechende Newcomer*innen. Es bietet ein buntes und bereicherndes kulturelles Gesamterlebnis.
Ein Theaterabend am nordArt-Theaterfestival beginnt nicht erst wenn sich der Zuschauerraum verdunkelt und die Künstler:innen die fünf einzigartigen Bühnen betreten. Er beginnt dann, wenn die Gäste in Stein am Rhein ankommen. Es ist das Unverwechselbare, das das nordArt-Theaterfestival ausmacht.

10 Tage

5 Bühnen

52 Künstlerinnen und Künstler mit 28 Acts bis zu 5000 Besucher und Gäste aus der Deutschschweiz und den Grenzregionen.

Es bietet verschiedene Formate für jede Altersklasse.

Es setzt mit einer innovativen Nachwuchsförderung ein klares Zeichen.

Gestaltet ein vielseitiges Familienprogramm mit niederschwelliger Kulturvermittlung und kostenlosen Angeboten.

Die Organisation ist mit transparenten Personalressourcen professionell strukturiert.

Seit 14 Jahren vielfältig und authentisch – Das nordArt-Theaterfestival in Stein am Rhein entstand im August 2009 und ist heute fester Bestandteil in der Kulturagenda, das in der breiten Öffentlichkeit grosse Beliebtheit geniesst. Jeden August ist das Festival Hafen für renommierte Künstler*innen, und vielversprechende Newcomer*innen und lockt mit einem vielseitigen Programm mehrere tausend Gäste ins Städtchen Stein am Rhein. Seine Einbindung in die Stadt und die Umgebung spielt dabei seit Beginn eine zentrale Rolle. Es bietet dem Publikum nebst einem qualitativ hochstehenden Bühnenprogramm auch ein bereicherndes Gesamt-Kulturerlebnis. Das Festival hat sich stetig weiterentwickelt und mit regelmässigen Anpassungen entscheidende Schritte in Richtung Zukunft gemacht, getreu dem Motto: „Wir bleiben mit unseren Wurzeln verbunden und lassen das Pflänzchen fruchtbar wachsen und bunte Früchte tragen.“ Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben Seitentriebe wachsen lassen in die Bereiche Familien- und Kindertheater, Nachwuchsförderung und Kulturvermittlung. Das nordArt-Theaterfestival ist ein spannendes, freudvolles Festival mit fünf Spielstätten. Bei der Programmgestaltung wird auf eine Balance zwischen Wort und Musik, Komik und Satire, Visuellem und Aktuellem, zwischen Einzelkünstler*innen und Kollektiven geachtet. Aufstrebenden jungen Künstler*innen bieten wir mit dem JUNGSELGER seit 2019 eine Plattform.

Es sind die ganz, ganz grossen Künstlerinnen und Künstler von morgen, die man heute schon am nordArt-Festival entdecken kann! Ein Geschenk unter freiem Himmel, weil hier Menschen organisieren, die ihrem Publikum ausschliesslich das geben, was sie selber am meisten lieben: Richtig gutes Theater, an einem zauberhaften Ort, wo es ohne sie kein solches gäbe.

Nadja Sieger alias Nadeschkin

Halbierungsinitiative: Die schlechten Verlierer

Nachdem die NoBillag-Initiative vom Volk wuchtig versenkt wurde, haben sich die Gegner*innen des Service Public für ein paar Jahre die Wunden geleckt. Jetzt sind sie zurück mit der Halbierungsinitiative, einem weiteren Angriff auf Medien und Kultur.

Heute, am 10. August, reichen die Initianten aus dem rechtslibertären Spektrum die Initiative ein, die die Finanzierung der SRG halbieren soll. Als Scheinargument für die Definanzierung dienen die „hohen Abgaben“ für die SRG. Dies ist jedoch nur vorgeschoben. Den Initianten geht es in erster Linie um die Kontrolle der Medien. Und da die SRG weder von links noch von rechts kontrolliert werden kann – das ist zentral in der Organisation des Medienunternehmens – läuft jetzt der zweite Versuch, die SRG zu zerstören. Denn: Was man nicht kontrollieren kann, macht man kaputt.

Für uns, SzeneSchweiz, hat es aber viel mehr Gewicht als nur ein medienpolitisches: Von der SRG und ihren Partnern kommt grosse Unterstützung in die Kulturlandschaft Schweiz. Viele Produktionen wären ohne die Gelder aus dem Service Public gar nicht machbar. Kappt man der SRG die Lebensader, zerstört man auch einen wichtigen Teil der Schweizer Filmproduktionen und der Schweizer Kultur. Und nicht nur die Produktionen, auch der Zugang zur Kultur findet für viele Schweizer*innen über die SRG statt: Ob Theater, Konzert, Lesung, Kritik – die Berichterstattung über das kulturelle Leben, die kulturelle Vielfalt der Schweiz, findet auf den Sendern der SRG statt.

Es ist klar, dass die Initianten keinen Wert auf Schweizer Kultur legen, dass Produktionen, die ideelle Werte oder Nischenunterhaltung bringen, keinen Gewinn und damit in einer rein materiellen Weltsicht, keinen Wert haben. Das war damals bei der NoBillag ersichtlich und es zeigt sich auch heute wieder.

(Weiter nach dem Bild)

Reiner Trotz: Die NoBillag ging verloren, nun versuchen die Initianten das Gleiche nochmals.

 

Ein weiteres, libertäres Argument ist, wie schon bei der NoBillag-Initiative, dass private Medien ein Grossteil der Angebote besser und marktgerechter produzieren könnte. Und genau da merkt man den dissozialen Ansatz. Kein Marktmedium würde Nischenprogramme oder nur schon einen Service in Rumantsch anbieten, weil man damit einfach kein Geld verdienen kann.

Im Hintergrund unterstützt werden die Initianten von Medienhäusern, die sich von einer geschwächten SRG einen grösseren Anteil am Schweizer Medienkuchen versprechen. Aber man kann sicher sein: Die werden die volle Breite der Schweizer Kultur und der Schweizer Interessen nicht abbilden. Damit lässt sich nämlich kein Geld verdienen. Sonst bräuchte es die finanzielle Unterstützung für die SRG nämlich gar nicht.

Diejenigen, die damals eine Niederlage einstecken mussten, sind schlechte Verlierer. Sie versuchen, mit den gleichen, unredlichen Argumenten, die gleiche unrühmliche Angelegenheit nochmals vors Volk zu bringen. Mit viel Geld und einer antisozialen und antikulturellen Agenda.

Es ist uns bewusst, dass es mühsam ist, all die Argumente nochmals laut zu verkünden, aber wir bitten euch, das NEIN-Komitee zu unterstützen.

Hier könnt ihr euch informieren und engagieren:

www.pro-medienvielfalt.ch 

 

I | D Tavola rotonda sugli esordi della danza moderna e contemporanea in Ticino

Istituita nel 1982 dal comitato di danza dell‘Istituto Internazionale del Teatro (ITI) e fissata al 29.04, giorno di nascita del ballerino e coreografo Jean-Georges Noverre (1727-1810), la giornata internazionale della danza celebra ogni espressione e declinazione di questa forma d’arte. Nel tradizionale messaggio annuale, affidato quest’anno a Yang Liping, la danzatrice e coreografa di danza folk cinese pone lo sguardo sulla continuità tra tradizione e autor* odiern*.

Testo di Katja Vaghi

Similmente incentrata sulle linee della continuità orale in danza e sulla loro fragilità, è stata l’anteprima ticinese della Festa Danzante che da diversi anni ricorre per la Giornata Internazionale della Danza. Coordinato da RESO, l’appuntamento invita la Svizzera a danzare. Nella cornice dello splendido e arioso chiostro dell’ex Asilo Ciani di Lugano, l’invito proposto era alla memoria della danza e al danzare la memoria così da riportarla in vita. La danza evapora nel momento stesso in cui il gesto è portato in scena. L’unico modo per non farla sparire è incarnarne il gesto come proposto dal workshop pomeridiano e dallo spettacolo serale „Save the Last Dance“ della compagnia Alessandro Sciaroni che hanno avvicinato il pubblico alla polka chinata, tipica danza di corteggiamento, molto fisica e quasi dimenticata, eseguita fino alla Prima Guerra Mondiale esclusivamente da uomini sotto i portici di Bologna. Alla memoria della danza ticinese era invece dedicata la tavola rotonda sullo sviluppo della danza nella Svizzera italiana che ha visto la presenza di gran parte de* autor* attiv* tra gli anni ’80 e ’90.

La danza evapora nel momento stesso in cui il gesto è portato in scena.

Molti sanno della comunità di idealisti che alla ricerca di una società migliore si insedia all’inizio del XX secolo sul Monte Verità. Meno nota ne è invece l’importanza per lo sviluppo della danza moderna europea, o Ausdruckstanz. È nelle estati tra il 1913 e il 1919, in piena Prima Guerra Mondiale, che Rudolf von Laban sperimenta con un gruppo di danzatrici/i un nuovo modo di muoversi e di concepire il corpo. Le ricerche sul movimento sono poi ulteriormente sviluppate da allieve come Mary Wigman a Dresda, Susanne Perrottet a Zurigo e Katja Wullf a Basilea. Le ultime due figure, anche associate al movimento dada del Cabaret Voltaire, sono fondamentali non solo per la danza e la cultura svizzera, ma anche per una visione più ampia della funzione della danza nella società, come testimonia il fatto che Max Bircher-Benner e Carl G. Jung inviano pazienti alle lezioni della Perrottet. Cosa accade in Ticino quando queste influenti personalità della danza ripartono per la Svizzera interna e la Germania? Negli ultimi anni, l’attenzione si è concentrata su Charlotte Bara danzatrice belga-tedesca della Repubblica di Weimar, specializzata in danze sacre, che si stabilisce ad Ascona negli anni 20. L’architetto Carl Weidemeyer è incaricato di costruirle un teatro da camera in stile Bauhaus, il Teatro San Materno, realizzato tra il 1927 e il 1948. Cosa è successo invece in epoca più recente? La tavola rotonda „Noi c’eravamo“ ha voluto gettare una luce sulle radici della danza contemporanea in Ticino con l’obiettivo di comprendere il presente e considerare il futuro della danza nella Svizzera italiana. A condividere uno spaccato del proprio mondo creativo e concezione del movimento sono stati Claudio Schott, Margit Huber, Nunzia Tirelli, Claudio Prati e Ariella Vidach (AiEP).

Le ultime due figure, anche associate al movimento dada del Cabaret Voltaire, sono fondamentali non solo per la danza e la cultura svizzera, ma anche per una visione più ampia della funzione della danza nella società, come testimonia il fatto che Max Bircher-Benner e Carl G. Jung inviano pazienti alle lezioni della Perrottet.

Il punto di partenza della tavola rotonda, avviata dalla danzatrice, coreografa e ricercatrice di danza Katja Vaghi, è uno studio sul danzatore e coreografo Claudio Schott, che ha fondato la prima compagnia di danza contemporanea in Ticino, il Gruppo Teatro Danza (1983-1988). Il gruppo, in seguito ribattezzato Progetto Danza Hortus Saltationis (1988-1996), ha riunito molti professionisti della danza presenti sul territorio in quegli anni, portando la danza all’attenzione del pubblico ticinese. Il progetto di ricerca ha ricevuto il finanziato al patrimonio performativo svizzero offerto dall’Ufficio federale della cultura nel 2021 ed è coadiuvato dall’Accademia Dimitri. La tavola rotonda ha seguito due linee di indagine. Da un lato, si è a posto l’accento sulla transnazionalità della danza, evidenziando la ricchezza di approcci al movimento e al corpo presenti in un territorio così ristretto. Il Ticino è una terra di passaggio, un ponte tra la Svizzera interna e il bacino del Nord Italia. L’assenza di una formazione professionale in danza porta le persone che aspirano a una carriera in questo campo a recarsi in Svizzera interna o all’estero. Le competenze e l’esperienza vengono poi portate in Ticino quando l’artista decide di tornare. L’altro filone di discussione era orientato a rievocare il clima di sperimentazione e ribellione caratteristico degli anni ’80 e ’90: l’eterogeneità del training dei pochi danzatori sul territorio, il rapporto con i gruppi teatrali indipendenti e la costituzione di un’associazione professionale a difesa degli interessi di categoria (TASI).

Da un lato, si è a posto l’accento sulla transnazionalità della danza, evidenziando la ricchezza di approcci al movimento e al corpo presenti in un territorio così ristretto. Il Ticino è una terra di passaggio, un ponte tra la Svizzera interna e il bacino del Nord Italia.

Claudio Schott, spinto dal suo precoce desiderio di diventare un danzatore, si trasferisce dalla conservativa Lugano a Londra dove si forma in tecnica Graham e Cunningham al programma serale della London Contemporary Dance School (LCDS). In Gran Bretagna lavora come danzatore, coreografo e pedagogo con ingaggi con la compagnia Images Dance Theatre e l’English National Opera. In seguito ad una svolta nella politica di immigrazione, ritorna a Lugano e tra il 1981 e il 1996 fonda e dirige la prima scuola e compagnia di danza contemporanea in Ticino. Narratore di storie, i suoi lavori sono chiaramente ispirati alle tecniche di movimento che ha studiato. L’innovazione avviene a livello tematico, con l’omosessualità e le relazioni di coppia in primo piano rispetto al movimento astratto. È stato segretario del TASI e tra i promotori nel 1996 del primo Festival di danza in Ticino, TI-danza.

Narratore di storie, i suoi lavori sono chiaramente ispirati alle tecniche di movimento che ha studiato. L’innovazione avviene a livello tematico, con l’omosessualità e le relazioni di coppia in primo piano rispetto al movimento astratto.

Margit Huber si è formata a Herisau alla scuola di Sigurd Leeder, esponente della Ausdruckstanz, e danza con Choreo 77 prima di trasferirsi in Ticino nel 1982. Dopo alcuni anni apre la sua scuola e fonda la sua compagnia nel 2000. Lavora come danzatrice e coreografa con e per il Gruppo Teatro Danza prima di tornare alla ricerca come solista. La sua produzione si concentra sul trascendentale e sulla natura, con influssi dell’I-Ching e dei quattro elementi cosmici. Questa sensibilità verso un quadro più ampio della realtà, la porta a studiare Butoh, tecnica di movimento postmoderna giapponese legata all‘Ausdruckstanz. Impegnata politicamente per il riconoscimento e la difesa del teatro libero nella Svizzera italiana, è stata uno dei primi membri attivi della TASI, insieme a Schott.

La sua produzione si concentra sul trascendentale e sulla natura, con influssi dell’I-Ching e dei quattro elementi cosmici. Questa sensibilità verso un quadro più ampio della realtà, la porta a studiare Butoh, tecnica di movimento postmoderna giapponese legata all‘Ausdruckstanz.

Nunzia Tirelli si è unita a Claudio Schott e al Progetto Danza come danzatrice e coreografa dopo aver studiato diverse tecniche di danza moderna e contemporanea in Italia. Il suo interesse per le potenzialità espressive del corpo in moto sulla scena l’ha portata a muoversi tra teatro e danza, collaborando per lungo tempo con Cristina Castrillo e il Teatro delle Radici. Nel corso degli anni, guidata dalla sua insaziabile curiosità per il movimento, ha conseguito diverse formazioni come analista del movimento, Bartenieff e di studi cronologici, percorsi tutti incentrati sulle idee sul movimento di Rudolf von Laban. Tra il 2012 e il 2021 dirige il Laban Event che riporta con conferenze e ricostruzioni di opere di von Laban l’Ausdrucktanz al Monte Verità. È tuttora attiva come danzatrice, coreografa e pedagoga e fa parte della giuria federale per le arti performative.

Claudio Prati e Ariella Vidach si incontrano durante una lezione di Contact improvisation a New York, dove si erano trasferiti per approfondire i loro rispettivi percorsi nelle arti visive e performative, e nella danza. L’interesse di Vidach per l’improvvisazione e le tecniche di danza postmoderna si incontra con la videoarte di Prati. Nel 1988 tornano in Ticino e creano la loro compagnia Avventure in Elicottero Prodotti (AiEP) in cui la danza e le nuove tecnologie interagiscono dal vivo sul palcoscenico, un approccio rivoluzionario e visionario per l’epoca. Attivi tra il Ticino e Milano, hanno ricevuto il premio per la danza dell’ufficio Federale della Cultura nel 2017 per i loro lavori futuristici, in cui il corpo e i media digitali interagiscono alla pari sul palco.

L’incontro si è chiuso con un appello lanciato dal publico in sala alla nuova generazione ad essere incisiva nelle sue azioni artistiche e politiche.

A contribuire alla retrospettiva è stata anche la presenza in platea di numeros* protagonist* della comunità artistica dell’epoca, per citarne alcuni, Camilla Lombardo, danzatrice che ha lavorato per Claudio Schott, pedagoghi della danza (Manuela Rigo e Mi Jung Manfrini), autori del teatro indipendente (Cristina Castrillo), costumist*, ex alliev* di danza e giornalist*. L’incontro si è chiuso con un appello lanciato dal publico in sala alla nuova generazione ad essere incisiva nelle sue azioni artistiche e politiche.

D | I Runder Tisch zu den Anfängen des modernen und zeitgenössischen Tanzes im Tessin   

Der Internationale Tag des Tanzes, der 1982 vom Tanzkomitee des Internationalen Theaterinstituts (ITI) ins Leben gerufen wurde und auf den 29.04., den Geburtstag des Tänzers und Choreographen Jean-Georges Noverre (1727-1810), fällt, feiert alle Ausdrucksformen und Ausprägungen dieser Kunstform. In ihrer traditionellen jährlichen Botschaft, die in diesem Jahr Yang Liping anvertraut wurde, richtet die chinesische Volkstänzerin und Choreografin ihr Augenmerk auf die Kontinuität zwischen der Tradition und den heutigen Autor*innen.

Text von Katja Vaghi

Die Tessiner Vorpremière der Festa Danzante am 29. April, die seit mehreren Jahren am Internationalen Tag des Tanzes stattfindet, konzentrierte sich ebenfalls auf die Linien der mündlichen Kontinuität im Tanz und ihre Zerbrechlichkeit. Die vom RESO koordinierte Veranstaltung lädt die Schweiz zum Tanzen ein. Im prächtigen und luftigen Kreuzgang des ehemaligen Asilo Ciani in Lugano sollte die Erinnerung an den Tanz wachgerufen werden und wieder zum Leben erweckt werden. Der Tanz verflüchtigt sich in dem Moment, in dem die Geste auf die Bühne gebracht wird. Die einzige Möglichkeit, ihn nicht verschwinden zu lassen, besteht darin, die Geste zu verkörpern, wie es der Workshop am Nachmittag und die abendliche Aufführung „Save the Last Dance“ der Compagnie Alessandro Sciaroni vorschlugen, die dem Publikum die Bogenpolka näherbrachte, einen typischen, sehr körperlichen und fast vergessenen Balztanz, der bis zum Ersten Weltkrieg ausschließlich von Männern unter den Arkaden von Bologna aufgeführt wurde. Der runde Tisch über die Entwicklung des Tanzes in der italienischen Schweiz war hingegen der Erinnerung an den Tessiner Tanz gewidmet, an dem die meisten der zwischen den 1980er und 1990er Jahren aktiven Autor*innen teilnahmen.

Der Tanz verflüchtigt sich in dem Moment, in dem die Geste auf die Bühne gebracht wird.

Viele kennen die Gemeinschaft von Idealisten, die sich auf der Suche nach einer besseren Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Monte Verità niedergelassen haben. Weniger bekannt ist jedoch seine Bedeutung für die Entwicklung des modernen europäischen Tanzes, des Ausdruckstanzes. In den Sommern zwischen 1913 und 1919, mitten im Ersten Weltkrieg, experimentierte Rudolf von Laban mit einer Gruppe von Tänzern mit einer neuen Art, sich zu bewegen und den Körper zu begreifen. Die Bewegungsforschung wurde dann von Schülerinnen wie Mary Wigman in Dresden, Susanne Perrottet in Zürich und Katja Wullf in Basel weiter entwickelt. Die beiden letztgenannten Persönlichkeiten, die auch mit der Dada-Bewegung des Cabaret Voltaire in Verbindung gebracht werden, sind nicht nur für den Schweizer Tanz und die Schweizer Kultur von grundlegender Bedeutung, sondern auch für eine umfassendere Sicht auf die Funktion des Tanzes in der Gesellschaft, wie die Tatsache beweist, dass Max Bircher-Benner und Carl G. Jung Patienten in Perrottets Tanzstunden schicken. Was geschieht im Tessin, wenn diese einflussreichen Tanzpersönlichkeiten in die Innerschweiz und nach Deutschland abwandern? Der runde Tisch „Wir waren dabei“ versuchte, die Wurzeln des zeitgenössischen Tanzes im Tessin zu beleuchten, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft des Tanzes in der italienischen Schweiz zu betrachten. Claudio Schott, Margit Huber, Nunzia Tirelli, Claudio Prati und Ariella Vidach (AiEP) gaben Einblicke in ihr kreatives Schaffen und ihre Vorstellung von Bewegung.

Die beiden letztgenannten Persönlichkeiten, die auch mit der Dada-Bewegung des Cabaret Voltaire in Verbindung gebracht werden, sind nicht nur für den Schweizer Tanz und die Schweizer Kultur von grundlegender Bedeutung, sondern auch für eine umfassendere Sicht auf die Funktion des Tanzes in der Gesellschaft, wie die Tatsache beweist, dass Max Bircher-Benner und Carl G. Jung Patienten in Perrottets Tanzstunden schicken.

Ausgangspunkt der von der Tänzerin, Choreografin und Tanzforscherin Katja Vaghi initiierten Gesprächsrunde war eine Studie über den Tänzer und Choreografen Claudio Schott, der die erste zeitgenössische Tanzkompanie im Tessin, die Gruppe Teatro Danza (1983-1988), gründete. Die Gruppe, die später in Progetto Danza Hortus Saltationis (1988-1996) umbenannt wurde, brachte in jenen Jahren zahlreiche Tanzschaffende aus der Region zusammen und machte die Tessiner Öffentlichkeit auf den Tanz aufmerksam. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesamt für Kultur im Jahr 2021 für das Erbe der darstellenden Künste in der Schweiz gefördert und wird von der Accademia Dimitri unterstützt. Der Runde Tisch verfolgte zwei Fragestellungen. Einerseits wurde der Schwerpunkt auf die Transnationalität des Tanzes gelegt, indem der Reichtum an Bewegungs- und Körperansätzen auf einem so begrenzten Gebiet hervorgehoben wurde. Das Tessin ist ein Land des Übergangs, eine Brücke zwischen der Innerschweiz und dem norditalienischen Becken. Das Fehlen einer professionellen Tanzausbildung veranlasst Menschen, die eine Karriere in diesem Bereich anstreben, in die Innerschweiz oder ins Ausland zu reisen. Die erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen werden dann ins Tessin zurückgebracht, wenn die Künstlerin oder der Künstler beschließt, zurückzukehren. Der andere Diskussionsstrang zielte darauf ab, das für die 1980er und 1990er Jahre charakteristische Klima des Experimentierens und der Rebellion in Erinnerung zu rufen: die Heterogenität der Ausbildung der wenigen Tänzerinnen und Tänzer in der Region, die Beziehung zu den freien Theatergruppen und die Gründung eines Berufsverbands zur Verteidigung der Interessen des Berufs (TASI).

Einerseits wurde der Schwerpunkt auf die Transnationalität des Tanzes gelegt, indem der Reichtum an Bewegungs- und Körperansätzen auf einem so begrenzten Gebiet hervorgehoben wurde. Das Tessin ist ein Land des Übergangs, eine Brücke zwischen der Innerschweiz und dem norditalienischen Becken.

Claudio Schott zog, getrieben von seinem frühzeitigen Wunsch, Tänzer zu werden, vom konservativen Lugano nach London, wo er am Abendprogramm der London Contemporary Dance School (LCDS) in den Techniken von Graham und Cunningham ausgebildet wurde. In Großbritannien arbeitete er als Tänzer, Choreograph und Pädagoge mit Engagements bei der Images Dance Theatre Company und der English National Opera. Nach einer Änderung der Einwanderungspolitik kehrte er nach Lugano zurück und gründete und leitete zwischen 1981 und 1996 die erste zeitgenössische Tanzschule und Kompanie im Tessin. Als Geschichtenerzähler sind seine Werke eindeutig von den Bewegungstechniken inspiriert, die er studiert hat. Die Innovation findet auf thematischer Ebene statt, wobei Homosexualität und Paarbeziehungen im Gegensatz zu abstrakten Bewegungen im Vordergrund stehen. Er war Sekretär der TASI und einer der Initiatoren des ersten Tanzfestivals im Tessin, TI-danza, im Jahr 1996.

Als Geschichtenerzähler sind seine Werke eindeutig von den Bewegungstechniken inspiriert, die er studiert hat. Die Innovation findet auf thematischer Ebene statt, wobei Homosexualität und Paarbeziehungen im Gegensatz zu abstrakten Bewegungen im Vordergrund stehen.

Margit Huber wurde in Herisau in der Schule von Sigurd Leeder, einem Vertreter des Ausdruckstanzes, ausgebildet und tanzte in der Gruppe Choreo 77, bevor sie 1982 ins Tessin zog. Nach einigen Jahren eröffnete sie ihre eigene Schule und gründete im Jahr 2000 ihre eigene Kompanie. Sie arbeitete als Tänzerin und Choreografin mit und für die Gruppo Teatro Danza, bevor sie als Solistin in die Forschung zurückkehrte. Ihre Produktionen konzentrierten sich auf das Transzendente und die Natur, mit Einflüssen aus dem I-Ching und den vier kosmischen Elementen. Diese Sensibilität für ein umfassenderes Bild der Realität veranlasste sie, Butoh zu studieren, eine postmoderne japanische Bewegungstechnik, die mit dem Ausdruckstanz verbunden ist. Politisch engagiert für die Anerkennung und Verteidigung des freien Theaters in der italienischen Schweiz, war sie zusammen mit Schott eines der ersten aktiven Mitglieder der TASI.

Ihre Produktionen konzentrierten sich auf das Transzendente und die Natur, mit Einflüssen aus dem I-Ching und den vier kosmischen Elementen. Diese Sensibilität für ein umfassenderes Bild der Realität veranlasste sie, Butoh zu studieren, eine postmoderne japanische Bewegungstechnik, die mit dem Ausdruckstanz verbunden ist.

Nunzia Tirelli kam als Tänzerin und Choreografin zu Claudio Schott und Progetto Danza, nachdem sie in Italien verschiedene moderne und zeitgenössische Tanztechniken studiert hatte. Ihr Interesse an den Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers in Bewegung auf der Bühne führte sie dazu, zwischen Theater und Tanz zu wechseln und lange Zeit mit Cristina Castrillo und dem Teatro delle Radici zusammenzuarbeiten. Im Laufe der Jahre hat sie, geleitet von ihrer unstillbaren Neugierde für Bewegung, verschiedene Ausbildungen als Bewegungsanalytikerin, Bartenieff und chronologische Studien absolviert, die sich alle auf die Bewegungsideen von Rudolf von Laban konzentrieren. Zwischen 2012 und 2021 leitete sie das Laban Event, das den Ausdruckstanz mit Vorträgen und Rekonstruktionen der Werke von Labans auf den Monte Verità zurückbrachte. Sie ist weiterhin als Tänzerin, Choreografin und Pädagogin tätig und Mitglied der Bundesjury für darstellende Künste.

Claudio Prati und Ariella Vidach lernten sich während eines Kontaktimprovisationskurses in New York kennen, wohin sie gezogen waren, um ihren jeweiligen Weg in der bildenden und darstellenden Kunst sowie im Tanz weiterzugehen. Vidachs Interesse an Improvisation und postmodernen Tanztechniken traf auf Pratis Videokunst. 1988 kehrten sie ins Tessin zurück und gründeten ihre Kompanie Avventure in Elicottero Prodotti (AiEP), in der Tanz und neue Technologien live auf der Bühne interagieren – ein für die damalige Zeit revolutionärer und visionärer Ansatz. Sie sind zwischen dem Tessin und Mailand tätig und erhielten 2017 den Tanzpreis des Bundesamts für Kultur für ihre futuristischen Arbeiten, in denen der Körper und die digitalen Medien auf der Bühne gleichberechtigt interagieren.

Das Treffen schloss mit einem Appell des Publikums an die neue Generation, in ihrem künstlerischen und politischen Handeln prägnant zu sein.

Zur Retrospektive trug auch die Anwesenheit zahlreicher Protagonist*innen der damaligen Kunstszene bei, darunter die Tänzerin Camilla Lombardo, die für Claudio Schott arbeitete, Tanzpädagog*innen (Manuela Rigo und Mi Jung Manfrini), Autor*innen des freien Theaters (Cristina Castrillo), Kostümbildner*innen, ehemalige Tanzstudent*innen und Journalist*innen. Das Treffen schloss mit einem Appell des Publikums an die neue Generation, in ihrem künstlerischen und politischen Handeln prägnant zu sein.

Locarno, ti amo!

Alle Jahre wieder trifft sich die Branche am glamourösen Filmfestival am Lago Maggiore. Während die Film-Enthusiasten sich vor der Leinwand scharen, treffen sich Darsteller*innen und Filmleute bei den Apéros. So auch beim SSFV-SzeneSchweiz-Anlass.

Um es vorwegzunehmen: Alain Berset, der George Clooney des Bundesrats und Kultur-Oberchef der Schweiz, kam nicht an den Branchen-Apéro von SSFV und SzeneSchweiz, aber die Teilnehmer*innen konnten ihre Tränen zurückhalten und hatten auch so ihren Spass. Natürlich konnte man endlich wieder mal Branchen-Gossips austauschen, aber es wurden auch ernste Themen diskutiert:

Unter den Mitgliedern beider Verbände gaben die Verhandlungen zu den Filmschauspielgagen zu reden. Auch die uns alle überrollende KI und die möglichen Folgen für Sprecher*innen und Schauspieler*innen waren in aller Munde. Während in den USA bereits der Kulturkampf um das Recht am eigenen Bild und Erscheinen in einem der grössten Streiks der Filmgeschichte eskalierte, sind in der Schweiz noch alle vom Thema überfordert. Tenor unter den Interpret*innen: Es muss schnell gehandelt werden.

Die Chef*innen (v.l.n.r).: Salva Leutenegger, GL SzeneSchweiz, Matthias Albold, Präsident SzeneSchweiz, Chantal Bolzern, Präsidentin SSFV, Nicole Barras, GL SSFV

Die Verbände und die Verwertungsgesellschaften sind gefordert, nachzudenken und entsprechende Forderungen zugunsten der Interpret*innen auszuarbeiten. Matthias Albold, Präsident SzeneSchweiz brachte alarmierende Gedanken vom internationalen FIA-Kongress in Tallin mit, wo die KI ein zentrales Thema war. Man sei sich einig gewesen, dass es Verlierer gebe, aber es gelte, die Verluste möglichst kleinzuhalten.

Doch weder die Zukunft, noch die noch immer im Nacken sitzende Pandemie-Krise trübte die Laune der Gäste: Netzwerken, Cüpli trinken, Leben geniessen. Schliesslich ist nur einmal im Jahr Festival Locarno!

 

Adrenalin als Superkraft für Schauspieler*innen

Wir Künstler*innen kennen verschiedenste Arten von Ängsten und reden doch so selten darüber. Ein Tabuthema? Eine Schwäche? Ganz und gar nicht. Wer grosse Angst empfindet, schüttet dementsprechend mehr Adrenalin aus und ist um einiges leistungsfähiger, als seine entspannten Zeitgenossen.

Text von Stefanie Gygax, professionelle Bühnendarstellende

Um bei einer Première Höchstleistung erbringen zu können, wird vom Körper ungefähr die gleiche Menge an Adrenalin ausgeschüttet, wie wenn er sich in Lebensgefahr befindet. Das bedeutet Alarmbereitschaft für Herz, Lunge, Muskeln und Hirn. Dieser Zustand ermöglicht es dem Körper Energiereserven anzuzapfen, die im “normalen” alltäglichen Zustand nicht abrufbar wären. Der Mensch kann schneller reagieren und besser performen. Angst kann ein machtvoller Motivator sein.

Wieso sprechen wir aber gar nicht oder nur höchst selten offen über unsere Ängste? Von der Gesellschaft als Schwäche verurteilt, lernen wir bereits als kleines Kind, dass wir keine Angst haben sollen. Ich hätte mir gewünscht, dass man mich als Kind in den Arm genommen hätte, um zu sagen, dass es in Ordnung ist, Angst zu haben. Diese Emotion gehört genauso zum Leben wie Freude, Wut, Trauer. Aber auch meine Eltern hatten bereits erlernt, dass dies gar keine Option ist, da Angst in der Gesellschaft noch immer nicht akzeptiert wird.

Mein Lieblingszitat: “Mut ist, wenn man Angst hat und es trotzdem tut” hat bei mir einen Schalter gedreht. Ich habe realisiert, dass diejenigen, die sich Ihren Ängsten stellen, die Stärksten sind.

Stefanie, Gygax

Mein Lieblingszitat: “Mut ist, wenn man Angst hat und es trotzdem tut” hat bei mir einen Schalter gedreht. Ich habe realisiert, dass diejenigen, die sich Ihren Ängsten stellen, die Stärksten sind. Ich habe angefangen, stolz darauf zu sein, wenn ich meine Komfortzone verlasse, und mittlerweile suche ich mir sogar diese Erlebnisse, um mich weiterzuentwickeln. Denn “Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.” Beispielsweise hatte ich letzte Woche die Möglichkeit an der Hamburger Staatsoper vorzusingen.

Natürlich hatte ich grossen Respekt. Ich hatte zwar nicht direkt Angst zu versagen, fürchtete aber sowohl den Anforderungen nicht gerecht zu werden als auch den Gefühlszustand, wenn es nicht so läuft, wie ich es mir wünsche. Ich habe mich dann aber mental auf die Freude konzentriert und die bösen Gedanken weggeschickt, was sich gottseidank ausbezahlt hat – das Vorsingen lief sehr gut!

Ich habe mich dann aber mental auf die Freude konzentriert und die bösen Gedanken weggeschickt, was sich gottseidank ausbezahlt hat – das Vorsingen lief sehr gut!

In der Vergangenheit hatte ich nicht immer so schöne Erlebnisse. Die Zuschauer sehen immer nur den Erfolg auf der Bühne, das Privileg dieses Berufes. Aber was wir Sänger alles an Kritik und Machtspielen einstecken müssen, darüber redet kaum jemand. Wiederum aus Angst, dass man nicht mehr engagiert wird?

Leider ja. Gerade diese unterdrückte Angst ist noch viel gefährlicher, denn sie kann zu unangenehmen Panikattacken führen. Ich selbst habe einige Zeit darunter gelitten und wer diesen Zustand kennt, weiss, dass dieser viel tiefer geht als die “normale Angst” und nicht mehr leicht in den Griff zu bekommen ist. Ausgelöst wurde es bei mir durch subtiles Mobbing am Arbeitsplatz. Man sollte jeweils gut überlegen, ob man einen Job wirklich machen will, wenn eine Person aus dem leitenden Team einen aus (un-)bestimmten Gründen nicht mag. Ich habe mit einer Sängerkollegin aus dem Musicalbusiness darüber geredet, die den Beruf aus diesem Grund komplett an den Nagel hängen wollte. Auch ich hatte damals unterschätzt, was es für psychischen Schaden anrichten kann, wenn dir jemand bei jeder Probe das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein, ob als Mensch oder als Künstler*in.

Und als ich dann während der Vorstellungsphase krank geworden bin und mit angeschlagener Stimme singen musste, überraschte mich mein Körper mit plötzlichem Herzrasen, Schwindelgefühl, Kribbeln im Körper, Taubheitsgefühle … die typischen Anzeichen einer Panikattacke. Ich habe die Vorstellung überlebt, aber diesen Zustand wünsche ich niemandem.

Auch ich habe mir damals überlegt, ob ich aufhören soll. Aber da ich ohne meine Berufung nicht mehr viel Lebenssinn spürte, habe ich mir psychologische Hilfe geholt, um wieder in meine Kraft zu kommen und mich auch um meine mentale Gesundheit zu kümmern.

Folglich wurde dieses Gefühl jedes Mal getriggert, wenn ich nicht ganz fit war oder ein Kratzen im Hals spürte vor einem Auftritt. Auch ich habe mir damals überlegt, ob ich aufhören soll. Aber da ich ohne meine Berufung nicht mehr viel Lebenssinn spürte, habe ich mir psychologische Hilfe geholt, um wieder in meine Kraft zu kommen und mich auch um meine mentale Gesundheit zu kümmern. I

ch habe im Theater und mit Freunden angefangen über Ängste zu sprechen und gemerkt, wieviele Künstler*innen darunter leiden. Ich möchte dazu ermutigen: Tauscht euch darüber aus, es geht uns allen in der einen oder anderen Form gleich! Wenn man zum Beispiel merkt, dass jemand sehr aufgeregt ist oder bei einer Probe vom Regisseur beleidigt worden ist, sollte man die Person direkt versuchen darauf anzusprechen und schauen, ob sie für eine Gespräch bereit ist.

Vielleicht geht es ihre danach direkt besser, weil sie sich verstanden fühlt oder nicht mehr alleine damit ist. Ich habe leider oft die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute still bleiben und sich nicht trauen, zu intervenieren, wenn jemand auf eine gemeine Art und Weise kritisiert wird, geschweige denn der oder die Angegriffene selbst.

Ich sagte ihr, Sie müsse jetzt vertrauen. Da schaute Sie mich verständnislos an. Ich erklärte ihr, dass das Adrenalin alles Menschenmögliche mit ihrem Körper machen werde, um den Ton auf der Bühne zu produzieren.

Warum haben wir nicht den Mut zu sagen, dass wir das nicht in Ordnung finden? Wieder aus Angst, nicht mehr gemocht zu werden und dann der Nächste zu sein, der gemobbt wird? Eine junge Kollegin bei Sister Äct kam fünf Minuten vor dem Auftritt beunruhigt auf mich zu. Sie berichtete mir, dass sie erkältet sei und beim Einsingen keinen hohen Ton singen konnte… sie wisse nicht, was sie jetzt machen solle! Ich sagte ihr, sie müsse jetzt vertrauen. Da schaute Sie mich verständnislos an. Ich erklärte ihr, dass das Adrenalin alles Menschenmögliche mit ihrem Körper machen werde, um den Ton auf der Bühne zu produzieren. Etwas verdutzt, aber mit Hoffnung in den Augen ging sie auf die Bühne und meisterte den hohen Ton bravourös!

Unser Beruf erfordert Unmengen an Mut und wir sind bei jeder Probe, bei jeder Audition gefordert, aus unserer Komfortzone herauszugehen. Das ist eine riesige Leistung, auf die wir jeden Tag stolz sein können.

Das Locarno Film Festival geht in die 76. Runde

Das Locarno Film Festival findet vom 2. bis 12. August statt und ist das wichtigste Filmfestival der Schweiz und gehört zu den renommiertes­ten in Europa. Eine Vielzahl von Filmen werden an den vier Wettbe­werben präsentiert: Concorso Internazionale, Cineasti del Presente, Pardi di Domani und First Feature.

Es finden allabendliche Filmvorführungen auf der Piazza Granze statt, wo Regisseur*innen und Schauspieler*innen anwesend sind, die nach Locarno kommen, um ihre Arthouse- und Independetfilme zu zeigen, die internationale Relevanz aufweisen. neben Filmen gibt es auch Veranstaltungen, Workshops für angehende Filmschaffende und die Auszeichnung des Pardo d’onore, ein Preis für erstklassige Filmemacher*innen, die dieses Jahr an Harmony Korine überreicht wird.

Zum Programm gehts hier.


Exklusiv für SzeneSchweiz-Mitglieder – Akkreditierung und Netzwerkapéro

Wie jedes Jahr können Mitglieder von SzeneSchweiz eine Akkreditierung beantragen, und zwar die «Professional» Akkreditierung für CHF 80.

Am Samstag, 5. August findet wieder das beliebte Netzwerk- und Branchenapéro statt, das zusammen mit dem Verband SSFV veranstalten wird: Ab 17 Uhr in der Bar Festival.

Hollywood streikt gegen AI – und wie siehts in der Schweiz aus?

Die Schauspieler*innen in Hollywood streiken für mehr Lohn und die ganze Industrie steht still. Ein weiterer wichtiger Punkt:: Wenn künstliche Intelligenz das Aussehen und die Stimme eine*r Darsteller*in vollkommen echt imitieren kann, wer hat dann die Rechte an diesen Bildern und Filmen?

I | D Malcantone in Ticino: Teatro Lo Sgambetto

Perle d’arte performativa in Ticino: Teatro Lo Sgambetto, Croglio TI

Intervista a Melanie Häner, presidente e direttrice artistica

Blue Sky ha incontrato, per Ensemble, gli artisti del Malcantone associati a Scena Svizzera: Opera retablO di Ledwina Costantini, Salone Piazza Grande di Sandro Shneebeli, Teatro Agorà di Marzio Paioni e Olimpia De Girolamo, Teatro Lo Sgambetto per la direzione di Melanie Häner.

Lo Sgambetto, nasce il 5 ottobre 2013 e vuole essere un vero e proprio ponte che connette attraverso incontri, sperimentazioni, creazioni e scambio di pratiche performative e pedagogiche.

Immagini di Roger Salem

Blue Sky: Cosa significa avere uno spazio artistico oggi, nutrirlo e farlo vivere?

Melanie Häner: Tutto è cominciato dall’esigenza personale di avere un luogo dove sentirmi libera ed esprimermi senza interferenze. Una volta trovato, ne ho parlato con Ruben Moroni, caro amico, attore, regista e scrittore teatrale che subito si è innamorato dello spazio, così come mia madre anche lei artista, pittrice e attrice. All’inizio lo usavamo per fare le prove ed era talmente bello e con un’energia così forte che il desiderio di condividerlo con altri è nato spontaneo: è iniziato quasi per caso e ci ha coinvolti tutti. Abbiamo iniziato a creare delle rassegne in cui presentare le nostre creazioni e dei lavori artistici che necessitavano di un ambiente piccolo e avvolgente. Avere questo spazio oggi, dopo nove anni e la pandemia, ha un significato molto importante perché sento che l’espressività umana è schiacciata dal sistema. E’ sempre difficile trovare un luogo dove sentirsi davvero liberi e per questo  continuo ad aver bisogno di un luogo in cui continuare a creare in libertà: Lo Sgambetto è questo. E’ stato un luogo in cui ho sperimentato il coraggio dei primi passi e così, come me, anche gli altri membri dello staff e altri artisti. E’ un luogo dove sperimentare una vita diversa.

Avere questo spazio oggi, dopo nove anni e la pandemia, ha un significato molto importante perché sento che l’espressività umana è schiacciata dal sistema.

Melanie Häner, direttrice artistica di Teatro Lo Sgambetto

In tutti questi anni siamo sempre andati avanti senza il sostegno del Cantone, pur dimostrando di aver fatto già fatto programmazioni di qualità. Spesso siamo rimasti delusi dalle risposte negative e,  anche se dovrebbe essere l’Istituzione a riconoscerne il valore e sostenere chi fa cultura, abbiamo deciso di continuare a lavorare come indipendenti e di tasca nostra. Più volte nella nostra storia abbiamo rischiato di chiudere e, dei privati, per puro amore dell’arte ci hanno salvato: senza di loro, Lo Sgambetto, non esisterebbe più.

Quale è il fulcro a cui tutto ruota intorno del vostro fare cultura?

Credo molto nell’arte vissuta e offerta in un certo modo, è fondamentale nel mondo di ora in cui l’individualismo cresce a dismisura: Lo Sgambetto è un luogo di connessione e d’incontro. Entrare a Lo Sgambetto è come entrare in famiglia. Dentro alle nostre possibilità abbiamo curato meticolosamente l’accoglienza tanto del pubblico quanto dell’artista che, quando arriva da noi, è un Re. Siamo sempre stati molto accorti in questo: per noi significa portare un grande rispetto e riconoscimento del lavoro artistico altrui. E questo si è sempre riflesso sul pubblico. L’arte è curativa, è un balsamo per l’anima e non ci sono tanti luoghi in cui puoi venire accolto nel modo in cui accogliamo i nostri spettatori. E’ proprio un salotto di famiglia e usufruisci dell’arte a un metro di distanza. Puoi interagire con l’artista un minuto dopo finito lo spettacolo, resti con lui, rimani.

Credo molto nell’arte vissuta e offerta in un certo modo, è fondamentale nel mondo di ora in cui l’individualismo cresce a dismisura: Lo Sgambetto è un luogo di connessione e d’incontro.

Non c’è il distanziamento spettacolo-pubblico. E’ un tutt’uno. Infatti è sempre stato un luogo sorprendente da questo punto di vista, con incontri casuali e fantastici. I veri punti di ritrovo sono dopo gli eventi: rimangono quelle persone che hanno voglia di un’energia diversa e… succedono altri spettacoli. Altri artisti si mettono in gioco cantano, suonano, accadono cose… come una porta segreta che apri e non sai cosa ti capiterà. È sempre stato fondamentale creare un ambiente in cui gli artisti non si sentissero in competizione ma, all’opposto, in connessione. La competizione non è fruttuosa né per l’arte né per il mondo in generale.

È sempre stato fondamentale creare un ambiente in cui gli artisti non si sentissero in competizione ma, all’opposto, in connessione. La competizione non è fruttuosa né per l’arte né per il mondo in generale.

Quali sono le attività pedagogiche all’interno de Lo Sgambetto?

Negli anni ci sono stati corsi e laboratori di vario tipo: danza contemporanea, improvvisazione musicale, teatro, canto, yoga, pratiche di ricerca performativa. Con la pandemia c’è stato un arresto delle attività e ad oggi, in vista anche del trasloco che faremo a breve, dovremo rimodulare l’offerta.

La cultura è prioritaria per le persone, per il proprio stato di salute, per stare bene. Lo Sgambetto è un miracolo, un’utopia, una mosca bianca, un fiore nel deserto. E’ una realtà preziosa che non trova nella società di oggi la giusta protezione.

Cosa vedi nel futuro?

Lo Sgambetto si sposterà perché lo stabile in cui si trova è stato venduto e siamo alla ricerca di un altro spazio. Ci saranno sempre Laboratori e Workshop, ma adesso abbiamo l’esigenza di utilizzare la nuova sede come luogo creativo. E’ il momento di costruire e utilizzare Lo Sgambetto per presentare i nostri lavori e aprirci ogni tanto al pubblico, anche per ospitalità altre. Per le rassegne, invece, dovremo valutare le nuove condizioni di lavoro e dello spazio. La cultura è prioritaria per le persone, per il proprio stato di salute, per stare bene. Lo Sgambetto è un miracolo, un’utopia, una mosca bianca, un fiore nel deserto. E’ una realtà preziosa che non trova nella società di oggi la giusta protezione. Noi siamo volontari e artisti e Lo Sgambetto è un’oasi in cui puoi essere pienamente te stesso: vogliamo continuare a nutrire questo spazio di libertà nel dialogo, nell’accettazione, nella curiosità e nell’incontro. Apri la porta: il mondo dell’invisibile ti aspetta a Lo Sgambetto.

NEWS 2023

L’associazione Lo Sgambetto produce il musical Acqua sul tema dell’immigrazione, che debutterà al Teatro Dimitri di Verscio il 30 settembre 2023! Il trailer è visibile qui, mentre il progetto è presente anche su Instagram e Facebook.

Biografia

Melanie Häner è presidente, direttore artistico, fondatrice dell’associazione e principale finanziatrice fin dall’inizio. Cantante, autrice di canzoni, attrice e ballerina, diplomata in storia e critica del teatro, arteterapeuta di formazione. Ha lavorato per diversi anni in Germania nel mondo del musical prima di tornare in Ticino, dove è nata e cresciuta, per insegnare e avviare un proprio teatro. Negli ultimi anni ha collaborato anche con la compagnia Finzi Pasca.

Gli altri membri dello staff sono: Ruben Moroni, Antonella Gabrielli, Giordano Marcionetti, Max Pizio, Michele Ferrari,  Michela Zanetti, Giovanni Panzera, Elena Masera.

E-mail:

haener.melanie@gmail.com

losgambetto@gmail.com


Perlen der Performancekunst im Tessin: Das Theater Lo Sgambetto, Croglio TI

Interview mit Melanie Häner, Präsidentin und künstlerische Leiterin

Blue Sky traf für das Ensemble Magazin die Künstler des Malcantone, die Mitglieder von ScenaSvizzera  sind: Opera retablO von Ledwina Costantini, Salone Piazza Grande von Sandro Schneebeli, Teatro Agorà von Marzio Paioni und Olimpia De Girolamo und Teatro Lo Sgambetto unter der Leitung von Melanie Häner.

Lo Sgambetto wurde am 5. Oktober 2013 gegründet und will eine echte Brücke sein, die verbindet  durch Begegnungen, Experimentieren, Kreieren und durch den Austausch von performativen und pädagogischen Praktiken.

Bilder von Roger Salem

Bluew Sky: Was bedeutet es heute, einen Raum für Kunst zu haben, ihn zu pflegen und mit Leben zu füllen?

Melanie Häner: Am Anfang stand das persönliche Bedürfnis, einen Ort zu haben, an dem ich mich frei fühlen und mich ungestört ausdrücken kann. Als ich ihn gefunden hatte, sprach ich mit Ruben Moroni darüber, einem guten Freund, Schauspieler, Regisseur und Theaterautor, der sich sofort in den Raum verliebte, ebenso wie meine Mutter, die ebenfalls Künstlerin, Malerin und Schauspielerin ist. Am Anfang nutzten wir ihn für Proben, und er war so schön und hatte eine so starke Energie, dass der Wunsch, ihn mit anderen zu teilen, spontan entstand: Es begann fast zufällig und brachte uns alle ins Spiel. Wir begannen, Festivals zu veranstalten, auf denen wir unsere Kreationen und künstlerischen Arbeiten präsentieren konnten, die einen kleinen und gemütlichen Rahmen brauchten. Nach neun Jahren und nach der Pandemie heute diesen Raum  zu haben, hat eine sehr wichtige Bedeutung, weil ich das Gefühl habe, dass die menschliche Ausdruckskraft durch das System unterdrückt wird. Es ist immer schwierig, einen Ort zu finden, an dem man sich wirklich frei fühlen kann, und deshalb brauche ich nach wie vor einen Ort, an dem ich weiterhin in Freiheit schaffen kann: Lo Sgambetto war ein Ort, an dem ich die ersten mutigen Schritte erfahren habe, ebenso wie die anderen Mitarbeiter und Künstler*innen. Es ist ein Ort, an dem man ein anderes Leben erfahren kann.

Nach neun Jahren und nach der Pandemie heute diesen Raum  zu haben, hat eine sehr wichtige Bedeutung, weil ich das Gefühl habe, dass die menschliche Ausdruckskraft durch das System unterdrückt wird.

Melanie Häner, Leiterin Teatro Lo Sgambetto

In all diesen Jahren haben wir immer ohne Unterstützung des Kantons weitergemacht, obwohl wir gezeigt haben, dass wir ein qualitativ hochwertiges Programm gemacht haben. Die negativen Reaktionen haben uns oft enttäuscht, und obwohl es die Institutionen sein sollten, die den Wert der Kultur anerkennen und die Kulturschaffenden unterstützen, haben wir beschlossen, als Unabhängige und aus eigener Tasche weiterzuarbeiten. Mehrmals in unserer Geschichte haben wir die Schließung riskiert, und aus reiner Liebe zur Kunst haben uns Privatpersonen gerettet: ohne sie gäbe es Lo Sgambetto nicht mehr.

Was ist der Schwerpunkt, um den sich bei eurem Kulturschaffen alles dreht?

Ich bin ein großer Anhänger von Kunst, die auf eine bestimmte Art und Weise gelebt und angeboten wird, sie ist grundlegend in der heutigen Welt, in der der Individualismus überhand nimmt: Lo Sgambetto ist ein Ort der Verbindung und der Begegnung. Wenn man Lo Sgambetto betritt, ist es wie das Eintreten in eine Familie. Wir haben sorgfältig darauf geachtet, sowohl das Publikum als auch den Künstler wie einen König zu empfangen wenn sie zu uns kommen. Wir waren dabei immer sehr vorsichtig: für uns bedeutet es großen Respekt und Anerkennung für die künstlerische Arbeit anderer. Und das hat sich auch immer im Publikum widerspiegelt. Kunst ist heilsam, sie ist Balsam für die Seele, und es gibt nicht viele Orte, an denen man so willkommen geheißen wird, wie wir unser Publikum willkommen heißen. Es ist wirklich ein Familienwohnzimmer, und man genießt die Kunst von sehr nahe. Man kann noch eine Minute nach Ende der Vorstellung mit den Künstler*innen interagieren, man ist bei ihnen, man bleibt. Es gibt keine Distanz zwischen Vorstellung und Publikum. Es ist alles eins.

Ich bin ein großer Anhänger von Kunst, die auf eine bestimmte Art und Weise gelebt und angeboten wird, sie ist grundlegend in der heutigen Welt, in der der Individualismus überhand nimmt: Lo Sgambetto ist ein Ort der Verbindung und der Begegnung.

In der Tat, war es in dieser Hinsicht immer ein erstaunlicher Ort, mit zwanglosen und fantastischen Begegnungen. Die wirklichen Treffpunkte finden nach den Veranstaltungen statt: es bleiben die Leute, die Lust haben,  eine andere Energie zu spüren und… weitere Vorstellungen finden statt. Andere Künstler*innen treten auf, singen, spielen, Dinge passieren… es ist wie eine geheime Tür, die man öffnet und man nicht weiß, was mit einem passiert. Es war schon immer wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Künstler*innen nicht als Konkurrenten, sondern im Gegenteil als Verbündete fühlen. Wettbewerb ist weder für die Kunst noch für die Welt im Allgemeinen fruchtbar.

Es war schon immer wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Künstler*innen nicht als Konkurrenten, sondern im Gegenteil als Verbündete fühlen. Wettbewerb ist weder für die Kunst noch für die Welt im Allgemeinen fruchtbar.

Was sind die pädagogischen Aktivitäten im Lo Sgambetto?

Im Laufe der Jahre gab es Kurse und Workshops verschiedener Art: Zeitgenössischer Tanz, musikalische Improvisation, Theater, Gesang, Yoga, Praktiken der Recherche in Performance. Mit der Pandemie kamen die Aktivitäten zum Erliegen, und heute müssen wir, auch angesichts des bevorstehenden Umzugs, das Angebot neu gestalten.

Kultur ist eine Priorität für die Menschen, für ihre Gesundheit, für ihr Wohlbefinden. Sgambetto ist ein Wunder, eine Utopie, eine weiße Fliege, eine Blume in der Wüste. Es ist eine wertvolle Realität, die in der heutigen Gesellschaft nicht den richtigen Schutz findet.

Was siehst  du für die Zukunft?

Lo Sgambetto wird umziehen, das Gebäude, in dem es sich befindet, wird verkauft wurde und wir suchen nach einem anderen Raum. Es wird immer Kurse und Workshops geben, aber jetzt müssen wir den neuen Standort als kreativen Ort nutzen. Es ist an der Zeit, Lo Sgambetto aufzubauen und zu nutzen, um unsere Arbeit zu präsentieren und uns von Zeit zu Zeit für die Öffentlichkeit zu öffnen und auch für die Aufnahme anderer. Für die Vorstellungen hingegen werden wir die neuen Arbeits- und Raumbedingungen evaluieren müssen. Kultur ist eine Priorität für die Menschen, für ihre Gesundheit, für ihr Wohlbefinden. Sgambetto ist ein Wunder, eine Utopie, eine weiße Fliege, eine Blume in der Wüste. Es ist eine wertvolle Realität, die in der heutigen Gesellschaft nicht den richtigen Schutz findet. Wir sind Freiwillige und Künstler und Lo Sgambetto ist eine Oase, in der man ganz sich selbst sein kann: wir wollen diesen Raum der Freiheit im Dialog, der Akzeptanz, der Neugier und der Begegnung weiter pflegen. Öffne die Tür: die Welt des Unsichtbaren erwartet dich im Lo Sgambetto.

NEWS 2023!

Der Verein Lo Sgambetto produziert das Musical Acqua zum Thema Einwanderung, das am 30. September 2023 im Theater Dimitri in Verscio uraufgeführt wird! Den Trailer gibt es hier zu sehen, das Projekt ist auch auf Instagram und Facebook zu finden.

Biografie von Melanie Häner:

Melanie Häner ist Präsidentin, künstlerische Leiterin, Gründerin des Vereins und Hauptfinanzierin der ersten Stunde. Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Tänzerin, Besitzerin eines Diploms in Theatergeschichte und -kritik, ausgebildete Kunst- und Musiktherapeutin. Sie hat mehrere Jahre in Deutschland in der Welt des Musicals gearbeitet, bevor sie ins Tessin, wo sie geboren und aufgewachsen ist, zurückkehrte, um zu unterrichten und ihr eigenes Theater zu gründen. In den vergangenen Jahren hat sie auch mit der Compagnie Finzi Pasca zusammengearbeitet.

Weitere Mitarbeitende sind: Ruben Moroni, Antonella Gabrielli, Giordano Marcionetti, Max Pizio, Michele Ferrari, Michela Zanetti, Giovanni Panzera, Elena Masera.

E-Mail:

haener.melanie@gmail.com

losgambetto@gmail.com

Niederlage im Gemeinderat – Keller62 & STOK kämpfen weiter

Wie der Tagesanzeiger berichtet, sind die Vorschläge zur Rettung der Kleintheater STOK und Keller62 im Gemeinderat nicht durchgekommen. Der Stadtrat bleibt stur auf seiner Linie. Inzwischen kommen aber Zweifel an der Unabhängigkeit der Jury auf, welche die Neuverteilung der Subventionen beschloss. Wir sprachen mit Lubosch Held Hrdina, Leiter des Keller62.

Zitat Tagesanzeiger

ENSEMBLE sprach mit Lubosch Held Hrdina, Leiter des Keller62:

Wie geht es euch jetzt, nach der Gemeinderatssitzung?

Wir sind total konsterniert und ernüchtert, mit welcher Wucht da zementiert wurde, was niemand haben wollte. Sämtliche Parteien, bis auf die SP, hielten gestern klar fest, dass die Eliminierung von Keller62 und Stok aus dem TTL falsch ist und dass diese beiden Theater unterstützt gehören. Tja, die parlamentarische Mehrheit drückte es trotzdem regungslos durch. Das schockiert einen schon. Die 6250 Petitionsunterschriften für den Erhalt wurden nicht mal in Betracht gezogen. Eine andere Meinung wollte sich die SP nicht leisten.

Es wurde gnadenlos von oben herab bestimmt und über Kultur entschieden. Ich frage mich, wollen wir das wirklich?

Lustig ist übrigens, dass die österreichischen Fachleute, welche die Stadt vor 5 Jahren für 200 000 Franken engagiert hatte, um die damalige Theaterförderung zu überprüfen und um den Verantwortlichen neue Fördermodelle vorzuschlagen, dass diese Fachleute damals sehr klar und deutlich vor diesem «kulturpolitischen Risiko» der jetzt angewandten Fördervariante gewarnt hatten. Sie warnten vor einem «von oben verordneten» Eingriff ins Kulturleben. Jetzt ist er da und wir sollen uns freuen.

Die Stadt verschanzt sich seit länger hinter dem Volksentscheid. Auch gestern im Gemeinderat war es so. Und dann argumentierte Frau Mauch mit der aktiven Teilnahme der Freien Szene an der gesamten Entwicklung dieser „neuen“ Förderung. Wo die Flexiblen Häuser in den letzten 4 Jahren mehrmals und nachdrücklich ihre Bedenken, Vorschläge und auch ihre Ängste (die gleichen Bedenken notabene, die jetzt eingetreten sind) gegenüber den Verantwortlichen per Gespräch, Brief und Statement geäussert und angemeldet haben. Man nahm alles herzlich dankend entgegen und das war’s. Nichts davon wurde übernommen oder angewandt. So viel zur aktiven Teilnahme am Prozess.

Ich bin der Meinung, eine solche dirigistische Kunstpolitik gehört nicht in eine so freiheitliche Stadt wie Zürich. Eine so gut funktionierende Theaterlandschaft (dies stellten die erwähnten Fachleute aus Österreich damals auch fest) verdient eine bessere Förderung. Eine, welche die echte Vielfalt stärkt und nicht beschneidet, eine die keinen Scherbenhaufen produziert.

Welches sind eure nächsten Schritte?

Wir werden für den Erhalt der beiden Theater kämpfen. Juristisch, politisch, öffentlich. Beide Theater haben Rekurs eingelegt. Und wenn es stimmt, dass Frau Mauch und die Stadt aus dieser ersten Ausgabe der Förderung lernen wollen (Zitat Frau Mauch), dann möchten wir ihr unsere Argumente näher bringen und ein Gespräch suchen. Unser Einsatz? 77 Jahre Tradition, 77 Jahre harte Arbeit und 77 Jahre Herz. 283 vielfältige Vorstellungen jährlich als Mitbringsel. Garniert mit 70% Selbstfinanzierung und 6250 Petitionsstimmen, von Menschen, die beide Theater erhalten wollen.

Wie sähe ein Kompromiss aus, mit dem ihr leben könntet?

Ich habe es schon oben erwähnt. Der Erhalt steht an erster Stelle. Wir könnten uns auf vieles einlassen, aber der Erhalt ist fix und muss bis Ende 2029 gewährleistet sein. Vielleicht mit der alten Subvention, ohne Abfederung? Wir möchten die Chance bekommen, und wollen nicht aus der TTL gestrichen werden. Wir gehören dazu. Wir sind auch Zürich. Unser Beitrag ist wertvoll.

Neues im Juli: Über 6000 Unterschriften übergeben!

SzeneSchweiz Berufsverband Darstellende Künste hat die Petition „Rettet STOK & KELLER62“ auf ACT, der Petitionsplattform von Campax, gestartet. Campax ist eine Bewegung, bei der sich über 250’000 Engagierte für soziale, wirtschaftliche & ökologische Fairness einsetzen.

Wenn Du ein Anliegen hast, das Dir viel bedeutet und das Du voran bringen möchtest, dann kannst Du deine eigene Kampagne hier starten und für den Newsletter anmelden.

Folgendes Communiqueé wurde den Unterzeichnenden am 3. Juli geschickt:

Liebe Unterstützer*innen!

Euer Einsatz für den Erhalt der beiden Zürcher Kleintheater ist auch heute überwältigend und einmalig. Danke.

Am vergangenen Mittwoch war es so weit und wir haben uns vor dem Rathaus Hard getroffen, um in Anwesenheit der Medien unsere Petition an die Stadtpräsidentin zu übergeben. Frau Mauch ist nun um 6247 Unterschriften reicher. Und wir geben alles, damit sie damit auch das Richtige anstellt. Sie ist per Gesetz verpflichtet, auf die Petition innerhalb von 6 Monaten zu antworten. Warten wir ab.

Ein weiterer Schritt auf dem noch langen Weg zur Rettung von Theater STOK und Keller62 ist getan. Grosser Dank geht an alle, die helfen, an alle, die vor dem Rathaus dabei waren und mitgeholfen haben und an alle, die unterschrieben haben! Ein grosser Dank geht auch an die Medien, die unsere Sache von Anfang an für wichtig halten und sie ausdauernd und sehr gut begleiten.

Die nächsten Schritte sehen wie folgt aus. Der Rekurs-Prozess ist im vollen Gange. Am Ende entscheidet der Bezirksrat und gibt den beiden Rekursen statt oder weist sie ab. Im Falle einer Abweisung steht uns der weitere Rechtsweg offen.

Den politischen Weg gehen wir schon länger und er ist vielversprechend, wenn auch da keine Sicherheit herrscht. Am 12. Juli soll der Gemeinderat über das Geschäft „Tanz und Theater-Konzeptförderung“ beraten und entscheiden.

Ja, und wenn alle Stricke reissen, haben wir noch die Initiative als politisches Instrument, das wir einsetzen können.

Wie es alles kommt, wissen wir nicht. Was wir wollen, wissen umso klarer. Und eine Fortsetzung folgt bestimmt. Wir bleiben dran. Das können wir versprechen. Und wir berichten euch wieder.

Bitte bleibt ihr auch dran, helft mit, das Thema „Rettung STOK und Keller62“ nicht untergehen zu lassen.

Erst die Kleinen machen Zürich gross.

Und stellt euch vor, wir schaffen es – was gibt das für ein Fest!!

Möchtet ihr etwas wissen oder fragen, schreibt uns bitte jederzeit, am besten über die jeweiligen Mailadressen der zwei Theater.

Ganz liebe Grüsse und bis bald!

Lubosch Held, Verein Keller62, künstlerischer Leiter Keller62 

Peter Doppelfeld, Verein Theater STOK; Leiter Theater STOK 


Neuer Podcast «Kunstlicht»

Aktuelle Diskussionen um die Künste und ihren Impact auf gesellschaftliche Themen

Die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) lanciert einen neuen Podcast: In «Kunstlicht» diskutieren Eva Pauline Bossow und Jörg Scheller gesellschaftsrelevante Themen aus Sicht der Kunstwelt.

Der neue Podcast «Kunstlicht» ist nah dran an aktuell diskutierten Themen: Es geht um  Triggerwarnungen, Debattenkultur oder was genau eigentlich Innovation bedeutet. Aus Perspektive der Kunstwelt werden gesellschaftliche Fragen verhandelt, immer unter der Prämisse, dass Kunst «Zugänge zur Welt vermittelt, die nicht so ohne weiteres formalisierbar, planbar, standardisierbar, domestizierbar sind. Deshalb bildet Kunst ein Risiko.»

Diesem Risiko stellen sich die Hosts des Podcasts mit Eloquenz und Lust an der Debatte. Das Gespann hat einen vielfältigen Hintergrund: Eva Pauline Bossow kennt das Dreieck Kreativwirtschaft, öffentliche Kulturinstitutionen und Privatwirtschaft aus unterschiedlichen Positionen und ist heute als Beirätin und Beraterin aktiv. An der ZHdK war sie im Zurich Centre for Creative Economies (ZCCE) sowie im Digitalrat tätig. Jörg Scheller ist Professor im Departement Fine Arts, unterrichtet Kunstgeschichte und ist leidenschaftlicher Bodybuilder und Heavy-Metal Musiker.

Ergänzt werden ihre Positionen durch spannende Gäste. In der Rubrik «Fernlicht» kommen unter anderem ZHdK-Alumni zu Wort, die nicht in klassischen Kunstberufen tätig sind. Zum Beispiel erzählt Fine-Arts-Alumna Lauren Wildbolz, wie sie das erste vegane Restaurant der Schweiz eröffnet hat.

Jetzt reinhören auf Spotify oder ITunes.

Folge #9: Am Locarno Filmfestival auf Tuchfühlung

In der aktuellen Folge #9: Typecast, Networking & Vermarktung geht es um folgende Inhalte:

In der Folge sprechen wir über Typecasting, Networking und das kommende Locarno Filmfestival. Was bedeutet Networking in der Schauspielerei und wie kann ich mich an Events verhalten? Wir reden über unsere Event Erfahrungen und Tricks. Tina sucht nicht nur die richtige Showreelszene, sondern auch ihre Motivation für ein ernsthaftes Date. Und Chris? Der zieht mal wieder um. Man füge noch eine Spreu Typecast und Marketing dazu und rundet das ganze mit der Frage ab, was in der Schauspielerei Networking bedeutet und wie das funktioniert. – Schon hat man die Zutaten unserer neunten Folge zusammen.
Bon appetit!
Hier sind wir! Das Schauspieldoppelpack Tina Kümpel & Christian Jankovski Christian mit dem Schauspielpodcast für Schauspieler*innen, solche die es werden wollen und alle, die sich für das Thema interessieren. Wir tauchen gemeinsam in die Film- und Theaterwelt ein, berichten über eigene Erfahrungen, Stolpersteine, Ups and Downs, besprechen Schauspielmethoden und diskutieren aktuelle Themen aus der Branche. Uns interessieren auch deine Geschichten, Fragen und Anliegen. Mit immer mal wieder spannenden Gästen runden wir das ganze ab.
Hör zu, sei dabei und werde Teil von uns.
Collaboration with Szene Schweiz 

 

Incontro Svizzero del Teatro con „rivendicazione“ transcantonale

Da mercoledì a domenica scorsa si è svolto a Friburgo l’Incontro Svizzero del Teatro, Ensemble ha incontrato Julie Paucker. È impegnata come direttrice artistica dal 2022 e ha lavorato con la direzione dell’epoca e ha spinto l’evento in avanti dal punto di vista concettuale. Una conversazione sul ruolo urgente del multilinguismo nel teatro e sulle collaborazioni al di là dei confini cantonali.

Julie Paucker è una drammaturga di formazione, ha lavorato in Svizzera e in Germania, al Teatro di Basilea, al Teatro Nazionale Tedesco di Weimar e altri. Con la sua Compagnia transnazionale Kula produce opere multilingue, a  questo focus ora si dedica anche in Svizzera. Dice: „Sia l’estetica sia le procedure, le routine e i processi teatrali sono ora considerati in modo diverso a livello internazionale, e pongono sfide particolari“. La 47enne era molto ben preparata per questo, lei vede la differenza tra i Cantoni come un’opportunità per imparare gli uni dagli altri.

 „Sia l’estetica sia le procedure, le routine e i processi teatrali sono ora considerati in modo diverso a livello internazionale., e pongono sfide particolari.”

Paucker ha lavorato per Migros Kulturprozent durante i suoi studi e quindi sa che la questione del multilinguismo preoccupa gli sponsor da tempo. „Questa domanda non ti lascia andare, sia a livello artistico che strutturale. Un processo di produzione è generalmente più entusiasmante quando si lavora con punti di vista diversi.” Il teatro transnazionale, o addirittura „transcantonale“, interessa la nativa di Zurigo sotto molti aspetti. Affina la propria visione rispetto a ciò che da altri „sistemi teatrali possono essere adottati, adattati e migliorati“.

„Questa domanda non ti lascia andare, sia a livello artistico che strutturale. Un processo di produzione è generalmente più entusiasmante quando si lavora con punti di vista diversi.”

Questo vale anche per la Svizzera, dove diversi sistemi convivono, come i Teatri municipali minori, i Teatri con emittenza nazionale e la Scena indipendente. E poi c’è la Svizzera francese, dove è più diffuso il sistema itinerante con case produttrici e invitanti. Soprattutto nei settori del „mercato teatrale“, delle vendite e della pubblicità, nonché della promozione, possono imparare molto gli uni dagli altri. A causa della differenza linguistica, la Svizzera è modello per l’Europa o addirittura per il mondo – un’enorme opportunità, quindi, per lavorare con la diversità culturale, per comprenderla e sfruttarla. Paucker dice: „Dopo di che, si è adatti anche a livello internazionale, perché sono le stesse questioni che si pongono tra i paesi diversi!“. Quindi è anche la missione principale del Theatertreffen, raccogliere i teatri di tutte le regioni e portarli a un pubblico locale, per poter crescere tra le parti del Paese e di far incontrare i professionisti del teatro. „È sempre un’esperienza che permette di vedere quanto poco ci si conosce, anche se si lavora nello stesso settore e allo stesso livello e allo stesso livello di celebrità. Lì si puo fare la differenza!“,Paucker è convinta.

Quindi è anche la missione principale del Theatertreffen, quella di riunire i teatri di tutte le regioni, e portarli ad un pubblico locale, per poter crescere tra le parti del Paese e di far incontrare  i professionisti del teatro.

„Con il titolo del programma quadro „Stravolgimento, Partenza“, vorrei dare un esempio. In particolare, cresce la consapevolezza che sia possibile connettersi, riflettere insieme sulla cultura e lasciarsi ispirare“. Un altro esempio di rafforzamento è l’idea nuova e cooperativa di quest’anno del „Salon d’artistes“, una tradizione della Svizzera romanda, dove gli spettacoli vengono presentati agli organizzatori. Questo genera un mercato e l’interesse viene suscitato prima ancora che il pezzo venga prodotto. Inoltre, questo dà origine a coproduzioni e inviti dopo la presentazione degli spettacoli.

Essendo l’evento più orientato al mercato, Sélection ha il potenziale per portare gli artisti in tournée. „Si produce molto e si mostra troppo poco, anche se sarebbe meritato!“.

La Paucker decide da sola quali sono gli artisti a cui vuole dare una piattaforma, riceve in anticipo il supporto degli scout delle varie regioni. Cinque posti saranno assegnati nella Sélection, mentre la lista ristretta sarà utilizzata per dare agli artisti  una maggiore visibilità. Esiste il potenziale di essere invitati „oltre il confine linguistico“, la Sélection  è l’evento più orientato al mercato, e ha il potenziale di portare gli artisti in tournée. Paucker afferma: „Si produce molto e si mostra troppo poco, anche se sarebbe meritato!“. L’aspetto principale è quello di colmare il divario tra  festival, un pubblico locale e un pubblico nazionale. „Tra loro ci sono visioni e ricezioni molto diverse delle opere teatrali – cosmo ed estetica del teatro sono talvolta interpretati in modo diverso e non sempre incontrano il favore di tutte le parti del Paese. Bisogna quindi trovare opere che invoglino a confrontarsi con i teatri degli altri Cantoni. Devono essere solidi, rispondere a uno standard estetico ed essere rappresentati con cuore! „Per questo motivo, ci si è tolti anche dal Consiglio di fondazione e dalla giuria, Paucker dà alla selezione il suo profilo: „Cerco i pezzi adatti nel mix“, dice e sorride.

„Tra loro ci sono visioni e ricezioni molto diverse delle opere teatrali – cosmo ed estetica del teatro sono talvolta interpretati in modo diverso e non sempre incontrano il favore di tutte le parti del Paese. Bisogna quindi trovare opere che invoglino a confrontarsi con i teatri degli altri cantoni.”

La Sélection in sintesi

Tra questi, „Edipo Tiranno“…

ha convinto, è un gioco di potere di due donne diretto da Nicolas Stemann. „Non ho mai visto le donne recitare in questo modo: la tragedia viene rappresentata con un grande gesto teatrale nello stile di una casa teatrale cittadina. I ruoli sono interpretati con un alto livello di tecnica recitativa, interpretato con estrema sicurezza di sé, il che è convincente e commovente allo stesso tempo“. Con l’inaugurazione Paucker vuole dare un segno per  le ottime performance attoriali e registiche.

„EWS”…

è una produzione svizzero-tedesca del Theater Neumarkt, come dice il titolo „L’unico thriller politico della Svizzera“, che finora ha sempre registrato il tutto esaurito. „Questa produzione riunisce molte cose che personalmente mi piacciono. È, per così dire, una revue, coreografia musicale e nello stile „Marthaler“ – eccentrico e stravagante con una base documentario-poetico. Per il Theatertreffen lo spettacolo è una cosa eccezionale – la Svizzera tratta un caso politico, che si adatta bene a molti livelli! Allo stesso tempo, l’opera teatrale EWS è un bambino del nostro tempo!“. Gran parte delle attrici sono amatori. „Esperti e  testimoni della vita quotidiana sono diventati popolari come pratica! Inoltre, con l’esibizione di Lara Stoll, una ottima poeta slam, viene completato il tutto.

„Questa produzione riunisce molte cose che personalmente mi piacciono. È, per così dire, una revue, coreografia musicale e nello stile „Marthaler“ – eccentrico e stravagante con una base documentario -poetico. Per il Theatertreffen lo spettacolo è come uno sputo – la Svizzera tratta un caso politico, che si adatta bene a molti livelli! Allo stesso tempo, l’opera teatrale EWS è un bambino del nostro tempo!“.

„Il gioco dei Nibelunghi“…

si svolge nelle aule scolastiche, dice Paucker: „ma il gioco non è per i bambini – questo è già la battuta“. Laura Gambarini impartisce una lezione di tedesco davanti a un pubblico prevalentemente francofono „una grande commedia in poche parole – non c’è bisogno di giustificarlo ulteriormente, si tratta del Röstigraben e della scarsa competenza linguistica dei Romands“.

„Le relazioni pericolose“…

la versione italiana del romanzo epistolare francese „Les liaisons dangereuses“, la direzione artistica è stata assunta dal direttore del teatro LAC, Carmelo Rifici. Paucker spiega: „Ha lavorato con diversi testi per sperimentare tramite i personaggi principali il dibattito filosofico  sui temi del potere, dell’amore, della lotta e della guerra – materiale ideale per la guerra erotica!“ Si tratta di una storia scenica eccezionalmente bella e installativa, con semplici mezzi teatrali vengono create immagini di grandi dimensioni. „Volevo davvero portare al Theatertreffen una grande produzione teatrale in lingua italiana , perché  in Ticino vengono prodotti prevalentemente piccoli produzioni – e le produzioni dei diplomati della Scuola Dimitri tendono ad assumere forme più giocose. Inoltre l’Italiano è  una grande lingua di scena!“

„Bias aller retour“ …

– „il pregiudizio“ è una posizione familiare rivolta ai giovani, ma è divertente anche per adulti. Il Théâtre Am Stam Gram è famoso per le  sue produzioni di spettacoli per famiglie e per bambini, il grande Ensemble racconta la propria storia sul problema dell‘ invecchiamento della nonna. Ma la particolarità della produzione è l’orizzonte politico, “il pezzo ha allo stesso tempo un livello umoristico ed è spettacolare a livello tecnico – c’è qualcosa in ballo! I temi sono la morte, la povertà e ciò che può muovere la fantasia.”

Lo spettacolo „Rendez-vous“…

viene direttamente da Eugénie Rebetez, che è ancora poco conosciuta nella Svizzera tedesca, è stata una star celebre nella Svizzera francese. Lavora principalmente con artisti che non provengono dal suo mestiere – sono proprio questi incontri che sta cercando sul palcoscenico. Questo avviene fisicamente come musicalmente, attraverso il movimento, ed è molto diverso in ogni caso. „Ha  da fare con le realtà che queste persone portano con sé. Il risultato è molto tenero e toccante, e porta con sé il fascino della loro persona, ma anche una certa modestia, in quanto Rebetez  cerca davvero ciò che si nasconde tra lei e gli artisti. È rappresentativo per il desiderio di sperimentare altre realtà“, dice Paucker.

„Spero vivamente in inviti successivi, perché è molto urgente. È una coproduzione, la pièce più antisvizzera e più svizzera allo stesso tempo – il tema è svizzero, l’Ensemble è internazionale“.

„I fantasmi stanno tornando“…

viene presentato da un Ensemble tedesco-svizzero-congolese, gli attori sono stati ingaggiati appositamente per questo. Finora l’opera è stata rappresentata con grande successo solo alla Kaserne di Basilea davanti a un pubblico ristretto. „Spero vivamente in inviti successivi, perché si tratta di un’opera molto urgente. È una coproduzione, la più anti-svizzera e la più svizzera. Il soggetto è svizzero, l’Ensemble è internazionale“. Paucker è soddisfatta soprattutto del multilinguismo, le lingue del Congo, la musica, il “Sprechgesang” – un grande concerto dal contenuto documentaristico. Si tratta di un’opera che ruota attorno al comportamento della Svizzera in epoca coloniale. Paucker spiega: „L’attenzione è rivolta a rituali di lutto tradizionali, celebrati a causa di profanazioni di tombe. Si tratta della serietà del tema e del dibattito sulla restituzione. Ma anche sulle conseguenze a lungo termine di colonialismo e sfruttamento. Inoltre, durante il periodo di produzione, un membro dell’Ensemble è morto e quindi la serata è segnata da una tristezza personale, che si sente e viene anche esplicitamente menzionato. Eppure si sperimenta una bella e piacevole serata musicale e teatrale con un richiamo morale, ma non didattico, che  non la prende troppo sul serio e si presenta  molto leggera e conciliante“.

„Da qui anche le parentesi „stravolgimento“ – le cose non sono più certe – e „partenza“ con una nota positiva con l’obiettivo di portare una rifunzionalizzazione dall’uno all’altro“.

Per la direttrice artistica dello Schweizer Theatertreffen Julie Paucker, il tempo emozionante in cui viviamo è emblematico del fatto che le abitudini e le certezze cambiano anche in Svizzera  e possono persino staccarsi. Dice: „Abbiamo una situazione molto privilegiata, spesso ci si chiede come continueranno le cose, come il sistema cambierà e come utilizzare i cambiamenti positivi. Da qui anche le parentesi „stravolgimento“ – le cose non sono più certe – e „partenza“ con una nota positiva con l’obiettivo di portare una rifunzionalizzazione dall’uno all’altro. Questo ha molto a che fare con i pezzi che non sono intenzionalmente selezionati in base a un tema, ma  la realtà per tutti noi è che le cose si spezzano! La collaborazione con „Tasty Future“ completa il programma con la pretesa di poter cambiare le cose in meglio, tra cui un cambiamento nelle massmedia, introdurre i salari di riferimento nel mercato e l’introduzione di un sistema per ridurre la precarietà generale degli artisti“.

Delegiertenversammlung: Eine Vision für die Zukunft

Matthias Albold eröffnet die diesjährige Delegiertenversammlung von SzeneSchweiz mit einer fulminanten und berührenden Rede. Er weist auf die Schwierigkeiten des vergangenen Jahres hin und betont, dass dies angesichts der Pandemie und des Ukrainekonfliktes auch an der Theaterfront nicht spurlos vorbeiginge.

„Endlich … sie spielen wieder. Sogar der Winter ohne epidemiologischen Unterbruch in den Spielplänen an den Theatern. Back to normal … sollte man meinen. Weiter geht’s, Vorhang auf, rein in die alten Bewegungs- und Verhaltensmuster. Die Zuschauer strömen, der Applaus ist uns sicher, weiter so und alles von vorne“, resümiert Matthias Albold die Rückkehr der Kultur nach Pandemie im letzten Jahr.

Alles gut? Nicht ganz Albold beobachtet mit Unbehagen eine Schwere im Weltgeschehen, einen Skeptizismus und wie Konflikte seit der Pandemie anders geführt werden. Doch genau jetzt wäre die Zeit, im und durch Theater Blickwinkel zu öffnen und die Gesellschaft zu spiegeln.

Stattdessen gibt es immer wieder Schlagzeilen misslungene Premieren, verlorengegangenes Publikum und Machtmissbrauch, unzumutbare Arbeitszeiten und Künstler*innen in prekären Umständen. Er betont deshalb einmal mehr den wichtigen Stellenwert der Kulturschaffenden in der Schweiz, sowie die Rolle des Verbandes im Kulturgeschehen.

„Endlich … sie spielen wieder. Sogar der Winter ohne epidemiologischen Unterbruch in den Spielplänen an den Theatern. Back to normal … sollte man meinen. Weiter geht’s, Vorhang auf, rein in die alten Bewegungs- und Verhaltensmuster. Die Zuschauer strömen, der Applaus ist uns sicher, weiter so und alles von vorne.“ Doch ganz so ist es nicht!

Flachere Strukturen würden überall angestrebt, bedeuteten aber längere Wege zur Entscheidungsfindung: mehr Sitzungen und Diskussionen in den Chefetagen, Lagerhaltungskosten, um nachhaltig Bühnenbilder aufzubewahren u.v.m. Das alles koste Zeit und Geld, so Albold, Nur die wenigsten Theater bekämen tatsächlich mehr davon gutgesprochen und somit kommen diese Dinge dazu, wie der Disponent auch aus eigener Erfahrung erklärte. Das führt entweder zu Mehrbelastung der Belegschaft oder zu Qualitätseinbussen in den Produktionsbedingungen. Genau hier ist SzeneSchweiz als Verband gefragt, um die Interessen der Arbeitnehmer zu schützen und den Wunsch aller nach mehr Mitsprache, ökologischem und diversem Bewusstsein zu unterstützen.

Des Weiteren konnten Rechtsstreitigkeiten zugunsten des Verbandes beigelegt werden, der Gesamtarbeitsvertrag für das künstlerische Solopersonal bereinigt und neu aufgesetzt werden und gemeinsam mit dem Schweizerischen Bühnenverband SBV konnte Gehör für die Ausnahmeregelung beim SECO erlangt werden. Im Übrigen zeigte sich der Sozialpartner bei der diesjährigen Tarifkommissionssitzung gesprächsbereit und legte ein moderates, aber akzeptables Mindestgagenwachstum an den Tag.

SzeneSchweiz ist Sozialpartner des Schweizerischen Bühnenverbandes SBV. Zusammen führen die vertragsschliessenden Verbände zwei Gesamtarbeitsverträge, die auf alle dem SBV angeschlossene Theater und das von ihnen beschäftigten Solo- und Gruppenpersonal Anwendung finden.

Besonders im Hinblick auf Subventionsverhandlungen ist es wichtig, als Arbeitnehmervertretung zu diskutieren – die Mindestgagen sollen weiterwachsen, als wichtigen Schrittmacher für die Lohnentwicklung

Besonders im Hinblick auf Subventionsverhandlungen ist es wichtig, als Arbeitnehmervertretung zu diskutieren – die Mindestgagen sollen weiterwachsen, als wichtigen Schrittmacher für die Lohnentwicklung, auch für die Freischaffenden. Er sagt dazu: „Unser Verband ist traditionell aus den Theaterhäusern herausgewachsen und die stetig steigenden Mitgliederzahlen sind nicht nur ein Beweis für eure gute Arbeit, sondern auch ein Indikator für die Umgestaltung unseres Berufsstandes. Früher waren die «Festen» in der Überzahl, heute sind es die «Freien».“ Dennoch steht noch viel Arbeit, beispielsweise im Hinblick auf die Grundsicherung im Tessin, die mit den Partnerverbänden über Suisseculture beim Bund und den Kantonen Gehör finden soll. In der Romandie konnte durch die tatkräftige Unterstützung durch Viviane Bonelli Aktivitäten wie unsere Workshops regional durchgeführt werden.

Mehrfach-Mitgliedschaften

Seit Jahren kommt im Rahmen der Zusammenarbeit mit anderen Verbänden die Idee einer Vereinbarung zu Doppelmitgliedschaften für darstellende Künstler*innen auf, konkretisiert wurde sie bisher nicht. Bisher ist offiziell nicht bekannt, wie viele SzeneSchweiz-Mitglieder auch in anderen Kulturverbänden organisiert sind, aber der Wunsch nach einer vergünstigten Doppelmitgliedschaft wird immer wieder an den Verband herangetragen.

Verschiedene vollzahlende Mitgliedschaften sind gerade für Freischaffende viel zu teuer. Kulturverbände bieten z. T. unterschiedliche Dienstleistungen an, wovon die Mitglieder von SzeneSchweiz mit einer zwischen den Verbänden vereinbarten Doppelmitgliedschaft mit stark reduziertem Mitgliederbeitrag profitieren könnten. Die Delegierten von SzeneSchweiz haben an der Delegiertenversammlung den Antrag, in den Statuten die vergünstigte Doppelmitgliedschaft vorzusehen, einstimmig angenommen.

„Unser Verband ist traditionell aus den Theaterhäusern herausgewachsen und die stetig steigenden Mitgliederzahlen sind nicht nur ein Beweis für eure gute Arbeit, sondern auch ein Indikator für die Umgestaltung unseres Berufsstandes. Früher waren die «Festen» in der Überzahl, heute sind es die «Freien».“

Matthias Albold, Präsident SzeneSchweiz – Berufsverband Darstellende Künste SzeneSchweiz

All das wäre nicht möglich, ohne die grossartige Arbeit der Geschäftsleiterin Salva Leutenegger und ihrem Team und allen anderen Involvierten, wie den beiden Anwält*innen, Vorstandskolleg*innen und Stellvertreter*innen, sowie den Obleuten – als wichtige Bindeglieder zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit.


Neu besteht der Vorstand aus 12 Mitgliedern:

Freischaffende:

Oliver Dähler

Igor Mamlenkov

Martin Ostermeier

Catherine Pagani

Manuela Rigo

Alexandre Pelichet   

Festangestellte:

Matthias Albold

Cheyne Davidson       

Damien Liger      

Lisa Lorenz                    

Georgia Knower                          

Sascha Soydan    


Diese und andere Vergünstigungen und Dienstleistungen sind durch SzeneSchweiz für alle Mitglieder gewährleistet:

  • CHF 100 und 200 für Weiterbildung
  • CHF 50 Werbeprämie für Mitgliederwerbung
  • Günstigere Lohnausfallversicherung für Freischaffende
  • Dance Passport
  • Ensemble Magazin
  • CAST Pensionskasse
  • Umschulungsstiftung
  • Theater-Vergünstigungen
  • Merkblätter

«Altbacken statt Innovativ» – Zürcher Theaterförderung

In einem Gastbeitrag in der NZZ am Sonntag (Nur mit Abo) zerpflückt Pius Knüsel den Anspruch auf «Innovation», den die Stadtzürcher Kulturförderung an die kleinen Theater stellt. Die Vorstellung dieser Avantgarde stamme noch aus den 1980ern und werde der Realität der Szene nicht gerecht.

Hier ein paar Zitate aus der Kolumne:

«Bedrohte Arbeitsplätze, Verlust von Vielfalt, gegenseitige Zerfleischung: Die Schlagzeilen sind dramatisch, wie es sich fürs Theater gehört. Der Berufsverband SzeneSchweiz hat bereits 6000 Unterschriften gesammelt gegen die absehbare Schliessung von Theater Stok und Keller 62, die im Zuge der neuen Zürcher Theaterförderung ab 2026 auf Unterstützung verzichten müssen.»

Die Stadt ruft die beiden Häuser auf, sich neu auszurichten. Die Räume, so schreibt die Jury in der 58-seitigen Expertise, würde man ja gerne fürs Theater retten, bloss das Programm nicht. Ist das naiv oder sarkastisch? Denn in einem kulturellen Biotop, das von öffentlicher Förderung dominiert ist, haben andere Organisationsformen keine Chance. Selbst ein Unterhaltungstheater wie der Hechtplatz benötigt öffentliche Gelder. Es bleibt beim Anpassen oder Aufgeben.»

Zu den Ansprüchen an die Szene schreibt Knüsel:

«Ja, der Innovationsfetischismus. Das Kriterium hat sich mit dem Start der Projektförderung in den achtziger Jahren in den Beurteilungsrastern festgesetzt, von der Stadt Zürich über die Kantone bis zu Pro Helvetia. Es war sinnvoll, als es darum ging, an den Burgen der Tradition wie Opern, Stadttheatern, Orchestern vorbei die kulturelle Erneuerung voranzubringen. Das hiess Experiment im Quadrat, neue Ästhetik. So legitimierte der Staat die neue Förderpolitik.

Vierzig Jahre später, in der Periode der grenzenlosen Selbstverwirklichung, gleicht jener elitäre Innovationsbegriff allerdings einem Phantom. Die Mischung von Stilen, Künsten und Kulturen hat die Massstäbe der achtziger Jahre längst pulverisiert. Retro ist so modern wie Virtual Reality, Folklore so cool wie Improtheater, Musical so anerkannt wie neuste Musik. Forderungen wie jene nach Innovation – heute ergänzt um jene nach gesellschaftlicher Relevanz oder Diversität – nannte der Schriftsteller Lars Gustafsson bereits 1980 das Problemformulierungsprivileg der Kulturförderer. Sie ­formulieren eine Erwartung, die sie über die Wirklichkeit stülpen. Und siehe, Letztere passt nicht.»

 

«Stellenkürzung oder Umverteilung»

SzeneSchweiz Präsident Matthias Albold analysiert die Auseinandersetzung am Theater Basel, leuchtet eigene Positionen aus und zeigt die Arbeit auf, die SzeneSchweiz in diesem Bereich leistet und in der Vergangenheit bereits geliefert hat.

Liebe SzeneSchweiz-Mitglieder

Einige von euch werden bemerkt haben, dass sich in Basel am Theater gerade einiges bewegt. Es geht um die Tänzerinnen am hiesigen Ballettensemble. Es geht um Gehälter. Es geht um Aktionen bei Vorstellungen die vom Ensemble mit der UNIA durchgeführt wurden. Eigentlich sollte da doch unser Verband am Start sein? Warum ist SzeneSchweiz nicht aktiv……

Die Antwort lautet: waren wir, sind wir, werden wir weiterhin sein.

Manchmal überschlagen sich die Ereignisse, dann gilt es verlangsamen, Abstand nehmen und den Dialog suchen. Insbesondere der Dialog ist und bleibt die effektivste Art der Konfliktbewältigung.

Im Fall der Aktionen des Tanzes in Basel wurden wir auch zum Dialog aufgefordert, jedoch erst als die Aktionen gelaufen und Forderungen gestellt waren. Dialog gab es auch davor, nachdem die Tänzerinnen vor ziemlich genau einem Jahr auf die Geschäftsstelle zugekommen waren. Das Gespräch mit den Sozialpartnern wird jährlich im Rahmen der Tarifkommissionsverhandlungen geführt und brachte uns in diesem Jahr eine moderate Entwicklung der Mindestgagen von durchschnittlich 90 SFR der zehn am GAV beteiligten Theater für die Saison 23/24.

Im Verlauf der Tarifkommissionssitzung wurde insbesondere auf die missliche Lage der Tänzerinnen in der ganzen Schweiz hingewiesen. Auch die Vertretung beim SBV (Schweizerischer Bühnenverband) ist sich dieses besonderen Zustands bewusst. Signifikante Lohnschritte, wie von der UNIA in Basel gefordert, wären nur mit Erhöhung von Subventionen machbar.

Wir reichen auch da unserem Sozialpartner immer wieder die Hand, uns endlich zu Gesprächen bei den Subventionsgebern einzuladen. Werden diese Subventionssprünge, aus welchen Gründen auch immer, nicht getan, bleibt den Theatern beim Erhöhen der Gagen nur die Umverteilung oder Stellenkürzung. Eine Entscheidung, welche ich nicht treffen möchte.

Dialoge führen wir überdies nicht nur in Richtung Arbeitgeber, sondern auch zu den Arbeitnehmern, wie man an unserer Lohnkampagne sehen kann. Die Umfrage wurde von 50% unserer Mitglieder beantwortet (herzlichen Dank im Nachhinein auch von meiner Seite).

Wir dialogisieren also durchaus gerne und sicher nicht zu wenig.

Ich persönlich habe aber Schwierigkeiten zum Dialog gebeten zu werden, wenn ich das Gefühl habe nur noch als Legitimator von bereits aufgestellten Forderungen benutzt zu werden. Trotzdem wünsche ich den Initianten bei ihrer Mission viel Erfolg und hoffe, dass sie, die vom Theater bereits versprochenen Verbesserungen vielleicht noch ein wenig ausbauen können. Danach stehe ich mit der Geschäftsleitung dem Tanzensemble gerne für ein Gespräch zur Verfügung, um solche Situationen in Zukunft gemeinsam angehen zu können.

 

Kollegiale Grüsse

Matthias Albold

Präsident SzeneSchweiz

Folge #8: „Dragqueen auf einem Pferd“

In der aktuellen Folge #8 Datenbanken, Vorfälle und Machtverhältnisse geht es um folgende Inhalte:

Nach kurzer Pause sind wir wieder da mit einer neuen Folge. Heute sprechen wir nicht nur darum, ob Chris als Dragqueen auf einem Pferd reiten soll, sondern auch darüber, was Tina in Paris macht, wie Machtverhältnisse auf dem Set zu Vorfällen führen können und wie man in so einer Situation reagiert. Und eine Frage brennt uns besonders auf der Zunge: Wieviele Schauspieldatenbanken brauchen wir und für wieviele sollen wir unser Geld eigentlich noch ausgeben?

Hier sind wir! Das Schauspieldoppelpack Tina Kümpel & Christian Jankovski Christian mit dem Schauspielpodcast für Schauspieler*innen, solche die es werden wollen und alle, die sich für das Thema interessieren. Wir tauchen gemeinsam in die Film- und Theaterwelt ein, berichten über eigene Erfahrungen, Stolpersteine, Ups and Downs, besprechen Schauspielmethoden und diskutieren aktuelle Themen aus der Branche. Uns interessieren auch deine Geschichten, Fragen und Anliegen. Mit immer mal wieder spannenden Gästen runden wir das ganze ab.

Hör zu, sei dabei und werde Teil von uns.
Collaboration with Szene Schweiz 

Konflikt Theater Basel: Rechtliche Stellungnahme zum Bajour-Artikel vom 2. Juni

In den letzten Wochen machten am Theater Basel Arbeitskampf-Aktionen von Ensemblemitgliedern – koordiniert von der Regionalvertretung der UNIA – Schlagzeilen regional und überregional. Diese Aktionen fanden ohne Wissen oder Mitwirkung des Verbandes SzeneSchweiz statt.
In der Berichterstattung zu diesen Aktionen wurde der Arbeitsrechtler Prof. Thomas Geiser zu den rechtlichen Grundlagen der Aktionen zitiert. SzeneSchweiz muss, nach gründlichen juristischen Abklärungen, einigen der veröffentlichten Aussagen vehement widersprechen.

Im Artikel werden – mit Verweis auf eine Anfrage bei Prof. Thomas Geiser – die folgenden beiden Standpunkte wiedergegeben:
· Die Unia sei berechtigt, mit dem Theater Basel direkt über Gagen der Tänzer*innen zu verhandeln.
· Die Friedenspflicht sei von den Tänzer*innen nur einzuhalten, sofern sie Mitglied von Szene Schweiz seien; ansonsten müssten sie sich nicht an den GAV halten.

(Zum Artikel gehts hier)

Zu den Lohnverhandlungen

Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag eines Arbeitgebers, der den Vorgaben des GAV unterliegt, haben angestellte Künstler*innen die Sozialpartnerschaft und damit die Vertretung durch SzeneSchweiz akzeptiert, auch ohne explizit Mitglied des Verbandes zu sein. Sie dürfen sich natürlich im Einzelfall, also in den Verhandlungen eines Individuallohnes, von einem Rechtsvertreter unterstützen lassen.

Die Lohnverhandlungen für die im Hause geltenden Mindestlöhne sind jedoch SzeneSchweiz als offiziellem Sozialpartner vorbehalten und können nicht durch einzelne Ensemble-Vertreter*innen an UNIA abgegeben werden.

Zur Friedenspflicht

Mit der Unterschrift des Arbeitsvertrages anerkennen die Ensemble-Mitglieder gleichzeitig den geltenden GAV, aus dem die Bedingungen für den individuellen Arbeitsvertrag hervorgehen. Mit dieser Anerkennung kommt auch die Vorgabe der Friedenspflicht. Weder einzelne Ensemble-Mitglieder noch ein gesamtes Ensemble kann diese aussetzen. Die Aussetzung der Friedenspflicht unterliegt alleine dem Sozialpartner, der den GAV ausgehandelt hat.

Die Folgen

Aufgrund dieser Beurteilung zeigt sich, dass UNIA leider die rechtliche Situation des Ensembles am Theater Basel falsch eingeschätzt hat. Die übereilte Aktion hat nicht nur die Arbeitsplätze der Beteiligten gefährdet, sie lässt auch die Ensemble-Mitglieder mit einem rechtlichen Risiko allein: Für eventuell ausfallende Vorstellungen oder andere finanzielle Einbussen durch die Aktionen könnten die Beteiligten haftbar gemacht werden.

SzeneSchweiz setzt sich mit Engagement und Überzeugung für verbesserte Arbeitsbedingungen auf und hinter Schweizer Bühnen ein. Dies ist keine Auseinandersetzung, die mit einem Holzhammer geführt werden kann. Kampfmassnahmen, so attraktiv sie auf den ersten Blick scheinen mögen, schaden immer dem gesamten Kulturbetrieb und können im schlimmsten Falle sogar Subventionen gefährden. Dies zum Schaden aller Beteiligten.

Die Gewerkschaft UNIA mag Sozialpartner für Technik und Verwaltung sein, aber im Bereich Kunst ist sie fremd und gefährdet Betroffene und den Kulturbetrieb als Ganzes. Die Arbeitgeber im Bereich Kultur sind keine internationalen Konzerne oder kapitalistische Ausbeuter. Sie sind in erster Linie Partner, die Kultur auf Schweizer Bühnen ermöglichen.

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Rechtliche Ausführungen:

Zu Lohnverhandlungen:

Es ist danach zu unterscheiden, ob es um die Verhandlung von Mindestlöhnen und/oder Besoldungsordnungen geht, die als Ausfluss des GAV in die lokalen Hausordnungen aufgenommen werden, oder ob es um eine individuelle Gagenverhandlung oder -streitigkeit eines Bühnenmitglieds in einem konkreten Einzelfall geht (bei der sich ein Bühnenmitglied selbstverständlich auch anwaltlich vertreten lassen kann).

Die Bestimmungen über (Mindest-)Löhne sind Bestandteil der normativen Bestimmungen eines GAV (vorliegend Art. 11 GAV Chor und Ballett-/Tanz; zuständig für die Festlegung der an den jeweiligen Häusern geltenden Mindestgagen ist die von den Sozialpartnern gewählte Tarifkommisson). Sofern an den Häusern Besoldungsordnungen festgelegt werden, welche die Entlöhnung für die Bühnenmitglieder konkretisierend festlegen (z.B. nach Dienstalter, Erfahrungsjahren o.ä.), sind sie Bestandteil der vom GAV vorgesehenen örtlichen Hausordnungen (gleich wie Probenordnungen, Vereinbarungen über Spesenvergütungen etc.), welche zwischen den Bühnenleitungen und den gewählten SzeneSchweiz-Ortsgruppenvertretungen auszuhandeln sind.

Die normativen Bestimmungen des GAV gelten auch für die nicht-gewerkschaftlich organisierten Bühnenmitglieder. Denn die Bühnenkünstler*innen haben sich einzelarbeitsvertraglich ausdrücklich dem GAV angeschlossen (vgl. Art. 4 Abs. 1 und 2 GAV sowie und Formular „Bühnenengagementvertrag“ im Anhang des GAV). Entscheidend ist also nicht die Mitgliedschaft bei SzeneSchweiz oder bei Unia (oder ein späterer Wechsel von der einen zur anderen Gewerkschaft), sondern die Tatsache, dass die Tänzer*innen mit ihren Arbeitsverträgen den Anschluss an den GAV und dessen vorbehaltlose Anerkennung erklärt haben (selbst wenn sie nicht Mitglied von SzeneSchweiz sein sollten).

Zur Friedenspflicht:

Auch die Einhaltung der Friedenspflicht ist einem Anschluss an den GAV inhärent. Tritt ein Bühnenmitglied nachträglich einer anderen Gewerkschaft bei, wird es dadurch nicht davon entbunden, die Regeln des GAV weiterhin einzuhalten, denen es sich einzelarbeitsvertraglich unterworfen hat. Die im Artikel formulierte Auffassung, wonach sich die Tänzer*innen nicht an den GAV halten müssten, sofern sie „nur“ Unia-Mitglied seien, ist gestützt auf die einzelarbeitsvertraglichen Vereinbarungen zwischen dem Theater und den Bühnenmitgliedern nicht zutreffend.

Schweizerisches Theatertreffen mit „transkantonalem“ Anspruch

Letzen Mittwoch bis Sonntag fand das Schweizer Theatertreffen in Fribourg statt, Ensemble hat sich mit  Julie Paucker getroffen. Sie ist seit 2022 als künstlerische Leitung engagiert und hat mit der damaligen Geschäftsleitung die Veranstaltung konzeptuell vorangetrieben. Ein Gespräch über die dringliche Rolle der Mehrsprachigkeit im Theater und Kollaborationen über die Kantonsgrenzen hinweg.

Julie Paucker ist von Haus aus Dramaturgin, sie arbeitete in der Schweiz als auch in Deutschland am Theater Basel, am Deutschen Nationaltheater in Weimar und anderen. Mit ihrer transnationalen Kompanie Kula produziert sie mehrsprachige Stücke, diesem Schwerpunkt widmet sie sich nun auch in der Schweiz. Sie meint: „Sowohl die Ästhetik als auch die Theatervorgänge, -abläufe und -prozesse werden inzwischen international anders gedacht und bergen spezielle Herausforderungen.“ Darauf war die 47-Jährige bestens vorbereitet, sie begreift den Unterschied zwischen den Kantonen als Chance, voneinander zu lernen.

„Sowohl die Ästhetik als auch die Theatervorgänge, -abläufe und -prozesse werden inzwischen international anders gedacht und bergen spezielle Herausforderungen.“

Paucker arbeitete während ihres Studiums bei Migros Kulturprozent und weiss daher, dass die Thematik um die Mehrsprachigkeit die Förderer schon längere Zeit beschäftigt. „Diese Frage lässt einen nicht los, sowohl auf künstlerischer Ebene als auch auf struktureller Ebene. Ein Produktionsprozess ist generell spannender, wenn man mit unterschiedlichen Auffassungen arbeitet». Transnationales, oder eben „transkantonales“ Theater interessiert die gebürtige Zürcherin in vielen Aspekten. Es schärfe den eigenen Blick hinsichtlich dessen, was man aus anderen „Theater-Systemen übernehmen, angleichen und verbessern könne“.

„Diese Frage lässt einen nicht los, sowohl auf künstlerischer Ebene als auch auf struktureller. Ein Produktionsprozess ist generell spannender, wenn man mit unterschiedlichen Auffassungen arbeitet.“

Dies gelte auch für die Schweiz, wo verschiedene Systeme wie kleinere Stadttheater, Häuser von nationaler Ausstrahlung und freie Szene nebeneinander existieren. Dazu komme die Romandie, wo man eher auf das Touring-System mit produzierenden und einladenden Häusern setze. Gerade in den Bereichen „Theater-Markt“, Verkauf und Werbung, wie auch bei der Förderung, könne man viel voneinander lernen. Wegen der Sprachdifferenz stehe die Schweiz modellhaft für Europa oder sogar die Welt – eine riesige Chance also, mit kultureller Diversität umzugehen, sie zu begreifen und sich zu Nutze zu machen. Paucker meint dazu: „Danach ist man auch international fit, denn es sind dieselben Fragen, die sich zwischen unterschiedlichen Ländern stellen!“ Es ist somit auch die Kernmission des Theatertreffens, Theater aus allen Regionen zu versammeln und an ein lokales Publikum heranzutragen, zu wachsen zwischen Landesteilen und Theaterschaffende zusammenzubringen. „Es ist immer ein Erlebnis, zu sehen, wie wenig man sich kennt, obwohl man im selben Business, auf vergleichbarem Niveau, und Bekanntheitsgrad arbeitet. Da kann man etwas bewegen!“, ist Paucker überzeugt.

Es ist somit auch die Kernmission des Theatertreffens, Theater aus allen Regionen zu versammeln und an ein lokales Publikum heranzutragen, zu wachsen zwischen Landesteilen und Theaterschaffende zusammenzubringen.

„Mit dem Titel des Rahmenprogramms „Umbruch, Aufbrauch“, möchte ich ein Zeichen setzen. Besonders wächst die Bewusstheit darüber, dass man sich verbinden kann, gemeinsam über Kultur nachdenken und sich inspirieren lassen.“ Ein weiteres Beispiel für die Stärkung ist die diesjährig neue, kooperative Idee des „Salon d’artistes“, eine Tradition aus der Romandie, bei dem Stücke vor Veranstalter*innen präsentiert werden. Damit wird ein Markt generiert und Interesse geweckt, bevor das Stück überhaupt produziert ist. Ausserdem entstehen daraus Ko-Produktionen und Einladungen, nachdem die Stücke gepitcht wurden.

Die Sélection hat als marktorientierteste Veranstaltung das Potenzial, Künstler*innen auf Tour zu bringen. «Es wird viel produziert und zu wenig gezeigt, obwohl das verdient wäre!».

Paucker entscheidet im Alleingang, welchen Künstler*innen sie eine Plattform geben möchte, sie erhält dafür im Vorfeld Unterstützung von Scouts aus den verschiedenen Regionen. Für die Sélection werden fünf Positionen vergeben, die Shortlist dient dazu, den Künstler*innen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Es besteht das Potenzial, „über die Sprachgrenze“ hinaus eingeladen zu werden, die Sélection hat als marktorientierteste Veranstaltung das Potenzial, Künstler*innen auf Tour zu bringen. Paucker meint: „Es wird viel produziert und zu wenig gezeigt, obwohl das verdient wäre!». Primärer Aspekt sei es, den Spagat zwischen Festival, einem lokalen, plus ein gesamtschweizerisches Publikum zu meistern. „Darunter gibt es ganz unterschiedliche Ansichten und Rezeptionen zu Stücken – Theater-Kosmen und Ästhetiken werden teils anders interpretiert und finden nicht immer bei allen Landesteilen Gefallen. Es müssen also Stücke gefunden werden, die dazu verführen, sich mit Theater der anderen Kantone zu beschäftigen. Sie müssen solide sein, einen ästhetischen Anspruch erfüllen und von ganzem Herzen vertretbar!“ Aus diesem Grund hat man sich auch vom Kuratorium und Jury entfernt, Paucker verleiht der Auswahl ihr Profil, „Ich suche in der Gemengelage passende Stücke“, sagt sie und schmunzelt.

„Darunter gibt es ganz unterschiedliche Ansichten und Rezeptionen zu Stücken, Theater-Kosmen und Ästhetiken werden teils anders interpretiert und finden nicht immer bei allen Landesteilen Gefallen. Es müssen also Stücke gefunden werden, die das können und dazu verführen, sich mit Theater der anderen Kantone zu beschäftigen.“

Die Sélection auf einen Blick

Darunter hat „Ödipus Tyrann„…

überzeugt, es handelt sich um ein Powerplay von zwei Frauen unter der Regie von Nicolas Stemann. «Ich habe Frauen noch nie so spielen sehen – die Tragödie wird mit einem grossen Stadttheatergestus vertreten, die Rollen schauspieltechnisch auf hohem Niveau und mit einem extremen Selbstbewusstsein gespielt – was überzeugt und gleichzeitig berührt.» Mit der Eröffnung möchte Paucker ein Zeichen setzen für die grossartigen schauspielerischen Leistungen und Regiehandschriften.

„EWS“

ist eine deutsch-schweizerische Produktion vom Theater Neumarkt, wie der Titel sagt „- Der einzige Politthriller der Schweiz“, und war bisher immer ausverkauft. „In dieser Produktion versammelt sich vieles, was ich persönlich gerne mag. Es ist gleichsam Revue, musikalische Choreografie und „Marthalerisch“ vom Stil her – schräg und skurill mit einem poetisch-dokumentarischen Boden. Für das Theatertreffen ist das Stück wie gespuckt – die Schweiz behandelt einen Politfall, das passt auf vielen Ebenen gut! Gleichzeitig ist das Stück EWS ein Kind unserer Zeit!“ Ein grosser Anteil der Schauspielerinnen sind Laien. «Expert*innen und Zeug*innen des Alltags sind als Praxis neuerdings beliebt!» Ausserdem tritt mit Lara Stoll eine sehr gute Slam-Poetin auf und rundet das Ganze ab.

„In dieser Produktion versammelt sich vieles, was ich persönlich gerne mag. Es ist gleichsam Revue, musikalische Choreografie und „Marthalerisch“ vom Stil her – schräg und skurill mit einem poetisch-dokumentarischen Boden. Für das Theatertreffen ist das Stück wie gespuckt – die Schweiz behandelt einen Politfall, das passt auf vielen Ebenen gut! Gleichzeitig ist das Stück EWS ein Kind unserer Zeit!“

„The Game of Nibelungen“…

findet in Klassenzimmer statt, Paucker sagt dazu: «das Stück ist aber nicht für Kinder – das ist schon der Witz». Laura Gambarini erteilt eine Deutschlektion vor einem vorwiegend frankophonen Publikum, «eine grosse Komödie in a Nutshell – das muss man nicht weiter begründen, es geht um den Röstigraben und die schlechte Sprachkompetenz der Romands».

Bei „Le relazione pericolose“

ist die italienische Version des französischen Briefromans «Gefährliche Liebschaften», Künstlerische Leitung hat der Direktor des Theaters, Carmelo Rifici, übernommen. Paucker erklärt: «Er hat mit verschiedenen Texten gearbeitet, um die philosophische Auseinandersetzung mit Macht, Liebe, Kampf und Krieg anhand der Hauptfiguren durchzuspielen – idealer Stoff für die Kriegsführung in der Erotik!» Es handelt sich um eine aussergewöhnlich schöne, installative Bühnengeschichte, mit einfachen theatralen Mitteln werden grosse Bilder erzeugt. «Ich wollte unbedingt eine grosse Bühnenproduktion aus der italienischen Sprache ans Theatertreffen bringen, wo im Tessin vorwiegend kleinere erarbeitet werden – oder Abgänger*innen der Scuola Dimitri, deren Produktionen eher verspieltere Formen annehmen. Italienisch ist ausserdem eine grossartige Bühnensprache!»

„Bias aller retour“ …

– «das Vorurteil» ist eine Familienposition, die sich an junge Leute richtet, aber auch für Erwachsene unterhaltsam ist. Das Théâtre Am Stam Gram ist berühmt für Familien- und Kinderproduktionen, das grosse Ensemble erzählt eigene Geschichte über die Problematik des Alterns der Grossmutter. Aber das Besondere an der Produktion ist der politische Horizont, „das Stück hat gleichzeitig eine humorvolle Ebene und ist spektakulär auf technischem Niveau- es ist etwas los! Es geht um die Themen Tod, Armut und was Fantasie bewegen kann.“ 

Das Stück „Rendez-vous„…

stammt direkt von Eugénie Rebetez, die, in der Deutschschweiz noch kaum bekannt, in der Romandie ein gefeierter Star ist. Sie arbeitet primär mit Künstler*innen, die nicht aus ihrem Metier kommen – genau diese Begegnungen sucht sie auf der Bühne. Dies passiert physisch wie musikalisch, über Bewegung, und ist in jedem Fall sehr unterschiedlich. «Es hat mit den Realitäten zu tun, die diese Personen mitbringen. Das Resultat ist sehr zart und berührend, und trägt den Charme ihrer Person, aber auch eine gewisse Bescheidenheit, da Rebetez wirklich das Verborgenen sucht, was zwischen ihr und den Künstler*innen liegt. Es wirkt repräsentativ für den Wunsch nach dem Erfahren andere Realitäten.“, erzählt Paucker.

„Ich hoffe sehr auf Folgeeinladungen, denn dies ist sehr dringlich. Es handelt sich um eine Koproduktion, das un-schweizerischste und schweizerischste Stück gleichzeitig – die Thematik ist schweizerisch, das Ensemble international.“

„The Ghosts Are Returning“

wird von einem deutsch-schweizerisch-kongolesischem Ensemble gespielt, die Leute müssen extra hierfür engagiert werden. Bisher wurde das Stück erst in der Kaserne Basel mit grossem Erfolg aber vor wenig Publikum gespielt. «Ich hoffe sehr auf Folgeeinladungen, denn dies ist sehr dringlich. Es handelt sich um eine Koproduktion, das un-schweizerischste und schweizerischste Stück gleichzeitig – die Thematik ist schweizerisch, das Ensemble international.» Paucker freut besonders die Mehrsprachigkeit, die Sprachen aus dem Kongo, die Musik, der Sprechgesang – ein grosses Konzert mit dokumentarischem Inhalt. Es dreht sich um das Verhalten der Schweiz in Kolonialzeiten, Paucker erklärt: «Im Fokus stehen traditionelle Trauerrituale, welche aufgrund von Grabschändungen zelebriert wurden. Es geht um den Ernst des Themas und die Restituierungs-Debatte. Aber auch um die längerfristigen Folgen von Kolonialismus und Ausbeutung. Zusätzlich ist während der Produktionszeit ein Ensemblemitglied gestorben und damit spielt eine persönliche Trauer mit in den Abend, was man spürt und auch explizit erwähnt wird. Und dennoch erlebt man einen schönen, lustvollen und musikalischen Theaterabend mit einem moralischen, aber nicht belehrenden Apell, der sich nicht zu ernst nimmt und sehr leicht und versöhnlich wirkt.“

„Deshalb auch die Klammern „Umbruch“ – Sachen sind nicht mehr gewiss – und „Aufbruch“ mit einer positiven Note, und dem Ziel, eine Umfunktionierung vom einen zum andern herbeizuführen.“

Für die künstlerische Leiterin des Schweizer Theatertreffen Julie Paucker steht die aufwühlende Zeit, in der wir leben, sinnbildlich dafür, dass Gewohnheiten und Gewissheiten auch in der Schweiz sich verändern und sogar wegbrechen können. Sie sagt: „Wir haben hier eine sehr privilegierte Lage, es stellt sich oft die Frage, wie es weiter geht, wie sich das System verändert, und wie man die positiven Veränderungen nutzen kann. Deshalb auch die Klammern „Umbruch“ – Sachen sind nicht mehr gewiss – und „Aufbruch“ mit einer positiven Note, und dem Ziel, eine Umfunktionierung vom einen zum andern herbeizuführen. Das hat viel mit den Stücken zu tun, die absichtlich nicht nach einer Thematik ausgewählt sind, jedoch der Realität für uns alle entsprechen, dass Dinge auseinanderbrechen! Die Kooperation mit „Tasty Future“ rundet das Programm ab den Anspruch, Dinge zum Positiven verändern zu können, darunter einen Umbruch in den Medien herbeizuführen, Richtlöhne im Markt zu setzen und das allgemeine Prekariat unter den Künstler*innen zu vermindern.“

 

 

Kleintheater vor dem Aus: Zürcher Kulturförderung auf Abwegen

Die Bewerber*innen für Kulturfördergelder der Stadt Zürich werden gegeneinander ausgespielt und undurchsichtige Entscheidungen gefährden ganze Existenzen. Der Stadtrat der Stadt Zürich streicht den beiden kleinen Zürcher Theatern STOK und Keller62 ab Ende 2025 die städtische Kulturförderung. Das kann ihr Ende bedeuten und ist ein massiver Verlust für die Zürcher Kultur.

Ein Verlust für das Publikum, die restlichen Theaterhäuser, aber auch für die dort auftretenden Theaterschaffenden und die vielen gastierenden Gruppen von Nah und Fern. Arbeitsplätze werden vernichtet, Existenzen gefährdet und Traditionen zerstört.

Ich schreibe hier als Kulturkonsument, nicht als Teil der Szene und von Aussen gesehen ist dieser Entscheid nicht nachvollziehbar. Noch 2018 stellte eine unabhängige Expertengruppe aus Graz (Integrated Consulting Group) mittels grosser Studie und im Auftrag der Stadt fest, kein kulturelles Überangebot in Zürich zu finden. Wie kann es also sein, dass die gleiche Stadt drei Jahre später zum Schluss kommt, man müsse zwei etablierten Kleintheatern die Existenzgrundlage entziehen?

HIER PETITION UNTERSCHREIBEN

Im neuen Fördermodell der Stadt Zürich werden die kleinen Theater gegeneinander in einen Wettbewerb geschickt und kämpfen ums Überleben. STOK und Keller62 schenken uns jährlich um die 250 bis 280 Vorstellungen und können gegenüber der Stadt Zürich eine Selbstfinanzierung von über 70 Prozent vorweisen. Das allein belegt, dass ein Angebot, wie es die beiden Häuser liefern, von der Bevölkerung geschätzt und genutzt wird.

Fehlende Diversität?

Laut städtischer Jury soll ihren eingereichten Konzepten die „Diversität“ fehlen. Was doch eher komisch anmutet, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der Keller62 seit 20 Jahren, neben vielen anderen Events, ein theatrales Flaggschiff des LGBTQ+ Festivals „warmer mai“ ist und immer wieder queere Künstler:innen auf und neben der Bühne fördert und nebenbei auch noch von einem Immigranten geleitet wird. Das Theater STOK wurde von einem Exil-Polen gegründet und sein Programm ist vielfältiger als die Vielfalt selbst.

Ist es nicht eher so, dass dieser städtische Wettbewerb selbst die geforderte Diversität beschneidet? Die Menschen, die aus Zürich und der ganzen Schweiz in diese beiden Theater kamen, ob als Theaterschaffende oder als Publikum, haben jetzt keine Wahl mehr. Sie liebten die Intimität und gerade auch die Vielfalt dieser beiden Theater und werden kaum einen Ersatz finden. Denn in der durchkuratierten Landschaft gibt es keinen Platz mehr für sie.

Eine Vorstellung an den hochsubventionierten Häusern wird durchschnittlich mit knapp 80 000 Franken subventioniert. Das ist in etwa die gleiche Summe, welche die beiden kleinen Theater bisher gemeinsam und für ein ganzes Jahr an Fördermitteln bekamen. Es kann also nicht um Finanzen gehen.

Keine Hinterzimmer-Entscheide über die Existenzgrundlage echter Menschen!

Das Überleben von Kunst und Kultur darf nicht von einem kleinen, grauen Gremium in irgendeinem Hinterzimmer entschieden werden. Denn Kunst und Kultur sind immer Geschmackssache. Und sie gehören uns allen. Nur schon wegen der Vielfalt. Wir sind das Publikum. Lasst uns für unser Kulturangebot kämpfen.

Und hey, wegen der Diversität, habt ihr es gewusst? In der Sprache Wolof, in Senegal, gibt es ein Wort, das heisst „Nioukuboouku“. Es wird nur gesprochen und nicht geschrieben und bedeutet so etwas wie „es ist für uns alle“.

HIER PETITION UNTERSCHREIBEN

ZAHLEN:
KELLER62. Seit 1999 fanden hier an die 1086 Produktionen mit 2890 Vorstellungen statt. Das sind durchschnittlich 45 Produktionen und 121 Vorstellungen pro Saison. Die veranstalteten Workshops wurden von über 220 Menschen in insgesamt 26 400 Stunden besucht.
Theater STOK. In den letzten 10 Jahren fanden hier 403 Produktionen mit 1584 Vorstellungen statt. Das sind durchschnittlich 40 Produktionen und 158 Vorstellungen pro Jahr.

Vasyl Protsiuk: „In der Ukraine werden kaum mehr Filme gedreht“

Die Casterin Corinna Glaus* hat das ENSEMBLE Magazin auf den ukrainischen Schauspieler und Fotografen Vasyl Protsiuk aufmerksam gemacht, dessen Arbeiten aufwühlen und bewegen. Wir haben uns entschieden, ihm eine Bühne zu geben.

*An der diesjährigen Berlinale gab eine Art Speed Dating, zwischen Caster*innen und Schauspieler*innen aus der Ukraine. Corinna Glaus von Glaus Casting hat dort Vasyl Protsiuk kennengelernt und war von ihm und den anderen Teilnemer*innen ebenso berührt wie inspiriert.

Protsiuk lebt wie so viele geflüchtete Ukrainer*innen im Moment in Berlin und versucht dort als Schauspieler Fuss zu fassen. Daneben ist er auch Fotograf und hat sich auf Porträtfotografie für Schauspieler*innen spezialisiert. Gerne würde er seine Dienste ab sofort auch in der Schweiz anbeiten, ist jedoch noch nicht vernetzt – wir von Ensemble Magazin bieten ihm dafür eine Plattform, sich vorzustellen und seine Situation zu erklären:

Vasyl Protsiuk: Im Folgenden finden Sie den Text und ein kurzes Video zu meiner aktuellen Situation und einige Informationen über mich und mein Leben vor dem Krieg in der Ukraine.

Ich habe an der Karpenko-Kary Kiewer Nationalen Universität für Theater, Kino und Fernsehen Schauspiel studiert und mich auf Puppenspiel spezialisiert. Bereits seit Beginn meines Studiums habe ich ausserdem in Fernsehserien, Kurzfilmen und Werbespots mitgewirkt. Darunter im Kurzfilm „Battle of Kruty“, der TV-Serie „TOPTUN“, der TV-Serie „Love in chains“ und im Werbespot „Vodafone Ukraine“.

Seitdem werden in der Ukraine fast keine Filme mehr gedreht, schauspielerische Arbeit findet somit fast keinen Platz mehr. Die Arbeit ohne finanzielle Unterstützung, die es gibt, dient hauptsächlich der Unterstützung der Bevölkerung und den ukrainischen Soldaten. Die meisten Schauspieler sind auf der Suche nach zusätzlicher Arbeit oder einer Umschulung.

Vasyl Protsiuk, ukrainischer Schauspieler

Am 19.02.22 hatte ich den letzten Drehtag in der Fernsehserie „Liebe in Ketten“, und am 25.02.22 musste ich nach Warschau fahren. Aber dann traf auch mich der Krieg um 4 Uhr morgens in Kiew, mit dem bedrohlichen Lärm von Explosionen, Panzern am Stadtrand und totaler Panik in der Stadt.

Seitdem werden in der Ukraine fast keine Filme mehr gedreht, schauspielerische Arbeit findet somit fast keinen Platz mehr. Die Arbeit ohne finanzielle Unterstützung, die es gibt, dient hauptsächlich der Unterstützung der Bevölkerung und den ukrainischen Soldaten. Die meisten Schauspieler sind auf der Suche nach zusätzlicher Arbeit oder einer Umschulung.

Die zweite Sache, die ich in Polen erlebt habe, war die Positionierung und Stigmatisierung von Ukrainern als Verbrecher*innen und Opfer. Mit einem ukrainischen Akzent hat man wenig bis keine Chance, eine Rolle zu ergattern.

Jetzt bin ich in Europa, hauptsächlich in Berlin, und arbeite hier weiter als Schauspieler. Vor kurzem habe ich in einem polnischen Spielfilm über die Situation in der Ukraine mitgewirkt und dafür die Rolle eines Soldaten gespielt. Ich möchte gerne als Schauspieler in Europa arbeiten, aber es gibt dabei einige Schwierigkeiten. Erstens die Sprachbarriere – ich spreche bisher noch kein Deutsch, und um in Deutschland zu spielen, ist dies Voraussetzung. Die zweite Situation, die ich in Polen erlebt habe, war die Positionierung und Stigmatisierung von Ukrainer*innen als Verbrecher*innen und Opfer. Mit einem ukrainischen Akzent hat man somit wenig bis keine Chance, eine Rolle zu ergattern.

Neben der Schauspielerei fotografiere ich auch Portfolios und professionelle Fotografien von Schauspielern, das macht mir sehr viel Spaß. In der Ukraine habe ich mehr als 140 Schauspieler*innen portraitiert. In Berlin habe ich bereits ein kleines Fotostudio, ich fotografiere Schauspieler*innen aus verschiedenen Ländern, hauptsächlich Ukrainer*innen, weil ich unter ihnen am besten vernetzt bin. Ich würde aber gerne mehr mit europäischen Schauspieler*innen arbeiten, um sie professionell zu portriatieren und ihnen so zu helfen, mehr Angebote für Filme zu bekommen.

Helfen Sie mit, mich zu vernetzen!

Ensemble Magazin vermittelt Sie gerne direkt an Vasyl Protsiuk. Kontaktieren Sie uns per E-Mail: ensemble@szeneschweiz.ch

Manifest „Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft“

Der Verein ch-intercultur, der sich für Kulturkritik und für Information über kulturelles Schaffen und Leben engagiert und den Informationsaustausch über die Grenzen der Sprachregionen hinweg fördert, hat das dreisprachige Manifest „Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft“ lanciert, das bereits über 300 Leute unterzeichnet haben.

„Kulturjournalismus ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturproduktion. Kulturproduktion ohne kritische Rückmeldung ist eine Sackgasse.“, heisst es im Manifest. Die anstehende Vernehmlassung zur vierten Kulturbotschaft des Bundesrates gebe erneut Gelegenheit zu einer Diskussion über die Aufgaben der Kulturpolitik. Bereits die Kulturbotschaft 2012-2015 hielt fest, „Informationsdefizite“ erschwerten den Zugang zur Kultur. Die Situation habe sich seither noch einmal dramatisch verschlechtert, so die InitiantInnen.

Manifest:

„Der Kulturjournalismus ist in einer prekären Situation. Ressourcen wurden massiv abgebaut, die Publikationsorte schwinden, der Nachwuchs hat keine Perspektiven und fehlt zusehends. Hauptleidtragende sind die Kunst und deren Vermittlung. Gewiss fliessen etliche Fördergelder in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und die Notwendigkeit dafür wird zu Recht breit anerkannt. Nur müssen daneben auch Mittel zur Verfügung stehen, um den Kunstschaffenden die unabdingbare kritische Rückmeldung zu bewahren. Kunst, die nicht journalistisch unabhängig reflektiert und so in die Gesellschaft getragen wird, verliert ihre Bedeutung. Sie spielt politisch und gesellschaftlich eine immer geringere Rolle. Über sie wird nicht mehr gestritten, das historische Gedächtnis kommt abhanden, der Förderung fehlt der Echoraum, die demokratische Legitimation bröckelt.

Kulturjournalismus ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturproduktion. Kulturproduktion ohne kritische Rückmeldung ist eine Sackgasse.

Die anstehende Vernehmlassung zur vierten Kulturbotschaft des Bundesrates gibt erneut Gelegenheit zu einer Diskussion über die Aufgaben der Kulturpolitik. Bereits die Kulturbotschaft 2012-2015 hielt fest, «Informationsdefizite» erschwerten den Zugang zur Kultur. Die Situation hat sich seither noch einmal dramatisch verschlechtert.

Es ist Zeit, endlich zu handeln. Nötig sind weniger neue Gesetze als ein neuer Wille und eine neue Praxis. In den Jurys und Kommissionen ist viel Fachwissen vorhanden, doch dieses wird, wie das Kunstschaffen selbst, kaum mehr Gegenstand einer öffentlichen Diskussion, die regionen- und sprachenübergeifende Wirkung entfaltet. Der Echoraum der Medien fehlt. Um einen solchen zu schaffen, müssen neue Instrumente der Förderung entwickelt und unterstützt werden

Wir appellieren an den Bundesrat, ans Parlament, an die Kultur- und Publikumsorganisationen und nicht zuletzt an die Medien:
Die Förderung der kritischen Rückmeldung bedarf griffiger Massnahmen. Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft.

Hier kann man das Manifest unterschreiben!

„Existenzen sind bedroht, Arbeitsplätze gehen verloren“

Die beiden Kleintheater Keller62 und STOK verlieren voraussichtlich ihre städtische Kulturförderung. Das kann das Ende für diese Bühnen bedeuten. ENSEMBLE Magazin im Gespräch mit dem Leiter des Keller62, Lubosch Held-Hrdina. Er ist neben seiner leitenden Funktion am Theater auch als Regisseur, Autor, Übersetzer, Coach, Workshopleiter und Trainer tätig und setzt sich gezielt für den Erhalt der beiden Spielorte ein. Held-Hrdina ist davon überzeugt, dass genau solche Kleinsttheater den eigentlichen Charme der Stadt Zürich ausmachen.

Bilder: zvg Theater Keller62

Einführend das Statement von Salva Leutenegger, Geschäftsführerin von SzeneSchweiz (Verband Darstellende Künste):

„Als Berufsverband der Darstellenden Künstler*innen bedauern wir den Entscheid der Stadt Zürich, zwei Kleintheatern (Stok und Keller62) die Subventionen zu streichen. Mit diesem Entscheid baut die Stadt Arbeitsplätze für professionelle Künstler*innen ab, welche schon in prekären Verhältnissen leben müssen. Mit dem neuen Programm Konzeptförderung Tanz und Theater führt die Stadt einen ungesunden Wettbewerb unter Theaterhäusern ein, der letztlich zu Lasten der Theaterschaffenden und des Publikums geht. Corinne Mauch beklagt im Artikel „Zürcher Kultur-Subventionen – Für den Keller62 und das Theater Stok wird es eng“ im Tages-Anzeiger vom 18.04. die mangelnde Vielfalt der betroffenen Theater. Aber gleichzeitig wird mit der Streichung der Subventionen die Vielfalt der Kleinkunst vernichtet. Am Ende gibt es nur Verlierer.“

Interview

 

Ensemble Magazin: Wie sah die bisherige Situation des Theaters aus und was hat sich geändert?

Lubosch Held-Hrdina: Seit mehreren Jahrzehnten leisten die beiden kleinsten Zürcher Theater, Keller62 und STOK, grosse und engagierte Arbeit im Bereich Sprech- und Tanztheater. Sie haben sich ein Publikum erspielt, ohne jegliche Unterstützung begonnen, dann eine erste öffentliche Unterstützung bekommen, bis die Kontinuität und die Qualität ihrer Arbeit schliesslich in Form von (zunächst sehr kleinen) Subventionsbeiträgen gewürdigt wurde. Die Qualität ihrer Arbeit wurde stets geprüft und für unterstützungswürdig befunden.

Nun haben die Stadt Zürich und Frau Corine Mauch entschieden, sie ab 2025 nicht mehr unterstützen zu wollen. Laut Stadtrat tragen die beiden Theater und ihre Konzepte zu wenig zur Vielfalt des kulturellen Angebots, zur Innovation und zur Vernetzung der Tanz- und Theaterlandschaft bei. Man stuft die Bedeutung der beiden Theater für die Gesamtlandschaft als zu wenig dringlich und überzeugend ein.

Was bedeuten die Veränderungen spezifisch für euch und was ist daran ungerecht?

Wir sind schockiert. Existenzen sind bedroht, Arbeitsplätze gehen verloren, auch die Tradition scheint nicht viel zu zählen. Von dem ganzen Herzblut gar nicht zu reden.

Was, denken Sie, passiert mit dem Publikum?

Es ist ein Trugschluss, zu denken, dass sich das Publikum auf andere Häuser umlenken lässt. Und: Wenn diese zwei traditionsreichen „Kleinsthäuser“ wirklich zugehen sollten, würden die Theaterschaffenden zwei Spielorte verlieren, die für sie ebenfalls existenziell sind. Es bereitet mir grosse Sorgen, wo die Betroffenen in Zukunft ihrer Arbeit nachgehen sollen. Der Keller62 decke eine Nische ab, die alle anderen geförderten Theater nicht bespielen — all die Produktionen, die von den stark durchprogrammierten, beziehungsweise kuratierten Häusern nicht berücksichtigt werden können, finden hier eine Bühne.

Es werden Existenzen bedroht, Arbeitsplätze gehen verloren, auch die Tradition scheint nicht viel zu zählen.

Hier spielen besonders der Nachwuchs eine Rolle, als auch Theaterschaffende, die im „normalen“ Theaterbetrieb oftmals keinen Stand mehr finden, weil sie beispielsweise zu alt sind. Der Keller62 kann somit als Schnittpunkt in der Kulturlandschaft verstanden werden und erzeut eine unheimlich wertvolle Energie und Kreativität. Das merkt auch das Publikum, welches gerne solche Kleinode besucht, auch weil sie fern von jeglichem Schickschnack sind, und das pure Herz ist hier zum Greifen nah ist. Intimer geht es kaum. Konkret und ohne Emotion lässt sich die Situation so zusammenfassen: In den beiden Kleintheatern finden pro Saison zusammengerechnet etwa 280 Aufführungen mit allen Konsequenzen (Arbeitsplatz, Spielort, Publikum, Kurse, etc.) statt. Es stellt sich für mich die dringliche Frage, wie die Zukunft der beiden Kleintheater aussieht.

Der Keller62 kann somit als Schnittpunkt in der Kulturlandschaft verstanden werden und erzeut eine unheimlich wertvolle Energie und Kreativität.

Was zeichnet den Keller62 desweiteren als Spielstätte im Hinblick auf die Kulturlandschaft in Zürich aus?

Der Keller62 ist zudem auch eine zuverlässige Anlaufstelle für auswärtige Gastspiele. Zum Beispiel die Bündner Theaterschaffenden, die ihre Stücke auch in Zürich zeigen wollen. Es gibt auch regelmässige Kontakte zum Rätoromanischen, oder ins Tessin, Freiburg, Berlin, und Prag. Zudem gibt es  zwei Festivals, wo die verschiedenen Sprachen sich kreuzen. Ich frage mich, wo all diese Projekte nun gespielt werden sollen? Was passiert mit dem Publikum, das all diese Stücke sehen will? Und eben, die Newcomer und „Oldcomer“, die sich gegenseitig in ihrem Schaffen befruchten. Wir fördern neue Gruppen, haben auch einen speziellen Kanal dafür, wir wollen das Theater ins Leben bringen. Wir machen Workshops. All das stärkt die Diversität und Teilhabe ungemein. Soll das alles verschwinden?

Wir fördern neue Gruppen, haben auch einen speziellen Kanal dafür, wir wollen das Theater ins Leben bringen. Wir machen Workshops. All das stärkt die Diversität und Teilhabe ungemein.

Die Absurdität der Entscheidung wird einem bewusst, wenn man aus der stadträtlichen Begründung erfährt, was die Jury empfieht. Sie möchte den Keller62 und das Theater STOK als Spielorte für die Freie Szene aufrecht erhalten. Diese Orte würden benötigt, weil der Bedarf an geeigneten Räumlichkeiten in der Zürcher Tanz- und Theaterlandschaft gross ist und deswegen ihre Schliessung für die Gesamtlandschaft und ihre potenzielle Vielfalt nicht förderlich wäre. Was ja auch stimmt, die Not an Spielorten ist gross, gerade nach Corona. Aber gleichzeitig wird uns die Subvention gestrichen? Wie geht das zusammen?

Wie begründet die Jury diesen Entscheid?

Den beiden Häusern würde es an Vielfalt und Vernetzung fehlen, meint die Jury des Stadtrats. Der Keller62 würde zu wenig zur Vielfalt des Angebots, zur Innovation und zur Vernetzung der Tanz- und Theaterlandschaft beitragen. Beim STOK wird ein ähnliches Urteil gefällt – was beides befremdlich ist.

Das neue Förderungsmodell hinterlässt viele Fragen und viele unschöne Baustellen, auch bei den Institutionen, die weiterhin gefördert werden sollen.

Wie fallen die Reaktionen darauf aus?

Wie man hört, herrscht nach diesen Entscheiden fast in der ganzen Szene ein Erwachen. Das neue Förderungsmodell hinterlässt viele Fragen und viele unschöne Baustellen, auch bei den Institutionen, die weiterhin gefördert werden sollen. Denn auch bei ihnen decken sich Versprechungen und Erwartungen nicht mit dem Resultat. Ich finde folgenden Umstand bemerkenswert: Am Anfang der neuen Förderung vor 7 Jahren vergab die Stadt Zürich einen grossen Auftrag an eine externe Firma, die „Integrated Consulting Group“ aus Graz, Österreich. Sie sollte für viel Geld die gesamte Theaterlandschaft auf Herz und Nieren prüfen. Dies tat sie auch. Das Resultat war eigentlich sehr erfreulich, denn die Befürchtung, es gäbe ein Überangebot bestätigte sich überhaupt nicht. Im Gegenteil, es bescheinigte Zürich einen guten Wachstum und eine gesunde, diverse und gut entwickelte Theaterszene. Warum hat sich der Stadtrat nicht daran orientiert und streicht nun ausgerechnet den zwei kleinsten, schwächsten und billigsten Kleintheatern die Subvention? Was ist der Sinn und die Logik? So viel Theater für so wenig Geld liefert sonst keine andere Bühne der Stadt.

Nicht nur die Vielfalt von Inhalt, Häusern, Gruppen und Publikum wird durch die neue städtische Förderung beschnitten, sondern es wird auch die Entwicklung der ganzen Theaterlandschaft erheblich erschwert, bis verhindert.

Was könnten mögliche Konsequenzen darauf sein?

Bei der nächsten Subventionsvergabe wird wohl wieder ein Theater gestrichen werden, denn dies ist das Prinzip des neuen Fördermodells – der Wettbewerb an sich. Aber darf man Kunst überhaupt in einen existentiellen Wettbewerb schicken? In Zukunft wird jede Weiterentwicklung eines Hauses nur auf Kosten eines anderen Theaters möglich sein. Das soll Fortschritt und Innovation sein? Nicht nur die Vielfalt von Inhalt, Häusern, Gruppen und Publikum wird durch die neue städtische Förderung beschnitten, sondern es wird auch die Entwicklung der ganzen Theaterlandschaft erheblich erschwert, bis verhindert.

Die positive Energie, die dieses aussergewöhnliche Theater besitzt, ist einmalig. Dieser mauersteinige Keller hat uns, und vielen anderen, so viel gegeben, jetzt ist es an der Zeit, ihm etwas zurückzugeben.

Wie sieht die mögliche Zukunftsplanung aus und/oder was sind Lösungsansätze für die bestehende Problematik?

Ich denke, (auch wenn ich jetzt nur für den Keller62 spreche, weil die Situation im STOK noch viel komplizierter ist,) der Keller62 wird auch diese Katastrophe umschiffen und oder lösen können. Die positive Energie, die dieses aussergewöhnliche Theater besitzt, ist einmalig. Dieser mauersteinige Keller hat uns, und vielen anderen, so viel gegeben, jetzt ist es an der Zeit, ihm etwas zurückzugeben. Wir kämpfen, damit er am Leben bleibt! Auch weil so viel daran hängt. Nicht nur Einzelschicksale mit Kindern und Familien, sondern auch ganze Entwicklungen. Es ist klar, ein Theater ohne eine Subvention zu betreiben ist praktisch unmöglich. Aber wir werden versuchen, auch mit der Stadt Zürich, eine andere, oder neue Lösung zu finden. Und wir werden sofort mit dem Aufbau einer Lobby beginnen. Diese beiden Theater müssen erhalten bleiben, da sind wir uns ja mit der Jury einig. Auch die enorme Solidarität ist gut spürbar. Und wird immer stärker. Gleich nach der Bekanntmachung haben sich die ersten Menschen gemeldet, die uns helfen wollen. Leider war bisher kein Grossgönner dabei – dann wären wir unabhängig.

Was ist sonst noch geplant im Rahmen aktivistischer Arbeit?

Wir werden zudem eine Kampagne starten. Und in neue Richtungen denken, beispielsweise die Grossen für die Kleinen begeistern. Neue Szenarien entwickeln. Aber selbst dann wird es knapp, eine echte Zukunft ohne Subvention ist kaum möglich. Kein Theater der Welt kann das stemmen. Aber eine Subvention ist relativ. Wir sprechen da von etwa 300 Subventionsfranken pro Vorstellung, mit denen die beiden Kleinstbühnen im Schnitt und pro Vorstellung von der Stadt bisher unterstützt wurden. Für den Vergleich, beim grössten Zürcher Theater sind es etwa 78 000.- Franken und bei den übrigen kleinen Häusern beträgt dieser Mittelwert etwa 3 500.- Subventionsfranken pro Vorstellung. Wo ist die Logik? Der Keller62 und das STOK bekommen im Schnitt 300 Subventionsfranken pro Vorstellung. Die Stadt Zürich möchte nun dieses Geld für sich gewinnen. Und verliert dabei so viel.

Also lautet mein Wunsch an die Politik, bitte züchten sie keine kulturellen Hochleistungsbetriebe, die einander immer ähnlicher werden. Richten sie Ihren Blick nicht nur an die Spitze und ihre Topleistungen, folgen Sie nicht nur dem Glanz. Jede Pyramide braucht ein gutes Fundament. Unterstützen sie die Basis, die kleinen und kleinsten Spielorte der Kunst, des Theaters. Denn sie sind es, die Ihnen aus tiefster Überzeugung die späteren Erfolge bringen, die nach ganz Europa strahlen.

Wie sehen eure Wünsche seitens Politik aus?

Die Kreativität, aber auch die Leistung, entsteht an der Basis. Also lautet mein Wunsch an die Politik, bitte züchten sie keine kulturellen Hochleistungsbetriebe, die einander immer ähnlicher werden. Richten sie Ihren Blick nicht nur an die Spitze und ihre Topleistungen, folgen Sie nicht nur dem Glanz. Jede Pyramide braucht ein gutes Fundament. Unterstützen sie die Basis, die kleinen und kleinsten Spielorte der Kunst, des Theaters. Denn sie sind es, die Ihnen aus tiefster Überzeugung die späteren Erfolge bringen, die nach ganz Europa strahlen. Viel Mondänes und Übersattes zeigt Zürich der Welt – aber sind es nicht Orte wie der Keller62, die den wahren Zauber dieser Stadt ausmachen? Schenken Sie dem Keller62 und dem Theater STOK Ihr Herz.

Die Stadt Zürich spart durch die Streichung der beiden Subventionen Sfr. 83 500.- jährlich ein und verzichtet dafür auf zwei dringend benötigte, etablierte Spielorte mit durchschnittlichen 279 Vorstellungen und 86 Produktionen pro Jahr. Die Vorstellungen im Keller62 und im Theater STOK werden von der Stadt Zürich zusammengerechnet mit Sfr. 299 pro Vorstellung subventioniert. Durchschnittlich werden die übrigen Zürcher Kleintheater mit Sfr. 3 476.- pro Vorstellung subventioniert, das Schauspielhaus mit Sfr. 78 000. (Quelle hier)

Theater Keller62 

  • Seit 1999 fanden hier 1086 Produktionen mit 2890 Vorstellungen statt.
  • Das sind im Schnitt 45 Produktionen und 121 Vorstellungen pro Jahr.
  • Weiter veranstaltete Keller62 zusätzlich an die 35 Workshops. Sie wurden von über 220 Menschen in insgesamt 26 400 Stunden besucht.
  • Der interne Proberaum wird kostengünstig der Freien Szene zur Verfügung gestellt.
  • Der Keller62 hat eine Selbstfinanzierungsquote von über 70%. Die Auslastung beträgt 71,3 %.
  • Jährliche Gesamteinnahmen/Ausgaben Verein Keller62: ca. Sfr. 180 000.-
  • Das Theater wird mit einem städtischen Beitrag von Sfr. 50 000.- unterstützt.

Theater STOK

  • In den letzten 10 Jahren fanden hier 403 Produktionen mit 1584 Vorstellungen statt.
  • Das sind im Schnitt 40 Produktionen und 158 Vorstellungen pro Jahr.
  • Das Theater STOK hat eine Selbstfinanzierungsquote von über 75%. Die Auslastung beträgt 75,0 %.
  • Jährliche Gesamteinnahmen/Ausgaben Verein STOK: ca. Sfr. 180 000.-
  • Das Theater wird mit einem städtischen Beitrag von Sfr. 33 500.- unterstützt (exkl. Miete)

 

Neues im April

Exklusiv für SzeneSchweiz-Mitglieder – Akkreditierung Videoex Festival vom 25. Mai bis 4. Juni 2023

Das Experimantalfilm- und Videofestival VIDEOEX lädt zum 25. Mal nach Zürich an die Kanonengasse ein. Seit 1998 ist Videoex das einzige Festival in der Schweiz, das sich explizit dem experimentellen Film- und Videoschaffen widmet und dieses in einem kinematografischen Rahmen präsentiert.Mitglieder von SzeneSchweiz erhalten bei der Akkreditierung eine grosszügige Reduktion: Anstatt CHF 80 kostet der Festivalpass (inkl. Katalog) CHF 15.Hier gehts zur Akkreditierung.

Wichtig:

  • Im Anmeldeformular die Rubrik „Verbände / Professionals“ auswählen.
  • Sich als Professional registrieren und den Verband SzeneSchweiz vermerken.
  • Der Preis von 15 CHF wird direkt beim Abholen des Festivalpasses am Infodesk während des Festivals beglichen.

Mehr Informationen zum Festival unter videoex.ch und auf diesem Flyer.

 


Double: Mentoring & Coaching des Migros-Kulturprozent

Double, die Mentorats- und Coachingplattform des Migros-Kulturprozent, bietet jetzt vier neue Coachings für Theater:

  • Stückentwicklung, Schauspielführung, Rechercheproduktion, Recherchemethoden bei Christoph Frick
  • Strategische Planung, Vernetzung, Dossierarbeit und Projektmanagement (Planung, Budgetierung, Zusammenarbeitsstrukturen) bei Kathrin Walde
  • Kreative Wege: Musik, Video und Performance miteinander verbinden, Grenzen des traditionellen Theaters sprengen bei Ntando Cele
  • Werkzeuge und Methoden, kreative Unterstützung, Dokumentation, Feedback bei Guillaume Béguin

Mentees bewerben sich bis 15. Juni 2023 Kontakt bei Fragen: Mirko VaizLeiter Double, Migros-Genossenschafts-Bund, Direktion Gesellschaft & Kultur


Transition-Center SSUDK – Umschulung von Tänzer*innen

Gerne machen wir euch auf die aktuellen Tätigkeiten der Schweizerischen Stiftung für die Umschulung von darstellenden Künstlerinnen und Künstlern (SSUDK) aufmerksam. Die SSUDK wurde 1993 vom Schweizerischen Bühnenkünstlerverband (heute: SzeneSchweiz) gegründet. Das Transition-Center SSUDK unterstützt vor allem Tänzer*innen bei der beruflichen Transition und leistet wertvolle Beratung bei der Umschulung.Veranstaltungshinweis:Am 21. Juni 2023 veranstaltet das Transition Center-SSDUK mit dem Ballett Theater Basel und Richard Wherlock eine Podiumsdiskussion zum Thema „career on the move“  inkl. Apéro im Theater Basel. Ziel des Austausches ist es, in allen Theatern gleichwertige Unterstützungsmöglichkeiten für Tänzer*innen zu schaffen.Uhrzeit: 17:00 bis 18:00 UhrOrt: Foyer Public Theater Basel Für die Teilnahme am Apéro wird um Anmeldung gebeten bis spätestens 14. Juni 2023 an info@ssudk.ch.

Weitere interessante Neuigkeiten zur SSUDK findet ihr auf deren Website.

News aus dem Bundesamt für Kultur

Preisträger*innen Darstellende Künste 2022 vom 19. bis 22. April an der Künstlerbörse in Thun

An der Eröffnung der Schweizer Künstlerbörse am 19. April 2023 zeigt Mike Müller sein Stück «Erbsache». Auch Frida León Beraud präsentiert ihr Schaffen in Thun. Beide wurden im Herbst 2022 mit einem Schweizer Preis Darstellende Künste ausgezeichnet.

Die Schweizer Künstlerbörse ist neben dem Tanzfest und dem Schweizer Theatertreffen Partnerin für die Promotion der Schweizer Preise Darstellende Künste. Herzstück des Eröffnungsabends am Mittwoch, den 19. April, ist der Auftritt des prämierten Schauspielers Mike Müller. Er zeigt sein erfolgreiches Stück «Erbsache – Heinzer gegen Heinzer und Heinzer». In der Komödie treffen sich drei zerstrittene Geschwister wegen einer Erbangelegenheit vor Gericht. Diese und zahlreiche weitere Figuren verkörpert der vielseitige Schauspieler und Autor als virtuose, hochamüsante und absurde One-Man-Show. Frida León Beraud stellt mit ihrer Gruppe DALANG und Co. im Rahmen des Expressformats SPOt. das Stück «sweet&sour» vor, das Sexarbeit und Migration thematisiert. In diesem Doku-Theater lässt sie neben Sexarbeiter*innen und Fachpersonen auch Maria, eine lebensgrosse Puppe sprechen. SPOt. findet am Freitag, 21. April um 14.30 Uhr statt. Alle Infos unter Schweizer Künstlerbörse – Schweizer Künstlerbörse.

Preisträger*innen vom 10. bis 14. Mai am Tanzfest an verschiedenen Orten

Gewinner*innen der Schweizer Preise Darstellende Künste aus dem Tanz zeigen ihre Arbeit schweizweit am Tanzfest. Bei «Dance on tour» dabei sind Marco Berrettini, Yasmine Hugonnet, Susanne Schneider / BewegGrund, Paola Gianoli sowie aus dem Preisjahr 2021 Nicole Seiler.

Das Tanzfest ist seit 2015 Promotionspartner des BAK für die Schweizer Tanzpreise. Preisträger*innen bietet das Tanzfest eine Plattform, um ihre Arbeit einem breiten Publikum zu präsentieren. Zu erleben sind: «iFeel2» von *Melk Prod., ein tänzerisches Duett mit Marco Berrettini (Auszeichnung 2022) und Marie-Caroline Hominal (Tanzpreis 2019). Yasmine Hugonnet zeigt mit «Extensions» ein Landschaftsstück für fünf Tänzer*innen. Im neuen Stück «ume-ume» der inklusiven Gruppe BewegGrund treffen zwei sehr unterschiedliche Männer, Jürg Koch und Lukas Schwander, aufeinander. Paola Gianoli, Tanzveranstalterin aus dem Puschlav, präsentiert die poetische Tanzperformance «Reflex» von Myriam Gurini. Neben diesen Ausgezeichneten aus dem Preisjahr 2022 ist mit Nicole Seiler auch eine Preisträgerin aus dem Jahr 2021 vertreten: von ihr ist «C’est sérieux !» zu sehen, ein Duett, in dem zwei Personen versuchen unter freiem Himmel die Einzigartigkeit des Tanzes zu demonstrieren und zu beschreiben. Informationen zu allen Auftritten in den verschiedenen Regionen unter: Das Tanzfest | Dance on Tour

Träger*innen der Schweizer Preise Darstellende Künste vom 31. Mai bis 4. Juni am 10. Schweizer Theatertreffen in Freiburg

Am 10. Schweizer Theatertreffen sind neben der mit dem Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2022 ausgezeichneten Barbara Frey auch Maya Bösch, Ticino is Burning, Mathieu Bertholet und Daniel Hellmann beteiligt.

Das Schweizer Theatertreffen ist der dritte Promotionspartner der vom BAK vergebenen Schweizer Preise Darstellende Künste und lädt prämierte Bühnenschaffende ein. Die Regisseurin und Intendantin Barbara Frey wird am 4. Juni in Freiburg anwesend sein: vormittags nimmt sie am Brunch «Was bin ich wert?» zum Thema Künstler*innengagen teil und um 13 Uhr präsentiert die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) im Théâtre des Osses den ihr gewidmeten Band der Reihe «MIMOS – Schweizer Jahrbuch Darstellende Künste». Der Mitherausgeber Andreas Klaeui unterhält sich mit Barbara Frey und Judith Gerstenberg, seit 30 Jahren an deren Seite, derzeit als Chefdramaturgin der Ruhrtriennale. Um 14.30 Uhr (sowie am 1.6. um 12.45 Uhr) wird Freys Inszenierung «Automatenbüffet» (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2021) in einer Aufzeichnung von 3sat gezeigt. Am Programm des Theatertreffens sind ausserdem mit Maya Bösch und den Künstler*innen von Ticino is Burning weitere Preisträger*innen der Schweizer Preise Darstellende Künste 2022 beteiligt. Mathieu Bertholet und Daniel Hellmann, die auch zum Jubiläum des Schweizer Theatertreffen beitragen, wurden in früheren Jahren mit einem Theater- respektive Tanzpreis ausgezeichnet. Einmal mehr dient zudem die diesjährige SHORTLIST des Schweizer Theatertreffens der Eidgenössischen Jury für Theater als Grundlage für die Wahl des Preises «Schweizer Theaterproduktion», mit dem sie jeweils eine bemerkenswerte Theaterproduktion des vergangenen Jahres auszeichnet. Alle Infos unter: www.schweizertheatertreffen.ch

MIMOS – Schweizer Jahrbuch Darstellende Künste 2022

Zum 10. Schweizer Theatertreffen erscheint der neue MIMOS-Band zu Barbara Frey, ausgezeichnet mit dem Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2022.

In Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) erscheint jährlich zur höchsten Auszeichnung der Schweizer Preise Darstellende Künste eine mehrsprachige Publikation. Der aktuelle Band der neuen Reihe «MIMOS – Schweizer Jahrbuch Darstellende Künste» ist Barbara Frey gewidmet. Das vom Studio Adeline Mollard gestaltete Buch wird von Paola Gilardi, Anne Fournier und Andreas Klaeui herausgegeben. Es versammelt u.a. ein Gespräch mit Barbara Frey und dem Autor und langjährigen Wegbegleiter Lukas Bärfuss, eine Bilanz ihrer zehnjährigen Intendanz am Schauspielhaus Zürich sowie Analysen ausgewählter Regiearbeiten von Barbara Frey, darunter «Automatenbüffet» (2020 am Burgtheater Wien inszeniert und zum Berliner Theatertreffen 2021 eingeladen). Auch Wegbegleiter*innen gewähren in ihren Beiträgen Einblicke in Barbara Freys Arbeitsweise, die geprägt ist von ihrer Überzeugung, dass Theater nur als Gemeinschaftskunst funktioniert. Das Buch kann an der Vernissage zum Vorzugspreis von CHF 25 erworben werden. Weitere Informationen unter: www.schweizertheatertreffen.ch Informationen zur gesamten MIMOS-Reihe und Gratis-Downloads vergangener Ausgaben beim Verlag Peter Lang unter: Peter Lang Verlag | MIMOS – Schweizer Jahrbuch Darstellende Künste

Save the Date – Verleihung Schweizer Preise Darstellende Künste 2023

Die nächste Verleihung der Schweizer Preise Darstellende Künste findet am 6. Oktober 2023 im LAC im Rahmen des FIT Festival Internazionale del Teatro in Lugano statt. Kommuniziert werden die Preise vom Bundesamt für Kultur am 31. August.

Nach den beiden ersten Verleihungen der Schweizer Preise Darstellende Künste in neuen Theatern: 2021 im Théâtre du Jura in Delémont und 2022 im Neubau des Théâtre de Carouge, wandern die Preise 2023 ins Tessin. Am Ende des FIT Festival werden die Preise im LAC in Lugano verliehen. Dort war das BAK bereits 2017 für die Verleihung der Schweizer Theaterpreise im Rahmen des Schweizer Theatertreffens zu Gast. Der Anlass wird wie in den vergangenen Jahren auch gestreamt und als Video on Demand anschliessend zur Verfügung stehen. Informationen zu den Preisen und der letztjährigen Verleihung unter: Informationen. Kurzversionen der beiden letzten Preisverleihungen, die gesamten Aufzeichnungen sowie die Videoporträts aller Preisträger:innen sind im YouTube-Kanal der Preise versammelt: swissperformingartsawards – YouTube

Kulturerbe Darstellende Künste – fünf ausgewählte Projekte 2023

Aus 15 Eingaben im Herbst 2022 wurden fünf Projekte zur Unterstützung ausgewählt: «Premiers théâtres suisses», «Les souffleurs de temps», Oskar Eberle (1902-1956), «Choreographers at Work!», Festival «kulturerbe tanz!».

Unter dem Titel «Premiers théâtres suisses» widmet sich eine Tagung am 14./15. September 2023 an der Universität Lausanne dem frühen Theaterschaffen aus allen Sprachregionen der Schweiz von 1450 bis 1650. Die «Souffleurs de temps» flüstern uns ähnlich den Souffleusen im Theater vergessene Archivgeschichten zu: Dokumente und Objekte aus den Sammlungen der Stiftung SAPA, Schweizer Archiv der Darstellenden Künste, erzählen ihre Geschichte. Oskar Eberle (1902-1956) war Theaterwissenschaftler, Regisseur und Promotor einer Professionalisierung des Theaterwesens in der Schweiz im 20. Jahrhundert. Eine auf Forschungsergebnissen basierende Wanderausstellung wird nach der Eröffnung am 18. August 2023 in Schwyz an wichtigen Orten seines Wirkens gezeigt. Die Dokumentarfilm-Serie «Choreographers at Work!» widmet sich Arbeitsweisen im zeitgenössischen Tanz. Acht Porträts wurden bereits mit der Unterstützung des BAK realisiert. Nun folgen weitere Filmporträts, die auf der eigenen Website, auf Festivals und an Hochschulen präsentiert werden. kulturerbe, tanz! möchte die lebendige Pflege und Auseinandersetzung mit dem Kulturerbe Tanz der Schweiz stärken. Die dritte Edition des Festivals findet vom 9. bis 11. Juni im Théâtre du Jura in Delémont statt. Detaillierte Infos zu allen Projekten unter: Kulturerbe Darstellende Künste.

Nächste Ausschreibungen Schweizer Preise Darstellende Künste

Die nächsten Anmeldungen zum «June Johnson Newcomer Prize», zur Tanzproduktion 2023 und zum Kulturerbe Darstellende Künste können vom 26. September bis zum 24. Oktober auf der Förderplattform (FPF) des BAK eingereicht werden.

In Partnerschaft mit dem Bundesamt für Kultur vergibt die Stanley Thomas Johnson Stiftung jährlich einen Preis für innovatives junges Schweizer Kulturschaffen in den darstellenden Künsten. Basis für diesen mit 25’000 Franken dotierten Preis ist ein Wettbewerb, an dem Schweizer*innen oder in der Schweiz wohnhafte Kulturschaffende teilnehmen können. Auch zum Kulturerbe der Darstellenden Künste können Projekte wie Wiederaufnahmen von Werken, historische Themen zu den darstellenden Künsten (Zeiträume, Orte, Künstlerpersönlichkeiten) in verschiedensten dokumentarischen oder künstlerischen Formaten eingereicht werden. Ein dritter Wettbewerb widmet sich dem Tanzschaffen. Für den Preis «Tanzproduktion 2023» können Premieren, die im Kalenderjahr 2023 stattgefunden haben, angemeldet werden. Informationen zu den Preisen und Ausschreibungen finden sich auf der Website des BAK unter Schweizer Preise Darstellende Künste, Eingaben erfolgen über die Förderplattform des Bundesamts für Kultur vom 26. September bis zum 24. Oktober 2023 unter laufende Ausschreibungen

I | D Malcantone in Ticino: Opera retablO, Sessa

Deutsche Version weiter unten

Intervista a Ledwina Costantini attrice, regista e fondatrice di Opera retablO, con sede a Sessa (TI).

Blue Sky ha incontrato, per Ensemble-Magazin, gli artisti del Malcantone associati a ScenaSvizzera: Opera retablO di Ledwina Costantini, Salone Piazza Grande di Sandro Schneebeli, Teatro Agorà di Marzio Paioni e Olimpia De Girolamo, Teatro Lo Sgambetto per la direzione di Melanie Häner.

Ledwina, cosa sottende alla poetica del tuo fare arte?

Nella mia vita e nella mia arte cerco di essere il più onesta possibile e le opere nascono di conseguenza: questo è il mio modo di stare al mondo e di capirlo. L’onestà è ciò che mi porta a guardare con attenzione anche al passato; attraverso di esso posso lavorare sul presente e sul futuro e grazie a questa attenzione, nel mio lavoro si manifestano quasi naturalmente ritualità e simboli.

Nelle mie opere accade che io metta in relazione il lato “ombra” – che intrinsecamente contiene anche la luce – e le grandi domande dell’essere umano. Se si nega il lato “ombra” dell’esistenza, si genera un disequilibrio che può portare alla violenza e alla distruzione. Io cerco di far dialogare queste due parti: i miei lavori non sono rassicuranti per il pubblico, sono evocativi.

Nella mia vita e nella mia arte cerco di essere il più onesta possibile e le opere nascono di conseguenza: questo è il mio modo di stare al mondo e di capirlo.

Non seguo le tendenze, il mainstream, e nonostante io dialoghi costantemente con il mondo circostante, sono sempre fuori moda. Per me, l’arte è quello che deve essere in quel preciso momento, in quel preciso posto, con quelle particolari persone. È così che deve essere per me: in un tempo e in uno spazio che permetta all’opera di rivelarsi.

Come crei le tue opere?

Tutto nasce dalle immagini che si creano nella mia mente.  Mi piace molto creare con le mani, costruendo oggetti di scena o installazioni e, al contempo, creo le azioni sceniche, le partiture fisiche e se necessario scrivo il testo. La realizzazione di un’opera necessita di un tempo specifico scandito dalla creatività che oggi è spesso in conflitto con i tempi e gli spazi dettati dalla burocrazia, che diventano sempre più soffocanti. La creazione di un’opera ha bisogno del suo tempo. La creazione, soprattutto oggi, è posta sotto stress da scadenze pressanti e da risorse economiche insufficienti.  Il lavoro va ideato, realizzato, riguardato, disfatto e rifatto, poi compreso e infine restituito al pubblico, con quanta più onestà possibile.

Il lavoro va ideato, realizzato, riguardato, disfatto e rifatto, poi compreso e infine restituito al pubblico, con quanta più onestà possibile.

Cosa ha mosso i tuoi viaggi, le tue formazioni?

Ho sempre viaggiato per lavoro e ho incontrato delle persone che mi hanno fatto conoscere il loro mondo, ma per rispondere a questa domanda devo partire da lontano. Mio padre avrebbe voluto fare il cantante d’Opera ma non ha potuto. Nella mia famiglia l’arte è sempre stata al primo posto, specialmente la musica e in particolare la lirica. L’educazione sentimentale in casa mia passava attraverso la musica, la pittura la letteratura: l’emozione, per me, è profondamente legata all’arte. Alla scuola dell’obbligo ero un disastro. E quindi, mio padre e mia madre, hanno pensato di iscrivermi alla scuola Dimitri, ma ero troppo giovane e non potevo essere ammessa. Sono stata dunque orientata verso il CSIA (Centro Scolastico Industrie Artistiche) di Lugano: è stata una rivelazione, una salvezza dall’habitus che mi portavo addosso. Ho scoperto di essere capace.

L’educazione sentimentale in casa mia passava attraverso la musica, la pittura la letteratura: l’emozione, per me, è profondamente legata all’arte.

In questa scuola c’era una docente di italiano che ci portava sempre a teatro. Una volta sulla bacheca della scuola ho visto un volantino che pubblicizzava un laboratorio di teatro, ho preso coraggio e ci sono andata: per due anni ho seguito i corsi del Teatro delle Radici di Cristina Castrillo (Lugano): da quel momento non ho più lasciato il mondo del teatro. A diciassette anni la compagnia mi ha chiesto di andare in tournée in America Latina e sono partita per tre mesi. Ho lavorato con loro per tanto tempo, poi sono stata in Inghilterra dove ho fatto degli stages come costumista e scenografa. Quando sono tornata, ho lavorato tanti anni con il Trickster Teatro, ora Trickster-P. Ho abitato queste realtà per lungo tempo: esperienze importanti che mi hanno segnato.

I cinesi hanno la particolarità di usare le energie maschili e femminili per la scena e questo aspetto mi avrebbe aiutata nella creazione del mio Re.

Poi sono andata in Cina, dopo aver conosciuto il mio maestro Xu Xuan, per fare uno studio sul mio Riccardo III di Shakespeare. I cinesi hanno la particolarità di usare le energie maschili e femminili per la scena e questo aspetto mi avrebbe aiutata nella creazione del mio Re. Ho studiato all’Opera Nazionale di Pechino per nove mesi e al ritorno ho fondato Opera retablO.

Quando hai fondato Opera retablO? E che significato ha questo nome?

Ho fondato l’associazione Opera retablO a Sessa nel 2008 con i miei genitori, purtroppo deceduti l’anno successivo. Nei loro confronti sento un debito emotivo e un sentimento di gratitudine per avermi indirizzato verso questa via. Dal 2009 abbiamo cambiato l’assetto dell’associazione: la sede è sempre a Sessa, dove si trova la nostra sala, che è il luogo – prezioso, quasi sacro – in cui si crea, e con l’andar del tempo abbiamo costruito una rete di collaborazioni a livello regionale, nazionale e internazionale; sono numerosi le artiste e gli artisti che partecipano ai nostri progetti.

Ho fondato l’associazione Opera retablO a Sessa nel 2008 con i miei genitori, purtroppo deceduti l’anno successivo. Nei loro confronti sento un debito emotivo e un sentimento di gratitudine per avermi indirizzato verso questa via.

Il nome dell’associazione arriva da retro tabula altaris, le pale d’altare europee che narrano con immagini dipinte o scolpite delle vicende religiose. Viaggiando in America del Sud ho scoperto la loro versione popolare, i retablos. Sono “scatole” di dimensioni variabili, con due ante che si aprono. Dentro ci sono tutte delle figurine colorate con scene di vita contadina. Questa idea mi è piaciuta e, visto che costruisco tanto, ho iniziato a realizzarne di miei. Essi rappresentano sia dei materiali di studio di un progetto, che scene vere e proprie degli spettacoli di Opera retablO. Opera arriva dall’Opera di Pechino, il teatro tradizionale cinese da cui ho ricevuto molto. Infine mi piacevano le due parole e come esse risuonano. Uno legge Opera retablO e si chiede: ma cosa vuol dire?

I lavori di Ledwina Costantini e le attività di Opera retablO si possono seguire qui:

Sito web

Trailer spettacoli

E-Mail: operaretablo@gmail.com


Interview mit Ledwina Costantini, Schauspielerin und Regisseurin und Gründerin von Opera retablO mit Sitz in Sessa (TI).

Blue Sky traf für das Ensemble-Magazin aus dem Künstler Malcantone im Tessin, die Mitglieder von SzeneSchweiz  sind: darunter die Insitutionen Opera retablO von Ledwina Costantini, Salone Piazza Grande von Sandro Schneebeli, Teatro Agorà von Marzio Paioni und Olimpia De Girolamo, Teatro Lo Sgambetto unter der Leitung von Melanie Häner.

Ledwina, was liegt der Poetik deines Kunstschaffens zugrunde?

In meinem Leben und in meiner Kunst versuche ich, so ehrlich wie möglich zu sein, folglich entstehen die Werke daraus: das ist meine Art, in der Welt zu sein und sie zu verstehen. Ehrlichkeit ist es, was mich dazu bringt, auch die Vergangenheit sorgfältig zu betrachten; dadurch kann ich an der Gegenwart und Zukunft arbeiten und dank dieser Sorgfalt erscheinen Rituale und Symbole fast selbstverständlich in meiner Arbeit.

In meinen Arbeiten kommt es vor, dass ich die „Schattenseite“ – die an sich auch Licht enthält – und die großen Fragen des Menschen in Beziehung bringe. Wird die „Schattenseite“ der Existenz geleugnet, entsteht ein Ungleichgewicht, das zu Gewalt und Zerstörung führen kann. Ich versuche, diese beiden Teile zum Dialog zu bringen: Meine Arbeiten sind für die Öffentlichkeit nicht beruhigend, sie sind bewegend.

In meinem Leben und in meiner Kunst versuche ich, so ehrlich wie möglich zu sein, folglich entstehen die Werke daraus: das ist meine Art, in der Welt zu sein und sie zu verstehen.

Ich folge keinen Trends, dem Mainstream , und obwohl ich ständig mit der Welt um mich herum spreche, bin ich immer aus der Mode. Kunst ist für mich das, was sie in genau diesem Moment, an genau diesem Ort, mit diesen bestimmten Menschen sein muss. So soll es für mich sein: in einer Zeit und einem Raum, die es dem Werk erlauben, sich zu offenbaren.

Wie entstehen deine Werke?

Alles kommt von den Bildern, die in meinem Kopf entstehen. Ich gestalte sehr gerne mit meinen Händen, baue Requisiten oder Installationen und gleichzeitig erstelle ich die szenischen Aktionen, die physischen Partituren und schreibe bei Bedarf den Text. Die Entstehung eines Werkes erfordert eine bestimmte Zeit geprägt von Kreativität, die heute oft im Widerspruch steht zu den von der Bürokratie diktierten immer erstickender werdenden Zeiten. Ein Werk zu schaffen braucht seine Zeit. In der heutigen Zeit wird die Entstehung eines Werkes durch dringende Fristen und unzureichende finanzielle Mittel unter Druck gesetzt. Die Arbeit muss konzipiert, geschaffen, betrachtet, rückgängig gemacht und neu gemacht, dann verstanden und schließlich der Öffentlichkeit so ehrlich wie möglich zurückgegeben werden.

Die Arbeit muss konzipiert, geschaffen, betrachtet, rückgängig gemacht und neu gemacht, dann verstanden und schließlich der Öffentlichkeit so ehrlich wie möglich zurückgegeben werden.

Was hat deine Reisen, deine Ausbildungen bewegt?

Ich bin schon immer beruflich gereist und habe Menschen getroffen, die mich in ihre Welt eingeführt haben, aber um diese Frage zu beantworten, muss ich  weiter  zurückgehen. Mein Vater wollte Opernsänger werden, konnte es aber nicht. In meiner Familie stand die Kunst immer an erster Stelle, vor allem die Musik und insbesonders die Oper. Die emotionale Bildung in meinem Haus entstand durch Musik, Malerei und Literatur: Emotion ist für mich eng mit Kunst verbunden. In der Pflichtschule war ich eine Katastrophe. Und deshalb dachten mein Vater und meine Mutter daran, mich in der Dimitri Schule anzumelden, aber ich war zu jung und konnte nicht aufgenommen werden. Ich habe mich also am CSIA (Centro Scolastico Industrie Artistiche) in Lugano eingeschrieben: Es war eine Offenbarung, eine Erlösung aus dem Habitus , den ich in mir trug. Ich habe entdeckt, dass ich Fähigkeiten habe.

Die emotionale Bildung in meinem Haus entstand durch Musik, Malerei und Literatur: Emotion ist für mich eng mit Kunst verbunden.

In dieser Schule gab es einen Italienischlehrer, der uns immer ins Theater mitgenommen hat. Als ich am Schwarzen Brett der Schule einen Flyer sah, der für einen Theaterworkshop warb, fasste ich Mut und ging dorthin: Zwei Jahre lang besuchte ich die Kurse des Teatro delle Radici von Cristina Castrillo (Lugano): Von diesem Moment an verließ ich die Welt des Theaters nicht mehr. Als ich siebzehn war, hat mich das Ensemble gefragt, mit ihnen durch Lateinamerika zu touren, und ich ging für drei Monate. Ich habe lange mit ihnen gearbeitet, dann bin ich nach England gegangen, wo ich einige Praktika als Kostümbildnerin und Bühnenbildnerin gemacht habe. Als ich zurückkam, arbeitete ich viele Jahre mit Trickster Teatro, jetzt Trickster-P. Ich habe lange in diesen Realitäten gelebt: wichtige Erfahrungen, die mich geprägt haben.

Die Chinesen haben die Besonderheit, männliche und weibliche Energien für die Bühne einzusetzen, und dieser Aspekt hatte mir bei der Erschaffung meines Königs geholfen.

Dann ging ich nach China, nachdem ich meinen Meister Xu Xuan getroffen hatte, um eine Studie über meinen Richard III. von Shakespeare zu machen. Die Chinesen haben die Besonderheit, männliche und weibliche Energien für die Bühne einzusetzen, und dieser Aspekt hatte mir bei der Erschaffung meines Königs geholfen. Ich studierte neun Monate an der National Opera in Peking und gründete nach meiner Rückkehr Opera retablO.

Wann hast  du  Opera retablO gegründet? Und was bedeutet dieser Name?

Opera retablO habe ich 2008 in Sessa mit meinen Eltern gegründet, die leider im folgenden Jahr verstarben. Ich fühle mich ihnen gegenüber emotional verpflichtet und bin dankbar dafür, dass sie mich auf diesen Weg geführt haben. Seit 2009 haben wir die Struktur des Vereins geändert: Der Hauptsitz befindet sich immer noch in Sessa, wo sich unser Saal befindet, das ist der Ort – kostbar, fast heilig – an dem wir erschaffen, und im Laufe der Zeit haben wir ein Netzwerk von Kooperationen aufgebaut auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene; es gibt zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die sich an unseren Projekten beteiligen.

Opera retablO habe ich 2008 in Sessa mit meinen Eltern gegründet, die leider im folgenden Jahr verstarben. Ich fühle mich ihnen gegenüber emotional verpflichtet und bin dankbar dafür, dass sie mich auf diesen Weg geführt haben.

Der Name des Vereins stammt von Retro tabula altaris, den europäischen Altarbildern, die religiöse Ereignisse mit gemalten oder geschnitzten Bildern erzählen. Auf Reisen in Südamerika entdeckte ich ihre beliebte Version, die Retablos . Es sind „Boxen“ mit variablen Abmessungen und zwei zu öffnenden Türen. Im Inneren befinden sich  farbige Figuren mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben. Mir gefiel diese Idee und da ich viel baue, fing ich an, meine eigenen zu machen. Sie repräsentieren sowohl Studienmaterial für ein Projekt als auch aktuelle Szenen aus Aufführungen von Opera RetablO. Opera kommt von der Peking-Oper, dem traditionellen chinesischen Theater, von dem ich viel erhalten habe. Schließlich mochte ich die beiden Wörter und  ihren Klang. Man liest Opera retablO und fragt sich: Was bedeutet das?

Die Werke von Ledwina Costantini und die Aktivitäten von Opera retablO können hier verfolgt werden:

Website

Trailer

E-Mail: operatablo@gmail.com

Fonds «Transition» – Unterstützung beim Wechsel

Das Opernhaus Zürich hat den Fonds «Transition» eingerichtet, um gemeinsam mit der SSUDK für individuelle Beratungen, Coachings sowie Workshops noch enger zusammenzuarbeiten. Wir gratulieren herzlich zu diesem Schritt und freuen uns, gemeinsam die Tänzer:innen noch intensiver bei ihrer Transition unterstützen zu können.

«Career on the move»
Am 20. Januar 2023 organisierte das Transition-Center SSUDK (TC-SSUDK) das erste Tanz-/ Ballettdirektoren Austauschmeeting «Career on the move». Best-Practice-Beispiele zur Transition Thematik wurden ausgetauscht, mit dem Ziel, in allen Theatern gleichwertige Unterstützungsmöglichkeiten für Tänzer:innen zu schaffen.

Podiumsdiskussion
Am 21. Juni 2023 wird das TC-SSDUK mit dem Ballett Theater Basel und Richard Wherlock hierzu eine Podiumsdiskussion im Foyer Public des Theater Basel veranstalten.

Save the Date
Podiumsgespräch und Apéro
21. Juni 2023 von 17:00 bis 18:00 Uhr
Foyer Public Theater Basel

D | F | I Intimitätskoordination – ein Berufszweig auf der Überholspur

F et I ci-dessous | F e I di seguito

Gemäss der ersten zertifizierten Intimacy Coordinator Julia Effertz, unterstützt diese Berufsfeld den Entstehungs-Prozess intimer Szenen von der Vorbereitung, über den Dreh bis hin zur Post-Produktion.

Die Regie wird bei der Umsetzung ihrer kreativen Vision massgeblich durch den Intimacy Coordinator unterstützt und diese*r stellt sicher, dass Inhalte einvernehmlich entstehen und die Grenzen der Schauspieler*innen respektiert werden. Produktionen die mit Intimacy Coordination arbeiten verstehen die spezielle Schwierigkeit intimer Szenen und tragen Fürsorge für Cast und Crew.

Die Redaktion von Ensemble Magazin hat einen Medienspiegel für Sie zusammengestellt, der das Berufsfeld eingehender behandelt.

„Intimität fängt schon bei Kussszenen an. Jeder Kuss erzählt eine andere Geschichte, ist eine intime Berührung. Was auch sehr intim sein kann, ist eine Szene, in der eine Schauspielerin eine gebärende Frau spielt. Das ist mitunter sehr exponierend für die Schauspielerin.“

Julia Effertz, deutsche Intimitätskoordinatorin im Interview mit Edition F

Julia Effertz ist Schauspielerin und Intimitätskoordinatorin – im Interview mit Edition F spricht sie über diesen neuen Berufszweig, warum er so wichtig für die Filmbranche ist und wozu beispielsweise Genitaltaschen genutzt werden. Effertz sorgt bei den Probesituationen dafür, dass die Grenzen von Schauspieler*innen beim Drehen intimer Szenen eingehalten werden und erklärt im Interview, wo die Schwierigkeiten hierfür liegen. Ein kleiner Auszug:

Wie bei jeder intimen Szene arbeite ich mit der Schauspielerin körperlich, stimmlich und emotional. Das Ziel ist auch hier, daß ihr privater Körper geschützt ist und sie mit ihrem Körper die Rolle und ihre Geschichte erzählen kann. Ich sorge dafür, wie auch bei anderen intimen Szenen, dass es der Schauspielerin am Set gut geht, dass sie etwa zwischen den Takes nicht entblößt daliegt, sondern dass ihr sofort nach dem ‘Danke’ der Bademantel gereicht wird. Im Idealfall sollte auch hier  ein ,Closed Set’-Protokoll mit minimaler Crew eingehalten werden.

und

„Ein choreografisches Hilfsmittel ist das ,Anchoring’, also die Bewegung über ,Anker’ anderer Körperstellen. Das kann man sich zum Beispiel so vorstellen: klassische Missionarsstellung, der Mann liegt über der Frau. Die Genitalbereiche berühren sich hierbei nicht, sondern der Schauspieler ankert seinen Oberschenkel an dem seiner Szenenpartnerin. Stoßbewegungen können dann über diese Ankerstelle ausgeführt werden. Je nachdem wie viel Nacktheit vereinbart ist, wird mit verschiedenen Kostümen gearbeitet. Das wären hautfarbene Slips oder sogenannte Genitaltaschen für Männer, in denen sie alles gut verpacken können.“

Es erschien ein weiterer Artikel über die Arbeit von Julia Effertz mit dem Titel „Ich bin nicht die Sexpolizei“ im Onlinemagazin ze.tt.

Einen kurzen Einblick in die Thematik gewährt das Format „100 Sekunden“ von SRF als Podcast. Er greift das Prinzip der fünf C’s auf, das auf den Punkt bringt, wie eine Intime Szene aufgebaut sein muss.

Mein privater Körper war durch die Intimitätskoordination völlig geschützt, mein Schauspielkörper füllte die Rolle ganz aus. Da habe ich verstanden: die Intimitätskoordination funktioniert. Sie sichert mich nicht nur ab, sie eröffnet mir auch absolute künstlerische Freiheiten.“

Julia Effertz

Eine weitere wichtige Intimitätskoordinatorin ist die junge Kalifornierin Amanda Blumenthal, die in den USA und Grossbritannien «Euphoria», «The L-Word» und «The Affair» begleitet. Sie sei als Sex- und Beziehungscoach tätig gewesen, als sie von der Stellenanzeige bei HBO hörte, erklärt sie im Interview mit der Annabelle.

Im Interview antwortet sie auf die Frage, ob sie viele Geschichten von Missbrauch am Set höre, folgendermassen:

„Allerdings, und es sind manchmal sehr extreme Geschichten: Von Regisseuren, die alle nachhause schicken, um ungestört die Hauptdarstellerin vergewaltigen zu können. Von Schauspielern, die während des Drehs backstage Sex haben. Von verbalen Entgleisungen nach dem Motto «Zeig mir deine Titten». Der Böse ist nicht immer der Regisseur, Übergriffe finden auch zwischen Setmitarbeitern oder Schauspielerkollegen statt.

Blumenthal spricht ausserdem darüber, dass auch das Erleben des Aggressors bei einer gewaltsamen Sexszene verstärkt thematisiert und mentoriert werden müsse, wie auch alle anderen Beteiligten, die dem Dreh beiwohnen und von den psychischen Herausforderungen einer solchen Szene betroffen sind.

Seit #MeToo herrscht unter den Männern grosse Nervosität. Viele haben Angst, sich falsch zu benehmen. Sie erkennen meist, dass wir dazu da sind, ihnen unangenehme Diskussionen abzunehmen, zu klären, wer sich wo anfassen darf und wie genau man sich küsst. Es verleiht Sicherheit, so eine vermittelnde, neutrale Person mit an Bord zu haben.

Amanda Blumenthal im Interview mit  Annabelle

Auf ihrer eigens für die Thematik kreierten Website „Intimacy professionals association“ teilt sie als führende internationale Organisation ihr Wissen mit Interessierten. Darunter ist eine Auflistung zu den wichtigsten Dienstleistungen eines Intimacy Coordinators zu finden:

  • Erleichterung des Dialogs zwischen den Schauspielern und dem Regisseur über ihr Wohlbefinden in Bezug auf den intimen Inhalt einer Szene
  • Emotionale Vorbereitung der Schauspieler auf intensive Intimitätsszenen, wie z. B. simulierte sexuelle Übergriffe, und Unterstützung während des gesamten Prozesses sowie emotionale Nachbetreuung, falls erforderlich
  • Sicherstellen, dass während des Drehs einer Szene die Grenzen der Schauspieler nicht überschritten werden und dass sie während des gesamten Drehs sowohl körperlich als auch emotional sicher bleiben
  • Bereitstellung einer sicheren Umgebung, in der die Schauspieler ihre Arbeit verrichten können
  • Sicherstellen, dass die Richtlinien für geschlossene Sets und SAG-Nacktheit eingehalten werden
  • Als Fürsprecher und Verbündeter für LGBTQIA+-Darsteller am Set fungieren
  • Choreografieren von simulierten Sexszenen, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen
  • Koordination mit Abteilungen wie Kostümen und Make-up, um sicherzustellen, dass die Schauspieler mit angemessener Nacktheitskleidung, Barrieren und Prothesen ausgestattet sind

Weitere statistische Informationen, als auch weiterführende Informationen zur Ausbildungsmöglichkeit in Deutschland, erteilt das „kmbk“ – Beratung und Netzwerk für Künstler*innen, Kreative, Kultur- und Medienschaffende aus München.

In Wirklichkeit ist gar nichts spontan oder sexy. Sexszenen sind harte Arbeit, physisch und psychisch.

Amanda Blumenthal


La coordination de l’intimité – une profession en plein essor

Selon la première coordinatrice de l’intimité certifiée, Julia Effertz, la coordination de l’intimité est une profession en pleine évolution : ce domaine professionnel gère le processus de création de scènes de sexe intimes et dénudées, de la préparation à la post-production en passant par le tournage.

La direction est assurée par le coordinateur de l’intimité qui réalise sa vision créative et veille à ce que le contenu soit développé de manière consensuelle et que les limites des acteurs soient respectées. Les productions qui travaillent avec le coordinateur de l’intimité comprennent la difficulté spécifique des scènes intimes et prennent soin de la distribution et de l’équipe.

La rédaction du magazine Ensemble a réalisé pour vous une revue de presse qui explique plus en détail les ficelles du métier.

„L’intimité commence avec les scènes de baisers. Chaque baiser raconte une histoire différente, c’est un toucher intime. Même une scène dans laquelle une actrice joue une femme qui accouche peut être très intime. Cela expose parfois beaucoup l’actrice“.

Julia Effertz, coordinatrice allemande de l’intimité dans un entretien avec Edition F

Dans une interview accordée à Edition F., l’actrice allemande et coordinatrice d’Intimité, Julia Effertz, parle des spécificités de ce nouveau métier, expliquant l’importance de cette nouvelle figure pour l’industrie cinématographique et “ l’introduction de vêtements spécifiques comme les jockstraps, par exemple „. En situation de répétition, Julia Effertz veille à ce que les limites des acteurs* soient respectées lors du tournage de scènes intimes et explique quelles difficultés, le cas échéant, les acteurs rencontrent et comment elle parvient à les mettre à l’aise:

Pour chaque scène intime, je travaille avec l’actrice d’un point de vue physique, vocal et émotionnel. L’objectif est également de protéger l’intimité du corps et de pouvoir raconter le rôle et l’histoire à travers le corps. Je m’assure que l’actrice soit à l’aise sur le plateau, qu’elle ne soit pas exposée entre les prises, qu’on lui présente son peignoir au plus vite, immédiatement après le „coupé“. Idéalement, j’essaie également de faire respecter un protocole en „plateau fermé“ c’est-à-dire avec une équipe réduite.

Il existe également un dispositif chorégraphique appelé „ancrage“, qui permet d’éviter au maximum le contact entre les acteurs pendant une scène de sexe. Prenons l’exemple classique de la position du missionnaire: l’homme est allongé sur la femme. Les zones génitales ne se touchent pas car l’acteur ancre sa cuisse à celle de sa partenaire. Les mouvements de va et vient peuvent donc être effectués sur ce point d’ancrage sans aucun autre contact, et les mouvements paraîtront tout à fait naturels. En fonction de la quantité de nudité convenue dans les scènes du film, des vêtements spécifiques sont utilisés. Des slips de couleur chair aux „jock straps“ pour hommes, également utilisés par les danseurs, protégeront les acteurs de tout contact.

Dans un autre article intitulé „Je ne suis pas la police du sexe“, publié dans le magazine en ligne ze.tt. et disponible dans „100 secondes“ en podcast de la SRF, Julia Effertz explique selon le principe des cinq C, qui vient du cœur, comment une scène intime doit être structurée. Elle dit de sa propre expérience:

„Mon corps privé était complètement protégé par la coordination de l’intimité, mon corps d’actrice était par conséquent totalement libre de jouer le rôle : c’est là que j’ai réalisé que la coordination de l’intimité fonctionnait. Cela m’a non seulement sécurisée, mais cela m’a aussi permis une liberté artistique absolue“.

Julia Effertz

Une autre coordinatrice importante d’Intimacy comme la jeune Californienne Amanda Blumenthal, qui a accompagné les films „Euphoria“, „The L-Word“ et „The Affair“ aux États-Unis et au Royaume-Uni nous explique dans une interview accordée à Annabelle qu’elle travaillait comme coach sexuel et relationnel lorsqu’elle a entendu parler de l’offre d’emploi de HBO.

Lorsqu’on lui demande si elle entend beaucoup d’histoires d’abus sur les plateaux, elle répond:

„Absolument, et parfois ce sont des histoires très extrêmes: des réalisateurs qui renvoient tout le monde chez eux pour pouvoir violer l’actrice principale sans être dérangés. D’autres histoires d’acteurs faisant l’amour dans les coulisses pendant le tournage. Des dérapages verbaux comme „montre-moi tes seins“. Le méchant n’est pas toujours le réalisateur, les agressions se produisent également entre le personnel de plateau ou les collègues acteurs„.

Blumenthal parle également de la nécessité d’aborder et de guider l’expérience de l’agresseur dans une scène de sexe violent, ainsi que de toutes les personnes impliquées dans le tournage qui sont affectées par les défis psychologiques de ce genre de scène.

Après #MeToo, il y a une grande nervosité chez les hommes. Beaucoup ont peur de mal se comporter. Ils réalisent généralement que nous sommes là pour les soulager leur éviter des discussions gênantes, pour clarifier qui est autorisé à toucher où et comment embrasser exactement. Le fait d’avoir une personne neutre et médiatrice de référence donne un sentiment de sécurité.

Dans l’interview, Amanda Blumenthal expose les lignes directrices et en tant qu’organisatrice internationale de premier plan, elle partage ses connaissances avec les parties intéressées sur le site web de l’Intimacy Professionals Association, qui a été créé spécifiquement pour informer sur le sujet. Elle fournit également une liste des services les plus importants qu’un coordinateur de l’intimité peut offrir:

  • Faciliter le dialogue entre les acteurs et le réalisateur sur leur bien-être par rapport au contenu intime d’une scène.
  • Préparer émotionnellement les acteurs à des scènes d’intimité intense, comme la simulation d’une agression sexuelle, et les soutenir tout au long du processus, ainsi que leur fournir une assistance émotionnelle comme suivi si nécessaire.
  • Veiller à ce que, pendant le tournage d’une scène, les limites des acteurs ne soient pas dépassées et qu’ils restent en sécurité physique et émotionnelle tout au long du tournage.
  • Fournir un environnement sûr dans lequel les acteurs peuvent effectuer leur travail.
  • Veiller au respect des directives relatives aux plateaux fermés, aux équipes restreintes et à la nudité.
  • Agir en tant que défenseur et allié des acteurs LGBTQIA+ sur le plateau.
  • Chorégraphier des scènes de sexe simulées pour renforcer la crédibilité.
  • Collaborer avec les équipes aux costumes et au maquillage pour s’assurer que les acteurs sont équipés de vêtements nus, de barrières et de prothèses appropriés.

Des informations statistiques supplémentaires et des informations plus détaillées sur les possibilités de formation en Allemagne sont disponibles sur „kmbk“ – conseil et réseau pour les artistes, les créateurs, les professionnels de la culture et des médias à Munich.

En réalité, rien n’est spontané, rien n’est sexy. Les scènes de sexe sont un travail difficile, physiquement et mentalement“,

prévient Amanda Blumenthal, et le respect est effectivement primordial.


Il coordinamento dell’intimità: una professione in rapida evoluzione

Secondo la prima figura certificata di Intimacy Coordinator, Julia Effertz, il coordinamento dell’intimità è una professione in rapida evoluzione: questo settore professionale gestisce il processo di creazione di scene intime, di nudo, di sesso dalla preparazione alle riprese alla post-produzione.

La regia è presa a carico dal Intimacy Coordinator che realizza la propria visione creativa e si assicura che il contenuto sia sviluppato in modo consensuale e che i limiti degli attori siano rispettati. Le produzioni che lavorano con il coordinamento dell’intimità capiscono la difficoltà specifica delle scene intime e hanno cura del cast e della troupe.

La redazione della rivista Ensemble ha fatto per voi una rassegna stampa che illustra la professione in modo più dettagliato.

„L’intimità inizia con le scene di bacio. Ogni bacio racconta una storia diversa, è un tocco intimo. Può essere molto intima anche una scena in cui un’attrice interpreta una donna che partorisce. Questo, a volte, espone molto l’attrice“.

In un’intervista con Edition F. l’attrice e Intimacy Coordinator tedesca, Julia Effertz

Julia Effertz racconta le specificità di questa nuova professione, spiegando l’importanza di questa nuova figura per l’industria cinematografica e l’introduzione di indumenti specifici come i sospensori, ad esempio. Nelle situazioni di prove, Julia Effertz assicura che i limiti degli attori* sono rispettati quando si girano scene intime e spiega quali sono le eventuali difficoltà che incontrano gli attori e come riesce a mettere gli attori a proprio aggio:

„Per ogni scena intima, lavoro con l’attrice da un punto di vista fisico, vocale ed emotivo. L’obiettivo è anche quello di proteggere la sfera privata del corpo e di poter raccontare il ruolo e la storia attraverso il corpo. Mi assicuro che l’attrice sia a suo agio sul set, che non rimanga esposta tra una ripresa e l’altra, ma che le venga consegnato l’accappatoio subito dopo il „grazie“. L’ideale sarebbe seguire anche in questo caso un protocollo di ’set chiuso‘ con equipaggio minimo“.

Esiste anche uno strumento coreografico che viene chiamato “ancoraggio“, che consente di evitare al massimo i contatti fra gli attori durante una scena di sesso. Prendiamo l’esempio classico della posizione del missionario, l’uomo si sdraia sopra la donna. Le zone genitali non si toccano perché l’attore ancorerà la sua coscia a quella della sua partner di scena. I movimenti di spinta possono quindi essere eseguiti su questo punto di ancoraggio senza altro contatto mentre i movimenti sembreranno del tutto naturali. A seconda della quantità di nudità concordata nelle scene del film, vengono utilizzati indumenti specifici. Dallo slip color pelle ai cosiddetti sospensori per gli uomini, usati anche dai ballerini proteggeranno gli attori dal contato.

Julia Effertz, in un altro articolo intitolato „Non sono la polizia del sesso“, apparso sulla rivista online ze.tt. da più ampie informazioni sull’argomento. Lo potete consultare su „100 secondi“ nel podcast della SRF. Julia Effertz spiega secondo il principio delle cinque C, che parte dal cuore, come deve essere strutturata una scena intima. Dice della propria esperienza:

“Il mio corpo privato era completamente protetto dal coordinamento dell’intimità, il mio corpo di attrice era totalmente libero di interpretare il ruolo: in quel momento ho capito che il coordinamento dell’intimità funzionava. Non solo mi metteva al sicuro, ma apriva anche una libertà artistica assoluta“.

Julia Effertz

Un’altra importante Intimacy Coordinator è la giovane californiana Amanda Blumenthal, che ha accompagnato i film „Euphoria“, „The L-Word“ e „The Affair“ negli Stati Uniti e nel Regno Unito. Spiega in un’intervista ad Annabelle che stava lavorando come sex- and relationship coach quando ha saputo dell’annuncio di lavoro alla HBO.

Quando le viene chiesto nell’intervista, se sente molte storie di abusi sul set, risponde così:

„Assolutamente sì, e a volte si tratta di storie molto estreme: di registi che mandano tutti a casa per poter stuprare indisturbati l’attrice protagonista. Di attori che fanno sesso dietro le quinte durante le riprese. Di scivolate verbali del tipo „Fammi vedere le tette“. Il cattivo non è sempre il regista, le aggressioni avvengono anche tra il personale del set o i colleghi attori“.

Blumenthal parla anche della necessità di affrontare e guidare l’esperienza dell’aggressore in una scena di sesso violento, così come di tutti coloro che sono coinvolti nelle riprese e che sono interessati dalle sfide psicologiche di una scena del genere.

Dopo il #MeToo, c’è un grande nervosismo tra gli uomini. Molti hanno paura di comportarsi male. Di solito si rendono conto che siamo lì per sollevarli da discussioni scomode, per chiarire chi è autorizzato a toccare dove e come baciare esattamente. Avere a bordo una persona neutrale e mediatrice dà un senso di sicurezza.

Amanda Blumenthal

Nell’ intervista Amanda Blumenthal espone le linee di condotta e In qualità di organizzazione leader a livello internazionale, condivide le proprie conoscenze sul sito web „Intimacy professionals association“, creato appositamente per informare sull’argomento. Riporta anche un elenco dei servizi più importanti  che un coordinatore dell’intimità può offrire:

  • Facilitare il dialogo tra gli attori e il regista sul loro benessere in relazione al contenuto intimo di una scena.
  • Preparare emotivamente gli attori a scene di intensa intimità, come la simulazione di un’aggressione sessuale, e sostenerli durante l’intero processo, oltre a fornire assistenza emotiva in seguito, se necessario.
  • Garantire che durante le riprese di una scena non vengano superati i limiti degli attori e che questi rimangano fisicamente ed emotivamente al sicuro per tutta la durata delle riprese.
  • Fornire un ambiente sicuro in cui gli attori possano svolgere il loro lavoro.
  • Garantire il rispetto delle linee guida per i set chiusi e la nudità.
  • Agire come sostenitore e alleato per gli attori LGBTQIA+ sul set.
  • Coreografare le scene di sesso simulato per aumentare la credibilità.
  • Coordinarsi con reparti come quello dei costumi e del trucco per garantire che gli attori siano equipaggiati con abiti nudi, barriere e protesi appropriate.

Ulteriori informazioni statistiche e informazioni più dettagliate sulle opportunità di formazione in Germania possono essere ottenute da „kmbk“ – consulenza in rete per artisti, creativi, professionisti della cultura e dei media di Monaco.

“In realtà, nulla è spontaneo, non c’è niente di sexy. Le scene di sesso sono un lavoro duro, fisicamente e mentalmente.”

avverte Amanda Blumenthal e il rispetto è davvero fondamentale.

D und F | Suisseculture: Finanzbeschlüsse des Bundesrats vom letzten Freitag

Version français ci-dessous

Der Bundesrat verkauft Kürzungen als Wachstum!

Zürich, den 13.3.2023

Mit den am Freitag veröffentlichten Eckwerten für das Zielwachstum mehrjähriger Finanzbeschlüsse kürzt der Bundesrat in unverantwortlicher Weise die Budgets für notwendige Investitionen, unter anderem in der Kultur massiv. Damit verunmöglicht er der Branche, die Herausforderungen nach der Pandemie angehen zu können.

Es ist unbestritten, dass der Kulturbereich von der Pandemie besonders hart getroffen wurde und sich jetzt in einer Erholungsphase befindet. Kulturschaffende und -unternehmen müssen nach wie vor ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. Nicht zuletzt dank den gemeinsamen Anstrengungen von Branche, Publikum und öffentlicher Hand konnte trotz enormer Schwierigkeiten bis anhin ein substantieller Verlust an kultureller Vielfalt verhindert werden. Dass nun, inmitten der Wiederaufbauphase, schmerzliche Kürzungen vorgenommen werden sollen, ist absolut unverständlich. Denn mit diesen Kürzungen laufen wir Gefahr, die Unterstützungsanstrengungen der letzten Jahre wieder zunichtezumachen.

Was in der Medienmitteilung des Bundesrates als «temporärer Rückgang» des Wachstums bezeichnet wird, bedeutet in Zahlen für das Jahr 2024 Kürzungen des Budgets um 2%. Kürzungen, welche die Kultur im schlechtmöglichsten Zeitpunkt treffen. Die nun vorgegebene Obergrenze für das Zielwachstum der Finanzbeschlüsse für die Jahre 2025–2028 wird im Bereich Kultur vom Bundesrat auf 1,2% festgesetzt. Das Zielwachstum gleicht damit die Kürzungen von 2024 bei Weitem nicht aus. So können weder die Herausforderungen für den Kulturbereich in Angriff genommen noch die Teuerung kompensiert werden. Der Bundesrat streicht das Budget für die Kultur für die nächsten fünf Jahre massgeblich zusammen und gibt so ein falsches Signal.

Tatsache ist, dass auch in der Schweiz in nächster Zukunft von der grössten Teuerung seit Jahrzehnten ausgegangen werden muss. Zu einem Zeitpunkt, da über einen Teuerungsausgleich von mehreren Prozenten auf die Lohnsumme verhandelt wird, ist eine Kürzung der Kulturausgaben (die zum allergrössten Teil direkt in Lohnzahlungen fliessen) nicht vertretbar. Vielmehr wäre es an der Zeit, nachhaltige Massnahmen zur Verbesserung der sozialen Sicherheit für Kulturschaffende einzuleiten – mit entsprechenden Anpassungen in den Vorsorgesystemen der ersten und zweiten Säule. Diese betreffen nicht nur den Kulturbereich, sondern alle «prekären» Arbeitsformen, also befristet Angestellte, mehrfach Beschäftigte, teilweise Selbstständigerwerbende oder auch Personen in arbeitgeberähnlichen Positionen. Hier besteht akuter branchenübergreifender Handlungsbedarf!

Im Mai 2023 wird der Vernehmlassungsentwurf der Kulturbotschaft 2025–2028 vorliegen mit konkreten Massnahmen für die verschiedenen Förderbereiche. Dann wird bekannt werden, welche finanziellen Mittel für die nationale Kulturförderung 2025–2028 zur Verfügung gestellt werden sollen. Angesichts der Herausforderungen, die der Kultursektor insbesondere nach der Pandemie zu meistern hat, und unter Berücksichtigung der Inflation ist nicht eine Kürzung, sondern vielmehr eine Erhöhung des Kulturbudgets unumgänglich.

Die Kulturschaffenden der Schweiz können nicht nachvollziehen, was den Bundesrat zu diesen Kürzungen im Kulturbereich veranlasst hat. Sie rufen das Parlament auf, die für das Überleben der Branche dringend notwendigen Korrekturen am Budgetvorschlag des Bundesrates vorzunehmen.

 

Für weitere Auskünfte:

Alex Meszmer, Geschäftsleiter Suisseculture alexmeszmer@suisseculture.ch, 043 322 07 30

Omri Ziegele, Präsident Suisseculture oziegele@gmx.ch; 076 462 42 96


Le Conseil fédéral fait passer des réductions pour de la croissance!

Zurich, le 13.3.2023

En publiant vendredi les chiffres clefs sur les taux de croissance cibles pour les arrêtés financiers pluriannuels, le Conseil fédéral propose une réduction massive et irresponsable des budgets d’investissements nécessaires, notamment dans la culture. Il empêche ainsi le secteur de relever les défis qui se posent après la pandémie.

Il y a consensus pour dire que le secteur culturel a été particulièrement touché par la pandémie et qu’il se trouve à présent dans une phase de récupération. Les acteurs/actrices et entreprises culturel·les luttent aujourd’hui encore pour leur survie économique. Jusqu’à présent, en dépit d’énormes difficultés, et grâce aux efforts du secteur, du public et des pouvoirs publics, on a pu éviter une perte substantielle de la diversité culturelle. Il est absolument incompréhensible d’effectuer maintenant des coupes douloureuses alors qu’on se trouve justement en pleine phase de reconstruction. Ces réductions risquent de réduire à néant les efforts de soutien de ces dernières années.

Dans son communiqué de presse, le Conseil fédéral indique que ces taux de croissance « devraient baisser temporairement en 2024 », ce qui se traduit en chiffres par des réductions de 2 % du budget. Ces coupes touchent la culture au plus mauvais moment possible. Le Conseil fédéral a fixé à 1,2 % la limite supérieure de la croissance visée par les arrêtés financiers pour les années 2025-2028 dans le domaine de la culture. Les taux de croissance cibles ne compensent donc pas, et de loin, les réductions de 2024 et ne permettent pas de relever les défis posés au secteur culturel ni de compenser le renchérissement. Le Conseil fédéral réduit considérablement le budget de la culture pour les cinq prochaines années ; c’est un mauvais signal.

On sait que l’avenir nous réserve le renchérissement le plus important que l’on ait vécu, en Suisse également, depuis des décennies.. À l’heure où une compensation du renchérissement de plusieurs pour cent est négociée sur la masse salariale, une réduction des dépenses culturelles (dont la plus grande partie est directement affectée au paiement de salaires) n’est pas défendable. Il serait plutôt temps d’introduire des mesures durables d’amélioration de la sécurité sociale des acteurs/actrices culturel·les — avec des adaptations adéquates dans les systèmes de prévoyance du premier et du deuxième pilier. Cela ne concerne d’ailleurs pas seulement le secteur culturel, mais aussi toutes les formes de travail « précaires », à savoir les personnes employées à durée déterminée, les personnes ayant des emplois multiples, les personnes partiellement indépendantes ou encore les personnes occupant des positions assimilables à celles d’un employeur. Il y a là un urgent besoin d’agir avec une vision intersectorielle!

Dès mai 2023, le projet de Message culture 2025-2028 sera en consultation avec des mesures concrètes pour les différents domaines d’encouragement. On saura alors quels moyens financiers seront mis à disposition pour l’encouragement de la culture 2025-2028 au niveau fédéral. Au vu des défis que le secteur culturel doit relever, notamment après la pandémie, et compte tenu de l’inflation, il ne convient actuellement pas de réduire le budget de la culture, mais plutôt de l’augmenter.

Les acteurs et actrices culturel·les suisses ne comprennent pas ce qui a poussé le Conseil fédéral à procéder à ces coupes dans le secteur culturel et appellent le Parlement à apporter au projet de budget du Conseil fédéral les corrections urgentes nécessaires à la survie de la branche.

Contacts:

Alex Meszmer, secrétaire général de Suisseculture, alexmeszmer@suisseculture.ch, 043 322 07 30

Omri Ziegele, président de Suisseculture, president@suisseculture.ch, 076 462 42 96

 

Wichtig: Lohnumfrage in den darstellenden Künsten

Bitte macht mit!

Liebe darstellende Künstler*innen

Wir machen eine anonyme Umfrage zu den Lohnverhältnissen und prekärer Arbeit in unserer Branche. Bitte helft uns, Informationen zu sammeln, die es uns ermöglichen, die Lohnsituationen in unseren Berufen zu verbessern. Es dauert kaum 5 Minuten.

DANKE!!!

Neues im März

Nachwuchsförderung Darstellende Künste

Ausschreibung «COMPASS» von Pro Helvetia

Nachwuchs-Compagnien können innerhalb der Schweiz von zahlreichen Plattformen für erste Werke oder Kurzstücke profitieren oder an nationalen Residenz- und Tourneeformaten teilnehmen. Für die internationale Arbeit fehlt es jedoch oft an Know-how, um eine Tournee professionell zu verhandeln und zu organisieren. Zudem fehlen die finanziellen Mittel, um eine stabile Struktur innerhalb der Compagnie und eine längerfristige Strategie aufzubauen.

COMPASS ermöglicht jährlich vier Compagnien, in Zusammenarbeit mit erfahrenen Personen oder Institutionen internationale Tourneen zu planen, ihre internationale Vernetzung zu stärken, eine Tourneestrategie zu entwickeln und sich entsprechend strukturell aufzustellen. Dafür werden pro Compagnie CHF 25’000 pro Jahr zur Verfügung gestellt. Die Förderung ist auf maximal zwei Jahre angelegt. Die Compagnien können sich für ein Jahr oder direkt für zwei Jahre bewerben.

COMPASS richtet sich an Schweizer Nachwuchs-Compagnien, die ihren Arbeitsschwerpunkt in der Schweiz haben und bereits von Pro Helvetia für Gastspiele unterstützt wurden.

Eingabetermin ist der 1. April via Formular.

Pro Helvetia launches measure to support co-creation

With a view to strengthening intercultural and transdisciplinary exchange, Pro Helvetia is launching two new measures of support. The co-creation grant is aimed at productions made in collaboration between artists from Switzerland and around the world. «Synergies» is an open call to foster programmes in the intersection of art, science, and technology involving organisations in Switzerland and across the world. «Synergies» offers support for international collaborations, such as fellowships, residencies, think tanks, and hackathons. The open call encourages programmes that spark new approaches, methodologies and connect knowledge from different contexts.

Hier geht es zur Kategorie „Call for Applications“.


Tanzfest 2023: Die Ausschreibung für Dance on Screen läuft:

Beim Tanzfest 2023 wird in zahlreichen Städten ein spannendes Programm an schweizerischen und internationalen Tanzfilmen präsentiert. Die Auswahl der Filme erfolgt aufgrund einer Ausschreibung, welche von Dance on Screen in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Tanzfilm-Festival Cinedans lanciert wird. An der Auswahl der Schweizer Filmbeiträge ist auch die Stiftung SAPA, Schweizer Archiv der Darstellenden Künste beteiligt. Die Schweizer Filme werden im Rahmen der 18. Ausgabe des Tanzfests vom 10. bis 14. Mai 2023 sowie im Rahmen von Zürich tanzt gemeinsam mit internationalen Tanzfilmen gezeigt.

Tanz- und Filmschaffende sind ab sofort aufgerufen, ihre Tanzfilme einzureichen.
Eingabeschluss ist der 12. März 2023.


Open Call – Stipendiatsprogramm des Schweizer Theatertreffens 2023

Mit dem Forum junger Theaterschaffender schreibt das Schweizer Theatertreffen ein fünftägiges Stipendienprogramm aus, mit dem der Theaternachwuchs aus allen Landesteilen gefördert wird. Das Programm erlaubt 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten bis 35 Jahre, das gesamte zehnte Schweizer Theatertreffen (31. Mai – 04. Juni 2023 im Kanton Freiburg) fragend und kritisch zu begleiten.

Die Ausschreibung richtet sich an junge Theaterschaffende aus den Professionen Regie, Schauspiel, Dramaturgie, Ausstattung, Performance, Theaterwissenschaft, Hörspiel, Video, Schreiben, Musik, Theaterpädagogik und weiteren künstlerischen Disziplinen. Ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert werden zudem Studierende von Kunsthochschulen und kunstwissenschaftlichen Fächern.

Bewerbungsfrist: 28. April


StuFFNeue Materialzyklen für Theater online ab 2. April 2023.

StuFF ist ein Open Source Projekt, initiiert durch Barbara Ehnes (Bühnenbildnerin und Professorin für Bühnen- und Kostümbild HfBK Dresden) und Nadia Fistarol (Bühnenbildnerin und Leiterin des Praxisfeldes Szenischer Raum an der ZHdK Zürich), mit und für alle engagierten Theaterschaffenden und -studierenden.

StuFF erwirkt zusammen mit allen Theaterschaffenden ein vermehrt ökologisches und nachhaltiges Denken, Forschen und Handeln in den Darstellenden Künsten. Bestehendes Wissen wird gebündelt, weiterentwickelt und verbreitet, um die Schwelle zu nachhaltigem Handeln niedrig zu halten. Erstellt wird eine Webseite als Open-Source-Katalog für umweltfreundliche Materialien und wiederverwendbare Strukturen, um den Wegwerfkreislauf in Theatern zu beenden. Der Stand der Forschung und aktuelle Diskurse werden auf der langfristig geplanten Plattform geteilt, Materialzyklen erforscht und Engagierte in der Schweiz, im deutschsprachigen Raum und europaweit vernetzt.

«Ich habe das Gefühl, dass unsere Kunst in Basel nicht mehr erwünscht ist»

Anstelle des Basler Musical Theaters soll künftig eine neue Schwimmhalle rücken. Eine Volksinitiative versucht, das noch abzuwenden.

Text & Bilder: Sarah Schaub

In Kürze:

  • Eine Volksinitiative will verhindern, dass das Musical Theater Basel einem Hallenbad weichen muss.
  • Die nötigen Stimmen sind bereits gesammelt. Das Komitee wird die Initiative vermutlich im Herbst eingeben.
  • Der Bau müsste ohnehin saniert werden, doch die geplante Umnutzung sorgt für rote Köpfe und spitze Kommentare.

Im Januar 2023 rollten sieben Sattelschlepper mit Bühnenmaterial der englischen Musical Produktion Cats in Basel ein. Es könnte eine der letzten grossen Tourneen gewesen sein, die hier Halt macht. Denn das Musical Theater soll einem neuen Hallenbad Platz machen, wenn es nach den Plänen der Regierung geht.

Doch das sorgt für Unmut in der Bevölkerung. Denn das Musical Theater ist in Basel der einzige Ort, der die Infrastruktur für das aufwändige Bühnenbild bietet. In der Deutschschweiz gibt es nur das Theater 11 in Zürich als Alternative.

Ausserdem ist der geplante Umbau aus Gegnersicht ökologisch nicht sinnvoll. Man solle ein Hallenbad in der Nähe einer Kunsteisbahn bauen, um Synergien zu nutzen. Drei Motionen wurden dazu schon im Grossen Rat eingereicht – und abgelehnt.

Stimmen bereits gesammelt

Jetzt soll eine Volksinitiative den Bau des 50-Meter-Beckens abwenden. Das Komitee spricht sich für den Erhalt des Musical Theaters am hiesigen und den Neubau eines Hallenbades an einem anderen Standort aus. Die nötigen 3000 Unterschriften waren laut Toni Kleimann, Ansprechperson des Initiativkomitees, bereits nach drei Monaten gesammelt. Man gedenke, die Initiative diesen Herbst einzureichen.

Parallel dazu prüft die Regierung verschiedene Optionen. Im Sommer soll der Regierungsrat einen Bericht dazu mit den Ergebnissen verschiedener Machbarkeitsstudien an den Grossen Rat weitergeben.

Klar ist: Das Gebäude an der Feldbergstrasse 151 muss für viele Millionen Franken saniert werden. Es stammt aus dem Jahr 1958. Das Musical Theater wurde 1995 nachträglich eingebaut und ab 1998 von der Firma Freddy Burger Management (FBM) betrieben. Das Gebäude war zu dieser Zeit im Besitz der MCH Gruppe, befand sich aber im Baurecht. 2020 nahm es der Kanton zurück und verlängerte den Vertrag mit FBM ab 2024 nicht mehr.

Das Musical Theater bezieht im Gegensatz zu anderen Institutionen keine Subventionen.

Mittel ungerecht verteilt

Aber warum nicht das Geld in die Sanierung stecken, das Schwimmbad woanders bauen und Musical Theater erhalten? The Lion King allein zog im Jahr 2015 ein Publikum von 300’000 Menschen an, schreibt Basel Tourismus auf Anfrage. Kommt hinzu: Das Musical Theater bezieht im Gegensatz zu anderen Institutionen keine Subventionen. Für das Theater Basel etwa sind allein von Januar bis Juli 2023 rund 27 Millionen Franken budgetiert. Zum Vergleich: Das Basler Vorstadttheater erhält 500’000 Franken fürs ganze Jahr.

«Ausdruck der Politik, die sogenannte Hochkultur auf den bildungsbürgerlichen Altar zu stellen»

Toni Kleinmann, Ansprechperson des Initiativkomitees

Toni Kleimann findet es «erschreckend, dass Links-Grün in Basel für die Zerstörung eines völlig intakten Theaters Hand bietet». Er sieht darin einen «Ausdruck der Politik, die sogenannte Hochkultur auf den bildungsbürgerlichen Altar zu stellen». Sein Sohn Lucca Kleimann ist selbst Musicaldarsteller. «Ich habe das Gefühl, dass unsere Kunst in Basel nicht mehr erwünscht ist», sagt er. Er habe kein Verständnis dafür, die einen zu unterstützen und den anderen die Grundlage zu entziehen.

«Sport und Kultur werden einander gegenübergestellt und das ist nicht gut»

SP-Politiker Thomas Gander über den Konflikt

Bereits letzten Sommer fragte Bajour-Chefredaktorin Andrea Fopp: «Ist sich die Regierung zu fein für Cats?». Für SP-Politiker Thomas Gander verläuft die Konfliktlinie jedoch anderorts. «Sport und Kultur werden einander gegenübergestellt und das ist nicht gut», zitierte ihn die BZ Basel. Das verneint das Initiativkomitee vehement. Sie stünden bereits mit den Schwimmbad-Befürwortenden in Kontakt, um einen geeigneten anderen Standort zu finden.

So oder so: Für die Schweizer Musicalszene bleibt zu hoffen, dass die Initiative Erfolg hat und das Theater an seinem heutigen Platz bleiben darf.

Kulturwandel am Opernhaus Zürich

Statement zum Kulturwandel von Robert Weybora, Personalrat für das Bühnenpersonal am Opernhaus Zürich.

„Unser Kulturwandel – wir sprechen auch von unseren Kulturwandelprojekten – ist die Folge einer umfassenden Mitarbeitendenbefragung, die zu Beginn 2021 stattgefunden hat. Aus der Umfrage ging einerseits hervor, dass die Zufriedenheit der Kolleginnen und Kollegen sehr hoch ist und andererseits die Identifikation mit unserem Opernhaus sehr gross ist. Daneben offenbarten sich aber auch Probleme, die unter anderem aus der hohen Schlagzahl herrühren, die wir hier am Opernhaus fahren. Es bleibt dabei kaum Zeit innezuhalten und über uns nachzudenken. Die Kulturwandelprojekte sollen das ermöglichen.

Der Personalrat hat die Kulturwandelprojekte gemeinsam mit Mitgliedern der Opernhausdirektion und natürlich unter professioneller Beratung entwickelt.

Alle Projekte werden in Arbeitsgemeinschaften (kurz: AGs) besprochen und erarbeitet. Diese sind für alle Mitarbeitenden offen und finden regen Zuspruch. Am Opernhaus haben wir einen Personalrat bestehend aus 5 Mitgliedern, von denen jedes Mitglied einen bestimmten Teilbereich vertritt (Ich bin der Personalrat für das Ballett/Chor/Solo). Der Personalrat hat die Kulturwandelprojekte gemeinsam mit Mitgliedern der Opernhausdirektion und natürlich unter professioneller Beratung entwickelt. Seit die Projekte laufen, haben wir regelmässige Treffen mit der Direktion in denen der aktuelle Stand und die Entwicklung der Projekte gemeinsam beraten werden.

Es wurde schon viel bewegt, gleichzeitig wissen alle, dass wir noch lange nicht am Ende angelangt sind.

Das Vertrauen in den Kulturwandel und in die Projekte ist seitens des Personalrats und auch von Seiten der Direktion und vor allem von den Mitarbeitenden sehr hoch. Es wurde schon viel bewegt, gleichzeitig wissen alle, dass wir noch lange nicht am Ende angelangt sind. Einige Themen sind durchaus sensibel und es braucht gerade deshalb viel Vertrauen und auch Diskretion auf allen Seiten, damit es sich gut entwickeln kann. Wir sind darum besorgt, dass es unsere Interne Sache bleibt und sind übereingekommen, dass der Kulturwandel nicht zu PR-Zwecken verwendet wird und von uns Mitarbeitenden intern gehalten wird und nicht nach aussen getragen wird.

Von der Evaluation der Ansprüche bis hin zur Auswahl der Softwarelösung wurde alles partizipativ erarbeitet.

Das Ganze ist eine einzigartige Angelegenheit und ich verstehe das grosse Interesse an unserem Kulturwandel. Darum möchte ich hier Einblick in 2 Teilprojekte geben, die schon weit fortgeschritten sind.

Sämtliche Informationen, wie Probenpläne und Mitarbeitendeninfos gehen zeitgleich an alle Kolleginnen und Kollegen hinaus. Auch kann jede*r mit jedem über Abteilungsgrenzen und Hierarchiestufen hinweg kommunizieren.

Seit langem war am Opernhaus allen bewusst, dass wir eine interne Kommunikation mit zwei Geschwindigkeiten haben. Aus meinen Erfahrungen und aus Gesprächen mit Kolleg*innen, weiss ich auch, dass das in anderen Theatern auch so ist. Auf der einen Seite sind da Kolleginnen und Kollegen, die über eine Opernhaus-E-Mail Adresse verfügen und somit in allen Verteilern „drin“ sind und viele Informationen aus erster Hand erhalten. Auf der anderen Seite stehen die Mitarbeitenden ohne Opernhaus E-mail, die alle Information aus 2. Hand erhalten. Dabei blieb auch immer einmal etwas auf der Strecke oder verfing sich in den vielen parallelen Informationskanälen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hatten. Zurecht fühlten sich diese Kolleginnen und Kollegen abgehängt. Das betraf besonders das gesamte szenische Personal, das Orchester und das technische Personal.

Personalrat und Direktion waren sich schnell einig, dass das durch ein umfassendes neu zu entwickelndes Intranet zu lösen wäre und so entstand eines der ersten Projekte des Kulturwandels. Eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitenden aus allen Abteilungen wurde gegründet und hat sich intensiv damit auseinandergesetzt. Von der Evaluation der Ansprüche bis hin zur Auswahl der Softwarelösung wurde alles partizipativ erarbeitet. Unser Intranet ist inzwischen online und kann auch als App aufs Natel geladen werden. Sämtliche Informationen, wie Probenpläne und Mitarbeitendeninfos gehen zeitgleich an alle Kolleginnen und Kollegen hinaus. Auch kann jede*r mit jedem über Abteilungsgrenzen und Hierarchiestufen hinweg kommunizieren.

Mehr als 70 Kolleginnen und Kollegen waren am Entstehungsprozess beteiligt. Das ist mit ein Grund dafür, dass die Akzeptanz des Codes in der Belegschaft bei fast 100% liegt.

Das ganze Projekt ist noch im Wachstum begriffen und jede Woche kommt etwas neues hinzu.

Das Projekt mit der gössten Mitarbeitendenbeteiligung ist unser Code of Conduct oder Verhaltenscodex. Mehr als 70 Kolleginnen und Kollegen waren am Entstehungsprozess beteiligt. Das ist mit ein Grund dafür, dass die Akzeptanz des Codes in der Belegschaft bei fast 100% liegt. Besonders wichtig ist uns auch, dass sämtliche Gäste den Code unterzeichnen müssen, bevor sie mit uns zusammenarbeiten. Damit wird sichergestellt, dass sich alle Beteiligten an einer Produktion der Leitplanken bewusst sind, die am Opernhaus gelten.

Für mich als Personalvertreter ist es sehr spannend an diesem Prozess beteiligt zu sein. Ich befinde mich in dem Spannungsfeld zwischen Mitarbeitenden und Direktion, was den Kern der Aufgabe eines Personalrats am Opernhaus darstellt. Natürlich ändert sich nicht alles von heute auf morgen aber es wurde und wird vieles angestossen und am Ende entscheiden die Kolleginnen und Kollegen darüber, ob die angestossenen Projekte mit Leben und Inhalt gefüllt werden.


Vita von Robert Weybora:

Ab 2010 als Gast engagiert ist der Bariton Robert Weybora seit 2012 festes Mitglied im Chor des Opernhauses. Seit 2021 ist er Personalrat für Ballett, Chor und Solo. Seit 2014 im Stiftungsrat der Pensionskasse amtiert Robert seit 2021 auch als Präsident des Stiftungsrates und des Ausschusses der PK. Als Notenwart koordiniert er gemeinsam mit der Bibliothek die Digitalisierung im musikalisch-künstlerischen Bereich.

Aufgewachsen in Österreich studierte Robert am Konservatorium der Stadt Wien und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Robert Holl und Ralf Döring, wo er seine Ausbildung zum Opernsänger abschloss. Vor seinem Engagement am Opernhaus war Robert an verschiedenen Theatern als Solist und Chorsänger engagiert und war Mitglied im Chor der Bayreuther Festspiele.

Publikumsschwund und freie, kritische Kunstbetrachtung in Gefahr

Im Februar erreichen die Redaktion zwei Meldungen aus Österreich und Deutschland, die das Theater betreffen und nicht gerade Wohlbehagen auslösen – eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse.

„Am Rande einer Ballettpremiere hat der Chefchoreograph und Direktor des Staatsballetts Hannover unsere Tanzkritikerin zunächst verbal und dann auch physisch attackiert. Ein Angriff auf die freie, kritische Kunstbetrachtung generell.„, meldete die Frankfurter Allgemeine am 12. Februar.

Dieser Lead ist dem Artikel „Eklat in Hannover – Attacke auf unsere Tanzkritikerin“ entnommen, und erklärt, wie es zum Vorfall zwischen dem  Chefchoreograph und Direktor des Staatsballetts Hannover, Marco Goecke, und der Tanzkritikerin Wiebke Hüster zunächst verbal und dann auch physisch mit einem Angriff mit Exkrementen kam.

In Zeiten, in denen im Kunstbetrieb Sensibilität und Achtsamkeit auf allen Ebenen proklamiert wird, ist das eine besondere Perfidie.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Die bewusste Herabsetzung und Erniedrigung, die aus der vorbereiteten Exkrementen-Attacke hervorgeht, nehmen wir sehr ernst. Sie zeugt vom fatalen Selbstverständnis einer Persönlichkeit in hoch subventionierter Leitungsfunktion, die meint, über alle kritische Beurteilung erhaben zu sein und sich ihr gegenüber im Zweifelsfall auch durch Anwendung von Gewalt ins Recht zu setzen. In Zeiten, in denen im Kunstbetrieb Sensibilität und Achtsamkeit auf allen Ebenen proklamiert wird, ist das eine besondere Perfidie.“ schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Die Konsequenzen sehen folgendermassen aus:

„Die Intendantin der Oper Hannover, Laura Berman, teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass die Staatsoper Hannover über den Vorfall „schockiert“ sei und nun „arbeitsrechtliche Konsequenzen gegenüber Ballettdirektor Marco Goecke prüfen“ werde.“

Und:

„Frank Rieger, Landesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes in Niedersachsen, forderte eine deutlichere Reaktion: „Die Erklärung der Staatsoper zu dem Vorfall ist völlig unzureichend, denn der Angriff auf die Journalistin der F.A.Z. ist auch eine Attacke auf die Pressefreiheit.“


„Auf eine 16-Jährige kommen zwei bis drei 60-Jährige: Der demografische Wandel hat auch den Kulturbetrieb erfasst. Ist Publikumsschwund in Theater, Oper oder Kino aufzuhalten?“, schrieb der Standart im Artikel „Kultur und Demografie: Wenn die Jungen nicht mehr ins Theater gehen“, ebenfalls am 12. Februar.

„Der Kulturbetrieb – in dem in Österreich 160.000 Menschen arbeiten – hat den akuten Covid-Stresstest relativ gut überstanden.“

Linke beklagen konservative Strukturen, Konservative wettern gegen linkes Regietheater.

Der Standart

„Und dennoch: Gerade im Theaterkontext wird die Publikumskrise in den letzten Monaten kontrovers diskutiert, oft werden ästhetsche Gründe heraufbeschworen: Linke beklagen konservative Strukturen, Konservative wettern gegen linkes Regietheater. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) verteilt Beruhigungspillen und lässt eine Studie erstellen. Im März soll sie fertig sein.“

Als mögliche Gründe werden der demografische Wandel genannt, der alle Bereiche der Gesellschaft erfasse und den Kulturbetrieb vor strukturelle Probleme stellt. Wegen der Überalterung des Publikums, würden die Plätze im Theater frei bleiben und das Programm so, wie es bisher gewesen sei: Auf eine heute 16-jährige Person kämen zwei bis drei 60-Jährige. Hinzu kommt das digitale Konkurrenzangebot durch Streaming, Tendenz steigend! Weitere Begründungen lauten:

„Der Kulturwissenschafter Thomas Renz vom Berliner Institut für Kulturelle Teilhabeforschung kennt die Problematik. Zwar werde das Digitale nicht als 1:1-Ersatz dem Live-Erlebnis vorgezogen, dieser Schluss wäre zu einfach; aus Untersuchungen wisse man aber, dass junge Menschen Kulturangebote heute generell in deutlich geringerem Ausmaß wahrnehmen als noch vor 30–40 Jahren. Digitale Zeitfresser spielen dabei eine Rolle.“

Das, was im Digitalen nicht vorkommt, wird häufig im Analogen gar nicht wahrgenommen.

Und:

„Die Soziologin Susanne Keuchel weiß aus Befragungen, dass bei jungen Menschen „absolutes Unverständnis darüber herrscht, wenn ein Kulturangebot nicht im Netz abrufbar ist. Das, was im Digitalen nicht vorkommt, wird häufig im Analogen gar nicht wahrgenommen.“ Zu bedenken gibt Keuchel auch, dass heutige 16-Jährige 20 Prozent ihres Lebens im digitalen Totalrückzug während der Pandemie verbracht haben. Kein Wunder, dass das Spuren hinterlässt.“

Kleine Einrichtungen schaffen sich so ihre Nischen, große privatwirtschaftliche Player wie Streamingplattformen bringen die Nische zu den Leuten, individuell maßgeschneidert direkt ins Wohnzimmer.

Der Standart

Zwischenfazit:

„Fakt ist, so gut wie alle Kultureinrichtungen bemühen sich heute darum, Junge zu erreichen. So wirklich gelingen will das aber nur jenen, die auf Zielgruppenoptimierung abzielen können: Kleine Einrichtungen schaffen sich so ihre Nischen, große privatwirtschaftliche Player wie Streamingplattformen bringen die Nische zu den Leuten, individuell maßgeschneidert direkt ins Wohnzimmer. Übrig bleiben die Tempel bürgerlicher Hochkultur, jene, die sich keine radikale Zielgruppenfokussierung leisten können, aber trotzdem Zukunft haben wollen.“

Die Kulturpolitik scheint sich der Bedeutung dieser Fragen zumindest bewusst zu sein: Der Bund lässt Studien erstellen, die Stadt Wien eine Kulturstrategie bis 2030 ausarbeiten.

Die Debatte in der Kulturpolitik über ein potenzielles Überangebot sei dringend notwendig, meint Renz und zudem solle, gemäss Keuchel, die kostenlose Zugänglichkeit für subventionierte Kultur ermöglicht werden. Beide Experten plädieren für Durchmischung in soziokulturellen Räumen, die der Zersplitterung in Milieus entgegenwirken. „Die Kulturpolitik scheint sich der Bedeutung dieser Fragen zumindest bewusst zu sein: Der Bund lässt Studien erstellen, die Stadt Wien eine Kulturstrategie bis 2030 ausarbeiten.“ Zu guter Letzt noch der Fakt: „Dass unabhängig von Alter und Herkunft laut manchen Befragungen bis zu 50 Prozent der Bevölkerung überhaupt keine Kulturveranstaltungen besuchen, steht auf einem anderen Blatt. Das wäre wohl ein Auftrag ans Bildungssystem.“

Neues im Februar

reso Tanznetzwerk Schweiz 

Text übernommen aus dem Newsletter

Neues OpenScape-Event: Prototyping Cultural Practices

The Khan (Tripoli / LB) und OpenScape untersuchen die Beziehungen zwischen Institutionen, Kunstschaffenden und den Bewohner·innen vor Ort in einer Reihe von Online-Dialogen und einer abschliessenden öffentlichen Veranstaltung. In den kommenden Wochen veranstalten wir öffentliche Gespräche zwischen Vertreter*innen eines Kulturorts und einem·r Künstler*in, die über die Auswirkungen ihrer Arbeit diskutieren werden. Diese Gespräche werden live geführt und aufgezeichnet, so dass man sie auch später anhören kann. Am 28. Februar findet von 14:30-16:30 Uhr eine öffentliche Online-Veranstaltung statt, bei der die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, Künstler*innen und Institutionen direkt zu ihren jeweiligen Verantwortlichkeiten zu befragen.

Podcast „Dance goes École“: Neue Folge auf Französisch

Nach einer ersten Podcast-Reihe «Tanz goes Schule» startet Reso nun eine zweite Serie von spannenden Podcasts zu verschiedenen Tanzformaten, die den schulischen Alltag bereichern – diesmal aus der Romandie und in französischer Sprache. Ab sofort kann man die neue Folge «Wouah! Eine Schulaufführung, die es in sich hat» auf unserer Webseite hören.

Das Tanzfest 2023: Preisträger·innen bei Dance on Tour

Auch 2023 bietet das Tanzfest in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur den Preisträger·innen der Schweizer Preise Darstellende Künste eine Plattform, um ihre Tanzkreationen einem grossen, breit gefächerten Publikum zu präsentieren: Fünf Arbeiten von preisgekrönten Künstler*innen werden im Rahmen einer Tournee schweizweit am diesjährigen Tanzfest vom 10. bis 14. Mai 2023 gezeigt – in spannenden Settings abseits der klassischen Bühnensituationen.


Schweizer Künstlerbörse 2023

Vom 19.-22. April findet die Schweizer Künstlerbörse 2023 statt, Eröffnungsabend ist der Mittwoch, 19. April im Kultur- und Kongresszentrum Thun. Im Rahmen des Eröffnungsabends wird Mike Müller sein Stück «Erbsache – Heinzer gegen Heinzer und Heinzer» aufführen. In der Komödie treffen sich drei zerstrittene Geschwister wegen einer Erbangelegenheit vor Gericht. Diese und zahlreiche weitere Figuren verkörpert der vielseitige Autor und Schauspieler als virtuose, hochamüsante und absurde One-Man-Show. Mike Müller wurde letztes Jahr mit einem «Schweizer Preis Darstellende Künste» ausgezeichnet. Die Schweizer Künstlerbörse ist Promotionspartnerin der vom BAK vergebenen Preise und freut sich, Mike Müller am Eröffnungsabend eine Plattform bieten zu dürfen.  Ab 18:30 Uhr wird zum Apéro im Foyer des KKThun eingeladen, an dem Frau Gemeinderätin Katharina Ali-Oesch und weitere Vertreterinnen und Vertreter der Politik Ansprachen halten werden. Durch diesen ersten Teil des Abends führen unsere «Special Guests», die Gnunns der Westschweizer Theatergruppe The Big Bang CompanyGnunns sind quirlige Dämon*innen, die gerne tanzen, lachen und allerlei Schabernack treiben.Bestellen können Sie Ihre Tickets für den Eröffnungsabend bis am Donnerstag, 23. Februar online via folgenden Link.


Am 6. März startet der m2act Call for Action 2023! m2act, das Förder- und Netzwerkprojekt des Migros-Kulturprozent für die Darstellenden Künste, gibt euch die Möglichkeit, Veränderungen anzupacken!

  • Möchtest du mit deinem Team eine aktuelle, konkrete Herausforderung eurer Arbeitsrealität anpacken oder eure Arbeitsweise nachhaltig verändern?
  • Wollt ihr diesen Prozess mit der Unterstützung von Expert*innen angehen?
  • Gibt es bestimmte Tools, Methoden oder Prozesse, die ihr dabei anwenden möchtet?
  • Spiegelt sich euer Vorhaben in den Zielen von m2act wider? (faire Praxis, Nachhaltigkeit, offener Wissenstransfer)
  • Seid ihr bereit, eure Erkenntnisse aus dem Prozess aufzubereiten und mit anderen zu teilen?
  • Habt ihr Zeit, euer Vorhaben bis im Sommer 2023 detailliert auszuarbeiten und bis im Sommer 2024 abzuschliessen?

Der m2act Call for Action 2023 richtet sich an Compagnien, Häuser, Festivals, Produktionsbüros, Netzwerke und andere feste Formationen und Strukturen, die ko-kreativ – also gemeinsam mit Expert*innen – eine konkrete Herausforderung ihres Arbeitsalltags angehen und Lösungsansätze anwenden möchten. Ihr könnt selbst Expert*innen vorschlagen oder, sollte euer Vorhaben ausgewählt werden, gemeinsam mit m2act geeignete Personen suchen.

Ab dem Montag, 6. März 2023 könnt ihr euer Vorhaben eingeben. Eingabeschluss ist der 4. April 2023 (Das Gesuchsportal schliesst automatisch um Mitternacht.)

Der nächste m2act Anlass findet vom 15. – 17. September 2023 in Bern statt. Für diese Veranstaltung kollaborieren wir mit Burning IssuesIntegrARTBühnen Bern, der Dampfzentrale und dem Schlachthaus Theater. Unter dem Titel «M2ACT x BURNING ISSUES – Performing Arts & Action» bündeln wir die Expertise verschiedener internationaler Akteur*innen, die sich für einen nachhaltigen, gerechten und fairen Kulturbereich engagieren. Save the date!

Löhne auf der Bühne: Zu wenig zum Leben

Die Löhne am Theater sind tief. Zwischen 4000 und 4500 Franken brutto verdienen Schauspieler:innen bei 100 Prozent im Erstengagement nach einem intensiven Studium mit Hochschulabschluss. Selbst Menschen, die ohne Ausbildung in der Gastronomie arbeiten, verdienen mehr.

Von Yan Balistoy*

Aber es geht doch nicht nur ums Geld, oder? Das macht euch doch bestimmt auch Spass! Es gibt zahlreiche Einwendungen, um die Unverhältnismässigkeit am Theater zu rechtfertigen. Spass, Freiheit und das exklusive Künstler:innenleben ersetzen vermeintlich Fairness, Stabilität und Nachhaltigkeit.

Lange hat sich am Mindestlohn und an der intransparenten Lohnpolitik der einzelnen Häuser nicht viel verändert. Die Theaterhäuser entscheiden selbst, wie sie ihre Lohnentwicklungen gestalten möchten. Es gibt Fälle, in denen die Berufserfahrung keine Auswirkungen auf den Lohn hat. Die steigenden Lebenskosten überrollen die stehengebliebenen Löhne von festangestellten Künstler:innen und erschweren damit ihre Lebensbedingungen.

Natürlich: It’s not all about money, aber eine faire Bezahlung ist ein nun mal eine wichtige Existenzgrundlage. Künstler:innen arbeiten in Theatern, um ihr Leben zu finanzieren und leisten nicht ehrenamtliche Arbeit, weil es halt „Spass macht“. „So ist das halt am Theater“ oder „in Deutschland sind die Löhne schlechter“ sind nur zwei Scheinargumente, wenn es darum geht, unzureichende Entlöhnung an Schweizer Häusern zu rechtfertigen.

Die Angst vor der „Nicht-Verlängerung“ 

Weshalb ändert sich in der ganzen Branche nichts? Missstände anzusprechen, gefährdet die eigene Position. Künstler:innen haben Angst, ersetzt zu werden. Wir haben Angst, weil genug andere den Arbeitsplatz widerspruchslos und gerne hinnehmen würden. Spricht man Missstände an, könnte es dazu führen, dass sich das Verhältnis mit der Leitung verschlechtert, wodurch Möglichkeit näher rückt, „nicht verlängert“ zu werden. Die Nicht-Verlängerung erlaubt der Arbeitgeber:innenseite jedes Jahr Arbeitsverhältnisse nach purer Willkür aufzulösen. Es ist eines der stärksten Machtinstrumente, über das eine Theaterleitung verfügt. Diese Angst ist der Grund, warum ungerechte Arbeitsbedingungen bestehen können.

Es scheint ein geschlossener Kreis zu sein, doch alles hat einen Ursprung. Und dieser liegt in der Ausbildung. Nehmen wir beispielsweise das Schauspielstudium. Um in einem Schauspielstudium aufgenommen zu werden, muss ein Mensch vorsprechen gehen. Dabei wird schnell klar, dass willkürlich und intransparent über die Bewerber:innen entschieden wird. Weshalb jemand angenommen oder abgelehnt wird, bleibt für immer ein Rätsel.

Bewerber:innen reisen während der Vorsprechphase ein oder zwei Jahren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, um einen begehrten Platz an einer der zweiundzwanzig staatlichen Schauspielschulen zu ergattern. Dabei werden an einer Schauspielschule von mehreren hundert Bewerber:innen im Schnitt zehn bis zwanzig neue Student:innen in einen Jahrgang angenommen.

Ist man erfolgreich im Studium aufgenommen worden, folgt ein drei- oder vierjähriges Vollzeitstudium mit Präsenzpflicht. Absenzen werden rigoros geahndet. Ein Nebenjob ist nur unter Aufgabe der eigenen Freizeit möglich. „Alles oder nichts“ wird zur angelernten Haltung. Denn jetzt, wo man es geschafft hat, wird man nicht riskieren wollen, den wertvollen Platz zu verlieren. Die Schwierigkeit „hineinzukommen“ erhöht den Wert des Studiums und damit der versprochenen Zukunft.

Die Überbewertungsspirale

Der Wert wird nicht nach den zukünftigen Arbeitsbedingungen gemessen, sondern anhand der Exklusivität der Studienplätze. Einfacher gesagt: Je schwieriger die Aufnahmebedingungen, desto höher die Qualität des Studiums. Je weniger Studienplätze, desto wertvoller das Studium. Je wertvoller das Studium, desto höher die Bereitschaft, über seine Grenzen hinauszugehen. Je höher die Bereitschaft, desto höher die Investition. Je höher die Investition, desto wertvoller Studium.

Es findet eine Überbewertungsspirale statt. Dieser Wert orientiert sich an der Exklusivität und nicht der Sache selbst. Das Studium wird attraktiv gedeutet, weil es exklusiv ist und nicht, weil die Zukunft, für die es ausbildet, attraktiv ist. Damit wird ein Grundbaustein für das Verständnis für die Arbeit als Schauspieler:in gelegt. Der Wert der Ausbildung wird auf die zukünftige Arbeit am Theater übertragen. Auch hier gilt: Erfolg bleibt ein Geheimnis. Hauptsache durchbeissen und Glück haben, dass irgendwann jemand anbeisst.

Auch in der Berufswelt spielt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage eine massgebende Rolle. Je weniger Plätze, desto wertvoller der Arbeitsplatz. Und weil man sich glücklich schätzen kann, einen wertvollen Arbeitsplatz zu haben, ist die Bereitschaft auch höher, mal wegzuschauen, wenn geschrien wird, wenn die Ruhezeiten nicht eingehalten werden, wenn man nicht gehört wird, wenn man nicht weiss, wie man morgen, übermorgen oder nächsten Monat arbeitet und wie man sein Leben finanzieren soll. Was für ein Glück, einen so wertvollen Platz zu haben, da seh ich vor lauter Sonnenstrahlen die fehlende Anerkennung, die Unterbezahlung, die Perspektivenlosigkeit und den Machtmissbrauch gar nicht mehr. Und ausserdem, wem es nicht passt, kann gehen, es gibt genug andere. Wir haben gelernt, dass wir uns davor fürchten sollen ersetzt zu werden, weil es nicht genug Plätze gibt. Aber diese Beschränkung rechtfertigt die Beschränktheit der Arbeitsbedingungen nicht.

Mit dieser Grundeinstellung brauchen wir uns nicht zu wundern, weshalb unsere Rechte systematisch untergraben werden und sich die Arbeitsbedingungen nicht weiterentwickeln. Unsere Arbeitsbedingungen sind ein Resultat des Systems, welches auch wir sind. Und wir werden behandelt, wie wir uns behandeln lassen. Wir müssen lernen, zusammen Grenzen zu setzen. Nein zu sagen, und zusammen faire Arbeitsbedingungen einzufordern. Anstelle von Angst, von Kolleg:innen ersetzt zu werden, muss neues Vertrauen aufgebaut werden, dass wir für einander einstehen.

Nur so können wir den Damm durchbrechen, um eine faire Arbeits- und Lebensgrundlage für Künstler:innen am Theater zu schaffen.

*Yan Balistoy ist ein multidisziplinärer Künstler. Er immigrierte in seiner Kindheit in die Schweiz. Seit seinem Schauspielstudium an der Zürcher Hochschule der Künste arbeitet er im Film und auf der Bühne. Aktuell ist er am Theater Neumarkt in Zürich engagiert, wo er seine erste Arbeit als Regisseur verwirklichen wird.

Kraft und Leidenschaft – Nachruf auf Franca Basoli

Text von: Peter Niklaus Steiner

Viel zu früh und überraschend ist Franca (23. Februar 1966 bis 2. Januar 2023) von uns gegangen. Heute wissen wir, dass sie schwer erkrankt war. Franca zog über all die Jahre nur wenige ins Vertrauen, ihr Krebsleiden sollte bis zum Schluss ihr Geheimnis bleiben. Für sie stand nicht die Krankheit im Fokus, sondern das Leben, das man bei Franca getrost mit dem Theater gleichsetzen darf. Theater ist Leben und kann dieses wunderbar potenzieren – Franca wusste das und hat es bis zuletzt ausgekostet. In vielen Rollen: Als Schauspielerin, Regisseurin, Theaterleiterin und Pädagogin. So diszipliniert, wie sie arbeitete, konnte sie sich im Spiel gehen lassen und ihre Leidenschaft mit andern teilen. Ich rede aus eigener Erfahrung: Sei es als «Annie Wilkes» in Stephen Kings «Misery», als «Martha» in «Wer hat Angst vor Virginia Woolf» oder «Antonia» in «Offene Zweierbeziehung», das Spiel mit ihr war intensiv, lustvoll, beherzt und mit viel Spass verbunden!

Theater ist Leben und kann dieses wunderbar potenzieren – Franca wusste das und hat es bis zuletzt ausgekostet.

Nach der Ausbildung als Primarlehrerin wechselte Franca an die Schauspielschule Zürich, die sie 1992 mit dem Diplom abschloss. Noch während ihrer Zeit an der Schule gründete sie mit Kolleginnen und Kollegen zusammen eine Theatergruppe und brachte eigene Produktionen auf die Bühne. Sie spielte in Fredi Murers «Vollmond» (1997) und zahlreichen Produktionen bei SRF und etlichen Werbespots. Unzähligen Theaterrollen gab sie ihre Prägung, unter anderem am Theater Neumarkt und dem Sogar Theater in Zürich, dem Theater an der Effingerstrasse in Bern, dem Laxdal Theater in Kaiserstuhl, dem Theater Bilitz in Weinfelden und dem turbine theater in Langnau am Albis. Noch im September und Oktober des vergangenen Jahres spielte sie – von der Krankheit versehrt und doch voller Energie – das Zweipersonenstück «Glück», das sie zusammen mit Christian Seiler produzierte und auf die Bühne brachte.

Zu ihrem Repertoire gehörte auch die Regiearbeit, die sie mit wachsender Begeisterung und zugleich Erfahrung in weiten Teilen der Schweiz ausübte.

Auch der Gesang gehörte zu ihrer Leidenschaft: Sie veranstaltete Abende mit Liedern von Bertold Brecht oder Zarah Leander und trat in Musicals auf. Zu ihrem Repertoire gehörte auch die Regiearbeit, die sie mit wachsender Begeisterung und zugleich Erfahrung in weiten Teilen der Schweiz ausübte, so etwa bei den legendären Tellspielen in Interlaken (2008-10), der Freien Bühne Uster, der Aemtlerbühne in Mettmenstetten, den Spielleuten von Seldwyla in Bülach und zuletzt bei der Kulisse in Küsnacht, deren Regie zu «Der Tag, an dem der Papst entführet wurde» sie nicht mehr vollenden konnte. Sie leitete das Théâtre de Poche in Biel und das Miller’s Studio in Zürich. Und sie unterrichtete mit grossem Einsatz und Sendungsbewusstsein Generationen von Schauspielschülerinnen und -schüler an der SAMTS (Stage Art Muscial & Theatre School) in Adliswil und der Stage Academy of Switzerland in Zürich.

Seit ich sie kannte, hatte Franca immer mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen. Arbeit war nicht Energieräuber, sondern Energiespender!

Es gab jemanden an ihrer Seite, auf den sie sich tausend Prozent verlassen konnte, ihren geliebten Ehemann Caspar, dem ihr Herz gehörte.

Seit ich sie kannte, hatte Franca immer mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen. Arbeit war nicht Energieräuber, sondern Energiespender! Sie blühte auf und ihre Augen strahlten, wenn sie von ihren Projekten erzählte und andere für Projekte begeisterte. Ihr war bewusst, dass nichts für ewig ist und das Glück und die Erfüllung im Moment zu suchen und zu finden sind. Vieles blieb unvollendet in ihrem bewegten Leben und vieles hat sie vollbracht. Den Applaus hat sie allemal verdient! Mir bleibt die Bewunderung für ihr enormes Engagement, für die Herzlichkeit und den Spass, die sie teilen konnte, für ihren Durchsetzungswillen und die grosse Kraft, der sie zur Frau der Tat machte. Und doch hatte sie auch eine andere Seite: So schillernd und bewegt sie im Leben stand, hatte sie doch einen stillen Hafen. Es gab jemanden an ihrer Seite, auf den sie sich tausend Prozent verlassen konnte, ihren geliebten Ehemann Caspar, dem ihr Herz gehörte. Ihm und Francas Familie gilt in dem Moment meine Anteilnahme und mein Mitgefühl. Wo Franca jetzt auch immer sein mag, das Spiel geht weiter und in ihm bleiben wir verbunden. Franca ist und bleibt ein Teil davon, als liebe und geschätzte Kollegin, die uns in Erinnerungen stets begleiten wird.

Als wir ganz am Anfang unsere FemaleAct-Clips drehten, war sie die gestandene Kollegin, welche Ruhe, Souveränität und Grandezza ausstrahlte und mit ihrer liebevollen Art Ruhe und Humor in die Szenerie brachte.

Auch der von Schweizer Schauspielerinnen* geführte Verein FemaleAct trauert um ihr geschätztes Mitglied Franca Basoli. 
Seit der ersten Stunde stand sie Seite an Seite mit uns allen und setzte sich für die Sache ein. Als wir ganz am Anfang unsere FemaleAct-Clips drehten, war sie die gestandene Kollegin, welche Ruhe, Souveränität und Grandezza ausstrahlte und mit ihrer liebevollen Art Ruhe und Humor in die Szenerie brachte.Franca wird uns als eine engagierte und offene Kollegin in Erinnerung bleiben.Liebe Franca, Danke für alles.“FemaleAct Januar 2023

 

Als der Clown anrief, fühlte ich mich daheim

Seit Jahresbeginn unterstützt Anne-Kathrin Müller (kurz: Anna), den Berufsverband Darstellende Künste. Im Februar übernimmt sie den Arbeitsbereich von Zineb Benkhelifa, die es nach über 11 Jahren definitiv ins Stadthaus Zürich zieht.

«Ich habe grossen Respekt vor dem, was der Verband leistet. Meine Entscheidung dort zu arbeiten, fällte ich direkt im Vorstellungsgespräch – es fühlte sich einfach richtig an.»

Buch-haltend, nicht mehr Buch-handelnd ist ihr persönliches Motte im Berufsleben – Anna studierte Geschichte und BWL in Heidelberg und Freiburg im Breisgau. Sie arbeitete für den Verband der Verlage und Buchhandlungen Baden-Württemberg e.V. und für den Thienemann Verlag. «Ich hatte viel mit dem Räuber Hotzenplotz zu tun und reagiere darum auf Leute, die mir morgens den Kaffee streitig machen, höchst unwirsch.» Nach der Familienzeit fasste Anna in der Administration im Bauwesen wieder Fuss. Branchenbedingt schrieb sie Protokolle über den Einbau von Klappfenstern, Rüttelstopfverdichtung bei Fundamenten und die Installation von Eckelementen. «Das war wahnsinnig spannend,» erinnert sie sich. «Als mich aber letzte Woche bei SzeneSchweiz ein Clown anrief, wusste ich, dass ich beruflich angekommen bin.»

Ich freue mich auf die vielen interessanten, kreativen, Kunst schaffenden Menschen, auf die Arbeit im Team und wünsche mir und uns einen guten gemeinsamen Start und Zineb Benkhelifa, die wir vermissen werden, alles Gute!

Steckbrief: liest gerne, interessiert sich für das 16. Jahrhundert, Autorin (unter Pseudonym) von Jugend- und Bilderbüchern, spielt untalentiert, aber passioniert Geige (nicht während den Geschäftszeiten!).

Wir wünschen unserer neuen Mitarbeiterin eine erfolgreiche und interessanten Einstieg bei SzeneSchweiz!

Wer redet, ist raus – Machtmissbrauch in der Theaterwelt

Podcast aus dem Programm „Kontext“ von SRF vom 24.01.2023 (Text übernommen aus dem Beitrag)

Die Debatte um Machtmissbrauch in den darstellenden Künsten reisst nicht ab. Für Betroffene bleibt es schwierig, Missstände zur Sprache zu bringen. Die Hierarchien sind steil, die Verträge meist befristet – wer Kritik übt, riskiert die Karriere. Bewegt sich etwas in der Branche?

  • Die Schweizer Schauspielerin Sylvie Rohrer erzählt, wie es zu einem offenen Brief über Machtmissbrauch am Wiener Burgtheater kam. Unter der Leitung von Matthias Hartmann herrschte eine Atmosphäre der Angst in der Belegschaft. Erst unter dem Eindruck der #MeToo-Debatte fand das Ensemble eine gemeinsame Sprache dafür.
  • Als Folge des offenen Briefs gibt es heute am Burgtheater einen Zusatz zum Vertrag, der zu einem respektvollen Umgang verpflichtet. Hat ein solcher Verhaltenskodex eine Wirkung?
  • Welche Strukturen begünstigen Machtmissbrauch in der Theaterwelt, und was wird dagegen getan?
  • Gibt es einen Bewusstseinswandel in der Branche?

Im Podcast zu hören sind:

  • Sylvie Rohrer, Schauspielerin aus Bern, langjähriges Mitglied des Burgtheater-Ensembles
  • Salva Leutenegger, Leiterin der Geschäftsstelle von «Szene Schweiz», dem Berufsverband der Darstellenden Künste

Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen: kontext@srf.ch

 

Swiss Secrets – Solothurner Filmtage 2023

Text von Simone Ganser

SOLOTHURN – An den Solothurner Filmtagen 2023 werden nicht nur Filme gezeigt, sondern am Samstagabend des 20. Januar auch die gesamte Tessiner Serie Swiss Secrets. Ein Projekt, das die  unterschiedlichsten Fachleute  aus der Tessiner Filmwelt, und darüber hinaus, zusammengebracht hat und sie in etwas einbindet, das wirklich etwas ganz Besonderes werden könnte.

Ein Projekt, das während des Lockdowns aus dem Nichts entstand, realisiert  von zwei jungen Künstlern, Simone Ganser und Davide Romeo, die sich in jener berühmten  Situation der kompleten “Schliessung” befanden und es schafften, sie in eine 100%ige produktive Zeit zu verwandeln. Die Serie wurde an einer exklusiven Premiere im Palacinema in Locarno vorgestellt und ist nun bereit, dem Publikum in der ganzen Schweiz auf der Leinwand in Solothurn gezeigt zu werden.

Die Serie  beginnt mit zwei Schauspielern an einem einzigen Ort, und man bekommt  ein  fast klaustrophobisches  Gefühl  um dann in den späteren Episoden nach und nach die Hintergründe zu entdecken.

Wie ist die Idee zu Swiss Secrets entstanden?

Die ursprüngliche Idee entstand spontan, weil es während dem ersten Lockdown keine kreative Arbeit gab. Als freie Künstler wollten wir nicht untätig bleiben und beschlossen, uns einem neuen Projekt zu widmen, ich wage es zu sagen, einem echten Abenteuer, das uns bis heute in Erstaunen versetzt. Alles begann mit der Produktion der Web-Action-Thriller-Miniserie „Airbnb Secrets“, die gefilmt, geschnitten, geschrieben und gespielt wurde von nur zwei Personen, die  in einer Wohnung eingeschlossenen waren. Das waren die Bedingungen, unter denen wir uns alle befanden, aber wir beschlossen, sie in 100% Produktivität zu verwandeln. Im Laufe der Zeit und dank des lokalen Erfolgs von „Airbnb Secrets“, das ebenfalls über RSI Play verbreitet wurde, entwickelte sich die Serie weiter und wurde schliesslich zur TV-Serie „Swiss Secrets“.

Was ist mit Airbnb Secrets passiert?

Kurz gesagt, während der Dreharbeiten zu Swiss Secrets, das theoretisch nur eine Fortsetzung des ersten Teils sein sollte, wurde uns sehr schnell klar, dass das Projekt exponentiell wächst und es schade wäre, wenn der erste Teil im Vergleich zur Fortsetzung so „klein“ wäre. Wir haben dann beschlossen, das vorhandene Material zu verdichten, indem wir neue Kürzungen vornahmen und die Struktur leicht veränderten, und dies wurde die erste von neun Folgen. Das macht auch die Entwicklung der Serie für den Zuschauer zu etwas ganz Besonderem. Die Serie  beginnt mit zwei Schauspielern an einem einzigen Ort, und man bekommt  ein  fast klaustrophobisches  Gefühl  um dann in den späteren Episoden nach und nach die Hintergründe zu entdecken.

Kurzum: eine mühsame Herausforderung und ein unerwartetes und innovatives Projekt, zumindest wenn man die extremen Arbeitsbedingungen berücksichtigt.

Ihr habt es oft als ein „titanisches“ Werk bezeichnet, warum?

Die große Herausforderung, die wir uns gestellt haben, bestand darin, in einer schwierigen Zeit etwas Neues zu schaffen, d. h. ein serielles audiovisuelles Produkt zu entwickeln, indem wir es „von A bis Z“ erarbeiteten. Vom Schreiben der Episoden über die Schauspielerei und den Schnitt bis hin zu Ton, Kameramann, Farbkorrektur und so weiter. Und das alles mit dem Ziel, ein möglichst professionelles Ergebnis zu erzielen, obwohl das Personal auf zwei Personen reduziert war, ganz zu schweigen von den begrenzten Mitteln und dem fast fehlenden Budget. Kurzum: eine mühsame Herausforderung und ein unerwartetes und innovatives Projekt, zumindest wenn man die extremen Arbeitsbedingungen berücksichtigt.

Die Besetzung war schließlich sehr reich an Schauspielern und  Persönlichkeiten mit Tiefgang, die sich für dieses Projekt begeisterten und uns mit ihren Talenten unterstützten.

Aber es gibt auch einige bekannte Namen in dieser Produktion, oder?

Die Schweizer Künstlerin Nina Burri wurde bald in das Team aufgenommen, sowohl in der Rolle der Antagonistin als auch als Unterstützerin der Produktion. Nina war maßgeblich an der Entwicklung dieser Serie beteiligt. Sie war immer mit Leidenschaft bei der Sache, half und unterstützte uns mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, und es war ihr zu verdanken, dass wir Zugang zu einigen wichtigen Locations hatten, an denen wir einige Szenen drehten. Es war eine große Ehre für uns, mit ihr zusammenzuarbeiten und ihre Unterstützung in verschiedenen Bereichen der Produktion  zu erhalten.

Zu einem späteren Zeitpunkt stieß eine weitere bekannte junge Schauspielerin zur Serie: Miriam Dossena (eine der Protagonistinnen von Disneys Alex & Co.). In der Besetzung finden sich auch bekannte Namen wie Daniele Marcheggiani, Alessandro Crivelli und in Bezug auf die Schweizer oder Deutschen Filmwelt, die beiden bekannten Schauspieler René Rindlisbacher und Walter Andreas Müller. Die Besetzung war schließlich sehr reich an Schauspielern und  Persönlichkeiten mit Tiefgang, die sich für dieses Projekt begeisterten und uns mit ihren Talenten unterstützten.

Zum technischen Team gesellte sich der Schweizer Drehbuchautor Michele Blum, der an das Projekt glaubte und sich unerwartet als Drehbuch- und Dramaturgieverantwortlicher zur Verfügung stellte. Lorenzo Soldini, der sich mit enormem Engagement in das kolossale Unterfangen gestürzt hat, den Soundtrack für die gesamte Serie zu komponieren. Es war eine große Ehre für uns, auch mit dem berühmten Amos Sussigan zusammenzuarbeiten, der in der großen Hollywood-Filmindustrie tätig ist und sich zur Verfügung stellte, um die beiden offiziellen Plakate für die Serie zu gestalten. Die Liste der zu erwähnenden Personen ist sehr lang, aber ich werde wahrscheinlich hier aufhören, um Sie nicht zu sehr zu langweilen – wenn Sie sie alle kennenlernen wollen, finden Sie sie in den Credits (nur ein Scherz).

Im Mittelpunkt der Geschichte steht also der allmähliche und schrittweise Aufbau einer unwahrscheinlichen Beziehung zwischen den beiden Figuren, die zwangsläufig mit den engen, fast klaustrophobischen Räumen der Wohnung konfrontiert sind, in der sie ihre Tage verbringen.

Worum geht es bei Swiss Secrets?

Swiss Secrets erzählt die Geschichte der Begegnung und des Zusammenlebens zwischen einem jungen, impulsiven Zimmervermieter, der Karriere macht und einem geheimnisvollen Gast mit diametral entgegengesetztem Temperament. Im Mittelpunkt der Geschichte steht also der allmähliche und schrittweise Aufbau einer unwahrscheinlichen Beziehung zwischen den beiden Figuren, die zwangsläufig mit den engen, fast klaustrophobischen Räumen der Wohnung konfrontiert sind, in der sie ihre Tage verbringen. Doch trotz ihrer scheinbaren Normalität haben die beiden Mitbewohner etwas Schreckliches zu verbergen. Sehen Sie sich die Serie am 20. Januar an den Solothurner Festspielen an!

Habt ihr bereits einen Vertrieb? Ich meine, wo können wir euch nach Solothurn sehen?

Da es sich um eine kleine Produktion handelt, die fast zufällig entstanden ist, hatten wir uns damals noch keine konkreten Gedanken darüber gemacht, wie wir dieses Material verbreiten könnten. Jetzt werden wir uns von den verschiedenen Festivals überraschen lassen und sehen, ob sich für dieses Projekt Möglichkeiten ergeben. Einige Vorschläge sind bereits eingegangen, aber wir warten noch bevor wir eine Entscheidung treffen.

 

Julia Schiwowa – Opernsängerin und Wegbereiterin

Ensemble trifft die selbständige Sängerin Julia Schiwowa zum Interview, und spricht mit ihr darüber, wie sie ihre berufliche Tätigkeit und ihr persönliches Umfeld gekonnt unter einen Hut bringt und dabei feministische Werte vertritt. Sie kommt ursprünglich aus dem Zürcher Seefeld, lebt aber seit vielen Jahren in Thalwil mit ihrem Mann, der als Fotograf arbeitet und ihren zwei Kindern (13 und 11).

Schiwowa hat seit Ende 2019 den mutigen Schritt in die Selbständigkeit gewagt – kurz bevor die Pandemie einsetzte und auch ihr Vorhaben auf den Kopf gestellt hat. Sie war davor in Teilzeit Geschäftsführerin des Singstimmzentrum Zürich in Schlieren. Ursprünglich als klassische Opernsängerin und Sopranistin an der Zürcher Hochschule der Künste und im Schweizer Opernstudio ausgebildet, hat sie sich seit Abschluss ihres Studiums auch immer dem Chanson und anderen Stilrichtungen der Unterhaltungsmusik gewidmet. Diese „zweigleisige“ Laufbahn sei zu ihrem persönlichen Arbeitsstil geworden, so Schiwowa.

Seit 2019 hat sie ein Musiktheaterduo menze&schiwowa mit der Bayerischen Cellistin Lucia Schneider-Menz, mit welcher sie eigene Musiktheaterprogramme schreibt. Im neuen Programm „Wer hätte das gedacht?“ haben sie Musiktheater verdichtet und so treten neben den Künstlerinnen zwei lebensgrossen Klappmaul-Puppen auf. Die Arbeit mit den Puppen hat eine neue künstlerische Ausdrucksweise in ihr Schaffen gebracht. Schiwowa hatte diesen Dezember zudem ihr eigenes Weihnachtsprogramm „Törli uf, Törli zue“ herausgebracht. Daneben singt sie in verschiedenen Opernproduktionen und ist in diversen klassischen Werken zu hören.

Ursprünglich war nicht geplant, dass sie diese unterschiedlichen Stimmrichtungen in ihrer beruflichen Karriere vereint, da dies auch stimmtechnische Herausforderungen mit sich bringt.

Julia Schiwowa, Opernsängerin

Ursprünglich war nicht geplant, dass sie diese unterschiedlichen Stimmrichtungen in ihrer beruflichen Karriere vereint, da dies auch stimmtechnische Herausforderungen mit sich bringt. Sie muss stets ihre Stimmmuskulatur umtrainieren zwischen den Auftritten verschiedener Stile – „Das ist am ehesten mit einer Sportlerin zu vergleichen, die mehrere Sportarten gleichzeitig betreibt“, sagt Schiwowa und lacht. Als Sopranistin singt sie beispielsweise ungefähr eine Oktave höher als bei den Chansons, ausserdem benutzt sie dort mehrheitlich ihre Bruststimme, in der Klassik hingegen fast nie. Ihre Erfahrung damit kann sie im Rahmen ihrer Arbeit am Singstimmzentrum mit anderen Singenden teilen. Dort werden Leute mit Stimmproblemen betreut.

Damals während der Pandemie wollte sie aktiv etwas tun und ihre Leidenschaft einsetzen, hätte aber nie gedacht, dass online ein solches Gemeinschaftsgefühl entstehen würde.

Im Lockdown kam bei Julia Schiwowa Panik auf, da Singen und somit ihr Beruf auf einmal verboten war. Aus der spontanen Idee eines täglichen Einsingens mittels eines Live-Streams auf Youtube begann die Geschichte von „Einsingen um 9“. Am 23. März 2020 ging sie mit ihrer Sängerkollegin Barbara Böhi damit online – aus der Idee wurde ein Run! Am 3. Tag waren über 1000 Leute live dabei. Seither ist kein einziger Tag vergangen, an dem nicht gemeinsam auf Youtube eingesungen wurde. Am 17. Dezember 2022 kam nun die 1000. Folge heraus. Alle Folgen sind online verfügbar und werden fast alle live gestreamt. Sie beinhalten 35 Minuten Einsingen, verschiedene Stimme und Körperübungen und danach noch ein einfaches Lied oder einen Kanon. Für Schiwowa war und ist „Einsingen um 9“ sehr sinnstiftend, damit können die mittlerweile vier EinsängerInnen vielen singfreudigen Menschen einen positiven musikalischen Start in den Tag zu ermöglichen, ihnen Struktur schenken und auch oftmals ein wenig die Einsamkeit mindern.

Es geht immer darum, gemeinsam etwas singend etwas zu erschaffen, es wird nicht nur konsumiert.

Damals während der Pandemie wollte sie aktiv etwas tun und ihre Leidenschaft einsetzen, hätte aber nie gedacht, dass online ein solches Gemeinschaftsgefühl entstehen würde. Gekrönt wurde dieses mit zwei Mitsing-Events im 2022, die im Volkshaus Zürich (Das Grosse Singen) und im offenen St. Jakob (Das Grosse Weihnachtssingen) stattfanden. Zweimal waren die Säle gefüllt, die Leute sind sogar aus Deutschland angereist, um gemeinsam einzusingen. „Es geht immer darum, gemeinsam etwas singend etwas zu erschaffen, es wird nicht nur konsumiert“, meint Schiwowa. Schiwowa, die ihren Sohn gleich nach dem Studium bekam, hatte gesellschaftlich quasi „alles falsch gemacht“. So bekam sie entsprechend auch kaum Mutterschaftsgeld und sie hatte latent das Gefühl, immer alles „trotzdem“ zu tun, trotz Systemen, in die sie einfach nie hineinpasste. Dank ihren eigenen Projekten hat sie sich über die Jahre ihre Musikwelt erschaffen und kann davon als selbständige Künstlerin mit Familie leben.

Zur Berufssituation für Frauen sagt sie „Wir sind noch nirgends!“ – vieles sei noch unterschwellig an Ungleichheiten vorhanden und es gebe deshalb einen triftigen Grund, warum sie ihren eigenen Weg gegangen ist und eigene Konstellationen aufgebaut hat.

Das sei eher der „harte“ Weg, den sie seit 15 Jahren geht. Aber mittlerweile ist sie sehr dankbar, dass sie diesen Weg so gegangen ist, denn heute hat sie überall tolle Teams mit hervorragenden Leuten, pflegt mit ihnen eine funktionierende offene Kommunikation und einen respektvollen Umgang. Was will man mehr? Zur Berufssituation für Frauen sagt sie „Wir sind noch nirgends!“ – vieles sei noch unterschwellig an Ungleichheiten vorhanden und es gebe deshalb einen triftigen Grund, warum sie ihren eigenen Weg gegangen ist und eigene Konstellationen aufgebaut hat. Es wäre schön, sich auszutauschen unter Führungsfrauen im Musikbusiness, Frauen, die Bands leiten oder auch Touren organisieren und durchführen. Denn es gibt wenige, die alles gleichzeitig machen.

Ensemble Magazin bedankt sich bei Julia Schiwowa für das inspirierende Gespräch und ist beeindruckt von ihrem mutigen Weg, den sie geht!

„Workshop: Vorbereitung auf ein Casting“ Interview und Eindrücke

Am 28. November und 5. Dezember organisierte das Büro von ScèneSuisse in der Romandie zwei Workshops mit David Baranes zum Thema „Comment mieux appréhender son casting“, die bei den Teilnehmer*innen ein voller Erfolg waren.

Text von Viviane Bonelli

Viviane Bonelli nutzte die Gelegenheit, um dem Referenten David Baranes einige Fragen zu stellen:

Wie haben Sie den ersten Tag mit den Schweizer Schauspieler*innen verbracht?

Es war das erste Mal, dass ich in die Schweiz gekommen bin, um den Workshop anzubieten, den ich sonst  nur in Frankreich anbiete. Alles in allem war es eine sehr angenehme Erfahrung, die Schauspieler*innen waren sehr aufnahmefähig und hörten zu. Ich bin wirklich begeistert von dieser Begegnung und wurde zudem sehr freundlich empfangen.

Haben Sie vor, die Künstler*innen, die Sie in der Schweiz gesehen haben, ein weiteres Mal einzusetzen?

Ja, ich werde an einem Film arbeiten, der in Deutschland und Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. Dafür brauche ich Schauspieler*innen, die einen deutschen Akzent haben und die beide Sprachen sprechen. Es war eine tolle Überraschung, dass die Schweizer Schauspieler*innen grösstenteils zweisprachig sind. Man denkt im ersten Moment, im Vergleich zu deutschen Schauspieler*innen, nicht unbedingt daran.

Was hat Sie an diesem Tag am meisten beeindruckt?

Die Motivation der Schauspielern*innen aus der Schweiz, die ihre Karriere außerhalb des Landes entwickeln.

Ich fand es gut, Personen mit deutscher Muttersprachen auf Französisch spielen zu sehen.

David Baranes, Casting-Direktor

Was ist für Sie der grundlegende Unterschied zwischen französischen Schauspielerinnen und Schauspielern?

Ich frage mich, ob es den oder die typische Schweizer Schauspieler*in gibt? Sie wirken generell zwar etwas ernster, hatten ihre Texte aber sehr gut gelernt und es war sehr angenehm mit ihnen zu arbeiten. Ich fand es gut, Personen mit deutscher Muttersprachen auf Französisch spielen zu sehen.

Würden Sie wieder in die Schweiz kommen?

Ja, natürlich gerne.

Was haben Ihnen die Genfer Schauspieler*innen gebracht?

Energie und Lust zu arbeiten.

Was hat Sie an den zwei Tagen des Workshops in der französischsprachigen Schweiz am meisten positiv überrascht?

Die Motivation der Schauspieler und die Lust, zu experimentieren und ihre Grenzen zu öffnen.

Es ist ein Hype, der gerade erst entsteht und nach Ausdruck verlangt – ein Markt, der nur darauf wartet, zu explodieren.

Sie sprechen von der Begeisterung des französischen Marktes für belgische Schauspieler, wie denken sie über die Zukunft von Schweizer Schauspieler*innen auf dem Französischen Markt nach?

Es ist ein Hype, der gerade erst entsteht und nach Ausdruck verlangt – ein Markt, der nur darauf wartet, zu explodieren. Dieser Reflex ist quasi vorgezeichnet, den es in Frankreich so noch nicht gibt. Man denkt in erster Linie ausserhalb Frankreichs an belgische Schauspieler*innen, aber nicht direkt an die Schweiz. Einen französischen Casting-Direktor einzuladen, ermöglicht es uns zu zeigen, dass es hier Schauspieler*innen gibt, die es zu entdecken gilt. Die Schweiz ist in der Distanz von Frankreich nicht weiter entfernt als Belgien. Wenn wir diese Workshops also weiter ausbauen, werden wir voraussichtlich den Schweizer Markt in Paris entwickeln. Warum sollten die Belgier eine Chance haben und nicht auch die Westschweizer? Beide sprechen Französisch.

Hatten Sie eine positive Überraschung oder eine Entdeckung unter all diesen Schauspieler*innen?

Ja, ich habe mehrere entdeckt und insbesondere eine Schauspielerin hat sich deutlich von der Masse abgehoben.

Wenn Sie nach Paris zurückkehren, wie würden Sie dieses für Sie neue Casting-Gebiet Schweiz beschreiben?

Was die Infrastruktur und die Organisation betrifft, ist es sehr geordnet. Zudem würde ich verbreiten, dass die Schweiz ein echtes Potenzial an Schauspieler*innen zu bieten hat, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Schweizer Schauespieler*innen, das klingt exotisch! Wenn wir buntgemischte Castings machen, suchen wir überall in Frankreich und Belgien, aber eben bisher nicht in der Schweiz. Ich werde die Dringlichkeit betonen.

Sie sprechen zu Beginn des Workshops gerne über Ihre Anekdoten, warum?

Das sind Anekdoten, um zu erklären, wie ein Casting-Direktor auf diese/n und jene/n Schauspieler*in zugeht, um den/die Richtige zu finden. Sie erklären auch, wie man besser an das Casting herangeht, um eine Rolle zu bekommen!

Was Viviane Bonelli am meisten beeindruckt hat, ist, dass David Baranes ein wohlwollender Casting-Direktor ist, dem die Schauspieler*innen am Herzen liegen. Und was hielten die Schauspieler*innen von ihm?

„Davids Persönlichkeit war genau richtig für das Casting, er hat die Schauspieler*innen spielen lassen und ist ihnen mit viel Respekt und Ermutigung entgegengetreten (was meiner Erfahrung nach bei weitem nicht immer der Fall ist…). Außerdem war es toll, Kolleg*innen zu treffen und Zeit mit ihnen zu verbringen, die ich nicht kannte.“ Mathieu Z.

„Zunächst möchte ich dir dafür danken, dass du diesen Workshop möglich gemacht hast. Ich habe diese Zeit der Arbeit und der Begegnungen sehr genossen. Es wäre schön, wenn wir wieder
Workshops wie diesen mit Casting-Direktoren aus Frankreich oder der Westschweiz veranstalten können.“ Délia A.

 

Ensemble Magazin – und weiter gehts!

Ein Jahr Ensemble Magazin – euer neues Online Magazin rund um Themen zu arbeitsrechtlichen Fragestellungen, Hintergründen und Vielfalt in den darstellenden Künsten. Als neue und vor allem junge Chefredakteurin ist es mir eine grosse Freude, mich in die verschiedenen und diversen Themen einzuarbeiten, ungewohnte Blickwinkel aufzuzeigen und damit ein breites Spektrum abzudecken. Nicht immer sind die Themen einfach, mit dem diesjährigen Skandal rund um die Ausbildung im Ballett wurde klar, dass noch viel Arbeit ansteht in der Schweiz, Missstände erst aufzudecken, neue Konzepte zu erarbeiten und dann auch zielgerichtet umzusetzen. Aber das macht Mut – es geht voran und alles zeigt in eine Richtung, wo Fairness und Respekt feste Grundpfeiler sind. Die professionellen Darstellenden Künste sind ein essentieller Teil der Gesellschaft, bieten viele Arbeitsplätze und sind für unsere gelebte, kulturelle Vielfalt unabdingbar. Deshalb ist es wichtig, und das ist unsere Arbeit bei Ensemble Magazin, zu informieren und auch die besonders schönen Seiten und die Kraft, die dem innewohnt ihnen, geschätzte Leserschaft, zu vermitteln.

Wir möchten unseren Pool an Freelancer stets erweitern und somit auch der Leserschaft unseres Magazins eine Aktualität bieten, die notwendig ist. Wir sind an der Quelle mit der schweizweiten Ausrichtung von unserem Berufsverband SzeneSchweiz, können mit unseren zahlreichen berufstätigen oder ehemals berufstätigen Mitgliedern stets in einen wertvollen Austausch treten. Unsere Ausrichtung durchdringt das weite Feld der Darstellenden Künste.

Die Redanktion von Ensemble Magazin und der Berufsverband Darstellende Künste SzeneSchweiz wünscht Ihnen schöne Festtage und freut sich auf ein ereignisreiches 2023!

Strafverfahren abgeblitzt – SzeneSchweiz im Recht

Im Frühling 2021 wurde gegen die Geschäftsführerin von SzeneSchweiz, Salva Leutenegger, Strafanzeige wegen Nötigung und Widerhandlung gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb eingereicht. Anzeigeerstattende waren nebst einer schillernden Casterin deren als Kapitalgesellschaft statuierte Casting-Firma.

Wie jede Strafanzeige zog die Anzeige die Eröffnung eines Strafverfahrens nach sich, die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl nahm die Ermittlungen auf. Die Anzeige war mit zwei Begebenheiten begründet worden: Erstens habe Salva Leutenegger die Casterin wiederholt aufgefordert, sich an die Branchenrichtlinien betreffend Gagen und Buy-outs einzuhalten und auf eine faire Geschäftspraxis umzusteigen, weil sie sich sonst gezwungen sähe, die Mitglieder von SzeneSchweiz, die Branche und die Öffentlichkeit vor der Geschäftspraxis der Casting-Firma zu warnen. Zweitens habe sie eine E-Mail an diverse Schauspielschulen versandt, in welchem sie die Arbeit der Casterin als unseriös bezeichnete.

Verfahren eingestellt

Diesen Herbst stellte die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren ein. Die zuständige Staatsanwältin verwarf sämtliche Vorbringen der Anzeigeerstattenden (in den nachstehenden Zitaten «Privatklägerschaft») mit deutlichen Worten. So führte sie zum Vorwurf der Nötigung unter anderem aus:

«Im vorliegenden Mailschreiben […] weist die Beschuldigte auf die Gagenrichtlinien hin und fordert Einhaltung der Mindestgagen und Buyouts. Damit bewegt sich der Berufsverband im Rahmen seiner satzungsmässigen Aufgaben und vertritt die beruflichen und wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder […]. Auch kann es nicht per se unerlaubt sein, als Berufsverband zur lnteressenwahrung publik zu machen, dass die Privatklägerschaft die in den Richtlinien des SBKV [heute: SzeneSchweiz] vorgesehenen Mindestgagen unterbiete […]. Der strafrechtliche Schutz geht nicht so weit, dass niemand der Privatklägerschaft ihre Geschäftspraxis entgegenhalten dürfte, auch ist sachliche Kritik in der Öffentlichkeit grundsätzlich erlaubt.»

Und weiter:

«Der Zweck dieser Mailschreiben liegt damit vorwiegend darin, von der Privatklägerschaft ‚eine Stellungnahme zu den erwähnten Punkten zu erhalten und in einen Austausch zu treten. Anlass scheinen Beanstandungen mehrerer Verbandsmitglieder zu sein, wobei es durchaus Aufgabe eines Branchenverbandes ist, solchen Hinweisen nachzugehen und betroffene Kreise darüber zu orientieren.»

Zum Vorwurf der wettbewerbsrechtlichen Herabsetzung hielt die Staatsanwältin fest, dass die Nachricht an Schauspielschulen, worin diese aufgefordert werden, nur mit seriösen Anbieter*innen zusammenzuarbeiten weder völlig sachfremd noch unsachlich sei. Auch dieser Tatbestand sei folglich nicht erfüllt.

Die Einstellungsverfügung ist rechtskräftig. Die Anzeigeerstattenden haben dagegen kein Rechtsmittel erhoben.

Bewertung aus Sicht von SzeneSchweiz und anderer Berufsverbände

Der Versuch der betreffenden Casterin, den Widerstand durch einen von Mitgliedern eingeschalteten Berufsverband mittels Strafanzeige gegen die Geschäftsführerin zu brechen, ist in vielerlei Hinsicht problematisch.

  • Erstens entfaltet eine Strafanzeige kurzfristig immer eine hemmende, einschränkende Wirkung für den betroffenen Verband und noch mehr für die betroffene Person. Wer eine Vorladung der Staatsanwaltschaft oder der Polizei als beschuldigte Person erhält, ist zunächst mal verunsichert. Solange das Strafverfahren läuft, überlegt sich die betroffene Person zweimal, ob sie wie gewohnt bei der fehlbaren Agentur interveniert.
  • Zweitens wird mit einer Strafanzeige immer auf die Frau bzw. die Person gespielt. Das Strafrecht adressiert immer zunächst die ausführende natürliche Person. Ein Verband bzw. die juristische Person wird bis auf wenige Ausnahmen nur belangt, falls ein Tatvorwurf keiner natürlichen Person zugerechnet werden kann. Macht die angezeigte Person wie in diesem Fall einfach nur ihre Arbeit, trifft sie die Strafrechtskeule dennoch als Privatperson. Es geht um ihren Leumund, sie wird persönlich als Beschuldigte einvernommen, ihr droht im Falle einer Verurteilung die Strafe.
  • Drittens tragen die Anzeigeerstattenden kein Risiko. Die Kosten für das Strafverfahren – wie aussichtslos auch immer es ist – trägt der Staat. Erst das Rechtsmittelverfahren, konkret die Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung, ist mit einem Kostenrisiko für die Privatklägerschaft verbunden.

Das klare Ergebnis des Strafverfahrens und die klaren Aussagen der Staatsanwältin bestätigen, dass die Geschäftsleitung von SzeneSchweiz mutig und richtig gehandelt hat. Dennoch bleibt aufgrund dieser Punkte ein schaler Nachgeschmack.

Umso wichtiger erscheint es, den Zweck des Berufsverbandes hochzuhalten, sich für seine Mitglieder einzusetzen, insbesondere auf fehlbare Arbeitgebende und Castig-Agenturen einzuwirken: sachlich, bestimmt, mit klaren Worten. Denn das hier beschriebene Strafverfahren hat wenigstens das gezeigt: Jeder muss sich seine Geschäftspraxis entgegenhalten lassen.

In diesem Sinne: wir bleiben für Sie dran!

Lehrgang an der Ballettschule Theater Basel eingestellt

Knall am Theater Basel: Die Eidgenössische Ausbildung Bühnentanz wird per Ende Schuljahr eingestellt.

Meldung aus dem Basler Online Magazin Bajour vom 30.11.2022

Es ist das Ende eines dramatischen Kapitels Basler Tanzgeschichte. Wie die Ballettschule des Theater Basel (BTB) am Mittwoch mitteilt, hat der Vorstand beim Erziehungsdepartement die Schliessung des Lehrgangs zum Bühnentanz mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ-Bereich) per Ende Jahr beantragt.

Damit zieht der Vorstand die Konsequenzen aus einer Verkettung von Missständen, die sich in den vergangenen Wochen dramatisch zugespitzt hatten. Um die finanzielle Situation der Schule war es schon länger schlecht bestellt, das Weiterbestehen der Ausbildung hing von einer Finanzspritze ab, die der Grosse Rat hätte bewilligen sollen. In einer entsprechenden Motion der LDP-Grossrätin Catherine Alioth war von einer Finanzierungslücke zwischen jährlich 300’000 und 500’000 Franken die Rede.

Doch eine gemeinsame Recherche von Bajour und der NZZ am Sonntag über Vorwürfe von Demütigungen im Unterricht, systematische Beschimpfungen und Mobbing machte der Sache einen Strich durch die Rechnung. Die Direktorin der BTB, Amanda Bennett, wurde freigestellt. Sie bestreitet die Vorwürfe. Eine unabhängige Untersuchung wurde eingeleitet.

Sasha Mazzotti von der SP Stadt Basel sieht in der Schliessung eine verpasste Chance:

„Anstelle der sofortigen Schliessung der Schule, hätte ich mir einen tiefgreifenden Prozess gewünscht, der die Problematik der Ausbildung ernsthaft angeht und löst.“

Sie sei weiterhin überzeugt, dass eine Tanzausbildung auf hohem Niveau auch mit anderen Methoden machbar sei, als durch harten Drill. Die Basler Ballettschule habe sich in den vergangenen Jahren ein weltweites Renommee aufgebaut.

„Auch vor diesem Hintergrund hätte ich eine Reform – anstatt einer Schliessung – begrüsst.“

Die Schliessung sei ein Verlust für die Kulturstadt Basel.

Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

 

Malcantone im Tessin: Agorà Teatro, Magliaso

Text von Blue Sky

Der Malcantone ist ein Gebiet im Kanton Tessin, das neunzehn Gemeinden umfasst und sich vom Luganersee bis zum Monte Lema erstreckt, mit kleinen Dörfern, Bergstraßen, großen Kastanienbäumen und Weinbergen. Und genau in dieser Region befinden sich seltene Perlen der Tessiner Performancekunst.

Einst wurden Metallerze abgebaut, von denen heute nur noch wenige historische Artefakte erhalten sind, und in den Tälern können wertvolle Kunst- und Kulturschätze und charakteristische Museen besichtigt werden. Künstler*innen und Räume von ungewöhnlicher Schönheit und hoher Professionalität, die durch den Wunsch verbunden sind, ihr eigenes Menschsein mit den anderen zu teilen. Dort, wo sich die Kunst zu Hause fühlt, wird sie zu Materie, zu Körpern, und gewinnt an Wert sowohl in der stillen Suche wie auch an öffentlich zugänglichen Orten.

Blue Sky traf für Ensemble-Magazin die Künstler*innen des Malcantone, die  Mitglieder von ScenaSvizzera sind: Opera retablO von Ledwina Costantini, Salone Piazza Grande von Sandro Schneebeli, Teatro Agorà von Marzio Paioni und Olimpia De Girolamo und Teatro Lo Sgambetto unter der Leitung von Melanie Häner – jede und jeder von ihnen ist ein Mikrokosmos der Performancekunst!

Interview mit Marzio Paioni und Olimpia de Girolamo, den künstlerischen Leitern vom Agorà Teatro.

In Magliaso, nur einen Steinwurf vom Seeufer entfernt, befindet sich ein Haus, in dem sich ein Theater befindet, das Agorà Teatro, ein Haus der Künste, das 2005 von Marzio Paioni gegründet wurde.

Ensemble Magazin: Warum ein Theater in ein Haus bauen?

Marzio Paioni: Nach den Jahren des intensiven Studiums in Mailand und Rom entstand in mir der starke Wunsch, das, was ich positiv erlebte, an andere Menschen weiterzugeben. Grotowski spricht in einem seiner Texte davon, „eine Hütte zu haben“, und das ist der Ursprung der Inspiration: zu Hause einen Raum zu öffnen, um zu empfangen und zu kommunizieren. Agorà Teatro entstand also aus dem menschlichen Bedürfnis heraus, über die Theaterschule hinaus zu sagen: „Ich bin hier“ und das Leben, und eine bestimmte Art zu denken und zu handeln, mit anderen Menschen zu teilen. Ich wollte wirklich, dass das Haus und das Theater in der gleichen „Hütte“ sind, mit einer Tür als einziger Schwelle zum Überschreiten der Grenze. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen mit sich selbst und anderen in Beziehung treten können, um ihre inneren Fähigkeiten, ihre Emotionalität und ihre Kommunikationsfähigkeit zu entdecken.

Das Theater war ein kathartischer Ort, an dem ich erneuert und geläutert auftauche, wenn ich jemanden sah, dem Dinge widerfuhren.

Marzio Paioni, Künstlerische Leitung des Agorà Teatro

Welche Bedeutung hat der Name Agorà Teatro?

Die Agora ist ein Versammlungsort, ein Platz, der seit der Antike ein Ort der Gemeinschaft war. Das Wort Theater bedeutet in seiner ursprünglichen Bedeutung „Gemeinschaft bilden“, weshalb die Griechen es vor mehr als zweitausend Jahren schufen. Das Theater war ein kathartischer Ort, an dem ich erneuert und geläutert auftauche, wenn ich jemanden sah, dem Dinge widerfuhren. 

Das Agorà Teatro will genau das sein: ein symbolischer Platz, an dem Menschen, die sich nicht kennen, zusammenkommen und wachsen können, und an dem das Publikum sich lebendig fühlen und mitmachen kann. Das ist es, was Theater ausmacht: diesen Raum zwischen dir und mir zu bewohnen.

An der Schwelle zwischen Haus und Theater treffen wir auch ethische Entscheidungen. Wir versuchen, in der Haltung des täglichen Lebens eine innere Kohärenz zu leben, die wir auf die Bühne und zu unseren Schülern bringen. Es kann nur so sein: mit einem Habitus, der getragen, gelebt und weitergegeben wird. Unsere Studenten leben und bewohnen diese Agora: Die Haustür des Theaters steht immer offen und sie können zu den Proben und zum Training kommen.

Ein solches Theater zu haben, bedeutet, eine Gemeinschaft zu schaffen, eine Gruppe von Menschen einzubinden, die gemeinsame Werte haben: Unsere sind friedlich, der Mensch steht im Mittelpunkt und nichts ist interessant außer dem Menschen.

Was ist der Schwerpunkt eurer Arbeit?

Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Wort „Person“ und seine persönliche Kraft. In diese Agora kommen Menschen („schöne Seelen“) unterschiedlicher Berufe und Altersgruppen, die alle dasselbe suchen: einen Ort, an dem sie endlich wieder mit all dem in Verbindung treten können, was die Welt draußen uns vergessen lässt. Ein solches Theater zu haben, bedeutet, eine Gemeinschaft zu schaffen, eine Gruppe von Menschen einzubinden, die gemeinsame Werte haben: Unsere sind friedlich, der Mensch steht im Mittelpunkt und nichts ist interessant außer dem Menschen. Daraus folgt, dass einer der Grundwerte die körperliche Arbeit ist. Grotowsky lehrte uns: Das Training mit seiner Disziplin ist die Gelegenheit, den eigenen Körper als Kanal für den Kontakt mit der Essenz des Menschseins, der eigenen Seele, wiederzuentdecken. Die tiefe Forschung mit und im Körper wird zum Instrument der Erforschung der Welt, des persönlichen Wachstums, des Raums für Beziehungen und des poetischen Schaffens.

Das ist der Grund, warum wir mit Grotowskis Werk in Berührung kommen: Ich leihe mein ganzes Ich der Figur, die eine Seele hat, der ich mich zur Verfügung stelle.

Wie überträgt sich das auf  eure Poetik?

Das Theater ist das Medium zur Erforschung des menschlichen Wesens in all seinen Formen und Ausdrucksweisen. Unsere Poesie befasst sich immer mit menschlichen Fragen, und existenzielle Fragen tauchen immer in unseren Kreationen auf, sowohl in der Produktion als auch in den Ausbildungskursen.  Das ist der Grund, warum wir mit Grotowskis Werk in Berührung kommen: Ich leihe mein ganzes Ich der Figur, die eine Seele hat, der ich mich zur Verfügung stelle.  Training, Stimmarbeit und Zuhören sind grundlegend, um die Tür zur Poesie zu öffnen. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, und dem anderen zuzuhören, ist Leben. Was und wo es mich berührt, was und wie ich fühle, wie es mich bewegt.

Jeder Text, jeder Autor gibt uns bestimmte Umstände vor, und wir versuchen, mit ihnen in Kontakt zu treten. Manchmal schaffen wir unsere eigenen, wie in La Mar. Es ist eine Suche im Menschlichen: Was haben wir mit dieser Geschichte zu tun? Welche Verbindungen gibt es zum Leben? Was geschieht dort? Es ist kein Zufall, dass der griechische Ursprung des Wortes Theater sich von theaomi, schauen, ableitet und das Wort oida, ich weiß, verwendet wird, das mit ich habe gesehen kombiniert wird. Indem ich dein Verhalten sehe, das wichtiger ist als Worte, und indem ich zuhöre, sehe und weiß ich. Und es macht immer wieder Spaß: den Blick zu wechseln.

Bei Agorà Teatro gibt es keine Trennung zwischen Ausbildung und Produktion, sondern absolute Sorgfalt in allen Schritten. Es ist unsere professionelle Einstellung, es ist eine innere Konsistenz unserer Art, Theater zu machen. Die Tiefe der Arbeit kann sich verändern, und wie weit wir gehen, aber es gibt nie ein egozentrisches Thema.

Nach dem, was ihr sagt, scheint es keine klare Trennung zwischen eurer Produktionsarbeit und euren Ausbildungskursen zu geben.

Bei Agorà Teatro gibt es keine Trennung zwischen Ausbildung und Produktion, sondern absolute Sorgfalt in allen Schritten. Es ist unsere professionelle Einstellung, es ist eine innere Konsistenz unserer Art, Theater zu machen. Die Tiefe der Arbeit kann sich verändern, und wie weit wir gehen, aber es gibt nie ein egozentrisches Thema. Unsere Schüler lernen, auf die Bühne zu gehen, indem sie dem Publikum ein Werk präsentieren, das auf dem Studium von Texten verschiedener Dramatiker beruht. Sie erleben die harte Arbeit, die es bedeutet, eine Szene zu bauen, die Disziplin des Materials, die Pflege des Raums. Wir versuchen, die Ehrlichkeit zu vermitteln, den Ideen auf den Grund zu gehen, selbst den verrücktesten, und das zu wählen, wofür man sich entschieden hat, zum Guten oder zum Schlechten.

Der Weg, auf dem man sich theatralische Techniken aneignet, hat einen großen Wert, der es einem ermöglicht, zu entdecken, warum man etwas tut.

Das Verstehen der Ausbildung, wie die Stimme, die ein großartiger Detektor ist, kommt mit der Zeit, es ist nicht sofort da, und die Ebene des kognitiven Verständnisses kommt, nachdem man wahrgenommen, gehört und erlebt hat. Das Theater ist ein Mittel, um dorthin zu gelangen. Der Weg, auf dem man sich theatralische Techniken aneignet, hat einen großen Wert, der es einem ermöglicht, zu entdecken, warum man etwas tut. Es ist möglich, unseren Reichtum zu zeigen, die Großartigkeit, die wir sind.

Biografie

Das Agorà Teatro wurde 2005 von Marzio Paioni in Magliaso gegründet, um eine ganze Gemeinschaft in die Kunst einzuführen und zu erziehen. Die künstlerische Leitung liegt derzeit bei Marzio Paioni und Olimpia De Girolamo, die von Claudio Orlandini (Mitbegründer) künstlerisch und regietechnisch beraten und von Regisseur Philippe Blanc unterstützt werden. Das Theater organisiert Ausbildungskurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die zu Abschlussaufführungen führen. Es veranstaltet ein Festival Segni d’arte (Zeichen der Kunst), bei dem sowohl Aufführungen als auch Fortbildungsveranstaltungen für die gesamte Bevölkerung stattfinden. Die neuesten Aufführungen unter der Leitung von Claudio Orladini sind: La Mar, I Fisici, Barbuta und Il Grande Drago.

Statistik: Bund hat Corona-Schaden für Kultur errechnet

Aus dem News-Ticker Kultur des Tagesanzeiger

D | F | I Taskforce Culture: Kulturbotschaft 2025–2028

Artikel in F und I weiter unten

Heute fand in Bern auf Einladung des Bundesamts für Kultur BAK ein Informations- und Austauschtreffen zur kommenden Kulturbotschaft statt, in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset und der Direktorin des BAK, Carine Bachmann. Die Kulturverbände konnten sich über die zentralen Handlungsfelder der Kulturpolitik für die Jahre 2025–2028 informieren und austauschen. Die Taskforce Culture begrüsst den Einbezug der Kulturverbände, der zum ersten Mal in dieser Form stattfand.

Die Kulturbotschaft legt die strategische Ausrichtung der Kulturpolitik des Bundes jeweils für eine Periode von vier Jahren fest. Sie beinhaltet die Ziele, die wichtigsten Massnahmen und die Finanzierungsrahmen sämtlicher Förderbereiche des Bundes.

Beim heutigen Treffen ging es um die kulturpolitischen Schwerpunkte des Bundes für die Jahre 2025– 2028, verdichtet zu folgenden sechs Handlungsfeldern: Kultur und digitale Transformation, Kultur und nachhaltige Entwicklung, Kulturerbe als lebendiges Gedächtnis, Aktualisierung des Kulturfördersystems, Kultur als Arbeitswelt sowie Gouvernanz im Kulturbereich. Die Taskforce Culture unterstützt die definierten Handlungsfelder und begrüsst den konstruktiven Austausch. Die Handlungsfelder machen zudem einmal mehr deutlich, mit welch grossen Herausforderungen der Schweizer Kultursektor in den kommenden Jahren konfrontiert sein wird.

Im Mai 2023 wird die Vernehmlassungsvorlage der Kulturbotschaft 2025–2028 vorliegen mit konkreten Massnahmen in den verschiedenen Förderbereichen. Erst dann wird bekannt, welche finanziellen Mittel für die nationale Kulturförderung 2025–2028 zur Verfügung gestellt werden sollen. Alle interessierten Personen und Organisationen können sich dann im Rahmen der Vernehmlassung äussern.

Bereits jetzt ist für die Taskforce Culture klar: Angesichts der Herausforderungen, die der Kultursektor zu meistern hat und unter Berücksichtigung der Inflation, ist eine Erhöhung des Kulturbudgets unumgänglich. Ausserdem werden gesetzliche Anpassungen zur sozialen Absicherung nötig sein, die nicht nur den Kulturbereich, sondern alle “prekären” Arbeitsformen betreffen, also befristet Angestellte, mehrfach Beschäftigte, teilweise Selbstständigerwerbende oder auch arbeitgeberähnliche Personen. Hier besteht branchenübergreifend Handlungsbedarf.

 

Une rencontre d’information et d’échange sur le prochain Message culture a eu lieu aujourd’hui à Berne, à l’invitation de l’Office fédéral de la culture (OFC), en présence du conseiller fédéral Alain Berset et de la directrice de l’OFC, Carine Bachmann. Les associations culturelles ont échangé des informations et des réflexions sur les principaux champs d’action de la politique culturelle pour les années 2025-2028. La Taskforce Culture se félicite de l’implication des associations culturelles, qui a eu lieu pour la première fois sous cette forme.

Le Message culture définit l’orientation stratégique de la politique culturelle de la Confédération pour une période de quatre ans. Il contient les objectifs, les principales mesures et les cadres de financement de tous les domaines d’encouragement de la Confédération.

La rencontre d’aujourd’hui a porté sur les priorités de la politique culturelle de la Confédération pour les années 2025-2028, condensées dans les six champs d’action suivants : culture et transformation numérique, culture et développement durable, le patrimoine culturel comme mémoire vivante, l’actualisation du système d’encouragement de la culture, la culture comme secteur d’activité professionnelle et la gouvernance dans le domaine de la culture. La Taskforce Culture soutient ces champs d’action tels qui ont été définis et se félicite du caractère constructif des échanges. En outre, une fois encore, ces champs d’action mettent en évidence les grands défis auxquels le secteur culturel devra faire face ces prochaines années.

En mai 2023, le Conseil fédéral ouvrira la consultation sur le Message culture 2025-2028 proposant des mesures concrètes dans les différents domaines d’encouragement. On connaîtra seulement à ce moment-là les moyens financiers mis à disposition au plan fédéral pour l’encouragement de la
culture 2025-2028. Dans le cadre de la consultation, toutes les personnes et organisations intéressées pourront alors s’exprimer.

D’ores et déjà, au vu des défis auxquels le secteur de la culture doit faire face, et compte tenu de l’inflation, la Taskforce Culture est persuadée qu’une augmentation du budget de la culture est inévitable. En outre, il va falloir adapter la législation en matière de protection sociale, des adaptations qui d’ailleurs ne concernent pas seulement le secteur culturel, mais toutes les formes de travail « précaires », à savoir les personnes employées à durée déterminée, les personnes occupant de multiples emplois, les personnes partiellement indépendantes ou encore les personnes occupant une position assimilable à celle d’un employeur. Il faut agir tous secteurs confondus dans ce domaine.

 

Su invito dell’Ufficio federale della cultura (UFC), si è svolto oggi a Berna, alla presenza del Consigliere federale Alain Berset e della Direttrice dell’UFC Carine Bachmann, un incontro informativo e di scambio sul prossimo Messaggio sulla cultura. Le associazioni culturali hanno potuto così informarsi e scambiare opinioni sui campi d’azione centrali della politica culturale per gli anni 2025-2028. Taskforce Culture accoglie con favore il coinvolgimento delle associazioni culturali, che si è svolto per la prima volta in questa forma.

Il Messaggio sulla cultura definisce la direzione strategica della politica culturale della Confederazione per un periodo di quattro anni. Contiene gli obiettivi, le misure più importanti e il quadro finanziario per tutte le aree di promozione della Confederazione.

L’incontro di oggi si è concentrato sulle priorità della politica culturale della Confederazione per gli anni 2025-2028, condensate nei seguenti sei campi d’azione: cultura e trasformazione digitale, cultura e sviluppo sostenibile, patrimonio culturale come memoria vivente, aggiornamento del sistema di promozione culturale, cultura come mondo del lavoro e governance nel settore culturale. Taskforce Culture accoglie con favore lo scambio costruttivo e sostiene i campi d’azione definiti, dai quali risultano con chiarezza le principali sfide che il settore culturale svizzero dovrà affrontare nei prossimi anni.

Nel maggio 2023, sarà disponibile il documento delle procedure di consultazione del Messaggio per la cultura 2025-2028, con le misure concrete adottate nelle varie aree di promozione. Solo allora si saprà quali risorse finanziarie saranno rese disponibili per la promozione culturale nazionale 2025-2028. Durante il processo di consultazione tutti i soggetti interessati potranno quindi esprimere i loro pareri.

Per Taskforce Culture risulta già evidente che, alla luce delle sfide che il settore culturale dovrà affrontare e tenendo conto dell’inflazione, un aumento del budget a disposizione della cultura è inevitabile. Inoltre, si renderanno necessari degli adeguamenti di legge per la previdenza sociale, che non riguarderanno solo il settore della cultura, ma tutte le forme di lavoro „precario“, ossia i lavoratori a tempo determinato, i lavoratori con più contratti di lavoro, i lavoratori parzialmente autonomi e tutti i soggetti assimilabili ai datori di lavoro. Occorre intervenire in tutti i settori.

Neue Meldungen schweizweit: Kulturprekariat und Stellenmeldepflicht

Im Bericht „Reiche Chefs, arme Tänzerinnen“ im Bund (19. November 2022) werden die Löhne in der Kulturbranche angesprochen. In der Berner Kulturbranche sind erstmals die Jahressaläre von Direktorinnen und Intendanten öffentlich. Die grosse Frage: Sind diese gerechtfertigt?

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Warum die Löhne der Kulturspitze schweizweit nicht öffentlich sind, obwohl die Institutionen Subventionen in Millionenhöhe beziehen, hat laut Salva Leutenegger vom Berufsverband der darstellenden Künste SzeneSchweiz unter anderem politische Gründe. Da die Beiträge an die Kultur von bürgerlicher Seite regelmässig kritisiert werden, seien die Subventionsgeber unter Druck. «Die Löhne werden wohl auch deshalb unter Verschluss gehalten.»

«Branchenüblich» – wer die grossen Kulturinstitutionen in Bern zu den Löhnen ihrer Chefs und Chefinnen befragt, erhält ohne Ausnahme dieses Wort als Antwort. Zusammen mit: «Der Lohn ist angemessen.»

Salva Leutenegger, Verband der darstellenden Künste SzeneSchweiz

Kritik kommt aber häufig nicht bezüglich der höchsten Löhne. Sondern vor allem bezüglich der niedrigsten – und der grösser werdenden Lohnschere. Aktuell betragen die Mindestgagen für Festangestellte bei Bühnen Bern etwa für eine 100-Prozent-Stelle 54’600 Franken.

Vielfach müssen Kulturschaffende aber mit deutlich weniger auskommen: So haben sechs von zehn ein Gesamteinkommen von weniger als 40’000 Franken im Jahr – bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 45 Stunden, so eine Studie. Vielen drohe die Altersarmut. Dafür befragte das Forschungsbüro Ecoplan im Auftrag des Vereins Suisseculture Sociale und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia rund 10 Prozent aller Kulturschaffenden in der Schweiz. Auffallend wenig, sagt Salva Leutenegger vom Berufsverband der darstellenden Künste, verdienen Tänzerinnen und Tänzer.

Was in der darstellenden Kunst besonders wichtig sei: «Schafft es ein Haus, eine bekannte Person anzustellen, kriegt es nachweislich mehr Publikum, mehr Aufmerksamkeit, mehr Erfolg.»

Salva Leutenegger, Berfusverband der darstellenden Künste SzeneSchweiz

Als Hauptgrund, dass die grossen Häuser verhältnismässig tiefe Mindestlöhne zahlen, werde oft die Höhe der Subventionsbeiträge genannt, so Leutenegger – man müsse mit den Geldern arbeiten, die man erhalte.

Lange waren die Löhne bei den Kulturhäusern unter Verschluss, seit diesem Jahr gelten aber im Kanton Bern neue Richtlinien für öffentlich finanzierte Betriebe: Die Vergütungen in den Chefetagen müssen transparent gemachtwerden. Zu den grossen Institutionen, die diese nun ausweisen, gehören Bühnen Bern (220’000 Franken für Intendant Florian Scholz), das Kunstmuseum Bern mit dem Zentrum Paul Klee (248’000 Franken für Direktorin Nina Zimmer) und das Historische Museum (206’700 Franken für Direktor Thomas Pauli-Gabi).

Fairerweise müsste man alle Löhne und Honorare prüfen, die mit öffentlichen Geldern finanziertwerden. «Es kann nicht sein, dass man die Lohnhöhen in der Kultur beschränkt, aber in den anderen Bereichen keine Limiten setzt.»

Sandra Künzi, Co-Präsidentin von t. Theaterschaffen Schweiz

 

Seit April 2020, meldet SRF (16. November 2022), verteile Suisseculture Sociale Corona-Nothilfen an Künstlerinnen und Künstler – leider endet nun diese Unterstützung.

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Die Trägerin des Sozialfonds des Dachverbands der Schweizer Kulturverbände hat bislang insgesamt 32 Millionen Franken ausbezahlt. Per Ende Jahr ist Schluss damit. Viele Kulturschaffende sehen sich deshalb in einer schwierigen Lage.

Nicht nur die wirtschaftliche Lage ist prekär, sondern auch die psychische.

Nicole Pfister Fetz, Präsidentin von Suisseculture Sociale

Die atypischen Arbeitsverhältnisse der Kulturschaffenden müsse man sich genauer anschauen und prüfen, wie man die Menschen in Zukunft optimal unterstützen könne. Diese Unterstützung muss den komplexen Arbeitsverhältnissen in der Kulturbranche gerecht werden.

 

Ein Drittel der offenen Stellen werde von Firmen gar nicht angezeigt, schreibt die NZZ (16.11.2022). Der Beruf mit der höchsten Arbeitslosenquote in der Schweiz ist derzeit jener des Schauspielers.

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Auf der Liste stehen alle Berufe, die eine Arbeitslosenquote von über 5 Prozent aufweisen. Wenn Firmen Mitarbeitende in einer der aufgelisteten Berufsarten suchen, müssen sie die offenen Stellen einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) melden. Mit der Liste soll das Potenzial derinländischen Arbeitskräfte besser genutzt werden, ohne das Freizügigkeitsabkommen mit der EU zu gefährden. Die Stellenmeldepflicht besteht seit Juli 2018 und ist eine Antwort auf die Annahme der Initiative «Gegen Masseneinwanderung».

Zur Relevanz der Stellenmeldepflicht für Schauspieler sagt Silvan Gisler, Creative Director des Schauspielhauses Zürich:

Schauspiel ist ein Bereich, wo zum einen über Jahre gewachsene Arbeits- und Vertrauensbeziehungen zwischen Regie und Schauspielerinnen und Schauspielern sehr wichtig sind und zum anderen auch stets sehr spezifische Vorstellungen und damit auch Anforderungsprofile vorhanden sind.

Silvan Gisler, Creative Director des Schauspielhauses Zürich

Schauspieler seien schlecht untereinander ersetzbar, da jede Person ein eigenständiges künstlerisches Profil habe. Insofern sei aus künstlerischer Sicht die Stellenmeldepflicht zwar von geringer Relevanz – aber Teil der Gesetzgebung und des Vorgangs, den es zu respektieren gelte.

 

Intimitätskoordination – ein Berufszweig auf der Überholspur

Gemäss der ersten zertifizierten Intimacy Coordinator Julia Effertz, unterstützt diese Berufsfeld den Entstehungs-Prozess intimer Szenen von der Vorbereitung, über den Dreh bis hin zur Post-Produktion.

Die Regie wird bei der Umsetzung ihrer kreativen Vision massgeblich durch den Intimacy Coordinator unterstützt und diese*r stellt sicher, dass Inhalte einvernehmlich entstehen und die Grenzen der Schauspieler*innen respektiert werden. Produktionen die mit Intimacy Coordination arbeiten verstehen die spezielle Schwierigkeit intimer Szenen und tragen Fürsorge für Cast und Crew.

Die Redaktion von Ensemble Magazin hat einen Medienspiegel für Sie zusammengestellt, der das Berufsfeld eingehender behandelt.

„Intimität fängt schon bei Kussszenen an. Jeder Kuss erzählt eine andere Geschichte, ist eine intime Berührung. Was auch sehr intim sein kann, ist eine Szene, in der eine Schauspielerin eine gebärende Frau spielt. Das ist mitunter sehr exponierend für die Schauspielerin.“

Julia Effertz, deutsche Intimitätskoordinatorin im Interview mit Edition F

Julia Effertz ist Schauspielerin und Intimitätskoordinatorin – im Interview mit Edition F spricht sie über diesen neuen Berufszweig, warum er so wichtig für die Filmbranche ist und wozu beispielsweise Genitaltaschen genutzt werden. Effertz sorgt bei den Probesituationen dafür, dass die Grenzen von Schauspieler*innen beim Drehen intimer Szenen eingehalten werden und erklärt im Interview, wo die Schwierigkeiten hierfür liegen. Ein kleiner Auszug:

Wie bei jeder intimen Szene arbeite ich mit der Schauspielerin körperlich, stimmlich und emotional. Das Ziel ist auch hier, daß ihr privater Körper geschützt ist und sie mit ihrem Körper die Rolle und ihre Geschichte erzählen kann. Ich sorge dafür, wie auch bei anderen intimen Szenen, dass es der Schauspielerin am Set gut geht, dass sie etwa zwischen den Takes nicht entblößt daliegt, sondern dass ihr sofort nach dem ‘Danke’ der Bademantel gereicht wird. Im Idealfall sollte auch hier  ein ,Closed Set’-Protokoll mit minimaler Crew eingehalten werden.

und

„Ein choreografisches Hilfsmittel ist das ,Anchoring’, also die Bewegung über ,Anker’ anderer Körperstellen. Das kann man sich zum Beispiel so vorstellen: klassische Missionarsstellung, der Mann liegt über der Frau. Die Genitalbereiche berühren sich hierbei nicht, sondern der Schauspieler ankert seinen Oberschenkel an dem seiner Szenenpartnerin. Stoßbewegungen können dann über diese Ankerstelle ausgeführt werden. Je nachdem wie viel Nacktheit vereinbart ist, wird mit verschiedenen Kostümen gearbeitet. Das wären hautfarbene Slips oder sogenannte Genitaltaschen für Männer, in denen sie alles gut verpacken können.“

Es erschien ein weiterer Artikel über die Arbeit von Julia Effertz mit dem Titel „Ich bin nicht die Sexpolizei“ im Onlinemagazin ze.tt.

Einen kurzen Einblick in die Thematik gewährt das Format „100 Sekunden“ von SRF als Podcast. Er greift das Prinzip der fünf C’s auf, das auf den Punkt bringt, wie eine Intime Szene aufgebaut sein muss.

Mein privater Körper war durch die Intimitätskoordination völlig geschützt, mein Schauspielkörper füllte die Rolle ganz aus. Da habe ich verstanden: die Intimitätskoordination funktioniert. Sie sichert mich nicht nur ab, sie eröffnet mir auch absolute künstlerische Freiheiten.“

Julia Effertz

Eine weitere wichtige Intimitätskoordinatorin ist die junge Kalifornierin Amanda Blumenthal, die in den USA und Grossbritannien «Euphoria», «The L-Word» und «The Affair» begleitet. Sie sei als Sex- und Beziehungscoach tätig gewesen, als sie von der Stellenanzeige bei HBO hörte, erklärt sie im Interview mit der Annabelle.

Im Interview antwortet sie auf die Frage, ob sie viele Geschichten von Missbrauch am Set höre, folgendermassen:

„Allerdings, und es sind manchmal sehr extreme Geschichten: Von Regisseuren, die alle nachhause schicken, um ungestört die Hauptdarstellerin vergewaltigen zu können. Von Schauspielern, die während des Drehs backstage Sex haben. Von verbalen Entgleisungen nach dem Motto «Zeig mir deine Titten». Der Böse ist nicht immer der Regisseur, Übergriffe finden auch zwischen Setmitarbeitern oder Schauspielerkollegen statt.

Blumenthal spricht ausserdem darüber, dass auch das Erleben des Aggressors bei einer gewaltsamen Sexszene verstärkt thematisiert und mentoriert werden müsse, wie auch alle anderen Beteiligten, die dem Dreh beiwohnen und von den psychischen Herausforderungen einer solchen Szene betroffen sind.

Seit #MeToo herrscht unter den Männern grosse Nervosität. Viele haben Angst, sich falsch zu benehmen. Sie erkennen meist, dass wir dazu da sind, ihnen unangenehme Diskussionen abzunehmen, zu klären, wer sich wo anfassen darf und wie genau man sich küsst. Es verleiht Sicherheit, so eine vermittelnde, neutrale Person mit an Bord zu haben.

Amanda Blumenthal im Interview mit  Annabelle

Auf ihrer eigens für die Thematik kreierten Website „Intimacy professionals association“ teilt sie als führende internationale Organisation ihr Wissen mit Interessierten. Darunter ist eine Auflistung zu den wichtigsten Dienstleistungen eines Intimacy Coordinators zu finden:

  • Erleichterung des Dialogs zwischen den Schauspielern und dem Regisseur über ihr Wohlbefinden in Bezug auf den intimen Inhalt einer Szene
  • Emotionale Vorbereitung der Schauspieler auf intensive Intimitätsszenen, wie z. B. simulierte sexuelle Übergriffe, und Unterstützung während des gesamten Prozesses sowie emotionale Nachbetreuung, falls erforderlich
  • Sicherstellen, dass während des Drehs einer Szene die Grenzen der Schauspieler nicht überschritten werden und dass sie während des gesamten Drehs sowohl körperlich als auch emotional sicher bleiben
  • Bereitstellung einer sicheren Umgebung, in der die Schauspieler ihre Arbeit verrichten können
  • Sicherstellen, dass die Richtlinien für geschlossene Sets und SAG-Nacktheit eingehalten werden
  • Als Fürsprecher und Verbündeter für LGBTQIA+-Darsteller am Set fungieren
  • Choreografieren von simulierten Sexszenen, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen
  • Koordination mit Abteilungen wie Kostümen und Make-up, um sicherzustellen, dass die Schauspieler mit angemessener Nacktheitskleidung, Barrieren und Prothesen ausgestattet sind

Weitere statistische Informationen, als auch weiterführende Informationen zur Ausbildungsmöglichkeit in Deutschland, erteilt das „kmbk“ – Beratung und Netzwerk für Künstler*innen, Kreative, Kultur- und Medienschaffende aus München.

In Wirklichkeit ist gar nichts spontan oder sexy. Sexszenen sind harte Arbeit, physisch und psychisch.

Amanda Blumenthal

 

Performancepreis Schweiz – Swiss Performance Art Award

Der Performancepreis Schweiz erhöht die Sichtbarkeit der Schweizer Performancekunst, zeigt ihre Vielfalt und Qualität, und stärkt ihre Anerkennung. Der seit 2011 jährlich national ausgeschriebene Wettbewerb ist offen für Bewerbungen von Kunstschaffenden mit einer performativen Praxis aus allen Sparten.

Der Performancepreis Schweiz ist eine partnerschaftliche Förderinitiative der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Luzern, St. Gallen, Zürich und der Stadt Genf. Der Kanton Luzern ist zum zweiten Mal Gastgeber des Performancepreis Schweiz, dieser wird am 12. November 2022 im Kunstmuseum Luzern ausgetragen. Vom 11. bis 13. November 2022 findet ein vielseitiges Rahmenprogramm unter Beteiligung von Luzerner Performanceschaffenden statt. Es finden Performances, Interventionen, Diskussionen und Lectures statt.

Ensemble-Magazin trifft Stefan Sägesser, Kulturbeauftragter des Kantons Luzern. In dieser Funktion ist er auch Leiter der Kulturförderung Kanton Luzern, hierzu gehören neben Theater, Tanz, Musik oder der Bildenden Kunst natürlich auch die Performance-Kunst dazu. In Luzern und der Zentralschweiz existiert gemäss Sägesser bereits eine relativ starke Szene. Diese kulturelle Szene ist traditionell in der bildenden Kunst angesiedelt, was sich aber mehr und mehr verändern wird. Die Bereiche Tanz, Theater und Schauspiel fliessen mehr ein, was auch durch die Hochschule für Design und Kunst geprägt wird. Die HSLU gibt als Partner bietet für die Performance-Kunst extra eine Ausbildung an und bietet dem Medium damit auch Raum für Forschung. Deshalb war der Entscheid klar, bei der Plattform Performance Preis Schweiz dabei sein zu wollen.

„In der Schweiz gab es immer wieder starke Performance-Szenen, die in Wellenbewegungen kamen und gingen, insbesondere in den 70er Jahren, sowie Mitte und Ende der 80er Jahre – es bleibt aber bis heute die Schwierigkeit, für Performance eine Plattform zu schaffen, ergo auch Häuser und Orte, wo sie stattfinden können.

„In der Schweiz gab es immer wieder starke Performance-Szenen, die in Wellenbewegungen kamen und gingen, insbesondere in den 70er Jahren, sowie Mitte und Ende der 80er Jahre – es bleibt aber bis heute die Schwierigkeit, für Performance eine Plattform zu schaffen, ergo auch Häuser und Orte, wo sie stattfinden können. Früher geschah das mehr im Umfeld von Kunstmuseen. Das liegt daran, dass Performance eine anspruchsvolle Kunstform ist aus Sicht der Rezipienten. Man kann nicht genau abschätzen, was einen jeweils erwartet. Es braucht Leute mit einem gewissen kulturellen Hintergrund, als auch einer spezifischer Vorbildung, um die codierte Symbolik der Performance deuten zu können.

Der Performance Preis findet einmal jährlich statt, Sägesser sieht dieses Jahr das theatrale Element im Vordergrund, im Vergleich zu anderen Ausgaben. „Es gibt zunehmend Gruppierungen, Kollektive, das hat sich in den letzen Jahren immer deutlicher herausgestellt. Die klassische Performance, die in der freien Kunst angesiedelt ist, geht eher zurück. In der WestSchweiz ist das sogar noch stärker ein Thema als in der Deutschschweiz.“

Die Höhe des Preisgeldes sei bewusst so gesetzt, denn dadurch werde für das nächste Projekt Gewissheit und Ruhe während dem Prozess des Kreierens gewährleistet.

Sägesser ist mit dem Austragungsort Luzern für die Organisation zuständig, alle Partner-Kantone stellen jeweils geeignete Jury-Mitglieder zur Verfügung. Dabei zählen Diversiät bei Gender- und Sprachvertretung, als auch beim Alter der Finalist*innen eine tragende Rolle. Es wird nach der Einnahme von Positionen, nach Stilmitteln gewertet, wie auch nach dem Innovationsgrad der Ideen. Sägesser betont auch, dass die Tagesform der Auftretenden ein wesentliches Kriterium sei, besonders beim Zusammenspiel in Kollektiven, da es kein spezifisches Skript gibt wie im klassischen Theater. Die Jury entscheidet am Ende unabhängig von der kantonalen Zugehörigkeit der Finalist*inne, wer gewinnt. „Aus Erfahrung herrscht auch im Publikum ein grosses Kribbeln und Anspannung während den Performances“, meint Sägesser.

Sägesser wünscht sich mehr Neugierde für Unbekanntes, Unerforschtes, Überraschendes von seitens Publikum.

Mit der Ausschreibung und Vergabe des Performance Awards ist eine nationale Plattform gegeben. Es handelt sich mittlerweile um eine Auszeichnung, die sich etabliert hat und sich besonders positiv auf Lebenslauf und Reputation der Gewinner*innen auswirkt. Der Preis und auch das relativ hoch angesetzten Preisgeld sind eine gute Basis für das weitere Schaffen der Künstler*innen. Besonders für Stiftungen, darunter beispielsweise Pro Helvetia, sind solche Preise massgeblich. Die Höhe des Preisgeldes sei bewusst so gesetzt, denn dadurch werde für das nächste Projekt Gewissheit und Ruhe während dem Prozess des Kreierens gewährleistet.

Häuser, die eine grössere Kapazität für performative Darbietungen haben, darunter die Gessnerallee in Zürich, die Kulturkaserne Basel, der Südpol Luzern, wie auch die Lockremise in St. Gallen, sollten aus eigener Initiative heraus mutiger werden, auch unter dem Jahr mehr zu veranstalten.

Sägesser wünscht sich mehr Neugierde für Unbekanntes, Unerforschtes, Überraschendes von seitens Publikum – er meint aber auch, dass sich das seit Corona-Pandemie in eine gute Richtung entwickelt und die Performancekunst öffentlich wahrnehmbarer geworden ist. Auch gab es im Publikum in den letzten 7 Jahren grossen Zuspruch, wie auch in der Veranstalterszene. Noch immer gibt es aber eine spürbare Zurückhaltung gegenüber Ungewöhnlichem.

Häuser, die eine grössere Kapazität für performative Darbietungen haben, darunter die Gessnerallee in Zürich, die Kulturkaserne Basel, der Südpol Luzern, wie auch die Lockremise in St. Gallen, sollten aus eigener Initiative heraus mutiger werden, auch unter dem Jahr mehr zu veranstalten. Dies wünscht sich Sägesser für die Zukunft – die Performance-Szene sei an sich schon relativ klein und bringe unabhängig immer wieder aus eigenem Antrieb mit grossem Aufwand Kreationen auf die Bühne. Die Finanzierung wie auch die Werbung sind dabei ein herausfordernder Balanceakt. Sägesser erhofft sich mit der alljährlichen Ausschreibung mehr Perspektive für die Performanceszene.

Folgende Künstler*innen und Kollektive sind diese Jahr für den Preis nominiert:


Collectif Les Heureuses aus Bern sind Jeanne Jacob und Cornelia Nater. Die beiden Künstlerinnen arbeiten seit zwei Jahren zusammen und beschäftigen sich in ihren Malereien, Performances, Audio- und Videoarbeiten mit zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Verhältnis zu ihrer unmittelbaren Umgebung. Das Sammeln, Ordnen, gemeinsame Produzieren und Diskutieren betreiben sie mit humorvollen, poetischen und spielerischen Mitteln.

In der Performance Lauter beste Schlusssätze (2022) trinken Jeanne Jacob und Cornelia Nater an einem Gartentisch mit aufgemaltem Mühlespiel Tee. In ihrer Performance richten sie Fragen an das Publikum, an sich selbst und ihr Gegenüber: Was wird hier gespielt? Wer gewinnt und wer verliert? Wobei der Titel andeutet, dass dies mit einem Augenzwinkern geschieht. Der gesprochene Text handelt vom Spielen um des Spielens Willen, der Symbiose zwischen Pilzen und Bäumen, der Begegnung am Küchentisch und der Kunst auf Rädern zu gehen. Untermalt wird das Gespräch von elektronischem Sound, eingespielten Tonaufnahmen und Videos, die die unterschiedlichen Erzählstränge zu einer dichten multimedialen Collage verbinden.

 

Claudia Grimm beschäftigt sich in ihren Performances mit alltäglichen performativen Sprechsituationen. Sie untersucht diese auf ihren Inhalt, die Art des Sprechens und der Wissensvermittlung und reinszeniert sie mit feinen Irritationen. Die daraus entstehenden Vorlesungen, Workshops, Rundgänge oder Ansprachen sind eine Mischform aus Choreografie und Improvisation. Wiederkehrende Themen sind Techniken zum Einüben unterschiedlicher Fähigkeiten, der Umgang mit Archiven und das kollektive künstlerische Schaffen in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv DARTS (disappearing artists).
 
Getroffen-werden. Anleitung zu praktischen Übungen (2022)
Treffen können uns die unterschiedlichsten Dinge: eine Aussage, eine Geste, ein Schicksalsschlag, ein herunterfallender Ast. Die Performance «Getroffen-werden. Anleitung zu praktischen Übungen» knüpft an vorangehende Übungsreihen an, worin Claudia Grimm in Zusammenarbeit mit DARTS Strategien für den Umgang mit dem Getroffen-werden präsentiert. Dafür orientiert sich die Künstlerin an How To- oder Survival-Tutorials – Gebrauchsanweisungen, wie wir sie aus dem Internet kennen – und reflektiert deren Vokabular und Demonstrationsmodus. Ausstaffiert mit einer improvisierten Schaumstoffmontur, einem Schutzwall-Kit und wortgewandten Verteidigungsstrategien trotzt Claudia Grimm angreifenden Pfeilen, Steinen oder Sinneseindrücken. Die kommentierten Übungen sollen dazu befähigen, dem Getroffen-werden tapfer und beherrscht zu begegnen.

 

Johanna Kotlaris aus Zürich interessiert sich in ihrer künstlerischen Praxis für zwischenmenschliche Beziehungen und die damit verbundenen Dynamiken von Nähe, Distanz oder Grenzziehungen. In ihren theatralen und oft satirisch überzeichneten Inszenierungen verkörpert sie unterschiedliche Rollen und Charaktere, anhand derer sie Themen wie Identität, Leistung, Fehlerhaftigkeit oder Machtverhältnisse behandelt. Inspiration für ihre Rollen findet sie im Theater, im Film, in der Musikbranche oder der Stand-Up-Comedy. In ihren Performances nutzt sie die spezifische Architektur der Aufführungsorte als wandelbare Bühne und untersucht sie auf ihre Beschaffenheit hin. Ihre zentralen Ausdrucksmittel sind Körpersprache, Sprache und Stimme.

Bibbidi-Bobbidi-Anima (2022)
Die für den Performancepreis Schweiz entwickelte Arbeit «Bibbidi-Bobbidi-Anima» entstand in Kollaboration mit den Performerinnen Hanna Mehler und Marie Popall. Als Personifikation des Todes führt Johanna Kotlaris durch die Räume des Kunstmuseums Luzern und versucht sich in ein menschliches Dasein einzufühlen und sich dieses anzueignen. Die Figur verstrickt das Publikum in ihre Auseinandersetzung mit Verlust, Aufbruch, Veränderung und der Unvermeidbarkeit des Endens: Wie strukturieren sich die Zyklen von Werden und Vergehen? Inwiefern lassen sich die Geschehnisse in unserem Leben beeinflussen und gestalten? Und was hat es mit dem Mythos der Unsterblichkeit auf sich? Die Reflexion der eigenen Rolle sowie Textfragmente aus kulturgeschichtlichen Erzählungen über das Sterben und die damit einhergehenden Neuanfänge mischen sich mit Gesang, Sound und Bewegungssequenzen zu einem zeitgenössischen Totentanz.

 


Milda Lembertaitė & Amelia Prazak arbeiten seit 2014 als Duo und beschäftigen sich in ihren Performances, Videoarbeiten und Kostümen mit den Beziehungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen sowie dem Spannungsverhältnis von Körper, Nahrung, Umwelt und Technologie. In essayistischen, teilweise surreal anmutenden Erzählungen verbinden sie individuelle Beobachtungen und Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Geologie, Medientheorie und Menschheitsgeschichte.

Only See You When I Look at Myself (2022)
Das geophysikalische Phänomen des «erratischen Blocks» bezeichnet ortsfremdes Gestein, das durch Gletscher oder die Gezeiten verschoben wurde. Die auch als Findlinge bekannten Steinbrocken dienen Milda Lembertaitė & Amelia Prazak als Sinnbild, um vielschichtige Fragen zu Identität, Zugehörigkeit, Verortung und Transit zu thematisieren. Die daraus entstandene Performance «Only See You When I Look at Myself» ist als Videoessay konzipiert, worin die Künstlerinnen Screens gleichzeitig als Requisiten, Prothesen sowie Bildträger einsetzen und so auf die Verwobenheit des menschlichen Körpers mit medialen Geräten verweisen. Die Suche nach Heilung und Reinigung zieht sich durch die Erzählung und findet ihren Ausdruck im fliessenden Wasser, das Körper, Gestein und Geräte durchströmt.

 

Natalie Portman nennt sich das Kollektiv bestehend aus Paula Henrike Herrmann, Philémon Otth und Arnaud Wohlhauser. Unter Einbezug von wechselnden Kollaborationspartner:innen organisieren die drei Kunstschaffenden seit 2017 Veranstaltungen und Performances. Durch ihre künstlerischen Eingriffe kreieren sie in alltäglichen Situationen subtile Verschiebungen der Wahrnehmung – Momente der Reibung und Überlagerung zwischen unterschiedlichen Realitäten und Menschen.

La Société du Pestacle (2022)
In der für den Performancepreis Schweiz entwickelten Performance «La Société du Pestacle» versammelt Natalie Portman eine Gruppe von Figuren aus Theaterstücken. Die Schauspieler:innen, die diese Rollen aktuell an verschiedenen Schweizer Theaterhäusern verkörpern, tauchen beiläufig im Kunstmuseum Luzern auf und mischen sich unter das Publikum. Die Figuren werden aus ihrem Ursprungskontext herausgelöst, so dass neue spekulative Beziehungen und assoziative Geschichten entstehen. In ihren Kostümen unterschiedlich klar als fiktive Charaktere erkennbar, verschwimmen die Grenzen zwischen Publikum und Performer:innen. Natalie Portmann reflektiert damit unterschiedliche Darstellungskonventionen des Theatralen ebenso wie die Rollen, die das Publikum im Kunstkontext einnimmt.

 

Francesca Sproccati aus dem Tessin schafft in ihren Performances szenische Erfahrungsräume: Mittels minimaler Setzungen aus Klang, Licht und Bewegung rückt sie die Wahrnehmung des Publikums in den Fokus und lädt dieses zu Interaktion und Kontemplation ein. Aspekte wie Melancholie, Leere oder Erinnerung werden sinnlich erfahrbar.

Out of Me, Inside You (2022)

«Out of Me, Inside You» besteht aus Videoaufnahmen, Field Recordings und Textfragmenten, die Francesca Sproccati während zweier Reisen sammelte. Mit dem Jungfraugletscher und Neapel hat sie zwei ganz unterschiedliche Klanglandschaften durchquert. In Zusammenarbeit mit der Künstlerin Elena Boillat, dem Musiker und Komponisten Adriano Iiriti, der Dramaturgin Rosa Coppola und mit der Unterstützung von Alan Alpenfelt und Camilla Parini entwickelte sie ein Live-Set in einem installativen Setting: Loops und Variationen des Ausgangsmaterials bestimmen die multimediale Choreografie und erzeugen einen intimen Raum, worin das Zuhören, die eigene körperliche Anwesenheit und individuelle Assoziationskraft ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

 

Im künstlerischen Kosmos von Latefa Wiersch aus Zürich tummeln sich Mischwesen zwischen Mensch und Tier, Pflanze, Objekt und Maschine, denen sie in Videos, als Performance oder fotografisch inszeniert ein eigendynamisches Leben verleiht. Ausgehend von alltäglichen Beobachtungen und mit abgründigem Humor erzählen die selbstgebauten Puppen von gesellschaftlichen Verhältnissen sowie den Beziehungen zwischen Subjekt und Objekt, zwischen echtem und künstlichem Körper. Wiederkehrende Themen sind Identität, Mutterschaft, Liebe und Gewalt.

Neon Bush Girl Society (2022)
Die Performance «Neon Bush Girl Society» ist eine Zusammenarbeit von Latefa Wiersch, Rhoda Davids Abel und Dandara Modesto. Die drei Künstlerinnen entwickeln aus Text, Gesang und performativen Objekten eine spekulative Erzählung, die sich aus ihrer jeweiligen lückenhaften Biografie sowie den Kultur- und Kolonialgeschichten unterschiedlicher indigener afrikanischer und afrodiasporischer Bevölkerungsgruppen speist. Ein verbindendes Motiv sind Gesten des Umkehrens und Zurückschauens, die für ein Sehnen und Trauern um die verlorene Heimat stehen. Diese finden sich zum Beispiel in der Legende des vom Krieg betroffenen Volkes der Nama im südlichen Afrika: Im Mythos verwandeln sich die Geflüchteten in Mischwesen zwischen Baum und Mensch. Daher stammt der Afrikaans-Name «Halfmens» (dt. «Halbmensch») für eine Pflanze, deren Silhouette an menschliche Figuren erinnert. Daran angelehnt entstanden die hybriden Spielfiguren zur Performance, die mit den Körpern der Akteurinnen in wechselnden Konstellationen zu verschmelzen scheinen. Diese Figuren verweisen zudem auf die identitätspolitische Dimension von weiblichen Körpern of Color und werfen Fragen zu Sichtbarkeit, Repräsentation und Formen der Ermächtigung auf.

Schweizer Preise Darstellende Künste 2022

Schweizer Preise Darstellende Künste 2022

Text von Viviane Bonelli, SzeneSchweiz Romandie

Im neu renovierten Theater in Carouge werden wir in einer gedämpften, aber entspannten Atmosphäre empfangen. Die Gäste tuscheln und werfen Blicke von einer Seite zur anderen, um zu erraten, wer sich hinter dem extravaganten Haarschnitt oder dem perfekten Make-up verbirgt.

Ein Mercedes parkt, Bundesrat Alain Berset steigt mit zwei oder drei schwarz gekleideten Personen aus dem Auto, weitere Persönlichkeiten folgen. Fotografen und Kameraleute drängen sich, um jede Emotion, jeden Moment festzuhalten.

Ein deutscher Künstler mit einem originellen Look spricht mich mit einem starken Akzent und einem schönen Lächeln an. Er steht da, verlegen, aber glücklich, seine Freunde zu begleiten, die einen Preis entgegennehmen wollen.

Die Türklingel ertönt. Es ist Zeit, in den Saal zu gehen. Ich sitze ganz oben, um die Atmosphäre besser zu spüren. Die Lichter gehen aus, das Moderatorenduo bringt die Anwesenden zum Lachen. Dann folgt ein Künstler nach dem anderen, um seinen Preis in Empfang zu nehmen. Lachen, Tränen, viel Leidenschaft und Emotionen, und dann erhält Barbara Frey den Hans-Reinhart-Ring 2022, wunderschön, glänzend, eine Anerkennung für ihre gesamte Karriere. Sie wird geehrt, das Publikum applaudiert, die Lichter gehen an, dann geht die Party weiter und die Zungen lösen sich, die Krawatten werden gelockert, die Schminke wird gelöst und das Leben nimmt seinen Lauf. Die Künstler schlendern mit einem Glas in der Hand umher, erleichtert und glücklich.

Danke für diesen schönen Abend.

Hier finden sie die Aufzeichnung der Preisverleihung in voller Länge.

 

 

Workshop-Angebot von SzeneSchweiz

Exklusiv für SzeneSchweiz-MitgliederWorkshop „Tonstudio für Anfänger*innen“

Zum neunten Mal präsentieren SzeneSchweiz und VPS-ASP den Workshop Tonstudio für Anfänger*innen.

Das Bedürfnis nach mehreren beruflichen Standbeinen ist gross – sei es bei den Freischaffenden oder auch den festangestellten darstellenden Künstlerinnen und Künstlern.

Der eintägige Kurs versteht sich als Sprungbrett für alle weiteren Schritte in den Beruf als Sprecherin oder Sprecher. Mit der Arbeit an Kommentar- und Werbetexten können neue oder auch ergänzende Erfahrungen am Mikrofon gesammelt werden. Ganz ohne Druck, ein pfannenfertiges Ergebnis abliefern zu müssen.

Irina Schönen und Stephan Lendi (Sprecher und Coaches) unterstützen die Teilnehmenden bei den Aufnahmen, zusammen mit Leoš Gerteis von den NJP Tonstudios. Sie geben Feedback, beantworten Fragen und berichten über die Arbeit als professionelle Sprecher*innen und im Studio.

Wann: Montag 14. November 2022 von 9 – 17 Uhr (eine Stunde Mittagspause)

Wo: NJP Studios, Vorderzelgstrasse 7a, 8700 KüsnachtKosten: 180.- (subventioniert durch SzeneSchweiz)

Anmeldunginfo@szeneschweiz.ch

Anmeldefrist: 31. Oktober 2022

Der Kurs ist auf 8 Teilnehmende beschränkt. Anmeldungen werden nach Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt und gelten ab dem 1. November als verbindlich. Danach werden Annullierungsgebühren erhoben.

 

Exklusiv für SzeneSchweiz-MitgliederSocial Media-Workshop am Montag, 14. November 2022

Unser beliebter Workshop zu Social Media mit Reda El Arbi (Journalist & Blogger) findet wieder statt. Die Eckdaten:

  • Montag, 14. November 2022
  • im SIG-Mehrzweckraum an der Kasernenstrasse 15, 8004 Zürich (Eingang via Innenhof)
  • Von 11:15 bis 18:00 Uhr
  • SzeneSchweiz übernimmt sämtliche Kosten wie auch den Lunch

Der Inhalt:Die beiden Pandemie-Jahre haben auch in den darstellenden Künsten das Bewusstsein für digitale Möglichkeiten geschärft. So haben verschiedenste Künstler*innen neue, virtuelle Kanäle entdeckt und sich die unterschiedlichsten (digitalen) Bühnen auf Social Media geschaffen. Von ganzen Filmen, die in Instagram-Stories gezeigt werden, über Podcasts, in denen Sprecher*innen ihre Fähigkeiten einbringen konnten, bis zu Twitch-Livestreams – alles steht da draussen zur Verfügung.Wir machen eine kleine Einführung zu allen relevanten Social Media-Plattformen und suchen gemeinsam nach Ideen.Anmeldungen nehmen wir gerne per Email an info@szeneschweiz.chentgegen.Anmeldeschluss ist der Freitag, 28. Oktober 2022.

 

Erinnerung – freie Plätze!

Liebe Obleute und Ensemblesprecher*innen

Als gewählte Ortsgruppenvertreter*innen habt ihr nach Art. 34 GAV die schwierige Aufgabe, eure Kolleg*innen zu vertreten und mit der Direktion eures Hauses über Ausnahme-Regelungen zu verhandeln. Um euch in dieser Aufgabe zu unterstützen, führen wir einen Workshop mit einem international erfahrenen Verhandlungstrainer durch:

Wie kann ich als Obmann/Obfrau/Sprecher*in die Interessen meiner Kolleg*innen bestmöglich vertreten?

Gerne machen wir euch nochmals auf den Workshop aufmerksam:

Datum: Montag, 21. November 2022

Zeit: 10:15 bis max. 17:00 Uhr

Ort: SIG Mehrzweckraum, Kasernenstrasse 23 (im Hof, im Untergeschoss), 8004 Zürich

Kosten: Alle Kosten inkl. Lunch trägt SzeneSchweiz

Maximale Teilnehmerzahl: 15

Anmeldung: bis spätestens 31. Oktober 2022 per Mail an info@szeneschweiz.ch 

Verhandlungstrainer: Jochen Luksch ist geschäftsführender Partner der Beratungsfirma Egger, Philips & Partner AG. Der Jurist und ehemalige Journalist begleitet seit vielen Jahren Verhandlungen in den verschiedensten Branchen. Er bietet Verhandlungstrainings, Coaching und Mediation nach dem Harvard-Konzept an.

 

Grosses Theater ganz klein – Kleines Theater ganz gross

Puppentheater, Papierkulissen, Opernhaus in Zimmergrösse, doch Dekors und Ausstattung wie bei grossen Bühnen: Die Ausstellung «Alles nur Theater?» im Haus Appenzell dokumentiert von Oktober bis April grosses Herzblut für kleine Theater.

Miniaturtheater ganz unterschiedlicher Art stehen im Mittelpunkt der Ausstellung – gemeinsam ist ihnen eine grosse Spielfreude und viel Liebe zum Detail. Zu spüren ist die Begeisterung der Personen dahinter für das Theater, die Oper, für Geschichten, für den Wunsch, das Publikum in andere Zeiten, Länder und Themen reisen zu lassen.

Theater zum Ausschneiden

Im 19. Jahrhundert erfreuten sich Papiertheater in bürgerlichen Familien einer grossen Beliebtheit als Spielzeug und Bildungsinstrument. Vergleichbar mit den heutigen Bastelbogen zum Ausschneiden, Zusammenbauen und Spielen, waren sie oft den Inszenierungen der grossen Bühnen nachempfunden und reichten von der Oper über das Schauspiel bis zum Märchen. Die Ausstellung gibt einen Einblick in diese Welt und zeigt eine Privatsammlung historischer Papiertheater erstmals öffentlich. Nebst Klassikern aus deutschen Verlagen sowie aus Frankreich werden auch Raritäten aus Dänemark und England präsentiert, die der Sammler Peter Mäder teils mit Zinnfiguren und Marionetten neu belebt.

Raffinierte Bühnentechnik

Der zweite Teil widmet sich Toblers Marionettentheater – eine für ihre Zeit technisch raffiniert ausgestattete Heimpuppenbühne aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Gebrüder Georg und Justus Tobler bauten Rittersäle und Räuberstuben originalgetreu im Miniaturformat nach und erweckten sie mittels Marionettenfiguren und Bühnentechnik zum Leben. Im Haus Appenzell wird die Originalbühne gezeigt: Sie verfügt über Konstruktionen wie Versenkungen oder elektrisches Licht, die damals selbst an grossen Häusern noch nicht zum Standard gehörten. Daneben sind Kulissen, Regiebücher, Theaterplakate und Figuren mit allerlei Zubehör aus dem reichhaltigen Fundus zu sehen.

Opernhaus im Zimmerformat

Schliesslich entführen die puppenstubengrossen Opernszenerien des Dekorateurs und Zürcher Originals Bernhard Vogelsanger in die grosse weite Welt des Musiktheaters. Während fast 50 Jahren betrieb er in seiner Genossenschaftswohnung in Zürich Schwamendingen das wohl kleinste Opernhaus der Welt. Liebevoll und mit grösster Sorgfalt gestaltete er Kulissen und Pappfiguren, ja, selbst Schallplattenhüllen und inszenierte Akt für Akt die mitreissenden Geschichten von Liebe, Leidenschaft und Tod. Dem ausgewählten Publikum bot Vogelsanger Samstag für Samstag Opern, Operetten und Musicals. Während sein umfangreiches Vermächtnis noch immer inventarisiert wird, ist eine Auswahl in der Ausstellung zu sehen.

Alle Fotos: © Haus Appenzell, Zürich

 

Massive Vorwürfe an die Ballettschule Theater Basel

Fortsetzung Medienspiegel vom 30. September 2022: In Kooperation mit der „NZZ am Sonntag“ hat das Online Magazin „Bajour“ aus Basel eine umfangreiche Recherche zur Thematik publiziert, die auf Interviews mit 33 Tänzerinnen basiert. Trotz jahrelangem Missbrauch hat die Basler Behörde bis anhin wenig unternommen. Die Leitung der Schule streiten die Vorwürfe vehement ab. Darunter waren erschütternde Stimmen der Tänzerinnen wie diese:

«Als eine Mitschülerin völlig abgemagert ins Spital eingeliefert und an die Sonde angeschlossen werden musste, rüttelte uns das durch. Wir waren zu jung, um das mit den Methoden der Schule in Verbindung zu bringen, für uns war die Botschaft: So dünn müssen wir also werden, um der Direktorin zu gefallen.»

Julie Diethelm, Schülerin an der BTB

oder diese:

«Ich weinte regelmässig und hoffte, man würde uns helfen. Aber niemand setzte sich für uns ein. Es schien, als hätten sie alle eine stillschweigende Vereinbarung getroffen: Was hier läuft, mag hart sein, aber nötig. Man brach uns, und alle schauten zu.»

Madison Devietti

Aktuell will die Ballettschule Theater Basel  eine unabhängige Untersuchung in Auftrag geben und sich wheren, was in einer Mitteilung auf Bajour heute bekannt gegeben wurde. Dies nachdem Bajour und die «NZZ am Sonntag» Vorwürfe von Schüler*innen publik machten, die von jahrelangem Missbrauch berichten.

In den Gesprächen, die Bajour und die «NZZ am Sonntag» mit den 33 Schüler*innen führten, werden der Schule Demütigungen im Unterricht, systematische Beschimpfungen und Mobbing vorgeworfen. Die meisten Frauen sollen während der Zeit an der BTB keine Menstruation gehabt, eine 1,69 Meter grosse Studentin noch 36 Kilo gewogen haben. Panikattacken, Essstörungen, Ermüdungsbrüche sollen die Folge gewesen sein. Neben den Gesprächen haben wir zahlreiche Krankenakten, Mails und Textnachrichten ausgewertet.

Bajour, Online Magazin

Es sei nicht die erste öffentliche Diskussion über die Ausbildung von Balletttänzer*innen in der Schweiz. Lange Zeit hätten die Spitzensportler*innen als Symbol für Eleganz und Perfektion, wenn sie anmutig Pirouetten drehen und scheinbar mühelos auf Zehenspitzen über die Bühne gleiten. Doch das System, das Balletttänzer*innen hervorbringt, steht immer öfter unter Kritik. Diesen Sommer machte Die Zeit Anschuldigungen publik, dass an der Zürcher Tanz Akademie (TAZ) ein System der Angst herrsche.

Wichtig: Die Mitgliedschaft bei SzeneSchweiz ist währen der Ausbildung gratis und auf der Website gibt es eine anonyme Meldeplattform, die jederzeit genutzt werden kann.

Malcantone im Tessin: Salone Piazza Grande, Curio

Text von Blue Sky

Der Malcantone ist ein Gebiet im Kanton Tessin, das neunzehn Gemeinden umfasst und sich vom Luganersee bis zum Monte Lema erstreckt, mit kleinen Dörfern, Bergstraßen, großen Kastanienbäumen und Weinbergen. Und genau in dieser Region befinden sich seltene Perlen der Tessiner Performancekunst.

Einst wurden Metallerze abgebaut, von denen heute nur noch wenige historische Artefakte erhalten sind, und in den Tälern können wertvolle Kunst- und Kulturschätze und charakteristische Museen besichtigt werden. Künstler*innen und Räume von ungewöhnlicher Schönheit und hoher Professionalität, die durch den Wunsch verbunden sind, ihr eigenes Menschsein mit den anderen zu teilen. Dort, wo sich die Kunst zu Hause fühlt, wird sie zu Materie, zu Körpern, und gewinnt an Wert sowohl in der stillen Suche wie auch an öffentlich zugänglichen Orten.

Blue Sky traf für Ensemble-Magazin die Künstler*innen des Malcantone, die  Mitglieder von ScenaSvizzera sind: Opera retablO von Ledwina Costantini, Salone Piazza Grande von Sandro Schneebeli, Teatro Agorà von Marzio Paioni und Olimpia De Girolamo und Teatro Lo Sgambetto unter der Leitung von Melanie Häner – jede und jeder von ihnen ist ein Mikrokosmos der Performancekunst!

Interview mit Sandro Schneebeli, Musiker und Gründer von Salone Piazza Grande

Der Verein Salone Piazza Grande in Curio wurde von Sandro Schneebeli, Gitarrist, Komponist und Produzent, als Veranstaltungsort für musikalische und kulturelle Events in Kombination mit hochwertiger Gastronomie und privaten Events gegründet.

Ensemble Magazin: Wie wurde der Salone Piazza Grande geboren?

Sandro Schneebeli: Dieser Raum ist vor langer Zeit aus einer Idee geboren. Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem Studio, damit ich in Ruhe außerhalb des Hauses arbeiten konnte, nachdem ich zum zweiten Mal Vater geworden war. Ich fand einen Raum in Madonna del Piano, in einer Mikromechanik-Fabrik eines Freundes. Er war sehr groß, während ich auf der Suche nach einem kleinen Studio und einem Büro war. Dies gab jedoch grünes Licht für die Idee, dort kleine Konzerte zu organisieren. Also richtete ich den Raum ein, wir nannten ihn Allocale (später Circolo Allocale), und sieben Jahre lang organisierten wir private Veranstaltungen, die mit einem einfachen Abendessen verbunden waren.

Die Mitglieder wurden immer mehr und so beschloss ich, nach Curio, meinem Herkunftsort, umzuziehen, um das Gesicht des Vereins zu verändern und 2017 den Verein Salone Piazza Grande zu gründen, der heute etwa einhundertsechzig Mitglieder hat. Hier biete ich weiterhin Veranstaltungen an, bei denen das Essen auf die Herkunft des Gastmusikers oder auf das Musikgenre abgestimmt ist: Dieser Modus hat sich bewährt, und es kommt ein sehr vielfältiges Publikum.

Es entspringt meinem Bedürfnis, einen Treffpunkt zu schaffen, und es ist meine Art, Kontakte zu knüpfen.

Sandro Schneebeli, Gründer des Salone Piazza Grande in Curio

Dieses multikulturelle Treiben erinnerte mich an afrikanische Straßen und Plätze, voller Menschen, Geräuschen, Leben, Begegnungen – warum dieser Name?

Die Leute kommen in das Dorf und suchen nach der Piazza Grande und finden sie nicht. Weisst du warum? Vor einhundert Jahren wollte die Familie Morandi eine Struktur für das Dorf als Treffpunkt schaffen, und die Gemeinde stellte ihnen den Dorfplatz zur Verfügung. Sie bauten die Struktur oberhalb des Platzes und daher der Name Salone Piazza Grande, dessen Leiter ich heute bin.

Ich mache das nicht aus persönlichen  geschäftlichen Gründen, und es gibt keinen Wettbewerb zwischen den Künstlern. Für mich gibt es Synergien, gemeinsam können wir mehr kulturelle Bewegung schaffen.

Was ist der Schwerpunkt der Aktivitäten des Salone?

Es entspringt meinem Bedürfnis, einen Treffpunkt zu schaffen, und es ist meine Art, Kontakte zu knüpfen. Ich muss nicht in Bars, Theater oder Konzerte gehen: Die Leute kommen zu mir. Ich habe den Luxus, Musik zu organisieren und Künstler zu engagieren, die mir wichtig sind, ganz nach meinem Geschmack. Ich mag es, Situationen zu schaffen, in denen die Leute ein kulturelles Erlebnis des Staunens und der Ehrfurcht haben: man ist in Curio, einem kleinen Schweizer Dorf, und sobald man die Tür des Salones öffnet, landet man plötzlich in New York, Berlin oder Paris.

In meinem Werdegang als Musiker, der in Bern studiert hat, viel gereist ist und mit Künstlern aus der ganzen Welt zusammengearbeitet hat, konnte ich eine Reihe wichtiger Kontakte knüpfen. Wenn also Musiker in Europa auf Tournee sind, kommen sie auch hier vorbei, und ich kann meinem Publikum hochwertige Musik bieten. Das Organisieren von Veranstaltungen ist meine Leidenschaft und hat mich nicht mehr losgelassen, seit ich als junger Mann als Kellner gearbeitet habe, um mein Studium in Bern zu finanzieren: Das Vorbereiten des Mise en place, der Empfang der Gäste und das Einrichten des Raums für Veranstaltungen machen mir viel Freude.

Es war bereits ein Veranstaltungsraum und trägt die Geschichte meines früheren Ateliers und die Erinnerung an diesen Ort in sich.

Ich mache das nicht aus persönlichen  geschäftlichen Gründen, und es gibt keinen Wettbewerb zwischen den Künstlern. Für mich gibt es Synergien, gemeinsam können wir mehr kulturelle Bewegung schaffen. Mir geht es darum, gute Musik anzubieten, und ich bin erstaunt, dass mein Publikum bis heute von weit her kommt und fünfundvierzig Minuten bis zu einer Stunde unterwegs ist, um Auftritte zu besuchen. Die künstlerische Ebene ist von grundlegender Bedeutung, und ich versuche immer, die Bands zu finden, bei denen man die Authentizität erkennen kann, unabhängig von Genre und persönlichem Geschmack.

Auch das Essen ist ein wichtiger Bestandteil der Abende, und unser Küchenchef Anthony Aiello (Mitglied des Komitees) versucht immer, besondere Rezepte aus verschiedenen kulinarischen Genres zu finden. Der Salone wird nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert, er setzt seine Aktivitäten dank der Mitglieder fort, die sich jedes Jahr freiwillig für eine Mitgliedschaft entscheiden. In diesem Sinne ist der Salone weiterhin lebendig und bietet sein Jahresprogramm an.

Wenn du eine Definition geben müsstest: Salone Piazza Grande ist …?

Es war bereits ein Veranstaltungsraum und trägt die Geschichte meines früheren Ateliers und die Erinnerung an diesen Ort in sich. Damals war es bereits die Dorfschänke: eine Restaurant-Schänke, in der die Menschen ihre Abende und Tage verbrachten. Ich bin in Curio geboren und aufgewachsen. Die alten Leute kamen hierher, um Karten zu spielen, der Kamin war immer angezündet, es wurde Polenta gemacht, Karneval und Weihnachten wurden gefeiert, und der Nikolaus kam auf einem Esel (der, wie ich später herausfand, mein Vater war!). Dann kamen und gingen mehrere Verwalter, und fast fünfzehn Jahre lang blieb das Gebäude eine Ruine. Dann kaufte es die Familie Affolter aus Zürich und renovierte es vollständig, wobei die Originalität des Ortes erhalten blieb, mit der Absicht, es in einen Veranstaltungsraum zu verwandeln. Sie haben es zehn Jahre lang betrieben, und dann habe ich beschlossen, es zu übernehmen.  Auch heute noch ist der Salone Piazza Grande nicht nur ein Ort für Musikveranstaltungen, sondern auch ein Treffpunkt für das Dorf, und zweimal im Monat bietet der Verein CineCurio Filmvorführungen an. Im Sommer ist das Lokal außerdem Samstags und Sonntags für die Touristen und das Dorf geöffnet. Schließlich ist es möglich, den Raum für private Veranstaltungen zu mieten. Ich nenne es „das kleine LAC des Malcantone“ und mein Motto lautet: „Lasst die Kultur fließen!

Biografie

Die Associazione Salone Piazza Grande wurde 2017 gegründet und ihr Hauptziel ist die Verbreitung von Kultur unter den Leuten durch Konzerte und andere künstlerische Formen. Eine Begegnung zwischen den Musikern und dem lokalen Publikum, die spontan und natürlich sein soll. Ein Raum im Malcantone, in dem man sich entspannen und einen Dialog mit den verschiedenen Kulturen der Welt aufnehmen kann. Jedes Jahr stehen 12-16 Veranstaltungen auf dem Programm.

Sandro Schneebeli ist Gitarrist, Komponist, Produzent (NEVEmusic), Coach für Teambuilding, Musik für Theater und Film. Er lebt in Curio, seine familiären Wurzeln reichen jedoch von Sibirien bis Sizilien. Als leidenschaftlicher Musiker und Reisender hat er alle Kontinente mit seiner Musik bereist und überall mit lokalen Musikern und auf internationalen Festivals gespielt.

Workshop zum Thema E-Casting in der Romandie

Deutsche Übersetzung weiter unten

Le 10 octobre, le bureau de Scène Suisse sur la suisse romande a organisé un „Workshop“ sur la communication digitale pour les artistes.

L’objectif était de proposer aux comédiens des outils afin d’augmenter leur visibilité et d’améliorer leurs images sur les différents réseaux sociaux. La journée a remporté un vif succès et nous sommes ravis d’avoir pu proposer un intervenant de cette qualité.

En effet Wiam Firouzabadi a été lui aussi très satisfait de ces échanges qui lui ont apporté un nouveau regard sur notre métier.

Au final, tout le monde apprend quelque chose.

Wiam Firouzabadi

„C’était un réel plaisir de découvrir le monde de la scène à travers les comédiens et comédiennes qui ont participé à ce Workshop. Alors que j’étais là pour transmettre mon savoir-faire sur le thème des réseaux sociaux, j’ai aussi beaucoup appris de leur part et c’est ce qui me plaît dans cet échange. Au final, tout le monde apprend quelque chose.“

(Wiam Firouzabadi)

Les artistes présents étaient eux aussi conquis par ce workshop:

„C’était une journée passionnante. En effet, j’ai compris bien plus clairement comment communiquer d’une façon qui me correspond, comment rendre mon profil de comédienne plus visible ainsi que le fonctionnement intrinsèque des réseaux sociaux et la spécificité de chacun d’eux. Cela a ouvert une multitude de possibilités pour moi.“

„J’ai l’impression d’avoir changé mon regard sur toute l’interface réseaux sociaux et communication internet et d’avoir énormément progressé et dans ce sens, ce workshop a totalement dépassé mes attentes.“

Janine Piguet (comédienne)

„Je ne savais vraiment pas à quoi m’attendre quant aux contenu de ce cours et j’ai néanmoins tellement appris de choses sur les réseaux sociaux: Leurs importances dans le monde d’aujourd’hui, que l’on soit comédien, directeur de théâtre ou simplement citoyen du XXIème siècle.“

Olivier Lambelet (directeur de théâtre)

Le bureau de Suisse Romande de Scène Suisse se réjouit d’ores et déjà de développer d’autres projets avec les artistes.

 

Deutsche Übersetzung

Am 10. Oktober organisierte das Büro von Scène Suisse in der Romandie einen „Workshop“ über digitale Kommunikation für Künstler*innen.

Ziel war es, den Schauspielern Werkzeuge anzubieten, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihr Image in den verschiedenen sozialen Netzwerken zu verbessern. Der Tag war ein großer Erfolg und wir freuen uns, dass wir einen so guten Referenten anbieten konnten.

Wiam Firouzabadi war ebenfalls sehr zufrieden mit dem Austausch, der ihm einen neuen Blick auf unseren Beruf ermöglicht hat.

Am Ende lernen alle etwas.

Wiam Firouzabadi

„Es war ein Vergnügen, die Welt der Bühne durch die Schauspieler und Schauspielerinnen, die an diesem Workshop teilgenommen haben, kennenzulernen. Während ich dort war, um mein Wissen zum Thema soziale Netzwerke weiterzugeben, habe ich auch viel von ihnen gelernt, und das ist es, was mir an diesem Austausch gefällt. Am Ende lernen alle etwas.“

(Wiam Firouzabadi)

Auch die anwesenden Künstler waren von dem Workshop begeistert:

„Es war ein spannender Tag. Ich habe viel klarer verstanden, wie ich auf eine Art und Weise kommunizieren kann, die zu mir passt, wie ich mein Profil als Schauspielerin sichtbarer machen kann und wie soziale Netzwerke von Grund auf funktionieren und welche Besonderheiten sie jeweils haben. Das hat mir eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffnet.

Anonym

„Ich habe das Gefühl, meinen Blick auf die gesamte Schnittstelle sozialer Netzwerke und Internetkommunikation verändert und enorme Fortschritte gemacht zu haben, und in diesem Sinne hat dieser Workshop meine Erwartungen völlig übertroffen.“

Janine Piguet (Schauspielerin)

„Ich wusste wirklich nicht, was mich in Bezug auf den Inhalt dieses Kurses erwarten würde, und dennoch habe ich so viel über soziale Netzwerke gelernt: Ihre Bedeutung in der heutigen Welt, ob man nun Schauspieler, Theaterdirektor oder einfach nur Bürger des 21. Jahrhunderts ist.“

Olivier Lambelet (Theaterdirektor)

Das Westschweizer Büro von Scène Suisse freut sich darauf, weitere Projekte mit den Künstlern zu entwickeln.

La Malita über die Grösse des Flamencos

Manuela Baldassarri, alias La Malita, wurde in der Schweiz geboren, wo sie bis 2001 lebte. Auf der Suche nach  Weiterbildung und Vertiefung der eigenen Fähigkeiten zog sie ins Ausland und kam 2013 nach Sevilla, wo sie studierte und als professionelle Flamenco-Tänzerin arbeitete.

2017 kehrte sie ins Tessin zurück, wo sie immer noch als Lehrerin und Tänzerin arbeitet und hochkarätige Auftritte gibt. Lilly Castagneto hat Manuela Baldassarri zum Interview getroffen und durfte in Morbio Inferiore im Tessin einer Aufführung beiwohnen: eine Zusammenarbeit mit außergewöhnlichen Künstlern wie der Sängerin Carmen Amor aus Sevilla, dem italienischen Perkussionisten Francesco Perrotta, dem Gitarristen Antonio Porro, ebenfalls Italiener, und Alberto Rogriguez aus Andalusien, der sie auch in die Flamenco-Kultur und -Gesellschaft einführte. Eine perfekte Show, meint Castagneto, bereit für eine nationale und internationale Tournee.

Interview von Lilly Castagneto

Wer ist Manuela Baldassarri?

Eine Frau, die schon viele Leben hinter sich und noch mehr vor sich hat.

Wer ist La Malita?

Meine „Flamenco“-Seite.

Wie viel von der „Mujer flamenca“ steckt in dir?

Todo!

Was ist Flamenco für dich?

Zuerst war es eine Flucht, dann eine Erlösung, dann ein Sohn, der heute ein perfekter Begleiter ist.

Könntest du den Flamenco mit einem Wort beschreiben?

Kommunikation.

Zuerst war es eine Flucht, dann eine Erlösung, dann ein Sohn, der heute ein perfekter Begleiter ist.

Manuela Baldassarri

Was ist ein Künstler heute?

Jemand der der Welt noch etwas mitzuteilen hat: Kunst ist vor allem ein Bedürfnis, auch auf Kosten des eigenen Geldbeutels und der  Lebensweise.

Wer bist du, wenn du auf die Bühne gehst?

Es gab eine Zeit, in der nur der stärkste Teil von mir auf die Bühne ging, aber ich fühlte mich unvollständig. Jetzt bin ich Ich, denn ich gehe als vollständige Künstlerin auf die Bühne, mit meinem ganzen Ich, einschließlich meiner Schwächen. Es war vielleicht meine größte künstlerische Leistung, und ich bin sehr stolz darauf.

Welche Emotion stellst du am liebsten dar?

Vielleicht Stolz und Entschlossenheit.

Bist du ein Flamenco-Purist oder experimentierst  du?

Die Tradition ist mir näher. Ich empfinde jedoch große Bewunderung für diejenigen, die sich der Weiterentwicklung dieser Kunst auf zeitgemäße Weise widmen.

Wie bringst  du es unter einen Hut, Mutter, Tänzerin und Tanzlehrerin zu sein?

Genau so, wie es eine SeiltänzerIn tut, nämlich mit einer guten Portion Konzentration, Willenskraft und einer Prise Wahnsinn.

Meine innere Welt war nun so groß und weit geworden,  es  war unvermeidlich, ich fühlte mich sofort „eingeengt“

Eine freche Frage meinerseits, bist du mehr Künstlerin oder mehr Mutter? Ohne Gewissensbisse  zu haben?

Es ist unmöglich, keine Gewissensbisse zu haben! Mit der Zeit zeigt sich, wie sehr die eine Rolle die andere bereichert und umgekehrt. Ich bin meinem tiefsten Wesen treu: Mutter und Tänzerin in gleichem Maße. Ein Künstler braucht Inspiration, und es gibt nichts Stärkeres und Inspirierenderes als ein Kind! Ein Kind braucht einen Elternteil, der ständig an sich arbeitet, und es gibt keine bessere Therapie als die Kunst!

Du bist 2017 in die Schweiz zurückgekehrt, um an einem vertrauten und gleichzeitig neuen Ort neu anzufangen, mit neuen Herausforderungen, neuen Abenteuern, neuen Projekten, möchtest du uns darüber erzählen?

Ich bin zurückgekehrt, weil die plötzliche Geburt eines Kindes, meinem Sohn, meine Prioritäten völlig verändert hat. Ich hatte keine andere Wahl, und ich habe gelitten. Meine innere Welt war nun so groß und weit geworden,  es  war unvermeidlich, ich fühlte mich sofort „eingeengt“. Jetzt, Jahre später, habe ich mich daran gewöhnt und finde den richtigen Kompromiss zwischen Wille und Kraft. Meinen Sohn in Sicherheit zu sehen, hilft mir sehr, die künstlerischen Einschränkungen zu akzeptieren, die ich derzeit im Tessin erlebe. Die meisten meiner neuen Projekte finden nach wie vor die Landesgrenzen überschreitend statt und ich hoffe, mit der Zeit auch in der Region genügend Interesse für den Flamenco säen zu können, so dass die Früchte direkt dort geerntet werden können, wo ich lebe und geboren wurde. In den Ländern der “TräumerInnen“ wie Italien und Spanien, wo ich viele Jahre gelebt habe, war es sicherlich einfacher, diesen Beruf auszuführen. Aber das Leben hat mich wieder dorthin zurückgebracht, wo ich angefangen habe, und ich bin jemand, der dem Leben „vertraut“, daher bereue ich meine Rückkehr nicht und habe auch keine Zweifel daran.

Es bräuchte einen Staat, der diese unglaubliche geistige Entwicklung der Menschen mit Investitionen unterstützt, finanzielle Mittel an denen es hier eigentlich nicht mangelt.

Verändert sich das Bild des Tanzkünstlers nach der Corona-Pandemie?

Ich weiß es nicht. Manchmal spüre ich hier eine gewisse Verwunderung gegenüber Personen wie mir, die nach einer Pandemie ihre künstlerische Karriere fortsetzen wollen, obwohl die Welt am Boden liegt. Ich habe jedoch auch festgestellt, dass die Menschen, nachdem sie ihrer sozialen Freiheit beraubt wurden, diejenigen besser verstehen und schätzen, die sich wie wir Künstler dafür entschieden haben, dass das Leben zu kurz ist, um es ausschließlich dem zu widmen, was uns nicht entspricht. Ich bin neugierig darauf, im Laufe der Zeit herauszufinden, welche weiteren positiven Auswirkungen diese Erfahrung in den Seelen der Menschen, die dann das so genannte Publikum gewesen sind, hinterlassen hat. Unser Publikum, ohne das dies alles nicht möglich wäre.

Was würdest  du der italienischsprachigen Schweiz mit auf den Weg geben, damit sie bereit ist, die Tanzkultur aufzunehmen und auszubauen?

Man muss sich eingestehen, dass die wahre Schönheit des Lebens nicht im Materiellen, in der sozialen Stellung oder im klassischen und üblichen Weg der Selbstverwirklichung liegt, man muss sich der Schönheit öffnen: dem Tanz oder jeder anderen Kunstform. Es bräuchte einen Staat, der diese unglaubliche geistige Entwicklung der Menschen mit Investitionen unterstützt, finanzielle Mittel an denen es hier eigentlich nicht mangelt.

Was ist der größte Traum von La Malita und Manuela?

Ein erfülltes Leben!

An die Jugend: Kunst schaffen oder besser etwas anderes?

Tu, was dein Herz nicht lassen kann! Nur das zu tun, um den allgemeinen Erwartungen gerecht zu werden, kann die innerliche und äussere Schönheit verderben: Das ist es nicht wert.

La Malita, eine gute Seele und Künstlerin, die im Tessin und in der ganzen Schweiz die gebührende Anerkennung verdient. KünstlerInnen haben das Recht zu performen, aber gleichzeitig auch die Pflicht, dem Publikum die Kunst in ihrer Weise näher zu bringen: Manuela Baldassarri erfüllt diese beiden Aspekte auf hervorragende und professionelle Weise.

Lilly Castagneto dankt Malita für ihre wertvolle Zeit, aber auch all den außergewöhnlichen KünstlerInnen, die sie kennenlernen durfte. Sie dankt auch der Gemeinde Morbio Inferiore, die die künstlerische Weitsicht bewiesen hat, um all dies zu ermöglichen.

Lilly Castagneto, Lehrerin für funktionelles Pilates und Modern Horton in Lamone und Breganzona, ehemalige professionelle Tänzerin, Absolventin der Academie de Danse A.M.D. in Menton (Frankreich) in klassischem und zeitgenössischem Tanz. Sie arbeitet immer noch mit der Kompanie PINCO PALLINO unter der Leitung von Sandra Delrieu zusammen, mit der sie auch zusammen studierte. Castagneto lebt seit 2012 im Tessin, nach einem zehnjährigen Aufenthalt im rätoromanischen Graubünden. Sie ist Vizepräsidentin der Associazione Formazione Professione Danza und setzt sich für eine professionelle Entwicklung des Tanzes und Ausbildung im Tessin ein.

filmZ – eine Filmschauspielschule bricht mit Normen

Ensemble trifft Sandra Fischer, Mitbegründerin von Filmschauspielschule Zürich, kurz filmZ, und selbständige Beraterin, zum Gespräch über die Bildungslandschaft im Schweizer Film.

Fischer kommt aus der Erwachsenenbildung und hat viel Erfahrung in Kulturmanagement, sie ist selbständige Auditorin und Beraterin. Simon Keller ist vom Beruf aus Schauspieler und schreibt und leitet theaternahe Projekte. Er hat jahrelang an Theatern inszeniert aber auch selber Stücktexte verfasst. Die filmZ fing als Projekt 2021 an und fand schnell Zuspruch und Sympathie. Das Unternehmen ist eine eigenständige GmbH, Fischer bildet den Vorstand, kümmert sich um Strategisches und um die Kooperationen mit anderen Institutionen. Keller zieht die Projekte auf und leitet sie. Mit den externen Dozent*innen wird so das Kernteam geformt von der filmZ. Das Curriculum wird stets aktualisiert und die externen Diplomprüfungen von Jury-Mitgliedern zusammengesetzt, unter anderem mit SzeneSchweiz und renommierten Schulen aus Deutschland. Anhand von einem Prüfungskatalog wird dann bewertet. Die filmZ ist noch nicht schweizweit bekannt, das wird sich aber bald ändern, meint Fischer.  

Die filmZ ist noch nicht schweizweit bekannt, das wird sich aber bald ändern.

Sandra Fischer, Gründerin

Als Erwachsenenbildnerin und Diplompädagogin weiss sie, was wichtig ist bezüglich einem akademischen Anspruch und dem Qualitätsmanagement. Die Inhalte folgen einem gezielten Lehrplan, ausserdem sind fast alle Student*innen nebenbei berufstätig. Die filmZ ist durch eduQua:2012 zertifiziert, dem Schweizerischen Qualitätszertifikat für Weiterbildungen. 

Zudem legt die filmZ hohen Wert auf Datenschutz und das Wissen auch an die Student*innen weiter. Bezüglich Informationssicherheit und Qualitätsmanagement ist die Filmschauspielschule auf dem neusten Stand. Fischer sieht sich selber als Brückenbauerin zwischen Formalien und des schauspielerischen Berufsfeldes und hält ihren Fokus auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung.  

Fischer sieht sich selber als Brückenbauerin zwischen Formalien und des schauspielerischen Berufsfeldes und hält ihren Fokus auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung.

Die Dozent*innen bringen eine breite Expertise mit, haben bereits unterrichtet und stehen auch selbst vor der Kamera, wie zum Beispiel Beren Tuna oder Caspar Kaeser. Ausserdem bringen sie auch die Skills mit, Inhalte an junge Leute zu vermitteln. Darunter sind wichtige Fächer, wie Acting Basics, das Rollenstudium, aber auch Fächer in Richtung Bewegung und Stimmtraining. Nebst dem Bühnendeutsch werden auch die verschiedensten Dialekte gefördert. „Es gibt viele tolle Drehbücher in Mundart. Wir ermutigen die Leute auch in den Projekten, diese auszubauen“, meint Fischer.  

Der Aufbau des Studiums und der Modulplan ist für alle Studierenden derselbe. Jedoch können in bestimmten Fällen auch Anpassungen vorgenommen werden, meint Fischer: „Wir legen grossen Wert auf Weiterentwicklung. Teils übernehmen wir Leute von anderen Schulen und versuchen individuell einzuwirken. Wenn beispielsweise jemand noch nicht gut Deutsch spricht, kann man auf einem tieferen Niveau Module belgen.“ 

Wir legen grossen Wert auf Weiterentwicklung. Teils übernehmen wir Leute von anderen Schulen und versuchen individuell einzuwirken.

Es gäbe aber auch Fälle, in denen die Zwischenprüfung zeigt, dass das Kontingent nicht geschafft werden kann. Diese Personen werden dann auf Alternativen beraten. Grundsätzlich haben alle die Chance, zu bestehen, aber es gibt Grenzen. Wenn der Beruf nicht der Richtige ist, dann wird auch ehrlich vorgegangen und zusammen nach Lösungen gesucht. 

Es gehe um einen nachhaltigen und langfristigen Aufbau der Schule, Chancen zur Vernetzung werden geboten. Aktuell werden Projekte im Bereich Film bereits im zweiten Jahr erfolgreich mit der SAE umgesetzt. Die meisten Student“innen, die sich bei der filmZ bewerben, sind für die gängigen Hochschulen nicht zugelassen oder befinden sich bereits in anderen Berufen 

Die filmZ lockert die Chancen zu einer schauspielerischen Bildung auf, was sehr positiv ist für die Schweizerische Bildungslandschaft.

Die Schule befindet sich auf dem Bildungsniveau einer schweizerischen Lehre oder ist als zweiter Bildungsweg geeignet. Wenn die Arbeit flexibel ist, geht das gut. Es sind somit jüngere Leute ohne Zulassung zur Fachhochschule und Hochschule oder Leute, die die Altersgrenze zur Zulassung bereits überschreiten. Es gibt aber auch weitere Gründe. Die filmZ lockert die Chancen zu einer schauspielerischen Bildung auf, was sehr positiv ist für die Schweizerische Bildungslandschaft. Denn Talent und Bildungsgrad sind nicht immer identisch. Fischer kann Talente erkennen, die an einer normalen Schule keine Chance haben und mit den eher kleinen Klassen von 6-8 Leuten ist der ideale Rahmen geboten. Der verschulte Unterricht und der persönliche Umgang gibt Leuten Halt, die aus der normalen Auswahl fallen würden.  

Fischer betont, dass es prägend für filmZ ist, dass die Studierende informiert sind, selbstständige Unternehmer werden und dennoch in besonderem Masse ihre Spielfreude behalten.  

Die GmbH funktioniert nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die filmZ legt grossen Wert auf die damit einhergehende Unabhängigkeit und ist im Regelbetrieb nicht förderfähig. Sie geht von dem Grundsatz aus, dass sie entweder wirtschaftlich förderfähig ist oder nicht, jedoch stets unabhängig von StiftungsbeiträgenDas eduqua-Zertifikat wurde vor allem erworben, damit die Studierenden von Stiftungen Fördergelder erhalten können. Damit hebt sich filmZ von den anderen privaten Schulen in der Schweiz ab. Darin enthalten sind die Gewährleistung von Datenschutz, das Ton- und Bildrecht und andere wichtige Faktoren, die man in diesem Berufsverband braucht. Fischer betont, dass es prägend für filmZ ist, dass die Studierende informiert sind, selbstständige Unternehmer werden und dennoch in besonderem Masse ihre Spielfreude behalten.  

Fischer versucht immer wieder auf die Qualität der Ausbildung zu pochen und bei Gagneverahandlungen realistische Kompromisse zu verhandeln 

Es gibt auch ein Resilienztraining und besonders bei jungen Schauspieler*innen wird gelehrt, wie man selbstbewusst und authentisch bleibt und sich in einem Konfliktfall nicht beirren lässt. Genügend früh Grenzen zu setzen, sei in diesem Berufsfeld besonders wichtig. Es gebe auch immer wieder finanzielle Ausbeutung bei den Gagen. Pro Woche erhalte Fischer um die zehn Anfragen aus der Wirtschaft für Werbesequenzen ohne oder mit sehr geringem Entgelt. Darunter befinden sich grössere Player, die ohne Probleme eine angemessene Gage bezahlen könnten, dies aber als „Chance“ für die angehenden Schauspieler*innen anpreisen. Genau in solchen Fällen, versucht Fischer Aufklärung zu leisten und dies an ihre Studierende zu vermitteln. Fischer versucht immer wieder auf die Qualität der Ausbildung zu pochen und bei Gagneverahandlungen realistische Kompromisse zu verhandeln 

Ensemble Magazin bedankt sich für das Gespräch mit Sandra Fischer und ist gespannt, wie sich die filmZ weiterentwickelt und wächst! 

Stadt Theater Bern: Probenleiter bleibt unangetastet, nicht wie seine Opfer

Medienspiegel: Die Reportage über die sexuellen Übergriffe durch einen Probenleiter im Stadttheater Bern in der Zeit Schweiz lösten ein überregionales Medien-Echo aus. Hier ein paar Stimmen.

Hast du selbst etwas erlebt? HIER kannst du dich anonym bei SzeneSchweiz melden

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Ausschnitt Interview Tagesanzeiger
«Ein geschützter Raum für Machtmissbrauch»
Es sei unhaltbar, dass der beschuldigte Probenleiter bei Bühnen Bern im Haus bleiben könne, sagt Salva Leutenegger vom Berufsverband für Darstellende Künste.

SRF-Regionaljournal
Trotz Belästigungsvorwürfen: Ballett-Probeleiter arbeitet weiter

Der Probeleiter des Ballettensembles von Bühnen Bern soll mehrere Tänzerinnen wiederholt sexuell belästigt haben. Trotzdem darf er weiterarbeiten. Wir fragen, was Bühnen Bern unternimmt, und was Fachleute von aussen zur Situation von Tanzschaffenden sagen. Hier gehts zum Beitrag.

 

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Ausschnitt aus „Der Bund“
„Die Bühnen Bern haben gehandelt – aber nicht konsequent genug“

Der Entscheid, den Probenleiter trotz klarer verbaler sexueller Belästigung wieder einzustellen, bedroht den Ruf dieser wichtigen Berner Kulturinstitution.

… hier gehts weiter auf Der Bund.

Sexuelle Übergriffe bei Konzert Theater Bern

Der Probenleiter des Tanzensembles von Konzert Theater Bern soll gemäss Recherchen der «Zeit» Tänzerinnen sexuell belästigt haben. Diese Geschichte zeigt, dass manche Häuser noch immer oft erst ihren Ruf, dann den Täter und erst ganz am Schluss ihre Tänzer*innen schützen. Es herrscht ein Klima der Angst.

Kurz die Geschichte zusammengefasst: Der Probenleiter des Ensembles Bühnen Bern fiel immer wieder durch verbale Entgleisungen auf, auch körperliche Übergriffe wurden genannt.  In den Lokalredaktionen von „Bund“ und „Berner Zeitung“ wusste man schon länger von den Vorkommnissen. (Hier die ganze Geschichte bei Tamedia (Abo+) und bei der Zeit Schweiz (Paywall) )

Zitat Tagesanzeiger/Bund heute, 29. 09.22: „Die Redaktion von «Bund» und «Berner Zeitung» hatte schon seit längerem Kenntnis von diesen Vorwürfen. Recherchen im Umfeld des Ballettensembles haben verschiedene Überschreitungen des Probenleiters zutage gebracht. Der Redaktion liegen mehrere Dokumente vor, die das nahelegen. Es geht um unangebrachte Avancen, verbale sexuelle Belästigungen und körperliche Übergriffe.“

Hier der Beitrag von Radio Bern1:

Wenn eine solche Geschichte bereits in den Redaktionen bekannt ist, dann bedeutet das, dass man innerhalb der betroffenen Branche meist schon viel länger davon wusste. Und da liegt das Problem.

Untersuchung ohne Konsequenzen

Wieso wurde nicht früher veröffentlicht? Der Probenleiter ist eine wichtige Persönlichkeit in diesem Setting. Tänzerinnen, die sich gegen Übergriffe wehren, müssen mit Konsequenzen für ihre Karriere rechnen. So fürchten sie sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und damit haben sie auch Recht, solange sich nichts ändert.

Im vorliegenden Fall hat sich eine Betroffene an die Leitung gewandt. Der Probenleiter wurde während der Untersuchung für zwei Monate freigestellt. Der Untersuchungsbericht einer externen Beraterfirma kam gemäss der «Zeit» zum Schluss, dass es zu verbalen Belästigungen gekommen sei. Der Verdacht, dass es auch körperliche Übergriffe gegeben habe, lasse sich allerdings nicht erhärten, heisst es weiter. Im Tanzberuf seien, anders als in einem Bürojob, «körperliche Berührungen und Umarmungen normal». Der Bericht hatte keine einschneidenden Konsequenzen zur Folge. Der Täter blieb an der Macht.

Schweigevereinbarung unterzeichnen

ÄHNLICHE ERFAHRUNGEN GEMACHT? Hier anonym bei SzeneSchweiz melden!

Dass die ganze Geschichte trotzdem den Weg an die Öffentlichkeit fand, ist ehemaligen Ensemble-Mitgliedern zu verdanken, die die Aussagen der Betroffenen gegenüber der Zeit bestätigten. Dies braucht, selbst anonym, Mut. Die Szene ist nicht so gross, so dass sich immer Rückschlüsse auf die Personen ziehen lassen. Und das kann auch bei anderen Häusern zu einem Zögern führen, da diese Tänzer*innen dann als „schwierig“ gelten. Weil sie sich in einem traditionell streng hierarchischen Arbeitsumfeld für ihre Rechte wehren. Eine Geisteshaltung aus dem letzten Jahrhundert.

Spitze des Eisbergs

Die Stillschweigevereinbarung zeigt deutlich, dass es sich um ein strukturelles Problem und nicht um einen Einzelfall handelt. In den Köpfen vieler Direktionen gilt noch immer, dass die Reputation des Hauses über dem Wohlergehen der Tänzer*innen steht, dass Stars mehr Rechte haben als das Ensemble. Salva Leutenegger, Geschäftsführerin von SzeneSchweiz dazu: An allen festen Häusern sind die Tänzer:innen, diejenigen, die am meisten arbeiten, am wenigsten verdienen und am schlechtesten vor Machtmissbrauch geschützt sind. Und die Leitungen schauen so lange zu, bis diese Fälle an die Öffentlichkeit kommen. Das muss sich ändern. Es braucht flache Hierarchien, ein wertschätzender Umgang und griffige Massnahmen gegen Machtmissbrauch.“

Netzwerkapéro am Zurich Film Festival

Wie jedes Jahr veranstaltet SzeneSchweiz anlässlich des Zurich Film Festivals zusammen mit dem SSFV einen Apéro.Wann: Samstag, 1. Oktober 2022Zeit: ab 17 Uhr bis ca. 20 UhrWoTibits NZZ Bistro (Blumenzimmer), Falkenstrasse 12, 8001 ZürichUnser Präsident, Matthias Albold, wird ein Gespräch (ca. 45 Min.) mit zwei Gästen führen. Thema und Gäste werden zu einem späteren Zeitpunkt angekündigt.Wir freuen uns auf euren Besuch!

Zürich Film Festival – Guide

Neben dem vielfältigen Filmprogramm des 18. Zürich Film Festival und dem Herzstück des Festivals, den 3 Hauptkategorien Spielfilm, Fokus und Dokumentarfilm Wettbewerb, gibt es am ZFF zahlreiche Events und Programmsektionen, die es zu entdecken gibt. Die Redaktion von Ensemble Magazin hat in Zusammenarbeit mit dem ZFF einen kleine Guide für euch zusammengestellt – und wünscht viel Spass am Festival!

Der Zürcher Filmlauf ermöglicht Besuchern und Besucherinnen einmalige Einblicke in die Filmarbeit. Die Teilnahme ist kostenlos und erfolgt ohne Anmeldung.

Der Zürcher Filmlauf findet am 27. September statt. Mehr Infos hier!

Dieses Jahr ist Spanien das Gastland des ZFF. Das ZFF organisiert in diesem Zusammenhang mehrere Abende mit spanischen Filmen, Musik und Kulinarik. Mehr Informationen hier!

Auch für Kinder bietet das ZFF ein vielfältiges Programm an: So die ZFF für Kinder Workshops. Mehr Informationen hier!

Die ZFF Masters sind moderierte Gespräche mit Persönlichkeiten aus der internationalen Filmindustrie. Dieses Jahr hier sind: Luca Guadagnino, Charlotte Gainsbourg, Sir Ben Kingsley, Til Schweiger und Eddie Redmayne. Informationen zu den Tickets hier!

Beim Festivalzentrum gibt’s verschiedene Attraktionen, die für jeden und jede frei zugänglich sind: Informationen zum Festival, Ticketverkauf, Food Trucks und Café/Bar-Betrieb sowie der VISION AVTR von Mercedes Benz, der im Festivalzentrum steht. Das Konzeptfahrzeug verkörpert die Vision von Mercedes-Benz Designern, Ingenieuren und Trendforschern für Mobilität in ferner Zukunft.

Window San Sebastian: Das ZFF und das San Sebastián Film Festival verbindet eine enge Zusammenarbeit. Auch dieses Jahr präsentiert das ZFF eine Auswahl von vier Filmen aus Spanien und Lateinamerika, die am diesjährigen San Sebastián Film Festival vertreten sind. Programm und Tickets findt ihr hier!

Window Hong Kong: Programm und Tickets hier! Das „Hong Kong Window“ ist eine Auswahl von brandneuen Filmperlen aus Hong Kong. Die Reihe wird in Zusammenarbeit mit dem Hong Kong Economic and Trade Office, Berlin, organisiert.

Spezielle Filmreihen:

Neu dabei ist jetzt auch die Sektion «Sounds». Die Sektion feiert die Beziehung vom Film zur Musik in all ihren Facetten. Das Programm wird komplementiert durch zwei Live-Kommentierungen (DER NACHNAME und SPEAK NO EVIL) durch den jeweiligen Filmkomponisten. Mehr zum Programm und den Filmen gibt es hier!

Engagiertes Kino in der Sektion «Border Lines», organisiert in Zusammenarbeit mit Amnesty International, Human Rights Partner des ZFF. Im Programm sind sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme vertreten, die sich, jeder auf seine Weise, mit Grenzsituationen und aktuellen Themen des Weltgeschehens auseinandersetzen. Zum Programm geht es hier!

Hashtag #MyReligion: Ob neu konzipierte oder historisch gewachsene, der Neuzeit angepasste Religionen – die Reihe Hashtag #MyReligion nimmt sich der Euphorien unserer Gesellschaft an und hinterfragt sie. Mehr zum Programm findet ihr hier!

FemaleAct – setzt sich für gelebte Diversität in der Schweiz ein

Ende 2018 entstand die Idee zwischen mehreren Schauspieler*innen, einen Stammtisch zum professionellen Austausch anzubieten. Nachdem der erste erfolgreich stattgefunden hatte, entstand daraus der Verein FemaleAct. Zwischen drei bis zehn Personen nehmen jeweils am monatlich stattfindenden Stammtisch teil. Seit kurzem ist der Stammtisch offen für alle Geschlechter und Berufsgattungen, davor wurde er nur für als Frauen gelesene Personen angeboten.

Nebst dem direkten Austausch vor Ort gibt es zwei Chats, der eine fungiert als Jobbörse, der andere ist für pragmatische Fragen gedacht, bezogen auf Verträge, Gagenverhandlungen oder einfach als Plattform für unmittelbare Beratung bezüglich eines Engagements. Es geht auch darum, sich gegenseitig zu bestärken und durch eigene Erfahrungen Unsicherheiten zu beseitigen. Und vor allem geht es darum, eine Community, denn der Beruf der Schauspieler*in werde ganz grundsätzlich strukturell ausgespielt. „Deutschland fing schon etwa früher damit an, Netzwerke zu bilden, Informationen austauschen. Der Austausch innerhalb der Community förderte das, als Schauspieler*in hat man sonst eher einen Einzelkämpfer-Status!“, meint FemaleAct. Besonders wichtig sei es, untereinander die Solidarität zu pflegen, davon sind insbesondere die älteren und erfahreneren Schauspieler*innen überzeugt. Man müsse sich gegen Vereinzelung, welche im System internalisiert ist, wehren und Falschinformationen, wie auch Konkurrenzkämpfe vermeiden. „Und das betrifft bei weitem nicht nur Frauen“.

„Deutschland fing schon etwa früher damit an, Netzwerke zu bilden, Informationen austauschen. Der Austausch innerhalb der Community förderte das, als Schauspieler*in hat man sonst eher einen Einzelkämpfer-Status!“

FemaleAct

Der Verein FamaleAct steht für unterschiedliche Perspektiven des entsprechenden Berufsfeldes. „Es geht nicht nur um Frauenrollen, wir wollen unsere Gesellschaft in Ihrer Vielfältigkeit darstellen – quasi die Realität aufzeigen, denn diese ist vielfältiger als das, was wir auf der Leinwand oder auf der Bühne oft sehen.“ Durch lebensnahe Figuren und Geschichten soll ein diverses Publikum angesprochen werden.

„Es geht nicht nur um Frauenrollen, wir wollen unsere Gesellschaft in Ihrer Vielfältigkeit darstellen – quasi die Realität aufzeigen, denn diese ist vielfältiger als das, was wir auf der Leinwand oder auf der Bühne oft sehen.“

Die Mitglieder von FemaleAct beobachten, dass es für Theater nicht immer leicht ist, aus gewohnten Erzählmustern und betrieblichen Abläufen auszubrechen. Um die internen Strukturen an Häusern genau unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, wie konkret darauf hingewirkt werden kann, dass auf der Bühne lebensnahe Figuren und Erzählungen zu sehen sind, entwickelt FemaleAct eine Toolbox für Theaterbetriebe.

it höherem Alter haben die Schauspielerinnen somit zwar mehr Erfahrung und sind wesentlich versierter in ihrem Beruf, haben aber drastisch weniger Angebote. Das ist ein riesiger Misstand.

Für die Entwicklung dieser Toolbox wurden die Forschungsergebnisse von der Universität Rostock 2017 zur Studie „Gender Diversität in audiovisuellen Medien“ der Malisa Stiftung beigezogen. In der Schweiz gibt es keine vergleichbaren Zahlen, deshalb wurde sie mitangeführt. In fiktionalen und nicht-fiktionalen Fernseh -und Kinoproduktionen wurde verglichen, wer in welchen Positionen vorkommt, welches Geschlecht die Protagonist*innen jeweils haben und welche Altersverteilung vorherrscht. Es wurde beispielsweise erkennbar, dass Frauen ab 40 Jahren komplett aus dem Bereich verschwinden, bei den Männern geht die Kurve dagegen ab diesem Altersgrad hoch. Mit höherem Alter haben die Schauspielerinnen somit zwar mehr Erfahrung und sind wesentlich versierter in ihrem Beruf, haben aber drastisch weniger Angebote. Das ist ein riesiger Misstand. Es fragt sich hierzu, wer wird sichtbar gemacht und wer verschwindet von der beruflichen Bildfläche? Für Theater liegen solch fundierte Zahlen (noch) nicht vor, doch erfahrungsgemäss wirken dort ähnliche Ausschlussmechanismen.

Daraus entstand die Idee, eine Toolbox zur Selbstanalyse für Theaterbetriebe zu erarbeiten.

Das Vorbild im Umgang mit solchen Missständen ist Schweden. Hier ist die Gleichstellung auf gesetzlicher Ebene viel verbindlicher und fest verankert, in der Schweiz ist das derzeit noch nicht der Fall. Die Wirtschaft und auch der kulturelle Sektor ist dort dazu verpflichtet, Bedingungen zu schaffen, die Gleichstellung fördern. Dementsprechend sind auch Kulturbetriebe verpflichtet, das zu überprüfen und rückzumelden – hierfür gibt es besondere Instrumente zur Überprüfung und Ratings, was sich auf die Vergabe von den Fördergeldern auswirkt. „Als wir das gehört haben, war das sehr inspirierend! Es war beeindruckend zu sehen, dass das bereits so fest im System verankert ist. Wir fragten uns dann, wie man das auf die Schweiz übertragen kann.“, meint FemaleAct. Daraus entstand die Idee, eine Toolbox zur Selbstanalyse für Theaterbetriebe zu erarbeiten.

Wichtige Fragestellungen waren dabei:

Wie ist die Geschlechterverteilung an unterschiedlichen Positionen?

Wie sieht das künstlerische Endprodukt aus, welche Geschichten werden aus welchen Perspektiven erzählt?

Was für Grundsätze gelten im Theaterbetrieb, um Machtmissbrauch vorzubeugen, und wie werden diese umgesetzt?

Mit der vielfältigen Partizipation der Teilnehmenden sollte die Weiterentwicklung der Toolbox vorangetrieben werden

Um die Entwicklung dieser Toolbox anzutreiben und zum Austausch mit Akteur*innen der Branche zu gelangen, hat FemaleAct zum Roundtable, eingeladen, wo Verteter*innen aus Theaterbetrieben, der Kulturförderung, Ausbildungsstätten und Verbänden eingebunden wurden. Die Teilnehmenden haben an dieser Veranstaltung einen von FemaleAct entwickelten Fragenkatalog diskutiert. Wichtige Fragestellungen waren dabei: Wie ist die Geschlechterverteilung an unterschiedlichen Positionen? Wie sieht das künstlerische Endprodukt aus, welche Geschichten werden aus welchen Perspektiven erzählt? Was für Grundsätze gelten im Theaterbetrieb, um Machtmissbrauch vorzubeugen, und wie werden diese umgesetzt? Mit der vielfältigen Partizipation der Teilnehmenden sollte die Weiterentwicklung der Toolbox vorangetrieben werden. Die Veranstaltung wurde von Dr. Andrea Zimmermann (Zentrum für Geschlechterforschung an der Universität Bern) moderiert. Mit ihr steht FemaleAct im regen Austausch, und für die Pilotphase der Toolbox ist eine Zusammenarbeit angedacht.

Haben wir überhaupt non-binäre Rollen?“, lautet die dringliche Frage.

Der Vorstand von FemaleAct arbeitet ehrenamtlich, schätzt finanzielle Unterstützung und freut sich über Interessierte, die sich anschliessen und mitarbeiten möchten. Auf der Website gibt es ein Manifest, in dem die Anliegen von femaleAct nachzulesen sind. Dr. Andrea Zimmermann hat eine Vorstudie zur Gendergerechtigkeit in den Kulturbetrieben in der Schweiz gemacht. Die Theater- und Musiklandschaft habe ein sehr ähnliches Bild gezeigt wie die bereits erwähnte Studie, und Non-Binarität komme gar nicht erst vor, meint sie. „Haben wir überhaupt non-binäre Rollen?“, lautet die dringliche Frage. Der Austausch von FemaleAct fördert konkret dieses Erkennen von strukturellen Problematiken. Mithilfe der wissenschaftlicher Basis kann man einen Misstand aufspüren und dabei erkennen, dass es sich nicht nur um diffuse Gefühle oder Annahmen handelt, sondern eben um faktische Misstände. Dies führt dazu, dass sich Frauen weniger hinterfragen und sich zu Weiterbildungen und Umschulungen gezwungen fühlen müssen, die nur wegen dem fälschlicherweise geringen Angebot an Rollen nötig erscheinen. Genau solche Beispiele sind verheerend. Es geht schliesslich darum, eine Rolle zu erhalten aufgrund der schauspielerischen Qualität und nicht des Geschlechts. Dabei geht es aber nicht nur um die grossen Hauptrollen, sondern auch um Nebenrollen, die teils nur einen oder wenige Drehtage in Anspruch nehmen. Auch dort sollen sich die Schauspieler*innen gesehen fühlen. Daneben gebe es, insbesondere in Bezug auf Minderheiten wie People of colour oder Queere Menschen, sogenanntes Pinkwashing bei der Rollenverteilung.

Ein weiteres Tool von FemaleAct, das derzeit in Entwicklung ist, ist der Kalkulator. Mithilfe dessen können bei Gegenverhandlungen Kosten aufgezeigt werden, die durch Proben ausserhalb regulärer Betreuungszeiten entstehen. So kann darauf hingewirkt werden, dass bei der Gestaltung von Probeplänen auf die Vereinbarkeit von beruf und Familie geachtet wird – oder aber, dass in Gagen Ausgaben für Kinderbetreuung berücksichtigt werden. Darunter fällt auch das Gebot, dass Probezeiten nicht geteilt werden sollen, was an Stadttheatern noch sehr gängig ist, da das Familienunfreundlich sei. Es soll dafür eigens eine App entwickelt werden. Der Kalkulator dient als Übersetzung und wird als Tool nach interner Testung bald veröffentlicht werden.

Ensemble Magazin bedankt sich bei FemaleAct für das spanndende Interview und ihre wertvolle Arbeit!

 

 

 

Selbstverwirklichung durch mutige Entscheidungen

Danielle Brunner ist Balletttänzerin und wurde ausgebildet an der Ballettberufsschule in Zürich und später an der Howard School in New York. Sie ist nicht nur diplomiert in Tanz , sondern auch in Eiskunstlauf, als Lehrerin und als Choreografin. Bei ihrer Berufswahl hat sie sich für Ballett, Jazz, Contemporary, Gesang und Musical entschieden. Schon immer übte die Kombination von Tanz, Gesang und Schauspiel als mehrdimensionale theatrale Realität eine ganz eigene Faszination auf Brunner aus.

Danielle Brunner war ursprünglich Tänzerin am Ballett Theater Basel unter der Leitung des renommierten Schweizer Choreographen und Produzenten Heinz Spoerli. Sie nahm an seinen regelmässig stattfindenden Auditionen in den USA teil und wurde aus 600 Kandidat*innen von ihm ausgewählt. Manuela Rigo selber hat Brunner, als sie Teil des Ensembles war zwischen 1983 und 1985 , mehrmals auf der Bühne des Theater Basels erlebt. Ein Unfall während der Proben war der Grund für ihren Abschied von der Bühne als Tänzerin. Nach diesem negativen Ereignis nahm sie eine Gesangs- und Schauspielausbildung auf, um sich kopfüber in die Welt der Musicals zu stürzen. Sie wurde in berühmten Musicals wie „Cats“, „Das Phantom der Oper“, „The Chorus Line“ und vielen anderen eingesetzt, in denen sie wichtige Rollen gespielt hat. In Wien lernte sie bei einer Musicalaufführung Nikolaus Bohlen kennen, der ihr späterer Ehemann wurde.

1995 gründete sie ihre Schule „The Moving Factory“, die bis 2017 in Locarno und derzeit in der Fabbrica in Losone ansässig ist. Eine Allround-Tanzschule, denn sie bietet ihren Schülern sehr interessante Ausbildungskurse an: klassischer Tanz, Jazztanz, zeitgenössischer Tanz, Hip Hop, Akrobatik, Gesang und Schauspiel, wesentliche Elemente für die Musical-Ausbildung. Sie bietet ihren Schülern auch die Möglichkeit, sich auf die Prüfungen für klassischen Tanz der Royal Academy of Dance of London und die Prüfungen für Musiktheater der LAMDA (The London Academy of Music & Dramatic Art) vorzubereiten, beides renommierte britische Akademien. Viele ihrer Schüler haben dann tatsächlich den Tanz und Gesang zu ihrem Beruf gemacht.

Interview von Manuela Rigo

Wie bist du als Tanzlehrerin ins Tessin gekommen und warum ins dahin, wo du bereits Karriere als Tänzerin im Ausland gemacht hast?

Vorerst wegen des warmen Klimas und der schönen Regionen im Kanton, es war ein idealer Ort für meine Familie. Meine Mutter, Beatrice Brunner, hatte bereits in den 1970er Jahren ihre Ballettschule in Locarno eröffnet. Als sie sich zur Ruhe setzte, eröffnete ich meine Schule mit weiteren Vorschlägen und entwickelte meine Vision einer Vorschulung für junge Tanzaspirant*innen.

Wie bist du bei der Einführung der RAD-Methode an den Unterricht herangegangen? (RAD: Königliche Akademie für Tanz in London)

Als ich mit meiner Tochter Kimberly schwanger wurde, ging mein Wunsch in Erfüllung, ins Tessin zu ziehen. Es war 1995, und kurz darauf beschloss ich, eine Lehrerausbildung nach der Methode der Royal Academy of Dance in London zu machen. Ich habe mich für die englische Methode entschieden, weil sie die psychophysische Entwicklung des Kindes sehr respektiert.  Darüber hinaus ist die R.A.D. Methode sehr gut strukturiert, sie identifiziert und betont das Talent jeder einzelnen Tänzerin und bringt seine schönsten persönlichen Eigenschaften zur Geltung. Ich finde diesen Aspekt sehr wichtig, gerade weil er die Möglichkeit bietet, sich der Disziplin des Tanzes auf eine freudige, ausgeglichene und kreative Weise zu nähern. Es ist hervorzuheben, dass die Methode auch eine vollständige professionelle Ausbildung für diejenigen bietet, die den beruflichen Weg für Tänzer verfolgen wollen, indem sie die „Berufsprüfungen“ bis zum Solo Seal Level ablegen.

Wie würdest du die Realität des Ballettunterrichts im Tessin definieren, wenn man bedenkt, dass nicht alle Tanzschulen in der Region über qualifizierte Lehrer verfügen?

Ich denke, man findet in der ganzen Schweiz unqualifizierte Lehrer. Meiner Meinung nach gibt es ein grundsätzliches Problem: viele Eltern wissen nicht, dass es schweizweit Danse Suisse und im Tessin die AFPDanza (Associazione Formazione Professione Danza) gibt. Beide Verbände erkennen nur qualifizierte Lehrkräfte an. Es ist die Aufgabe des Kantons, Schulen mit qualifizierten Lehrkräften anzuerkennen. Anhand dieser Information können die Eltern eine Tanzschule auf sicherere Weise auswählen.

Es macht wenig Sinn, eine Berufsschule zu gründen, wenn die Realität des Berufes nicht existiert.

Glaubst du, dass das Tessin und seine Institutionen wie das DECS bereit sind, eine Ausbildung für Tänzer anzubieten?

Es macht wenig Sinn, eine Berufsschule zu gründen, wenn die Realität des Berufes nicht existiert. Für die Zukunft eines jeden angehenden Tänzers ist es wichtig, eine professionelle Ausbildung zu absolvieren, bei der man direkt mit der Kunst in Berührung kommt. Das ist an professionellen Schulen der Fall, beispielsweise die Mailänder Scala. Studenten des letzten Jahres haben die Möglichkeit, an den Produktionen der Theaterkompanie mitzuwirken – das gleiche gilt in noch stärkerem Maße für die Produktionen der Musicals. Diese Realität gibt es im Tessin nicht, dennoch glaube ich, dass sich der Tanz im Tessin stark ausbreitet und dass es mehrere Schulen gibt, die den vorberuflichen Weg anbieten, wir bewegen uns also in die richtige Richtung. Denn die Talente, die professionell ausgebildet werden sollen, kommen alle aus den Amateurtanzschulen. Dort muss der Unterricht durch qualifizierte Lehrkräfte gewährleistet werden, nur so ist die Zukunft der Ausbildung gesichert.

Deine Schule „The Moving Factory“ bietet im Rahmen der Musical-Ausbildung einen begehrten Weg im Ballett, und ich weiß, dass mehrere deiner Schüler ins Ausland gegangen sind, um ihre Ausbildung fortzusetzen.

Ich bin glücklich, weil 25 meiner Schüler im Ausland arbeiten und sich beruflich weiterbilden. Ich denke, dieses Ergebnis bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Im September 2021 hat das Ausbildungsprogramm „Musical Factory“ in Luzern begonnen. Arbeitet deine Schule mit diesem Programm zusammen?

Ich bin mir dessen bewusst, es ist eine berufliche Richtung, die ich denjenigen vorschlage, die sich nicht zu weit von zu Hause entfernen wollen. Als „Musical Factory“ stehe ich in Kontakt mit der Schule, und wenn dies als eine Form der Zusammenarbeit verstanden werden kann, dann kann ich das bejahen. Bisher haben sich meine Schüler für das Ausland entschieden, für Städte wie London, wo Tanz und Musicals die Realität sind.

Ich habe gesehen, dass deine Schule „The Moving Factory“ durch die Teilnahme einiger Schüler an Tanzwettbewerben in der Schweiz, in Deutschland und in Italien grosse künstlerische Anerkennung erhält.

Ja, wir haben uns bei mehreren Wettbewerben in der Schweiz, in Deutschland und in Italien qualifiziert und die ersten drei Plätze erreicht. Ich freue mich, dass diese Erfolge in den Bereichen Ballett, Zeitgenössischer Tanz und Hip Hop erzielt wurden.

Es ist immer die Leidenschaft der Schüler, die die Dinge am Laufen hält, auch bei den Eltern.

Du hast an deiner Schule einen speziellen Kurs für deine begabten Schüler eingerichtet. War es einfach, den Eltern diese Botschaft zu vermitteln und wie sehen sie die Zukunft ihrer Kinder in der Kunst?

Im allgemeinen beginne ich damit, zu beurteilen, wie motiviert ich die Schüler*innen sehe. Gerade weil sie mehrere Stunden pro Tag und Woche in Anspruch nimmt sind die Motivation und die Einstellung zur Disziplin Tanz sehr wichtig. Die Eltern folgen, begleiten und unterstützen ihre Kinder bei ihren Entscheidungen. Es ist immer die Leidenschaft der Schüler, die die Dinge am Laufen hält, auch bei den Eltern.

Im Tessin müssen wir auf Finanzhilfen und die Anerkennung als berufsvorbereitende Schulen bestehen und sicherstellen, dass wir Schulen unterstützen, die ihren Schülern den Zugang zu den besten Berufsschulen bescheinigen können.

Was muss deiner Meinung nach im Tessin getan werden, um die Realität des Tanzes im Allgemeinen zu verbessern?

Im Tessin müssen wir auf Finanzhilfen und die Anerkennung als berufsvorbereitende Schulen bestehen und sicherstellen, dass wir Schulen unterstützen, die ihren Schülern den Zugang zu den besten Berufsschulen bescheinigen können. Erst dann kann der Kanton entscheiden, welche Schulen er finanziell unterstützt. Eine Schule, die einen berufsvorbereitenden Bildungsgang anbietet, benötigt finanzielle Unterstützung, um ihre qualifizierten Lehrkräfte, die oft aus dem Ausland kommen, bezahlen zu können.

Ensemble bedankt sich für dieses Gespräch zwischen Manuela Rigo und Danielle Brunner.

AHV21 – Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben

Von Sarah Schaub
Frauen sollen mit einem Jahr mehr Arbeit helfen, die AHV zu finanzieren. Besonders hart trifft das jene, die bereits in der zweiten Säule benachteiligt und die – wie viele Schauspielerinnen – neben ihrem eigentlichen Beruf auf Nebenerwerbstätigkeiten angewiesen sind.

  • Am 25. September wird in der Schweiz über die Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre sowie über eine Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer abgestimmt. Die beiden Vorlagen sind aneinander gekoppelt. Nur, wenn beide angenommen werden, kommt die Revision zustande.
  • Durch die Erhöhung des Frauenrentenalters sollen 1,4 Milliarden Franken eingespart werden. Diese Einsparung geht zu Lasten der Frauen, die so ein Jahr weniger Leistung beziehen können.
  • Frauen werden vom Rentensystem in der Schweiz ohnehin schon benachteiligt, da sie aufgrund von unbezahlter Care-Arbeit sowie Lohndumping Lücken in ihrer Altersvorsorge haben. Sie erhalten im Schnitt rund ein Drittel weniger Renten als Männer.

Ein Jahr länger zahlen, ein Jahr weniger beziehen – Frauen sind doppelt getroffen

Die Finanzierung der AHV ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die Lebenserwartung steigt, während gleichzeitig nicht mehr einbezahlt wird. Dieses Problem soll nun gelöst werden, indem das Referenzalter für Frauen schrittweise um ein Jahr auf 65 erhöht wird. Das soll der AHV 1,4 Milliarden Franken einsparen. Für Frauen, die bei einer Annahme der Initiative ein Jahr länger arbeiten müssten, würde das gleichzeitig ein Jahr weniger Versichertenleistung bedeuten.

Die Benachteiligung durch die zweite Säule wird damit in der ersten Säule, der AHV, noch verstärkt. In die AHV fliessen 8,7 Prozent des Lohnes, während in die Pensionskasse 14 Prozent fliessen. Die AHV wird auf den gesamten Lohn erhoben. Auf den von der Pensionskasse versicherten Lohn fällt ein pauschaler Koordinationsabzug von rund 25’000 Franken an. Für Teilzeit oder im Niedriglohnbereich Arbeitende ist das benachteiligend, denn bei kleinem Einkommen fällt der Abzug viel schwerer ins Gewicht.

Frauen sind davon weitaus häufiger betroffen als Männer, da an sie jahrzehntelang der Anspruch gestellt wurde, die gemeinsamen Kinder unentgeltlich und auf Kosten ihrer Karriere zu betreuen. Sie sind dann auf eine Querfinanzierung durch ihren Partner angewiesen. Dieses klassische und veraltete Konzept kann aufgehen, sofern Paare sich nicht trennen.

Darstellende Künste: Kaum Geld für die zweite Säule

Das Problem liegt in der systematischen Diskriminierung. Insbesondere für die Frauen in den darstellenden Künsten ist die Situation besonders prekär. 58 Prozent gaben bei einer Umfrage des Schweizer Syndikat Film und Video (SSFV) ein Jahreseinkommen von bis zu 30’000 Franken an. Das bedeutet, dass viele zum Überleben noch anderen Erwerbstätigkeiten nachgehen müssen, sofern sie nicht privat unterstützt werden. Schauspielerinnen verdienen im Durchschnitt 23,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Der Schauspielmarkt wird ausserdem für weibliche Personen im Alter zusehends dünner. Es fehlen die Rollen für alte Frauen. Sie wurden und werden in Schauspielstücken und Filmen ungenügend repräsentiert. Obschon die überwältigende Mehrheit der Frauen (98 Prozent) eine Schauspielausbildung absolviert und dementsprechend viel investiert hat, kommt nur eine Minderheit allein davon über die Runden. Obschon die Umfrage des SSFV dazu keine gesicherten Aussagen macht, legt sie nahe, dass Frauen im Alter viel häufiger aus dem Schauspielberuf ausscheiden als Männer.

Wer freischaffend tätig ist, hat aufgrund des grossen unbezahlten administrativen Aufwands per se schlechte Aussichten auf eine gesicherte Altersvorsorge. Einige haben das Privileg, dass sie ihre Arbeit weiterhin ausüben und damit ihre Rente aufbessern können. Aber viele müssen branchenfremden Tätigkeiten nachgehen, um ihre Miete bezahlen zu können.

Ein Blog zum Theaterfestival Basel

Das Kulturmagazin Frida hat sich die Mühe gemacht, parallel zum Theaterfestival Basel einen Blog zu betreiben. Darin gibts kurze Eindrücke, Atmosphäre und einige Highlights für alle, die nicht selbst ans Festival können.

Ein Auszug

„Das neue Festivalzentrum auf der Kasernenwiese gibt bei den Gästen zu reden. 200’000 Franken habe der Bau gekostet. 10’000 Franken koste der Auf- und Abbau. Der Pavillon soll in Zukunft auch von anderen Kulturinstitutionen und Festivals genutzt werden können. Das könne sich ja kaum ein anderer Veranstalter leisten, wird moniert … “
Weiterlesen? Hier gehts zum Frida Magazin und zum Blog

Kommentar AHV21: Die Lüge von der Gleichstellung

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten – so argumentieren die Befürworter der AHV-Reform bei der Erhöhung des Rentenalters für Frauen. Das wirkt auf den ersten Blick ja eigentlich logisch.

Wenn du aber dein Leben lang im Durchschnitt mindestens 10 Prozent weniger verdient hast als das andere Geschlecht, wohlgemerkt bei gleicher Anstellung und gleicher Ausbildung, wenn du dazu noch den grössten Teil der Care-Arbeit für Kinder, pflegebedürftige Eltern oder andere Angehörige geleistet hast, unbezahlt natürlich, dann bist du mit 99 prozentiger Sicherheit eine Frau. Wenn deine Rente aufgrund deiner Biografie ein Viertel tiefer ist als der Durchschnitt der Männerrenten, bist du eine Frau. Wenn deine zusätzliche Absicherung, also deine 3. Säule, schwächer ist als im Durchschnitt der Bevölkerung, weil du wegen Familie und fehlenden Teilzeitangeboten weniger einzahlen konntest, bist du ganz sicher eine Frau.

In den darstellenden Berufen siehts sogar noch etwas übler aus. Laut einer Studie des SSFV (Schweizer Syndikat Film & Video) beträgt der Gender Pay Gap bei Schauspielerinnen ganze 23 Prozent.  (Hier zu den zusammengefassten Ergebnissen der Studie).

Die Befürworter der AHV-Reform, über die wir  abstimmen, argumentieren mit einem Vorgehen gegen ein „veraltetes Rollenbild“:

Zitat:
Das Referenzalter der Frauen wird an jenes der Männer angepasst. Dadurch kann das System, welches sich auf ein veraltetes Rollenbild stützt, modernisiert werden. Die Anpassung des Referenzalters erfolgt schrittweise und bringt der ersten Säule jährlich rund 1,4 Milliarden Franken 2032 ein.

Das wäre ja löblich, wenns nicht einfach, sorry, Bullshizzle wär.  Die AHV 21 erhöht die Pflichten der Frauen, ohne die empirisch bestehenden Nachteile zu berücksichtigen. Wir können gerne über eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen verhandeln, wenn sie vor diesem Rentenalter, in ihren ganzen Leben, auch gleichwertig behandelt wurden und verdient haben. Das Pseudo-Argument der „veralteten Rollenbildern“ zieht erst, wenn wir vor den Pflichten auch die Rechte angeglichen haben, sonst sind Frauen doppelt benachteiligt.

Um es in Zahlen zu verdeutlichen: Frauen erhalten bereits heute ein Drittel weniger Rente als Männer. Mit AHV 21 soll auf ihre Kosten gespart werden. Damit verlieren die Frauen zusätzlich ein Jahr AHV-Rente – das bedeutet rund 26’000 Franken weniger Einkommen im Alter. Nachdem Frauen durch Benachteiligung bei den Salären und durch unbezahlte Care-Arbeit bereits jetzt schon bestraft werden, würde die AHV 21 diese Situation noch verschlimmern.

Da bleibt einem die Aussage zu „veralteten Rollenbildern“ der Befürworter im Halse stecken. Das Perfide daran ist, dass es sich auf den ersten Blick durchaus logisch anhört. Und viele werden dann auch nicht weiter darüber nachdenken.  Ich hoffe, ihr tut das und erklärt es eurem Umfeld.

 

Marketing für Künstler*innen – ein Buchtipp

Wie können kreative Einzelne, aber auch Institutionen und Initiativen des Kulturlebens ihr Werk und ihr Anliegen wirkungsvoller kommunizieren und sich im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Ressourcen behaupten?

Marketing für Künstler*innen – eine Angstdisziplin wird in diesem Buch zum spannenden, kreativen Projekt.

Ina Roß, Dozentin für Kulturmanagement

Viele Künstler*innen verdanken Ina Roß konkrete Hilfe bei den einschüchternden Herausforderungen von Marketing, Finanzierung und Selbstorganisation. Im Sommer 2022 wird ihr erfolgreiches Buch mit dem Titel „Wie überlebe ich als Künstler*in? – Eine Werkzeugkiste für alle, die sich selbst vermarkten wollen“ in einer aktualisierten und stark erweiterten Neuausgabe vorliegen. Die Autorin zeigt Künstler*innen, wie sie ihre eigene Kreativität einsetzen können, um für sich zu werben. Mit Guerilla-Marketing statt Hochglanzästhetik, Crowdfunding statt Großsponsoren. Das klassische Handwerkszeug wird ebenso behandelt wie der Einsatz von Social media. Interviews mit Journalist*innen, Internet-Meinungsmacher*innen und Künstle*innen, die im Netz ihren Markt finden, geben Inspiration und praktische Anregungen. „Do it yourself“ ist die Botschaft: Nicht Infografiken erwarten die Leser*innen, sondern Strichmännchen.

Guerilla-Marketing statt Hochglanzästhetik, Crowdfunding statt Großsponsoren.

Ina Roß ist freiberufliche Dozentin für Kulturmanagement und Organisatorische Praxis in der Kunst, Beraterin und Coach für Kultureinrichtungen und Künstler*innen. Daneben unterrichtet sie  an Hochschulen wie der Universität des Saarlandes, Hochschule der Bildenden Künste Saar oder der Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig. Ihre Lehrtätigkeit greift auf ihre eigene langjährige Arbeit im Kulturbereich und in der Künstler*innenausbildung ebenso zurück wie auf breitgefächerte internationale Erfahrungen.

Das Buch gibt es hier zu kaufen.

 

„The Case You“ gibt Schauspieler*innen eine Stimme

Ensemble hat sich mit Aileen Lakatos (26) aus Basel getroffen, die im Film „The Case You“ (2020), einem Deutschen Dokumentarfilm über Machtmissbrauch in der Casting-Szene, die eine der Protagonistinnen spielte.

Die Regie führte Alison Kuhn. Im Film geht es vorwiegend darum, dass sich fünf Teilnehmerinnen bei einem Regisseur für ein Casting angemeldet und dort systematische, teils sogar sexuelle Gewalt erfahren haben. Auch Lakatos wurde ungewollt angefasst von einem Spielpartner, der diese Anweisung erhalten hatte und der Regie demnach Folge leistete. Dies wurde auch aufgezeichnet und das Material anschliessend für einen Film verwendet. Dessen Inhalt handelt davon, wie weit junge Frauen tatsächlich gehen, um eine Rolle zu bekommen – quasi als reale Dokumentation.

Nach diesem grenzüberschreitenden Erlebnis hat sich Lakatos einen Anwalt gesucht – der Film „The Case You“ dokumentiert dies bis zum Gerichtsprozess. Es handelt sich um einen fiktionale Dokumentation, da der Film im Nachhinein gedreht wurde und geht um die, sehr verbreiteten, Grenzüberschreitungen seitens Regie. „The Case You“ solle vor allem eine Diskussion anstossen, betont Lakatos. „Anfangs als ich mit meinem Fall an die Öffentlichkeit ging, war die Reaktion immer dieselbe: Was, das passiert tatsächlich in der Schweiz? Der Film soll aufzeigen, dass wir sehr ähnliche Problematiken haben wie in anderen Ländern, darunter zum Beispiel hierarchische Strukturen.Täter und Täterinnen haben es einfach gegenüber Schauspieler*innen und Crew-MitgliederInnen bezüglich Machtmissbrauch. Es geht in erster Linie darum, zu sensibilisieren und aufzuzeigen, dass es das eben auch in unserem Land gibt. Wir wollen auch sagen: Jetzt muss etwas getan werden, wir schauen hin!

„Es ist 2022 und wir als SchauspielerInnen und andere haben eine Stimme!“

Aileen Lakatos, Schauspielerin

Dieser Gerichtsfall sei der erste, bei dem es ein solches Urteil in der Schweiz gegeben hat, meint Lakatos. Dies ist als deutliches Zeichen zu begreifen, insbesondere für all diejenigen, die mit ihrer Macht- und Grenzüberschreitung noch immer spielen. „Es ist 2022 und wir als SchauspielerInnen und andere haben eine Stimme!“, beteuert Lakatos und will damit ermutigen, zur Tat zu schreiten. Lakatos sah sich anfänglich mit Skepsis konfrontiert, auch aus dem eigenen Umfeld. Sie hatte mit der Angst zu kämpfen, dass sie keine Anstellung mehr finden würde, wenn sie den Fall publik macht. Aber sie war sich schnell sicher, dass sie sich nur noch Arbeitgeber aussuchen würde, die damit kein Problem haben und die Grenzen der Schauspieler*innen respektieren.

„Ein Nein, soll man nie hinterfragen. Nicht alle sind genügend privilegiert, um in jeder Situation nein sagen zu können, wenn viel an diesem Entscheid dranhängt. Ein Nein sollte kein Privileg mehr sein, man sollte geschützt werden.“

Kasia Szustow, Intimitätskoordinatorin

Lakatos ist sich bewusst, dass sie die aus einer privilegierten Position sagen kann, da sie auf die Schauspielerei nicht finanziell angewiesen ist. Kasia Szustow, eine Intimitätskoordinatorin, Iiess an einem Panel verlauten: „Ein Nein, soll man nie hinterfragen. Nicht alle sind genügend privilegiert, um in jeder Situation nein sagen zu können, wenn viel an diesem Entscheid dranhängt. Ein Nein sollte kein Privileg mehr sein, man sollte geschützt werden.“ Bezüglich der Solidarität unter Schauspieler*innen meint Lakatos: „Ich finde wichtig, dass man für sich und andere einsteht! Der Film ist aber kein Appell an Schauspieler*innen, die sich wehren sollen – sondern an die TäterInnen, dass es mit solchen Übergriffen vorbei ist! Bei einer Person, die Opfer wurde, fragt man nicht, warum der Übergriff geschehen ist.“

„Ich finde wichtig, dass man für sich und andere einsteht! Der Film ist aber kein Appell an Schauspieler*innen, die sich wehren sollen – sondern an die TäterInnen, dass es mit solchen Übergriffen vorbei ist! Bei einer Person, die Opfer wurde, fragt man nicht, warum der Übergriff geschehen ist.“

Aileen Lakatos

Der Film wurde global an verschiedenen Festivals gezeigt, ua. Am IDFA: International Documentary Filmfestival Amsterdam, Filmfestival Max Ophüls in Saarbrücken, HER-Docs Festival in Warschau , in Indien, Südkorea, Afrika, Brasilien und das Goethe-Institut hat ihn zusätzlich in verschiedenen europäischen Ländern gezeigt. In der Schweiz wurde der Film zweimal im Kosmos in Zürich gezeigt, wo viele Leute aus der Branche eingeladen wurden. Im Streaming ist der Film leider noch nicht verfügbar.

Es geht  Lakatos primär um die Bewusstheit um die Problematik, die verbreitet werden soll. Darunter fallen auch die ZhdK als wichtige Institution und Ausbildungsstätte, aber auch andere, teilweise  technische Bereiche wie das SA-Institut, Multimedia Production etc., überall da, wo Filmschaffende wirken. Aber auch an Theatern, solle ab sofort aktiv über Machtmissbrauch und hierarchischen Strukturen sensibilisiert werden. Beim Film sei die Situation bereits fortschrittlicher als im Theater. Immerhin existiere aber der Diskurs und immer mehr Vernetzungen werden geschaffen, unter anderem durch den Verband SzeneSchweiz. Die Geschäftsleiterin Salva Leutenegger sei eine der ersten Personen gewesen, die Lakatos zu diesem Thema ernstgenommen habe und für einen Teil der Gerichtskosten aufgekommen ist. Lakatos war nebst den anderen Betroffenen das einzige Mitglied von SzeneSchweiz und konnte deshalb profitieren.

Was sind die einzelnen Schritte für Betroffene? Die einzelnen Schritte bis zum erfolgreichen Abschluss eines Falls brauchen einiges an Zeit und Geduld. Man müsse die Problematik erst realisieren und dann mit einem geeigneten Verband der darstellenden Künste in Verbindung treten. Dafür kommen nebst SzeneSchweiz für die Beratung, Unterstützung und den Rechtsschutz für Mitglieder auch andere Plattformen infrage. Lakatos betont, dass es wichtig ist, sich zu vernetzen, da man alleine nicht viel erreichen kann. Das Schweizerische Rechtssystem sei eher nicht auf Betroffene ausgerichtet, empfindet sie. „Es entstehen noch mehr Hürden und die Hemmung vor dem Handeln wächst zusätzlich.“

Lakatos hat extra ein Crowdfunding gestartet, da sie sich einen Prozess nicht hätte leisten können. FemaleAct war dafür sehr wichtig, als Mitglied könne man von der Organisation profitieren. SzeneSchweiz sei hingegen auch sehr aktiv bezüglich Prävention, vor kurzem wurde vor einem Casting in Thailand gewarnt, was sehr hilfreich war. „Genau so sollte Prävention laufen!“, meint Lakatos erfreut dazu. Der Film „Achtung, Casting“ des verklagten Regisseurs (Name der Redaktion bekannt) wurde letztendendes zwar produziert, jedoch konnten Lakatos einfordern, dass sie und die anderen Betroffenen darauf vollständig gelöscht werden. Aber kritisch ist dennoch, dass der Film erscheinen wird, meint sie dazu. Die Übergriffe konnte Lakatos nach drei Monaten nicht mehr zur Anzeige bringen, das Urteil ist aber belegt und die Persönlichkeitsklage wurde gewonnen. Sie hätte ihren Spielpartner anzeigen sollen, aber sie kannte ihn persönlich und zudem hatte er schlicht die Regie befolgt und wurde dabei unwissentlich selbst manipuliert. Das ganze sei ein penibel angelegtes Experiment gewesen.

Weiterführende Informationen hier.

Zürichs 5. Jahreszeit – Theater Spektakel

Das Zürcher Theater Spektakel wurde 1980 als internationales Treffen freier Theater gegründet. Rasch hat es sich zu einem kulturellen Anlass mit internationaler Anziehungskraft entwickelt. Heute ist es eines der wichtigsten europäischen Festivals für zeitgenössische Formen der darstellenden Künste.

Eine konsequente, künstlerisch hoch stehende Programmation, die einzigartige Atmosphäre und ein aufgeschlossenes, interessiertes Publikum in grosser Zahl sind die Basis der Erfolgsgeschich­te und machen das Theater Spektakel zu einem gefragten Auftrittsort von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt.

Im Zusammenspiel mit dem Programmangebot machen sie das Zürcher Theater Spektakel zu einem lebendigen attraktiven Kulturfest, an dem sich die Open-Air-Saison noch einmal von ihrer schönsten Seite zeigt.

Das Festival dauert 18 Tage und findet vom 18. August bis 9. September 2022 auf der Landiwiese statt. Das parkartige Gelände direkt am Zürichsee umfasst bis zu acht eigens errichtete Spielstätten unterschiedlicher Grösse. Darüber hinaus werden die Werfthalle sowie die Bühnen des Kulturzentrums Rote Fabrik bespielt. Aufführungen unter freiem Himmel, frei zugängliche Installationen und künstlerische Interventionen auf dem Gelände sowie die festivaleigenen Restaurants und Bars lassen die Landiwiese während des Festivals zu einem weit über Zürich hinaus reichenden Anziehungspunkt für Kulturinteressierte und Nachtschwärmer werden. Im Zusammenspiel mit dem Programmangebot machen sie das Zürcher Theater Spektakel zu einem lebendigen attraktiven Kulturfest, an dem sich die Open-Air-Saison noch einmal von ihrer schönsten Seite zeigt.

Die Programmleitung des Festivals lädt jährlich rund 40 Gruppen oder Einzelkünstlerinnen und -künstler aus der ganzen Welt ein, deren Arbeiten durch inhaltliche Relevanz, formale Eigenständigkeit, innovativen Charakter und künstlerische Ambition überzeugen. Ein Teil des Budgets steht für festivaleigene Produktionen oder Koproduktionen zur Verfügung. Dabei werden Projekte bevorzugt, die in einem engeren Zusammenhang mit dem Festival stehen.

Das Festival wird von einem Dreierteam geleitet, bestehend aus:

Veit Kälin, Technische Leitung (seit 2015)

Matthias von Hartz, Künstlerische Leitung (seit November 2017)

Sarah Wendle, Kaufmännische Leitung (seit 2020)

Eine Übersicht der Mitarbeitenden in den verschiedenen Bereichen finden Sie hier.

Das Zürcher Theater Spektakel ist eine Kulturinstitution der Stadt Zürich und wird grosszügig unterstützt von den Hauptpartnern Zürcher Kantonalbank, Swiss Re und Kanton Zürich sowie dem Tages-Anzeiger als Medienpartner.

Förderlandschaft und Nachhaltigkeit? Mathias Bremgartner im Gespräch

Ensemble hat Mathias Bremgartner, den Leiter von m2act getroffen, das Förder- und Netzwerkprojekt für die Darstellenden Künste des Migros-Kulturprozent.

Bremgartner selbst hat einen Hintergrund in Dramaturgie und Produktionsleitung in der freien Szene, gleichzeitig hat er an der Universität Bern Theaterwissenschaften studiert, dort assistiert und doktoriert – er versteht diese Grundbildung als den „systematischen Zugriff“ auf seinen beruflichen Bereich. Vier Jahre hat er in der Theater- und Tanzkommission der Stadt Bern gearbeitet und dort das Förderbusiness kennengelernt. Diese drei Punkte in seiner Laufbahn haben ihn dann zu Migros-Kulturprozent gebracht, wo er Experte für die darstellenden Künste ist.

Die Frage war, wie man in der Praxis mehr Fairness und ökologische Nachhaltigkeit im Theater generieren könne.

Bremgartner verantwortet aktuell das Projekt m2act, das er vor drei Jahren neu aufgegleist hat. Er und sein Team haben sich an den Bedürfnissen der Szene orientiert – das Thema einer fairen Praxis im Arbeitsalltag der darstellenden Künste war zu diesem Zeitpunkt schon sehr präsent und somit zentraler Teil des Projekts. Die Frage war, wie man in der Praxis mehr Fairness und ökologische Nachhaltigkeit im Theater generieren könne. In der Schweizer Förderlandschaft gibt zudem keine Förderung für Projekte, die wie dieses „hinter der Kulisse“ wirkt und die Strukturen nachhaltig verbessern und verändern kann.

Der Name ist Programm, es gibt die zwei Standbeine Förderung und Netzwerk. Gefördert und unterstützt wird durch Finanzierung, Vernetzung und das Teilen von Wissen um Prozesse. Der Netzwerk-Teil beinhaltet jährlich zwei Anlässe, einen internen im kleinen Format der dieses Jahr mit der Initiative FAIRSPEC gemeinsam durchgeführt wurde und im Mai im Rahmen des Theaterfestivals auawirleben in Bern stattfand und das grosse Netzwerktreffen m2act@grange-unil, welches am 11. und 12. November 2022 in Lausanne zum Thema Nachhaltigkeit stattfinden wird. Beim Treffen im Mai sind bereits neue fruchtbare Verbindungen entstanden, teilweise haben sich daraus konkrete Zusammenarbeitspläne ergeben. FAIRSPEC hat sich zum Ziel gesetzt, den 2021 erarbeiteten FAIRSPEC Kodex zu teilen und darüber zu diskutieren, wie man ihn umsetzen und daraus Verhandlungsanweisungen ableiten kann.

m2act möchte als Projekt auch selber halten, wofür es spricht und setzt deshalb auf eine faire und hierarchiearme Zusammenarbeit.

Das m2act Team setzt sich zusammen aus Urs Künzi, zuständig für Förderung, die Ausschreibung von Prozessen und die Weiterarbeit mit Projektpartner*innen; Saima Sägesser ist Produktionsleiterin und Verantwortliche für Administration und Organisation.Weiter ist Rebecca Frey für die Kommunikation zuständig und Regula Schrödter ist externe Projektentwicklerin, die als Dramaturgin wirkt und den Förderprozess spiegelt. m2act möchte als Projekt auch selber halten, wofür es spricht und setzt deshalb auf eine faire und hierarchiearme Zusammenarbeit.

„Es ist toll, was bei den Workshops entsteht und es herrscht Aufbruchstimmung“

Mathias Bremgartner

Mit dem Projekt Reflector unterstützt m2act gemeinsam mit dem Migros Pionier Fonds bereits drei Theater im Prozess, als Institution nachhaltiger zu agieren: Das Theater Neumarkt in Zürich, die Kaserne in Basel und das Théâtre Benno Besson in Yverdon-les-Bains. Mit Nachhaltigkeit sind hier insbesondere ökologische Faktoren gemeint, beispielsweise in Bezug auf die Mobilität. „Es ist toll, was bei den Workshops entsteht und es herrscht Aufbruchstimmung“, meint Mathias Bremgartner.

Bremgartner wünscht sich, dass die gesamte darstellende Kunst einen Transformationsprozess durchläuft und die Vorbildfunktion, die dem Theater innewohnt, als Spiegel für die Gesellschaft nutzt. Es sollen neue Modelle auf sowie hinter der Bühne kreiert werden. „Wir müssen auch hier vorausgehen, uns so aufstellen, dass man nachhaltiger werden kann!“, sagt Bremgartner.

„Wir möchten Hierarchien verkleinern, uns auf Augenhöhe begegnen.»

Mathias Bremgartner über die Zusammenarbeit mit FAIRSPEC

Auch Machtmissbrauch ist Thema. Bremgartner ist überzeugt, dass dieses Thema in der Schweiz weniger hör- und sichtbar ist als beispielsweise in Deutschland. Mit FAIRSPEC unterstützt m2act Akteur*innen aus der Szene, die ihr Augenmerk darauf gerichtet haben. „Wir möchten Hierarchien verkleinern, uns auf Augenhöhe begegnen.» Auch in der Beziehung zwischen Geförderten und Förderinstitution existiere ein Ungleichgewicht, man arbeitet mit Geldern. Die grosse Frage für Bremgartner ist: «Wie kann man sich gleichzeitig gemeinsam für etwas entscheiden, ohne in eine Bittsteller*innen-Position zu fallen? Unsere Herausforderung liegt darin, herauszufinden, wie man sich neu begegnen kann“.

m2act ist ein Projekt des Migros-Kulturprozent. Die Direktion Gesellschaft & Kultur des Migros-Genossenschafts-Bundes, wo Bremgartner aktiv ist, konzipiert und setzt schweizweit eigenständig Förderprogramme um, was ein grosser Vorteil ist. Hier können für Projekte Gelder eingesetzt und Neuland betreten werden, wo die öffentliche Hand für Förderung wesentlich weniger flexibel handeln könnte.

Seit zwei Jahren gibt es das Vorhaben namens „Vert le futur“, ein Interessenverein, der sich für mehr Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche einsetzt. Dies geschieht über Sensibilisierungsworkshops oder Veranstaltungen. Ebenfalls wird dafür eine Website mit dem Namen „Tatenbank“ lanciert, die Tipps bezüglich der Umsetzung und Veränderung von nachhaltigen Zielen gibt. Ein weiteres unterstütztes Vorhaben ist die FemaleAct Checkliste für Gleichstellung und Diversität an Schweizer Kulturbetrieben.Bremgartner freut sich über die Entwicklung dieser Prozesse, die er als sehr wichtig erachtet, die verschiedenen Häuser zu sensibilisieren und sie zur Reflexion anzuregen.

Wir danken Mathias Bremgartner für das interessante Gespräch und freuen uns auf eine nachhaltige und positive Entwicklung im Arbeitsalltag der darstellenden Künste.

Tonstudio für Anfänger*innen

Zum neunten Mal: SzeneSchweiz und VPS-ASP präsentieren den Workshop Tonstudio für Anfänger*innen

Das Bedürfnis nach mehreren beruflichen Standbeinen ist gross – sei es bei den Freischaffenden oder auch den festangestellten darstellenden Künstlerinnen und Künstlern.

SzeneSchweiz organisiert zusammen mit der Vereinigung professioneller Sprecherinnen und Sprecher VPS seit 2013 den jährlichen Kurs „Tonstudio für Anfänger*innen“, der sich an alle darstellenden Künstler*innen richtet, die mit ihrer Stimme arbeiten.

Der eintägige Kurs versteht sich als Sprungbrett für alle weiteren Schritte in den Beruf als Sprecherin oder Sprecher. Mit der Arbeit an Kommentar- und Werbetexten können neue oder auch ergänzende Erfahrungen am Mikrofon gesammelt werden. Ganz ohne Druck, ein pfannenfertiges Ergebnis abliefern zu müssen.

Irina Schönen und Stephan Lendi (Sprecher und Coaches) unterstützen die Teilnehmenden bei den Aufnahmen, zusammen mit Leoš Gerteis von den NJP Tonstudios. Sie geben Feedback, beantworten Fragen und berichten über die Arbeit als professionelle Sprecher*innen und im Studio.

Datum: Montag 14. November 2022

Termin: 9 – 17 Uhr (eine Stunde Mittagspause)

Kosten: 180.- (subventioniert durch SzeneSchweiz)

Kursort: NJP Studios, Vorderzelgstrasse 7a, 8700 Küsnacht

Anmeldung: info@szeneschweiz.ch oder 044 380 77 77

Anmeldefrist: 31. Oktober 2022

Der Kurs ist auf 8 Teilnehmende beschränkt. Anmeldungen werden nach Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt und gelten ab dem 1. November als verbindlich. Danach werden Annullierungsgebühren erhoben.

PerformersOnStage – Casting-Plattform für Mitglieder

Was ist PeformersOnStage?

PerformersOnStage ist die hauseigene online Casting-Plattform für alle Mitglieder von SzeneSchweiz. Im Gegensatz zu anderen Plattformen wie schauspieler.ch oder castupload.de finden auf PerformersOnStage – wie auch in unserem Berufsverband – alle Darstellenden Künstler*innen Platz, nicht nur Schauspieler*innen. In den Berufssparten Tanz oder Gesang können deshalb z.B. Kategorien wie Tanzstil, Stimmlage und Instrument ausgewählt werden.

PerformersOnStage ist momentan (noch) nicht selbstverwaltet – SzeneSchweiz kümmert sich um deine Anpassungen, neuen Fotos etc. Eine Mail an die Geschäftsstelle reicht und wir passen dein Profil an. Aus diesem Grund kostet die Jahresgebühr für PerformersOnStage CHF 30. In diesem Preis inbegriffen ist auch der Eintrag auf schauspieler.ch (für Schauspieler*innen).

Was bringt mir PerformersOnStage?

Die Plattform ist nicht nur ein Anhang unserer Website. SzeneSchweiz macht mehrmals pro Jahr bei möglichen Arbeitgeber*innen auf PerformersOnStage aufmerksam: Über 400 Fernsehanstalten, TV-Redaktionen, Theater und Bühnen, Filmproduktionsgesellschaften, Besetzungs- und Castingbüros, Regisseurinnen, Intendantinnen und Choreografen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhalten Zugang zu PerformersOnStage.

Per Zufallsgenerator wird dein Profil auch auf den sozialen Medien, in unserem Newsletter und im „Ensemble Online“ publiziert.

Wichtig: SzeneSchweiz darf dein Profil nur mit deiner ausdrücklichen Einverständniserklärung publizieren. Bist du dir nicht sicher, ob du deine Einverständniserklärung für dein Profil bei uns deponiert hast? Dann schreibe uns kurz eine Mail auf info@szeneschweiz.ch

In der Rubrik „5 letzte Engagements“ haben deine fünf wichtigsten, liebsten oder erfolgreichsten Produktionen Platz. Separat von der chronologischen Vita und als Hervorhebung deines Profils. Hier findest du ein Beispiel.

Wie anmelden?

Du bist Mitglied von SzeneSchweiz, aber noch nicht auf PerformersOnStage registriert? Dann melde dich gerne hier an.

Alle weiteren Infos zur Plattform gibt es ebenfalls auf unserer Website.

 

Locarno Film Festival 2022

Das Locarno Film Festival ist das wichtigste Filmfestival der Schweiz und gehört zu den renommiertes­ten in Europa. Es findet vom 3. bis 13. August statt. Eine Vielzahl von Filmen werden an den vier Wettbe­werben präsentiert: Concorso Internazionale, Cineasti del Presente, Pardi di Domani und First Feature.

Das Herz des Festivals ist die all­abendliche Filmvorführung auf der schönen Piazza Grande, die sich in das “allerschönste Open-Air-Kino” verwandelt. Produzenten, Regis­seure und Schauspieler, die nach Locarno kommen, um ihre Filme zu präsentieren, schweifen über den roten Teppich und geben dem Festi­val einen Hauch von Glamour. Ausser auf der Piazza Grande finden in 13 weiteren Kinos der Stadt Vorführungen statt, darunter in diesem Jahr auch im Cinema Otello in Ascona.

Im Jahr 2022 feiert das Locarno Film Festival sein 75-jähriges Bestehen mit einem Programm, das auch Initiativen zur Geschichte des Festivals und neue Projekte wie den Pardo Verde WWF, den Green Film Fund und – in Zusammenarbeit mit der Post – die Swiss Crypto Stamp 2.0, eine spezielle Serie von Krypto-Briefmarken, umfasst. Die diesjährige Retrospektive ist Douglas Sirk gewidmet, kuratiert von Bernard Eisenschitz und Roberto Turigliatto.

Exklusiv für SzeneSchweiz-Mitglieder: Netzwerkapéro am 6. August

Der SSFV und SzeneSchweiz organisieren am Filmfestival in Locarno dieses Jahr wieder den beliebten Netzwerkapéro.

Wann: Am Samstag, 6. August 2022 ab 16:30 Uhr
Wo: Wie seit vielen Jahren im Caffé Festival

Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Wir freuen uns auf euch – Ensemble wünscht guten Film-Genuss und schönes Wetter!

Forever Imbricated – wie Marc Streit kulturelle Zukunft umsetzt

Imbricated Real möchte gesellschaftliche Debatten anregen, Gegebenheiten neu denken, Verborgenes sichtbar machen, sowie existierende Wertsysteme durch einen ständigen Dialog mit den beteiligten Menschen radikal umstrukturieren. 

„Bestehende Praktiken müssen erneuert werden und neue Praktiken hinzugefügt werden, damit wir uns gegenseitig unterstützen, unsere Ganzheit zum Ausdruck bringen können. Wir leben in einer aussergewöhnlichen Zeit – oft verwirrend, aber voller Möglichkeiten. Es liegt an uns, einen neuen Weg zu gestalten.“

Ensemble trifft Marc Streit, den Gründer von zürich moves! Festivals, das es seit 2012 gibt. „Am Anfang braucht es diese besondere Kraft für die Vision, die umgesetzt werden soll!“, meint der gebürtige Berner. Die Ausgabe im Jahr 2020 musste aufgrund der Pandemie abgesagt werden und nun folgte diesjährig die 11. Ausgabe. 2021 wurde eigens eine Publikation mit dem Titel homebody herausgegeben, an der 70 Künstlerinnen beteiligt waren. Diese Publikation diente quasi als Ersatz für die üblich gebotene Plattform für Performances. Gestaltet wurde die Publikation von Grafiker Nicolas Schaltender und der Content der KünstlerInnen wurde,zu einem Ganzen kuratiert. Die Publikation zum 10. Jubiläum von zürich moves! wurde von drei Co-KuratorInnen erarbeitet. Darunter Esther Eppstein, sie hat 2021 den Grand Prix Kunst vom BAK gewonnen. Lhaga Koondhor ist in der Musik- und Clubkultur tätig, Cherry-Ann Davis hat den MA Visual Communication an der ZHdK absolviert und Streit selber. Die Entwicklung und Umsetzung der Publikation war ein gemeinsamer Prozess, der auch durch Reflexionen während und über die Pandemie genährt wurde.

Die Entwicklung und Umsetzung der Publikation war ein gemeinsamer Prozess, der auch durch Reflexionen während und über die Pandemie genährt wurde.

Anfang 2021 gründete Marc Streit gemeinsam mit Simone Aughterlony den Verein Imbricated Real. Die Initiative entstand aus dem Wunsch heraus, sich von einem singulären Ansatz für kuratorische und produktionstechnische Aktivitäten zu lösen. Mit einer offenen Vereinsstruktur, einem divers aufgestellten Team und zugänglichen digitalen sowie physisch geteilten Events setzen die Gründer*innen sich zum Ziel, die Vielfalt im Kulturschaffen und im Publikum zu stärken und gleichzeitig alternative, sorgsamere und nachhaltigere Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. Begegnungen, Austausch, Recherche und künstlerische Projekte stehen im Zentrum. 

Begegnungen, Austausch, Recherche und künstlerische Projekte stehen im Zentrum.

Imbricated Real möchte einem vielfältigen Feld von Kulturschaffenden und Publikum eine nachhaltige Struktur bieten und gleichzeitig die Flexibilität bewahren, auf sich verändernde Wünsche und Bedürfnisse sowohl innerhalb der Struktur als auch der künstlerischen Gemeinschaft zu reagieren.Die Überlegungen zu unserem Vorhaben begann lange vor Beginn der Pandemie. Die Realität der Restriktionen, verursacht durch Covid-19, hat uns jedoch darin bestärkt, wirklich zuzuhören, die Bedürfnisse der Kunstszene zu beobachten und kritisch und konstruktiv darauf zu reagieren“, erzählt Streit. „Mit dem ersten Format Forever Imbricated werden Leute zusammengeführt, die die Möglichkeit haben, gegen Bezahlung an einem Prozess zu arbeiten. Dieser Prozess ist aber nicht unbedingt auf ein Endprodukt ausgerichtet, das verleiht dem Ganzen einen eigenen Charakter“.

„Dieser Prozess ist aber nicht unbedingt auf ein Endprodukt ausgerichtet, das verleiht dem Ganzen einen eigenen Charakter.“

Das erste Format Forever Imbricated der neugegründeten Struktur fand seinen Anfang als Carte Blanche in Paris auf Einladung vom Centre Culture Suisse im Dezember 2021. In Paris haben 15 KulturakteurInnen gemeinsam während einer Woche eine Labor-Residenz bestritten. Aughterlony und Streit sind seit Jahren im künstlerischen Dialog und haben auch bereits verschiedene Projekte gemeinsam realisiert. Die beiden Kulturarbeiter*innen sind seit 15-20 Jahren in der darstellende Kunst tätig, insbesondere in Performance und Choreographie. In Zürich haben sie das Festival zürich moves! und Forever Imbricated vereint und zahlreiche Menschen Zeit und Raum für Recherche zur Verfügung gestellt.

Es gab dort auch öffentliche Momente, aber es ging nicht um die Präsentation von neuen Stücken

Gewisse eingeladene Künstler*innen und Aktivist*innen haben während zürich moves! Forever Imbricated im April 2022 eine Residenz gemacht in verschiedenen Institutionen in Zürich, zum Beispiel im Binz 39, im Tanzhaus Zürich, in der Gessnerallee und weiteren. Es gab dort auch öffentliche Momente, aber es ging nicht um die Präsentation von neuen Stücken. Imbricated Real war im Mai 2022 ausserdem auch in Lausanne, dort hat der Verein mit Arsenic zusammen Forever Imbricated weiterentwickelt. Es waren hierfür wiederum 10 Leute involviert, die zusammen 10 Tage verbracht haben um Praktiken zu teilen und gemeinsam zu recherchieren. Themen hierfür sind immer wieder die Sub- und Hochkultur, das Nachtleben an sich, die Clubkultur und temporäre Communities – es geht um die Mechanismen, wie sich solche Spaces, Räume formen, die für temporäre Communities eine Art Zufluchtsort der Kreativität und (künstlerischen) Freiheit darstellen. 

Eine ganzheitliche Praxis erfordert, unbequem zu sein.

Im Januar 2023 wird Forever Imbricated 10 in Basel stattfinden, die Vorbereitungen hierfür laufen bereits. Im Frühling 2023 wird es eine Zusammenarbeit mit l’abdi in Genf geben. Viele Institutionen arbeiten mit Schlagwörtern wie Inklusion und Exklusion, Safe Spaces etc. – aber was heisst das wirklich? Wie setzten wir das in die Praxis um? Solche Fragen werden für die Erarbeitung des Projektes gestellt. Eine ganzheitliche Praxis erfordert, unbequem zu sein. Dies bedingt eine unendliche Neugier und einen Dialog mit ungewohnten Realitäten – eine Konfrontation mit unseren nuancierten Privilegien, unserer Ignoranz und unseren Vorurteilen. „Wir wollen uns die aktuellen Diskurse oder Quoten, die mit marginalisierten Körpern verbunden sind, nicht naiv aneignen, sondern diese Realitäten in unsere Prozesse integrieren und eine Ethik der Fürsorge und Grosszügigkeit praktizieren. Die Kultur ist der Ort, an dem dies vorgelebt werden muss!“, meint Streit.

Kunst kann einen Widerstand gegen homogenisierte Muster des Denkens, Bewegens und Handelns in der Welt bieten.

Imbricated Real hat ein Transformationsprojekt vom Kanton Zürich erhalten, eine Covid Massnahme, die es in allen Kantonen gibt. Gewisse strukturelle Muster werden zur Gewohnheit und verlangen nach einiger Zeit ein Umdenken und eine Neubewertung. Kunst kann einen Widerstand gegen homogenisierte Muster des Denkens, Bewegens und Handelns in der Welt bieten. Auch die GründerInnen haben sich innerhalb bestimmter Denkmuster und Strukturen etabliert und wollen das Transformationsprojekt nutzen, die Arbeitsprozesse zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Wie können Rollen und Funktionen innerhalb einer Organisation stetig getauscht und neu erfunden werden? Inwieweit können wir vorübergehend Unordnung oder sogar Chaos zulassen? Und welche Formen von Solidarität sind möglich, gerade weil wir so unterschiedlich sind? 

Das war immer mein Hauptantrieb – ich möchte Menschen durch meine Tun zusammenbringen.

Wir wollen immer wieder „in Bewegung“ zu bleiben, nicht in Statik verfallen wie es vielen Institutionen aus der freien Szene passiert ist„, meint Streit. Es entstand in den Institutionen zwar auch immer mehr die Idee und Umsetzung von kollektiven Strukturen als Neuerung, die aber nicht immer funktionierte. Man komme immer in ein System, in eine Struktur hinein, die eine eine eigene Systematik hat, meint Streit. „Wir wollen unbedingt den Menschen, die Begegnungen im Fokus haben, das Netzwerk von Leuten, die sich fachlich, mental, künstlerisch unterstützen können. Das war immer mein Hauptantrieb – ich möchte Menschen durch meine Tun zusammenbringen. Gemeinsame Zeit zu verbringen, heisst Grenzen zu erfahren und diese zu erforschen, das ist eine wertvolle Erfahrung.“ 

Danke lieber Marc, für den spannenden Austausch!

Fotokredit: Mattia Dagani Rio

#seinodernichtsein #êtreounepasêtre #essereononessere

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Nach knapp einem Jahr Pilotprojekt #seinodernichtsein ziehen die Initiantinnen, die Schweizerische Interpretenstiftung SIS und SWISSPERFORM, erste Schlüsse und erweitern die Plattform um den digitalen «Vorsorge-Check». Durch die Beantwortung einfacher Fragen zum Thema soziale Sicherheit erhalten Kulturschaffende einen ersten Überblick, wie gut sie im Thema aufgestellt sind und wo es Handlungsbedarf gibt. Zudem ist die Webseite neu auch auf Englisch verfügbar.

«Die Praxis macht deutlich, dass das Portal einem Bedürfnis der Kulturschaffenden entspricht und das Konzept grundsätzlich überzeugt», so Yvonne Dünki, Geschäftsleiterin der SIS. Vor rund einem Jahr haben die Schweizerische Interpretenstiftung SIS und die Gesellschaft für Leistungsschutzrechte SWISSPERFORM das Vorsorgeportal #seinodernichtsein ins Leben gerufen. Das Portal wird anhand der gemachten Erfahrungen und von Rückmeldungen laufend überarbeitet und weiterentwickelt. So wird unter anderem die Kategorie «Fragen & Antworten» auch im Jahr 2022 regelmässig ergänzt.

Das Vorsorgeportal #seinodernichtsein

Das vorerst auf drei Jahre befristete Pilotprojekt #seinodernichtsein möchte die Situation von Künstler*innen durch Prävention nachhaltig verbessern. Um geeignete Massnahmen zu ermitteln, gab die Stiftung im Jahr 2019 ein Forschungsprojekt zur sozialen Sicherheit von Bühnenkünstler*innen in Auftrag. Bestehende Angebote von Bund, Kantonen, Städten, Privatstiftungen sowie Berufs- und Dachverbände wurden ausgewertet und Lücken ermittelt. Die Erkenntnisse der Studie bilden die konzeptionelle und inhaltliche Basis für das Vorsorgeportal, das aktuell in Deutsch, Französisch und Italienisch angeboten wird.

#seinodernichtsein bietet einfache Antworten auf häufige Fragen zum Thema soziale Sicherheit und besteht per Mai 2022 aus einer Community von 15 Ambassadors aus den Sparten Musik, Tanz, Theater und Bildende Kunst. Das Projekt hat schweizweit Partnerschaften mit 20 Kulturabteilungen von Kantonen respektive Städten. Bis dato haben rund 60 Beratungsgespräche mit Ambassadors stattgefunden. Die Mehrheit der beratenen Personen sind zwischen 26-35 Jahre alt und noch nicht Mitglied bei einem der Berufsverbände.

 

Après avoir mis en place #êtreounepasêtre il y a une petite année, les deux initiatrices du projet pilote, la Fondation suisse des artistes interprètes SIS et SWISSPERFORM, dressent un premier bilan et élargissent la plateforme avec une « check-list de prévoyance » digitale. En répondant à quelques questions simples sur le sujet de la sécurité sociale, les actrices et acteurs culturels obtiennent un premier aperçu les informant de leur niveau de connaissance en la matière et leur indiquant là où il serait nécessaire d’agir. Le site web existe par ailleurs maintenant aussi en anglais.

«La pratique démontre clairement que le portail répond aux besoins des actrices et acteurs culturels et que le concept convainc globalement » témoigne Yvonne Dünki, la directrice de la SIS. La Fondation suisse des artistes interprètes SIS et la société de gestion pour les droits voisins SWISSPERFORM ont fondé le portail de prévoyance #êtreounepasêtre il y a une année. Le portail est continuellement mis à jour et développé sur la base des expériences acquises et des retours obtenus. La catégorie « Questions et réponses » notamment est régulièrement enrichie de contenus en 2022.

Le portail de prévoyance #êtreounepasêtre

Le projet pilote #êtreounepasêtre, initialement prévu sur trois ans, souhaite améliorer durablement la situation des artistes par le biais de la prévention. Pour ce faire, la Fondation a mandaté une analyste avec un projet de recherche sur la sécurité sociale des artistes interprètes en 2019. Les offres existantes de la confédération, des cantons, des villes, des fondations privées ainsi que des associations et des faîtières professionnelles ont été évaluées et des lacunes mises en évidence. Les conclusions de cette étude représentent le socle, tant au nouveau de son concept que de son contenu, sur lequel est bâti le portail de prévoyance actuellement proposé en allemand, français et italien.

#êtreounepasêtre propose des réponses intelligibles à des questions fréquemment posées sur le sujet de la sécurité sociale et se compose, depuis mai 2022, d’une communauté de 15 Ambassadeur et Ambassadrices dans les domaines de la musique, de la danse, du théâtre et des arts visuels. Des partenariats ont été établis avec 20 services des affaires culturelles des cantons et des villes. Près de 60 entretiens de conseil ont eu lieu avec les Ambassadrices et Ambassadeurs jusqu’ici. La plupart des personnes demandeuses de conseils ont entre 26 et 35 ans et ne sont pas encore membres d’une association professionnelle.

 

A poco meno di un anno dal progetto pilota #essereononessere, le promotrici dell’iniziativa, la Fondazione svizzera degli artisti interpreti SIS e la SWISSPERFORM, traggono le prime conclusioni e ampliano la piattaforma con l’introduzione della „verifica sulla previdenza“ in formato digitale. Rispondendo a semplici domande sul tema della sicurezza sociale, gli operatori culturali ottengono una prima panoramica su quanto siano preparati sull’argomento e in quali ambiti sia necessario intervenire. Oltre a ciò, ora il sito web è disponibile anche in lingua inglese.

„La prassi dimostra che il portale risponde a un’esigenza degli operatori culturali e che il concetto è di base convincente“, così Yvonne Dünki, amministratore delegato della SIS. Circa un anno fa, la Fondazione svizzera per gli artisti interpreti SIS e la Società di gestione dei diritti di protezione affini SWISSPERFORM hanno lanciato il portale sulla previdenza #essereononessere. Il portale viene costantemente revisionato e sviluppato sulla base delle esperienze maturate e dei feedback raccolti. Tra l’altro la sezione „Domande & Risposte“ è stata regolarmente aggiornata anche nel corso dell’anno 2022.

Il portale sulla previdenza #essereononessere

L’obiettivo del progetto pilota #essereononessere, inizialmente limitato a tre anni, è di migliorare in maniera duratura la situazione degli/delle artisti/e attraverso la prevenzione. Al fine di individuare le misure d’intervento adeguate, nel 2019 la Fondazione ha commissionato un progetto di ricerca sulla sicurezza sociale degli artisti di teatro. Sono state esaminate le attuali offerte della Confederazione, dei cantoni, dei comuni, delle fondazioni private e delle organizzazioni professionali e di categoria e ne sono state individuate le lacune. I risultati dello studio costituiscono la base concettuale ed il contenuto del portale sulla previdenza, al momento fornito in lingua tedesca, francese ed italiana.

#essereononessere offre risposte semplici alle domande più ricorrenti sulla sicurezza sociale e, a partire da maggio 2022, è composto da una community di 15 Ambassadors provenienti dai settori della musica, della danza, del teatro e delle arti visive. Il progetto si avvale su tutto il territorio svizzero di venti partnership con i dipartimenti culturali dei cantoni e delle relative città. Finora sono stati effettuati circa 60 colloqui di consulenza con gli Ambassadors. La maggior parte delle persone che hanno richiesto una consulenza ha un’età compresa tra i 26 e i 35 anni e non è ancora membro di una delle associazioni professionali.

 

 

Figura Theaterfestival 2022: Vielseitiges Programm und inklusives Festival

Das Programm der fünfzehnten Ausgabe des Figura Theaterfestivals ist komplett! Vom Dienstag, 21. bis Sonntag, 26. Juni 2022 werden 30 Produktionen aus 14 Ländern gezeigt.

Nach zwei Jahren Pandemie ist es wieder möglich, eine reguläre Durchführung des Festivals anpeilen zu können. Trotzdem heisst das nicht, dass die Leitung des Festivals einfach so zur «Normalität» zurückkehren kann, wie Irène Howald und Eveline Gfeller betonen:

«Viel ist passiert seit unserem letzten realen Treffen im echten Figurentheater. Und jetzt ist Krieg in Europa. Gerade jetzt wollen wir festhalten an unserem Vertrauen in die Wirksamkeit dieses einzigartigen gemeinsamen Moments im Theater. Und gerade jetzt freuen wir uns noch inniger auf das Treffen mit Künstlerinnen und Künstlern aus Europa, Kanada und Australien, auf die Begegnung mit unserem Publikum, auf diese grosse verbindende Energie, die die Vorbereitung und Durchführung von FIGURA in unserem Team verbreitet.»

Für die grosse Masse und für ganz wenig Publikum Nicht zuletzt wegen der speziellen Umstände durch die Pandemie sind in den letzten zwei Jahren viele Produktionen für wenig Publikum entstanden. Deshalb stehen dieses Jahr viele Stücke auf dem Programm, die im kleinsten Rahmen stattfinden: «ReFlex» und «The Kiss» schaffen sehr intime Theater-Erlebnisse für jeweils nur 1 Person.

Nebst dem eingangs erwähnten «Human Body Parts» gibt es zwei weitere Produktionen im Öffentlichen Raum und für eine (nahezu) unbeschränkte Publikumszahl: die poetischen Roboter in der Installation «Animaltroniek: Air» (Mi 22. & Do 23. Juni) sowie die actionreiche Achterbahn «PolderCoaster» (Fr 24. & Sa 25. Juni), beide zu erleben auf dem Unteren Bahnhofplatz.

Ebenfalls viel Publikum erwarten wir bei unserem in jeder Hinsicht gewaltigen Eröffnungsstück «Moby Dick», in dem nicht weniger als 50 Puppen, 7 Spieler:innen und 3 Livemusiker:innen die berühmte Abenteuergeschichte von der Jagd auf einen weissen Walfisch erzählen. Regisseurin Yngvild Aspeli war 2012 für den Grünschnabel nominiert, 10 Jahre später ist sie nun mit der gefeierten Grossproduktion «Moby Dick» auf internationaler Tournee und macht auf dem Rückweg von Charleston (USA) über Oslo (NOR) nach Frankreich in Baden Halt.

Sieben Literaturklassiker

Nebst «Moby Dick» gibt es dieses Jahr noch weitere Literaturklassiker auf der Bühne. «Macbeth muet» und «Theatrum Mundi» beschäftigen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Stoffen von Shakespeare – die einen ohne Worte dafür in rasendem Tempo, die anderen enthüllen, inspiriert von Jacques’ Monolog in «Wie es euch gefällt», im Bauch einer Schwangeren einen barocken Mikrokosmos. Zudem warten das Festival mit einer Miniatur-Version von Mary Shelleys «Frankenstein» auf, die dazu einlädt, sich über die menschlichen Grenzen Gedanken zu machen. Für eine jüngeres Publikum eignen sich die Umsetzungen des berühmten tschechischen Märchens «O jako Otesánek – O wie kleiner Otik» (ab 8 Jahren), des preisgekrönten Comics «Un océan d’amour» (ab 7 Jahren) und – natürlich! – von «Pinocchio» (ab 6 Jahren).

Faszination für jedes Alter

Alle 30 Produktionen im FIGURA-Programm richten sich an ein erwachsenes Publikum, auch wenn rund die Hälfte davon unter dem Label «Figura Famiglia» laufen und somit für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen geeignet sind. Eines dieser Stücke ist «Rue d’Orchampt», das an drei Tagen im Bauernhaus Turgi alle ab 6 Jahren verzaubern wird. Das Publikum kann sich frei bewegen und entdeckt dabei eine magische Welt vor und hinter den Kulissen. Ein einmaliges Erlebnis für Gross und Klein! Und in «Chüssi» (ab 2 Jahren) nehmen eine Tänzerin und ein Musiker ohne Worte die Allerkleinsten und alle anderen mit auf eine Entdeckungstour.

Inklusion

FIGURA bemüht sich um ein möglichst breites Angebot für ein vielfältiges Publikum. Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Beeinträchtigungen soll der Zugang zum Programm ermöglicht oder erleichtert werden. Mit dem Release einer neuen, barrierefreien Website, haben wir dieses Jahr einen weiteren Schritt hin zu mehr Inklusion gemacht.

Manche Stücke werden übertitelt, viele sind ohne Sprache und deshalb auch ohne akustische Signale verständlich. Explizit in Gebärdensprache übersetzt werden die drei Produktionen «Goodbye Herr Muffin», «Kaffee mit Zucker» und «Körperwissen» sowie die Festivaleröffnung und die Grünschnabel-Verleihung. Bei «Moby Dick» wird eine Audiodeskription angeboten. Die meisten Spielstätten in Baden sowie das Bauernhaus Turgi sind ganz oder teilweise rollstuhlgängig.

Medienmitteilung Taskforce Culture (D/I/F)

Medienmitteilung der Taskforce Culture vom 17. Juni 2022

Zum Ende der Sommersession: Ein Ausblick auf die Herausforderungen im Kultursektor

Am 17. Juni geht die Sommersession zu Ende, ohne dass die nach wie vor spürbaren Auswirkungen der Pandemie auf die Kultur traktandiert waren. Bereits Ende Juni laufen die Ausfallentschädigungen für Kulturschaffende und Kulturunternehmen, die Finanzhilfen für Kulturvereine im Laienbereich sowie der Corona-Erwerbsersatz aus: mit Blick auf die nach wie vor noch nicht wieder erreichte Normalität im Kultursektor ein fragwürdiges Signal. Die noch bis Ende Jahr laufende Nothilfe von Suisseculture Sociale und die Unterstützung von Transformationsprojekten können die weiterhin angespannte Situation nicht vollständig ausgleichen. Der Schutzschirm für Publikumsanlässe wurde zwar bis Ende Jahr verlängert, die Verordnung wird aber nicht von allen Kantonen umgesetzt.

 

Comunicato stampa di Taskforce Culture del 17 giugno 2022

Termina la sessione estiva: uno sguardo alle sfide del settore culturale

Il 17 giugno si concluderà la sessione parlamentare estiva, ma dal suo ordine del giorno sono mancati gli effetti ancora evidenti della pandemia sul mondo della cultura. Alla fine di giugno i sostegni per gli operatori e le imprese culturali, gli aiuti finanziari per le associazioni amatoriali e l’IPG Corona verranno a decadere: un segnale discutibile se si considera che, nel settore culturale, si è ancora lontani dal ritorno alla normalità. Fino alla fine dell’anno si potrà ancora contare sugli Aiuti di emergenza erogati da Suisseculture Sociale e sul sostegno ai Progetti di ristrutturazione, tuttavia queste misure non possono, da sole, compensare del tutto la crisi che attanaglia il settore. Anche lo scudo protettivo è stato prorogato fino alla fine dell’anno, ma la direttiva non viene applicata in tutti i cantoni.

 

Communiqué de presse de la Taskforce Culture du 17 juin 2022

Aperçu des défis du secteur culturel à la fin de la session d’été

La session d’été s’est achevée le 17 juin sans que les effets, toujours perceptibles, de la pandémie sur la culture aient été mis à l’ordre du jour. Dès la fin du mois de juin, les indemnisations pour perte financière pour les artistes et les entreprises culturelles, les aides financières pour les associations culturelles amateurs, et l’allocation perte de gain sont supprimées : au vu de la situation qui n’est toujours pas revenue à la normale, c’est un mauvais signal. L’aide d’urgence de Suisseculture Sociale et le soutien des projets de transformation, qui restent en cours jusqu’à la fin de l’année, ne peuvent pas compenser entièrement la situation toujours tendue. De même, alors que le parapluie de protection a été prolongé jusqu’à la fin de l’année, tous les cantons n’appliquent pas l’ordonnance.

 

 

Erweiterung der Regionalgruppen

Die Regionalgruppe in der Ostschweiz wurde kürzlich von Szene Schweiz-Präsident Matthias Albold gegründet, Festangestellter im Schauspielensemble des Theaters St. Gallen. Bisher wurden noch keine offizielle Vertreter*innen gewählt, man hat sich aber bereits getroffen.

Die einzige bisher nennenswerte Regionalgruppe hat ihren Sitz in Zürich und umfasst die gesamte Schweiz. Eine kleine Enklave existiert bereits in Basel, in Bern gibt es aber beispielsweise noch keine Regionalgruppe. Der Wille wäre zwar vorhanden, aber um sich zu treffen, müssen Künstler*innen teure Spesen auf sich nehmen für die Anfahrt und es kostet Zeit, die meist nicht vorhanden ist. Um dieser Problematik gerecht zu werden, müsse man die Gruppen verkleinern und so könne man die Künstler*innen ortsgebunden viel besser vernetzen, meint Matthias Albold.

Man brauche aus allen grösseren Städten einen Delegierten. In der Sektion Zürich gibt es bereits vier Teile – das Opernhaus, das Schauspielhaus, das Neumarkt-Theater und die Regionalgruppe Zürich. Es ist durchaus denkbar, dass auch in Winterthur, Schaffhausen, im Aargau usw. Gruppen gegründet werden. Freischaffende würden so gesamtschweizerisch mehr Stimmen, respektive letztlich mehr Gewicht bekommen, was die Mitgliedschaft besser repräsentieren würde.

Ein weiteres Argument dafür wäre der Ausgleich zwischen den verschiedenen sprachlichen Regionen, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es im Tessin zwei Regionalgruppen, in der aufzubauenden Romandie noch gar keine und in der Deutschschweiz nur jene in Zürich.

Albold hofft für den Verband, dass sich mehr Freischaffende für die Arbeit von Szene Schweiz interessieren und sich für ihre Rechte einsetzen. Die Kommunikation würde sich besser ausbreiten, meint er, Informationen über zB. schlechte Arbeitsbedingungen oder über vertragliche Fragen würden viel schneller fiessen und Erfahrungen oder auch künstlerische Empfehlungen könnten einfach und gewinnbringend untereinander geteilt werden.

Damit entsteht mehr Teilhabe und mehr Information, mehr Wissen wird generiert und weniger Verletzungen.

Matthias Albold über die Erweiterung der Regionalgruppen

Diese Art der Modernisierung dient dem Verband und seinen Mitgliedern massgeblich. Zudem sollen gewählte Vertreter*innen Zugriff auf ein Postfach erhalten um so die Interaktion zu fördern und eine offene Kommunikation zu kreieren. Damit kein „Bashing-Insturment“ entsteht, gibt es keine Person mit Oberhoheit, sondern ein*e Moderator*in übernimmt die Koordination und schafft so eine vertrauenswürdige Kommunikations-Basis. Damit entsteht mehr Teilhabe und mehr Information, mehr Wissen wird generiert und weniger Verletzungen.

Der Theater-, Performance- und Musikbereich leidet oft unter der Verbreitung von Halbwahrheiten. Albold erhofft sich die Initiative, dass bei einem Vorfall beispielsweise an einem Haus in der jeweiligen Regionalgruppe darüber diskutiert wird, ein Verhaltenskodex erarbeitet und unterschrieben wird, nachdem sich dann alle richten (welche zB. die Abmachung, kein Angebot anzunehmen ohne Vertrag, beinhalten würde). Besonders in der freien Szene ist das wichtig, anders als bei den festangestellten Personen. Albold möchte diese Situation verbessern, eine Form der Solidarität schaffen oder sogar dem einen oder anderen Projekt, dass sich über die Gewerkschaft ergibt, den Boden schaffen.